„Adsum“ – „Hier bin ich“. Diese Worte standen am Beginn der Priesterweihe unseres Mitbruders Vincent Grunwald OSB, der am Sonntag, den 12. September 2021, um 15.30 Uhr in der Abteikirche durch Erzbischof Hans-Josef Becker von Paderborn geweiht wurde. Sie drücken die grundsätzliche Bereitschaft des Weihekandidaten zum priesterlichen Dienst aus, seine Zusage, sich ganz in den Dienst Gottes, in seine Nachfolge zu stellen.
Nachdem die Feierliche Profess und die Diakonatsweihe im letzten Jahr bedingt durch die Pandemie in einem kleineren Rahmen stattfanden, bestand nun die Möglichkeit, die Priesterweihe mit mehr Gästen zu feiern. Einen persönlichen Akzent bekam die Feier dadurch, dass sowohl Erzbischof Becker als auch P. Vincent gebürtig aus Belecke stammen. So waren neben der Familie von Br. Vincent auch viele aus seiner Heimatgemeinde in der Abteikirche anwesend, ebenso viele Weggefährtinnen und Weggefährten, die ihn auf seinem Weg begleitet haben.

Anrufung des Hl. Geistes

Für seinen priesterlichen Dienst hat sich Bruder Vincent ein Wort aus dem Lukasevangelium als Motto gewählt: „Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht aufhöre. Und du, wenn du dann umkehrst, stärke deine Brüder.“ (Lk 22,32) Voraussetzung jedes kirchlichen Dienstes ist die tägliche Umkehr, wie sie Bruder Vincent in der Feierlichen Profess versprochen hat. Das Gebet stärkt den neuen Amtsträger dabei, sodass er dann wiederum die ihm anvertrauten Menschen stärken kann. In diesem Kreislauf spielt sich jede Berufung ab.

Prostratio während der Allerheiligenlitanei

In seiner Predigt nahm Erzbischof Becker Bezug zu dem, was den Weihekandidaten und den Bischof miteinander verbindet: die Liebe zur Musik – Bruder Vincent spielt seit seiner Kindheit Orgel und begleitet im Kloster das Stundengebet. Ausgehend von einem Wort des hl. Ignatius von Antiochien – „Nehmt Gottes Melodie in euch auf“ – sprach er davon, dass es die Berufung eines Menschen sei, die je persönliche Lebensmelodie, die Gott ihm zugedacht habe, aufzunehmen und zu entwickeln. Damit sich alle einzelnen Lebensmelodien zu einer harmonischen Sinfonie entwickeln, brauche es den Part Gottes, der alles zusammenklingen lässt.

Handauflegung

Am Beginn der eigentlichen Weiheliturgie wurde die Bereitschaft des Kandidaten durch einige Fragen konkretisiert: „Bist du bereit, den Dienst am Wort Gottes treu zu erfüllen?“ – „Bist Du bereit, den Notleidenden und Armen beizustehen?“ Anschließend erneuerte Br. Vincent sein Gehorsamsversprechen, das er im letzten Jahr in der Feierlichen Profess abgelegt hatte. Bei der Allerheiligenlitanei und dem Weihegebet lag der Weihekandidat lang ausgestreckt auf dem Boden der Abteikirche – ein Zeichen der Ganzhingabe im Dienst an Gott und den Menschen. Die Handauflegung des Bischofs und aller anwesenden Priester bildete das Zentrum der Liturgie: die Gaben des hl. Geistes werden auf den Neupriester herabgerufen, und er wird in die Gemeinschaft aller Priester aufgenommen. Schließlich wurden P. Vincent die priesterlichen Gewänder angelegt, seine Hände wurden mit Öl gesalbt, und er erhielt Brot und Wein, wobei der Erzbischof die folgenden Worte sprach: „Empfange die Gaben des Volkes für die Feier des Opfers. Bedenke, was du tust, ahme nach, was du vollziehst, und stelle dein Leben unter das Geheimnis des Kreuzes.“ Nach dem Friedensgruß assistierte der Neupriester bei der Eucharistiefeier. Einen besonderen Akzent erhielt die Feier durch die musikalische Begleitung von Schwester Theresita Maria Müller vom Bergkloster Bestwig, die während der Liturgie mehrere Stücke auf der Harfe spielte – auch ihr sei an dieser Stelle herzlich gedankt.

Weihegebet

Im Anschluss an die Liturgie konnten bei einem Empfang auf dem Kirchplatz alle Anwesenden dem Neupriester ihre Glückwünsche übermitteln, bevor der Tag mit einem Festessen im AbteiForum ausklang. Wir gratulieren P. Vincent zu seiner Priesterweihe und wünschen ihm Gottes Segen für seinen weiteren Dienst!

P. Vincent bei der Eucharistiefeier

Beten heißt nicht, sich selber reden hören, sondern heißt dahin kommen, dass man schweigt, und im Schweigen verharren, und harren, bis der Betende Gott hört.

Dieser Text aus den „Kleinen Schriften“ (1848/49) von Sören Kierkegaard stand am Anfang einer interreligiösen Meditation, die am Donnerstag, den 9. September 2021, um 19.00 Uhr in der Abteikirche Königsmünster stattfand. Seit September 2016 laden die Schwestern der hl. Maria Magdalena Postel an verschiedenen Orten der Region regelmäßig zu diesen interreligiösen Treffen ein. Schwester Maria Ignatia Langela, die Initiatorin dieser Begegnungen sagt: „Wir wollen Brücken bauen und Hindernisse beseitigen, um Zugang zu andern Menschen, anderen Ebenen, anderen Religionen, Anders-Gläubigen zu ermöglichen und in dieser Gemeinschaft die natürlichste und einfachste Form des gemeinsamen Betens erfahren – im gemeinsamen Schweigen. … Willkommen sind alle, die eine Sehnsucht nach Transzendenz oder ein Gespür dafür haben.“ Der Interreligiöse Dialog ist auch für unsere Abtei ein wichtiges Anliegen – so ist unser Prior, P. Cosmas Hoffmann, schon lange im „Monastischen Interreligiösen Dialog“ (DIM-MID) tätig, der sich vor allem mit den spirituellen Traditionen der verschiedenen Religionen beschäftigt und darüber Anknüpfungspunkte für Begegnung und Austausch sucht.

Neben der Lesung eines Textes aus der Tradition einer Religion steht bei den Meditationsabenden vor allem eine längere Zeit des gemeinsamen Schweigens im Vordergrund, die mit meditativer Musik ausklingt. Ein Segensgebet und das gemeinsame Lied „Ubi caritas et amor, Deus ibi est“ (Wo die Güte und die Liebe wohnt, da ist Gott) haben den Abend in der Abteikirche beschlossen.

Die nächste Meditation findet am 11. November 2021 um 19.00 Uhr in der Martin-Luther-Kirche in Olsberg statt. Wir freuen uns, im nächsten Jahr wieder Gastgeber eines Abends sein zu dürfen. Er wird am 8. September 2022 stattfinden.

Abteiladen Olsberg unterstützt Aktion Lichtblicke von Radio Sauerland

Als im Juli die schlimmen Bilder der Flutkatastrophe in Deutschland um die Welt gingen, war unseren Mitarbeiterinnen im Abteiladen Olsberg sofort klar: „Da müssen wir etwas unternehmen!“ So entschlossen sich Brigitte Frings, Silvia Büscher und Bettina Schulte vom Ladenteam, eine Sammeldose aufzustellen und um Spenden für die Betroffenen der Flut zu bitten. Mittlerweile sind zusammen mit einer kleinen Unterstützung der Mitarbeitenden auf dem Klosterberg € 1.160,- zusammengekommen. Bruder Antonius von der Klosterverwaltung hat diesen Betrag aus Mitteln des Katastrophenfonds der Abtei auf € 1.500,- aufgestockt. Dieser Fond speist sich aus dem jährlichen Verkauf der Wohlfahrtsmarken und unterstützt vor allem Projekte in der Region.

Brigitte Frings, die Leiterin des Olsberger Abteiladens, erzählt: „Meine beiden Kolleginnen und ich freuen uns sehr über diesen Betrag, den wir hier im Brotladen für die Flutopfer sammeln konnten. Wir haben überhaupt nicht damit gerechnet, dass so viel Geld zusammen kommen würde.“ Das Geld kommt der Aktion Lichtblicke von Radio Sauerland zugute, wo unter dem Motto „Wir in NRW – zusammen stark“ seit Beginn der Katastrophe für die von der Flut betroffenen Menschen gesammelt wird.

Vielen Dank an unsere Mitarbeiterinnen für diese gute Aktion!

Am Sonntag, den 12. September 2021, wird Erzbischof Hans-Josef Becker unseren Bruder Vincent Grunwald OSB zum Priester weihen. Die Liturgie beginnt um 15.30 Uhr. Das Konventamt um 9.30 Uhr entfällt.

Wegen der weiterhin geltenden Abstandsregelungen können wir nicht garantieren, dass neben den eingeladenen Gästen alle, die an der Liturgie teilnehmen möchten, einen Platz in der Kirche bekommen.  Es besteht die Möglichkeit, die Weihe über den Livestream zu verfolgen.

Wir bitten um Ihr Verständnis!

 

von P. Klaus-Ludger Söbbeler OSB

„Mensch, – öffne dich!“

Es gehört zu den wirklich schönen Seiten meines Lehrerberufs, manchmal miterleben zu dürfen, wie jemand von Taubheit und Stummheit geheilt wird. Fast in jeder Lerngruppe stößt man auf den einen oder anderen Schüler, der offenkundig „nichts mitbekommt“ und, sauerländisch gesprochen, „die Zähne nicht auseinanderkriegt“. Jeder Versuch, daran durch gutes Zureden oder durch mehr oder weniger starken Druck etwas zu ändern, läuft monate-, manchmal jahrelang ins Leere. Garantiert völlig fruchtlos bleibt der berüchtigte Elternsprechtagssatz: „Er/sie muss mündlich besser werden.“ Im Gegenteil: Je verbissener man als Lehrer versucht, auf jemanden einzureden, desto verschlossener wird er.

Denn: Wer nicht hören und sprechen kann, hat Angst und hat das Vertrauen verloren.
Da braucht es Zuwendung und den langen Atem, der sich auch dann nicht entmutigen lässt, wenn nichts zu helfen scheint. Helfen wird da nur eins: Daran glauben, dass jemand mehr ist und kann, als er sich zu zeigen traut. Und oft, völlig überraschend und meist in einem Zusammenhang, in dem man nicht damit gerechnet hätte, sieht man einer solchen Schülerin, einem solchen Schüler auf einmal an, dass er/sie zuhört, dass er/sie aufnimmt, was sich abspielt. Und schließlich, im nächsten Schritt, redet sie/er mit, macht sein/ihr Wort. Auf einmal sitzt da nicht mehr ein Menschlein, das herumsitzt wie ein geprügelter Hund, sondern da steht jemand, der einem in die Augen schaut und ein wirkliches Gegenüber ist. Es ist buchstäblich „wunder“bar, wenn man so etwas erleben darf und vielleicht ein bisschen dazu beigetragen hat.

Wie Jesus ein solches Wunder bewirkt, davon erzählt der gerade gelesene Abschnitt aus dem Markusevangelium. Ganz sicher verfügte Jesus über so etwas wie eine „therapeutische Naturbegabung“. Aber das wirkliche Geheimnis hinter dem Gelingen dieser Heilung liegt darin, dass Jesus diesem Menschen die Angst nahm, nur Unerträgliches zu hören zu bekommen und sowieso von niemandem gehört zu werden. Jesus gab ihm die Er-innerung daran zurück, dass der allererste Satz, der ihm gesagt worden ist ein bedingungsloses „JA“ gewesen ist: Ja, ich, Gott, will dass es dich gibt, dich, so wie du bist. Und: Ich, Gott, warte seitdem darauf, dass du endlich antwortest. Egal wie lange es dauert, ich lasse mich von meinem Vertrauen zu dir nicht abbringen, auch wenn Du dich bis zur Verstocktheit betäubst und meinst, du könntest nur stumm und stotternd am Rand des Geschehens herumsitzen.

Taubheit und Stummheit zu heilen, setzt voraus, ohne Wenn und Aber daran festzuhalten, dass der innerste Kern meiner selbst und jedes Menschen in diesem einen besteht: Ich bin, du bist von Gott gewollt und dazu ins Leben gekommen, dass sich deine Begabung zum Lieben, zum Hören, zum Sprechen und zum Handeln entfaltet. Ja, es stimmt, dass ich mir selbst und meinen Menschenschwestern und –brüdern geschenkt bin, um mit ihnen in lebendiger und liebender Beziehung, im Wechselspiel von Hören und Antworten zu leben.

Die gegenwärtige Weltlage, die gesellschaftliche und nicht zuletzt unsere kirchliche Situation kann einen stumm machen, kann einen dazu treiben sich so zu betäuben, dass man nichts mehr mitbekommt. Auch hier merken wir: Den Druck und die Betriebsamkeit immer mehr erhöhen, macht nur noch tauber und stummer. Immer schmerzhafter wird dann, dass wir vor lauter Tumult in uns und um uns einander nicht hören können und wollen und dass das Durcheinander einem die Sprache verschlägt.

Hier ist gefragt, sich an dem zu orientieren, was Jesus für den Taubstummen tut: Beiseite gehen, um sich dem Bann des „Drunter und Drüber“ zu entziehen. Einen Menschen so berühren, dass er seine Angst hinter sich lassen kann, um den Blick auf Gott zu richten, der in seinem Innersten auf ihn wartet und ihm so vermitteln, dass in dem Wort „Effata“: – „Öffne dich“ – nicht Bedrohung und Überforderung stecken, sondern Erlösung und Befreiung.

So kann geschehen, was wir in der gegenwärtigen Drucksituation grundlegend brauchen: Sogleich öffneten sich seine Ohren, seine Zunge wurde von ihrer Fessel befreit und er konnte richtig reden.

Diese Dimension unseres Glaubens ist jeder und jedem von uns in der Taufe zugesprochen. Zur Feier der Taufe gehört unter anderem der „Effata-Ritus“, der offensichtlich dem heutigen Evangelium nachgebildet ist: Der Taufende berührt den Täufling am Ohr und am Mund und sagt dazu: „Effata, Mensch, tu dich auf!“

Das ist der Zuspruch und Anspruch der Taufgnade, in deren Kraft jede Christin und jeder Christ den Weg durchs Leben gehen darf: Mensch, öffne dich und höre mit dem Ohr deines Herzens, dass Gott vor allem anderen „JA“ zu dir gesagt hat. – Mensch, öffne dich und sag‘ deinen Menschenschwestern und –brüdern dieses göttliche Grundwort, aus dem du selber lebst: JA, es ist gut, dass es dich gibt.

15 Pilgerinnen und Pilger wanderten am Sonntag, den 5. September 2021, von Kloster zu Kloster. Start war um 10.00 Uhr am Bergkloster in Bestwig. Unterwegs feierte P. Maurus mit der Gruppe einen Gottesdienst in Etappen unter freiem Himmel. So kamen beim Kyrieritus mitten in den Weihnachtsbaumplantagen der Aspekt der bedrohten Schöpfung und die Spannung zwischen Tradition und Ökologie zur Sprache. Am Ostenberg, dem höchsten Punkt der Wanderung, feierte die Gruppe Eucharistie. In der Veleda-Höhle in Velmede erfuhren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Wissenswertes zur geologischen Geschichte des Sauerlandes. Pünktlich zum Vespergeläut erreichte die Gruppe um 17.30 Uhr den Klosterberg in Meschede.

Der spirituelle Wanderweg von Kloster zu Kloster ist ein gemeinsames Projekt der Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel und der Benediktiner der Abtei Königsmünster. Der Weg wird zurzeit offiziell ausgeschildert und über das Projekt „LEADER – 4 mitten im Sauerland“ finanziell gefördert. Zweimal jährlich bieten die beiden Ordensgemeinschaften geführte Wanderungen an.
Entlang der 15 Kilometer langen Tageswanderung gibt es zehn spirituelle Impulse. Sie laden zum Nachdenken über das eigene Leben ein. Weitere Informationen gibt die Seite www.von-kloster-zu-kloster.de.

Fotos: Ulrich Bock / SMMP

„Geht hinaus in alle Welt!“ Dieser Auftrag Jesu, den wir am Ende des Matthäusevangeliums finden, ist für uns Missionsbenediktiner Ansporn und Verpflichtung. Im aktuellen Gruß aus der Abtei Königsmünster (3/2021) lenken wir daher schwerpunktmäßig den Blick auf die Kirche weltweit, wie sie in unserer Klosterfamilie lebendig wird. Wir schauen nach Tansania in die Abtei Mvimwa, wo an Pfingsten eine neue Kirche geweiht wurde, für die wir mit Ihrer Hilfe die Glocke stiften dürfen. Sie wurde vor einigen Wochen in Gescher gegossen. Ebenfalls in Tansania, in der Abtei Ndanda, wurde im Juli P. Christian Temu zum Abt geweiht, der uns schon lange verbunden ist – auch über die Projekte des Freundeskreises Bildung für Tansania, über die wir im „Gruß“ berichten. Abt Aloysius und Bruder Antonius konnten an der Abtsweihe teilnehmen und berichten über ihre Erfahrungen.
In Kuba soll für die junge Gemeinschaft, die momentan noch in Containern lebt, ein richtiges Kloster mit integriertem Gästehaus gebaut werden – ein wichtiger Beitrag für die Kirche in einem sozialistisch geprägten Land.
Ebenso berichten wir im aktuellen Gruß über die Kirche vor Ort, die in den Angeboten unserer Gästehäuser konkret wird – sei es in kontemplativen Angeboten wie den Meditationsabenden, sei es in „aktiveren“ Kursen wie den WanderEinkehrtagen.
In  der Rubrik „Benediktinisches Leben“ schauen wir auf Lösungsansätze aus der Heiligen Schrift und der Benediktsregel, wie mit Streit in der Kirche umzugehen ist. Und der Impuls „weitet“ das Thema im Rückblick auf den 2005 verstorbenen Gründer von Taizé…
Wir wünschen Ihnen eine bereichernde Lektüre!

von P. Cosmas Hoffmann OSB

Spätestens seit der nun allgemein bekannten AHA-Regel und den an allen öffentlichen Orten bereitstehenden Spendern von Desinfektionsmitteln ist der Begriff Hygiene ein sehr alltäglicher geworden.
Das Wort „Hygiene“ leitet sich vom griechischen Wort für Gesundheit hygíeia ab, das zugleich der Name der für die Gesundheit zuständigen Göttin ist.

Die identische Bezeichnung von Göttin und Zuständigkeitsbereich macht deutlich, wie eng der Zusammenhang von hygienischen Maßnahmen und religiösen Geboten und Verboten in den großen antiken Kulturen gewesen ist.
Im Wissen darum, dass der Mensch bei all seinen Bemühungen und Sorgen um Gesundheit und Wohlergehen diese letztlich nicht mit seinen Mitteln völlig sichern kann, sondern des Beistands höherer Mächte bedarf, wurden Regeln und Maßnahmen zur Gewährleistung von Gesundheit und Wohlergehen des Volkes religiös sanktioniert, um ihre Einhaltung zu sichern.
So finden sich in den religiösen Traditionen vieler Völker und Kulturen, vor allem im Kontext von Gottesdienst, Essen und Trinken, Reinigungsgebote und -riten, die nicht nur als Teil des religiösen Lebens beachtet werden, sondern auch als Ausdruck der eigenen Kultur, der Zivilisation überhaupt gelten und die Identität und das Selbstwertgefühl dieser Völker prägen.

Wie in der heutigen Lesung aus dem Buch Deuteronomium deutlich wird, gilt das auch vom Volk Israel, wenn es heißt: „Denn darin besteht eure Weisheit und eure Bildung in den Augen der Völker. Wenn sie dieses Gesetzeswerk kennenlernen, müssen sie sagen: In der Tat, diese große Nation ist ein weises und gebildetes Volk. … welche große Nation besäße Gesetze und Rechtsvorschriften, die so gerecht sind wie alles in dieser Weisung, die ich euch heute vorlege?“

Israels Auszeichnung vor allen Völkern ist seine Erwählung durch Gott, der ihm seine Weisung, die Tora, gegeben hat, damit es so das Leben hat.
Um zu verhindern, dass die göttlich Weisung übertreten wird, kam es in der Folge zu Ausführungsbestimmungen, d.h. zu konkreten Regeln, die das Gesetz auf alltägliche Situationen anwendeten. Später nannte man dies „den Zaun des Gesetzes“, denn so wie der Zaun um einen Garten diesen schützen soll, sollen diese Regeln die Einhaltung des Gesetzes garantieren.
Allerdings besteht dabei die Gefahr, dass dann mehr auf die äußerliche Einhaltung der menschlichen Regeln geachtet wird, als auf das eigentliche Anliegen. Dass es zu einer Veräußerlichung kommt, die das alltägliche Leben einschnürt und den inneren Sinn der Weisungen aus dem Blick verliert.

Genau diese Entwicklung kritisieren schon die Propheten Israels, so heißt es im Buch des Propheten Jesaja: „Dieses Volk ehrt mich mit seinen Lippen, sein Herz aber ist fern von mir. Ihre Furcht vor mir wurde zu einem angelernten menschlichen Gebot“ (vgl. Jes 29,13; Mk 7,6b-7).

Diese Kritik nimmt Jesus im heutigen Evangelium auf und erinnert daran, dass es bei aller Achtsamkeit für die äußere Reinheit, letztlich auf die Reinheit des Herzens ankommt.

Jesus lehnt Reinheit und Hygiene nicht ab, doch ihm geht es zuerst um die Hygiene des Herzens, in der die Reinheit von Gedanken, Worten und Werken gründet, denn „Nichts, was von außen in den Menschen hineinkommt, kann ihn unrein machen, sondern was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein. Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Verleumdung, Hochmut und Unvernunft. All dieses Böse kommt von innen und macht den Menschen unrein“ (Mk 7,20-23).

Während Jesus hier betont, dass aus dem Inneren, dem Herzen das Böse hervorgeht, sagt er in der Bergpredigt, dass die Folge eines reinen Herzen die Schau Gottes ist: „Selig die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott schauen“ (Mt 5,8). Das Herz hier als Quelle des Guten.

Doch was macht das Herz rein? Wie wird es rein? Wer sind die Menschen mit reinem Herzen, die im Geist der Bergpredigt Gott schauen können? Wer oder was kann das Herz reinigen und wie kann es rein bewahrt werden? Und woran erkennt man ein reines Herz?

Diese Fragen beschäftigten vor allem das frühe Mönchtum, dessen erklärtes Ziel die contemplatio Dei[1] die möglichst beständige Betrachtung Gottes, die andauernde Ausrichtung auf ihn war.

Dabei verglichen sie das reine Herz in seiner Ruhe mit der Oberfläche eines spiegelglatten Sees, in dem sich der Himmel spiegelt. Doch die Wirklichkeit des menschlichen Herzens ist eher von unruhigem Wogen und Tosen geprägt. Gedanken, Gefühle, Impulse treiben ihn um und das Licht des Himmels wird in unzähligen Wellen und Wogen gebrochen.
Um das Herz zur Ruhe zu bringen, empfehlen die Mönchsväter und –mütter, die Stille zu suchen, sich an Christus, am Wort Gottes festzumachen, das unruhige Herz immer wieder in die heilende Gegenwart Gottes zu bringen.
Der heilige Benedikt ermutigt dazu, den Weg der Gebote Gottes zu gehen und im Glauben voranzuschreiten, damit der Geist Gottes das Herz berühren, es weiten und rein machen kann, und das unsagbare Glück der Liebe in ihm weckt.

Denn das ist ein reines Herz, das nicht in sich verschlossen ist, sondern aus der lebendigen Beziehung zu Gott, zu sich und zum Nächsten lebt.

Wenn wir uns wirklich und ernsthaft um die Gottes- und Nächstenliebe mühen und so unsere Herzen von allem reinigen, was uns voneinander und von Gott trennt, dann werden wir selbst Formen finden, uns in Liebe mit Gott und den Menschen zu verbinden. Wir werden uns als Erstes fragen, ob wir die Liebe leben und nicht, ob wir die Vorschriften auch peinlich eingehalten haben.
Der Prüfstein für die Reinheit des Herzens ist somit das Verhältnis zum Nächsten, vor allem die Wahrnehmung des anderen, der Umgang mit ihm und das Denken über ihn.

Sehr schön bringt das ein Wort des Mönchsvater Isaak von Ninive (+ um 700) zum Ausdruck:
„Ein junger Mann fragte: „Wie kann einer wissen, ob sein Herz rein ist?“
Der Lehrer antwortete: „Vollkommene Reinheit hat der erlangt, der alle Menschen in einem guten Licht sieht und von niemanden den Eindruck hat, er wäre unrein oder verdorben. Ein solcher Mensch hat vollkommene Reinheit erlangt.“

[1] Cassian, Conlationes 1,15f.

Bitte beachten Sie, dass bei einem Aufenthalt in unseren Gästehäusern b.a.W. die sog. 2G-Regelung gilt, d.h., wer bei uns zu Gast sein möchte, muss entweder geimpft oder genesen sein.
Ein Aufenthalt in den Gästehäusern für getestete Personen ist leider nicht möglich, da wir alle zwei Tage von jedem ein gültiges Testergebnis vorlegen müssen, was uns schlicht nicht möglich ist. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Auf dem Klosterberg arbeiten in den verschiedenen Bereichen und Betrieben mit den Mönchen auch über 100 hoch engagierte Frauen und Männer. Ohne sie könnte das Leben nicht so ablaufen, wie es von vielen Gästen und Kunden geschätzt wird. Gerade in der für alle schwierigen Zeit der Corona-Pandemie, wo viele Bereiche schließen mussten, haben wir eine große Solidarität seitens unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfahren. So ist es uns ein Anliegen, einmal im Jahr zu einem Fest aller Mitarbeitenden einzuladen.

Begonnen haben wir am Freitag, den 20. August 2021, um 16.30 Uhr – also quasi nach „Dienstschluss“ und zum Wochenendeinstieg – mit der Vesper in der Abteikirche. Am Ende der Vesper dankte Abt Aloysius allen ausdrücklich für ihren Dienst und das Engagement. Im Anschluss trafen sich alle zum Grillen auf der Terrasse am AbteiForum, wo Mönche und Mitarbeitende in fröhlicher Runde zusammensaßen und über die einzelnen Arbeitsbereiche hinweg miteinander ins Gespräch kamen. Auch das Wetter spielte mit und bescherte uns strahlenden Sonnenschein.

Noch einmal auch an dieser Stelle vielen Dank an jede*n einzelne*n für sein/ihr Engagement!