Liebe Leserin, lieber Leser,

in der Schriftlesung heißt es heute:
…sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk…. (aus Apg 2,42-47)

Eine ideale Beschreibung der ersten Gemeinde.
Einmütigkeit.
Freude.
Lauterkeit des Herzens.
Lobpreis.

Zu schön, um wahr zu sein!?

Wie sieht es in unseren Familien, Gemeinschaften und Gemeinden aus?
Wie geht es mir beim Lesen dieser Zeilen?
Hat es vielleicht schon beim Frühstück eine Auseinandersetzung gegeben?
Habe ich heute schon Gemeinschaft erlebt oder dazu beigetragen?
Ist mir schon ein Gedanke oder Wort der Dankbarkeit über die Lippen gekommen?

Was bedeutet für mich Gemeinschaft? Eine Antwort könnte lauten: Zusammenhalt in gegenseitiger Liebe und Hilfsbereitschaft.
Diese Definition gefällt mir, kommt darin doch zum Ausdruck: Mir wird geholfen und ich kann mich einbringen. Ich denke, darin liegt ein erstes Angebot für diesen Tag, denn beides müssen wir üben.

Und ein zweites: Gemeinschaft (er)leben. Auch das bedarf der Einübung. Denn echtes Leben vermehrt sich!

Mit dem vorliegenden Impuls endet die Reihe der österlichen Impulse. Ich bedanke mich für Ihr Interesse und die positiven Rückmeldungen.
Bewahren Sie sich die Freude des Herzens und vergessen Sie bitte unsere Gemeinschaft von Königsmünster nicht.

Mit folgenden Gebetsworten wünsche ich Ihnen frohe und gesegnete Begegnungen.

Bekleide uns mit deiner Gnade,
erfülle uns mit deiner Liebe
und führe uns den Weg zur Vollkommenheit. 

Ihr
+ Aloysius Althaus OSB

 

Im Advent 2021 werden wir die Reihe der täglichen Impulse wieder aufnehmen. Wenn Sie die Impulse als E-Mail-Newsletter empfangen möchten, nutzen Sie bitte den Anmeldelink rechts auf dieser Seite.

Denn euch und euren Kindern gilt diese Verheißung und allen, die fern sind, so viele der Herr, unser Gott, herzurufen wird. (aus der Apostelgeschichte 2,37-41)

Im antiken Pantheon in Rom, das heute eine Kirche ist, gibt es an Pfingsten einen schönen Brauch. Um das Ausgießen des Heiligen Geistes darzustellen, werden am Ende des Pfingstgottesdienstes durch die Öffnung der Dachkuppel Rosenblätter in die Kirche gestreut, die dann in einem duftenden Blütenregen zu Boden fallen.
Ein ganz ähnliches Bild gibt es in dem Film „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ von Marc Rothemund aus dem Jahr 2005. Im Lichthof der Ludwig-Maximilians-Universität in München lassen die Mitglieder der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ Flugblätter zu Boden regnen. Es ist nur eine Filmszene, aber sie ist tatsächlich so ähnlich in Wirklichkeit passiert. Nach dieser Aktion wurde die Gruppe durch die Nationalsozialisten zerschlagen, ihre Mitglieder festgenommen, verurteilt und ermordet. Wenn man heutzutage im Lichthof der Universität steht, kann man sich gut vorstellen, wie das damals alles geschah. Der Ort ist äußerlich unverändert.

Es ist schon seltsam: Damals, im Februar 1943 schien alles so, als ob es vorbei wäre. Die Mühen und Hoffnungen der Gruppe gescheitert, zerstört. Kein guter Anfang, so scheint es.
Und doch ist die Saat, die Saat der Flugblätter, aufgegangen, und als die Blätter am Boden angekommen waren, hatten sie die Welt verändert.
Steht man im Lichthof, erlebt man um sich herum junge freie Menschen, die von ihrem Morgen träumen. Der Traum der Weißen Rose vom Wintertag 1943 ist zu ihrer Wirklichkeit geworden.
Pfingsten ist die Geburtsstunde der Kirche, der Gemeinschaft. Es ist aber auch der Moment, in dem die Verheißung ausgesät wurde. Eine Verheißung, die wir säen sollten und die wir wachsen lassen können, deren Früchte aber für das Morgen bestimmt sein werden.

Br. Balthasar Hartmann OSB

„So wisse nun das ganze Haus Israel gewiss, dass Gott diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zum Herrn und Christus gemacht hat.“ (Apg 2, 36 – ganze Lesung: Apg 2,29-36)

Wie eine feierliche Proklamation hört es sich an, was uns die Apostelgeschichte hier vor Augen führt! Zum Ende der Osterzeit erinnert sie uns nochmal daran: der Mensch hat diesen Jesus gekreuzigt – Gott hat ihn auferweckt. Der Mensch hat ihn klein gemacht – Gott hat ihn groß gemacht.

Wiederholt sich dies nicht in unserer Geschichte? Der Mensch wird immer wieder vom Menschen klein gemacht – aber Gott macht ihn groß. Ja, wie oft habe ich das schon persönlich erlebt, dass man mich klein machen wollte, aufs Kreuz legen wollte, mundtot machen wollte… Doch dieser Gott will dem Menschen immer wieder Ehre und Ansehen verschaffen – ausnahmslos jedem! Das ist uns in und durch Jesus Christus versprochen. Vergessen wir es nie! Gerade dann nicht, wenn uns wieder jemand klein machen will. ER macht mich groß!

P. Jonas Wiemann OSB

Gott aber hat ihn von den Wehen des Todes befreit und auferweckt. (Apg 2,23 – ganze Lesung: Apg 2,22-28)

Ich halte den Herrn beständig vor Augen. Denn er steht mir zur Rechten, dass ich nicht wanke. (Ps 16,8)

Das zweite Kapitel der Apostelgeschichte beschreibt einen bedeutenden Wesenszug Gottes: Gott ist der, der rettet. Wir alle sind demnach Gerettete.

Gottes machtvolles Handeln wurde in der Auferweckung Jesu sichtbar. Gott erwies sich als eindeutiger Retter. Auch wir Menschen dürfen getrost sein, dass Gott uns rettet. Gott wählt immerfort das Leben. Auch wir werden von unserem Tod befreit. Das rettende Handeln Gottes ist bereits jetzt schon unser stetiger Begleiter. Zu unserer Rechten geht Gott alle Wege mit uns mit. Unterpfand dieser permanenten Präsenz zu unserer Rechten ist der in uns wohnende Heilige Geist. Die jetzige Pfingstnovene möge uns daran erinnern, dass wir auf Gott bezogen sind, ER unser Gefährte ist. Letztlich kann uns nichts ins Wanken bringen. ER bleibt unsere Urstabilität.

Br. Emmanuel Panchyrz OSB

14 Da trat Petrus auf, zusammen mit den Elf; er erhob seine Stimme und begann zu reden: Ihr Juden und alle Bewohner von Jerusalem! Dies sollt ihr wissen, achtet auf meine Worte! 15 Diese Männer sind nicht betrunken, wie ihr meint; es ist ja erst die dritte Stunde am Tag; 16 sondern jetzt geschieht, was durch den Propheten Joël gesagt worden ist: 17 In den letzten Tagen wird es geschehen, so spricht Gott: Ich werde von meinem Geist ausgießen über alles Fleisch. Eure Söhne und eure Töchter werden prophetisch reden, eure jungen Männer werden Visionen haben und eure Alten werden Träume haben. 18 Auch über meine Knechte und Mägde werde ich von meinem Geist ausgießen in jenen Tagen und sie werden prophetisch reden. 19 Ich werde Wunder erscheinen lassen droben am Himmel und Zeichen unten auf der Erde:/ Blut und Feuer und qualmenden Rauch. 20 Die Sonne wird sich in Finsternis verwandeln und der Mond in Blut, ehe der Tag des Herrn kommt, der große und herrliche Tag. 21 Und es wird geschehen: Jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden.

(Apg 2,14-21)

Oder doch eher so – damals und heute …?!?

„Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle Jünger am gleichen Ort. Sie freuten sich, beieinander zu sein. Sie frischten Erinnerungen an Jesus auf; sie erzählten sich dies und jenes und dachten daran, wie schön es gewesen war, als er noch bei ihnen war. Die Fenster öffneten sie nur gelegentlich, um ein wenig zu lüften.

In den Straßen um ihr Haus herum tummelten sich an diesem Tag Leute aus aller Herren Länder. Sie unterhielten sich über vieles, manche auch über Jesus und seine Anhänger: „Man hört nichts mehr von der Sache. Sie scheint sich erledigt zu haben!“ Sie gingen weiter, ohne etwas Besonderes erlebt zu haben – der Pfingsttag, ein Tag wie jeder andere.

In der kleinen Gruppe aber hielt Petrus eine Rede: „Liebe Freunde in der Erinnerung an Jesus! Inzwischen haben wir uns daran gewöhnt, dass unser Freund Jesus nicht mehr bei uns ist. Von denen, die ihn getötet haben, haben wir nichts mehr zu befürchten. Langsam hat sich alles beruhigt. Warum sollten wir von der Sache wieder anfangen? Wir haben unsere Ruhe. Das ist gut so, das soll so bleiben! Ab und zu wollen wir uns treffen, um das Andenken an ihn in Ehren zu halten. Im Übrigen soll alles so bleiben, wie es ist. Das ist für uns alle das Angenehmste. Fremde können in unserer Gruppe nur stören.“

Die Jünger trafen sich noch öfters, aber irgendwann fingen sie an, sich zu langweilen. Mit den Jahren starben sie. So ging die Sache Jesu zu Ende. Man redete nicht mehr viel darüber, denn Belanglosigkeiten haben das gleiche Schicksal wie Eintagsfliegen.“

(Autor unbekannt)

Bald ist Pfingsten. Was feiern wir? Dass irgendwann der Geist geweht hat – oder auch nicht? Dass er heute noch weht – oder auch nicht?

Dass wir gar nicht mitbekommen, dass der Geist weht?

„Eure Jungen werden Visionen haben und Eure Alten Träume.“ Und wir möchten gerne alles so haben und behalten wie immer. Gottes Geist wird ausgegossen und prophetisch wird geredet. Na ja, zumindest damals. Wir verschließen lieber die Türen …

P. Guido Hügen OSB

Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war, waren alle zusammen am selben Ort. (Apg 2,1 – ganze Lesung: Apg 2,1-13)

Wenn in der heutigen Tageslesung, die wir am Sonntag wieder in unseren Kirchen hören werden, vom „Tag des Pfingstfestes“ die Rede ist, dann ist damit mitnichten unser christliches Pfingsten oder ein „Geburtstag der Kirche“ gemeint, Das gab es nämlich zur Zeit, von der hier erzählt wird, noch nicht. Der deutsche Name „Pfingsten“ ist schlicht und einfach eine Ableitung vom altgriechischen „pentekoste“ (fünfzig), und meint den 50. Tag nach dem Pessachfest, an dem gläubige Juden bis heute das sog. Wochenfest „Chag Schawuot“ feiern. Ohne jüdisches Wochenfest kein christliches Pfingsten – das muss gerade in Zeiten des wachsenden Antisemitismus deutlich betont werden.

Das Wochenfest, das ursprünglich in einem landwirtschaftlichen Kontext stand und den Beginn der Weizenernte markiert (vgl. Ex 34,22), erinnert gläubige Juden an ein zentrales Ereignis ihrer Heilsgeschichte: die Übergabe der Tora, des Gesetzes von JHWH, auf dem Sinai (vgl. Ex 34,28). Das ist nicht ein einfacher juristischer Vertragsabschluss, sondern die Besiegelung einer dauernden Liebesgeschichte: JHWH und Israel versprechen sich gegenseitig ewige Treue.

Zum Wochenfest pilgerten zur Zeit der Abfassung der Apostelgeschichte fromme Juden zum Jerusalemer Tempel. Das erklärt die Aufzählung der verschiedenen Sprach- und Kulturgruppen, die in Apg 2,9-11 erwähnt werden und für jede*n Lektor*in eine Herausforderung darstellen. „Wir hören sie in unseren Sprachen die großen Taten Gottes verkünden.“ Menschen werden ihrer fundamentalen Einheit gewahr, ohne dass diese Einheit zur Einförmigkeit wird, denn die verschiedenen Sprachen in ihrer Vielfalt bleiben. Sie werden aber nicht zum Hindernis und Sprachenwirrwarr. So viel Einheit in Vielfalt war den Menschen wohl schon damals suspekt, und ihre Reaktion besteht in Ratlosigkeit, Entsetzen bis hin zu Spott: “Sie sind voll süßen Weins.“ (Apg 2,13)

Beide Feste, das jüdische Schawuot und das christliche Pfingsten, haben für mich mit einem Traum, einer Vision zu tun: der Vision, dass menschliches Verstehen, auch über Sprach-, Konfessions- und Religionsgrenzen hinweg möglich ist. Und dass überall da, wo Terror, Hass und Gewalt an der Tagesordnung sind, dem lautstark widersprochen werden muss. Gerade Antisemitismus, wie er sich in den letzten Tagen gezeigt hat, darf keinen Platz in Deutschland und anderswo haben!

P. Maurus Runge OSB

Impuls zu Apg 1,15-26

Die Nachwahl des Matthias findet statt, um die Zahl der zwölf Apostel nach dem Tod des  Judas Iskarioth wieder herzustellen. Diese Zwölferzahl repräsentiert die Gesamtheit des Volkes Israel. Keiner von den Stämmen Israels soll verlorengehen. Und im Fortlauf der Apostelgeschichte werden die Apostel in alle Welt gesandt. Damit weitet sich die Zwölferzahl auf die ganze Welt. Es ergeht der Missionsbefehl an alle Welt.

Der Apostel Matthias wird in Trier verehrt. Er soll uns das Evangelium gebracht haben. Das kann uns in besonderer Weise mit dieser Textstelle in Verbindung bringen.

Br. Benjamin Altemeier OSB

Geht nicht weg von Jerusalem, sondern wartet auf die Verheißung des Vaters.
(Apg 1,4 – ganze Lesung: Apg 1, 1-14)

Im Moment blicken wir wieder mal bange nach Jerusalem und in das Heilige Land. Wieder einmal scheint ein Krieg kurz bevorzustehen. Die Heilige Stadt, Heimat dreier großer Weltreligionen, kommt nicht zum Frieden.
Manchmal fragt man sich, warum es denn so schwer sein muss, endlich einen gemeinsamen Frieden zu finden.
Doch sind wir mal ehrlich mit uns selber: Wann haben wir selbst denn einmal wirklich inneren Frieden und sind ausgesöhnt? Auch uns fällt es schwer Frieden zu finden oder sich mit jemandem auszusöhnen. Landen wir in einem Konflikt oder im Strom unserer Verletzungen, dann sind wir oft auf Krawall gebürstet, oder wir wollen manchmal auch vor lauter Wut einfach alles hinschmeißen und weglaufen.
Der Heilige Benedikt rät uns im Prolog seiner Regel, nicht immer gleich zu fliehen, wenn wir einmal wieder von unseren Emotionen übermannt werden.  Und daran ist etwas Wahres dran. Emotionen sind gut, und es kann uns helfen, sich in sie zu stürzen oder dorthin zu fliehen. Aber am Ende ist es doch immer besser, einen friedlichen Weg zu finden oder zumindest einen Pfad, der uns alle in eine friedvolle Zukunft führen wird.
Jerusalem bedeutet nicht nur endlose Konflikte, Hass und Gewalt, es ist der Ort, an dem alles geschehen ist und alles geschehen wird. Drei große Religionen legen darüber Zeugnis ab.  Wir alle sollten dort aushalten, um das erfahren zu dürfen.
Hoffen wir im Weg auf Pfingsten zu, dass man im Heiligen Land diesen Pfad der Hoffnung und Verheißung finden wird, und wünschen wir uns alle Frieden.
Wir sehen uns in Jerusalem!

Salam, Shalom, Pace!

Br. Balthasar Hartmann OSB

1 Der HERR ist mein Licht und mein Heil: Wen sollte ich fürchten?
Der HERR schützt mein Leben: Vor wem sollte ich bangen?
(…)
4 Eines erbat ich vom HERRN, danach verlangt mich: im Haus des HERRN zu wohnen alle Tage meines Lebens, die Freundlichkeit des HERRN zu schauen und nachzusinnen in seinem Tempel.
5 Er birgt mich unter seinem Dach am Tag des Unheils, er beschirmt mich im Schutz seines Zeltes, er hebt mich empor auf den Felsen.
(…)
7 Höre, o HERR, den Ruf meiner Stimme, sei mir gnädig und gib mir Antwort!
8 Mein Herz denkt an dein Wort: „Suchet mein Antlitz! Dein Antlitz, o HERR, will ich suchen.
9 Verbirg mir nicht dein Antlitz, weise deinen Knecht nicht im Zorne zurück, du hast mir doch immer geholfen. Verstoß mich nicht, verlass mich nicht, du Gott meines Heiles.
(…)
13 Ich aber glaube fest: Die Güte des HERRN werde ich schauen im Land der Lebenden.
14 Harre auf den HERRN und sei stark, fasse Mut und harre des HERRN.

(Psalm 27 – Übersetzung: Münsterschwarzacher Psalter)

Schaut hin – so lautet das Motto des 3. Ökumenischen Kirchentages, der derzeit digital und dezentral stattfindet. Schaut hin. Schaut genau hin, hinterfragt, nehmt wahr! Aufforderung nicht nur in Zeiten von Fake-News und Populismus. Aufforderung zur Achtsamkeit und zur Wertschätzung.

Der Blick in die Bibelstelle des Mottos, Mk 6,38, zeigt noch eine weitere Perspektive. Angesichts der hungrigen Menschen fordert Jesus die Jünger auf nachzuschauen, was sie denn noch zu essen haben. Der Blick auf das Kleine, auf das ganz Eigene ist gefragt. Was sehe ich denn bei und in mir – das ich teilen, mit-teilen, weitergeben kann. Brot, Glauben, Hoffnung. Das wenige reicht.

Der Psalm 27, der heutige Text der Bibellesung, dringt noch tiefer. „Sucht mein Angesicht!“ (Ps 27,8) Schaut auf mich – und lasst euch von mir anschauen. Bei mir findet ihr Kraft, Geborgenheit, Hilfe, Leben.
Als wir uns 1984 diesen Psalmvers für unsere Zeitliche Profess auswählten, mahnte uns damals Pater Michael mit dem Wort an Moses: „Du kannst mein Angesicht nicht sehen; denn kein Mensch kann mich sehen und am Leben bleiben.“ (Ex 33,20)

Mit Jesus hat sich das grundlegend geändert. Gott wird Mensch und nimmt das Gesicht, den Körper eines Menschen an. Von Angesicht zu Angesicht schaut er dem Menschen in die Augen und ins Herz.

Lasse ich mich anschauen?
Halte ich dem Blick stand?
Schaue ich selber hin?
Was entdecke ich im Blick Gottes?

Harre auf den HERRN und sei stark, fasse Mut und harre des HERRN.

P. Guido Hügen OSB

Öffne deinen Mund für den Stummen, für das Recht aller Schwachen! Öffne deinen Mund, richte gerecht, verschaff dem Bedürftigen und Armen Recht. (Spr 31,8-9 – ganze Lesung: Spr 31,1-9)

Immer wieder gibt es die Diskussion, ob Religion Privatsache sei. Oder: Muss Religion politisch sein? Wenn wir den Abschnitt aus dem Buch der Sprichwörter ernst nehmen, stellt sich diese Frage nicht. Religion – und speziell auch das Christentum –  hat anwaltliche Funktion. Sie muss auf Missstände hinweisen und sich einmischen. Überall wo Unrecht herrscht und Unterdrückung geschieht, wird dem Reich Gottes Gewalt angetan. Da ist Kirche gefordert. Aber nicht nur die Kirche als Institution, sondern ein jeglicher Christ. Dort wo wir Unrecht wahrnehmen, dürfen wir nicht schweigen. Da wo wir Unrecht wahrnehmen, dürfen wir nicht warten. Warten auf das, was andere denken, warten, bis es eine offizielle Mitteilung gibt. Ich wünsche mir Christen und ich wünsche es mir bei mir selbst, dass wir uns einmischen, da wo Unrecht geschieht. Dass wir die Angst überwinden. Ziel für uns Christen ist es, MitarbeiterInnen der Gerechtigkeit zu sein.

Br. Benjamin Altemeier OSB