Lebens-Lauf

Im Frühling war ich Knospe, Traum
Im Sommer Sonnenlicht und Glut
Der Herbst fragt nach der Frucht für diese Zeit
Der Winter sieht was von mir bleibt
in Ewigkeit.

Dieses Gedicht des ehemaligen Abtes der Abtei Kornelimünster bei Aachen, Albert Altenähr, stellte Abt Aloysius über das Leben von unserem Senior, Bruder Andreas, der am 28. Februar 2020 auf 90 Lebensjahre zurückblicken konnte. Ein Leben, das geprägt ist von Bodenständigkeit, Fleiß und Treue, Eigenschaften, die auch eng mit der schlesischen Heimat von Bruder Andreas zu tun haben. Vielen ist er bekannt als langjähriger Pförtner der Abtei, und als Schneidermeister führte der erste Weg unzähliger Kandidaten zum „Maßnehmen“ in seine Werkstatt, wo er dank seiner ruhigen und freundlichen Art vielen die ersten Schritte ins Klosterleben hinein erleichterte. Auch die indischen Brüder aus Kumily, die uns im letzten Jahr besucht haben, erinnerten sich lebhaft an die Zeit, die er in ihrem Kloster bei der Herstellung ihrer Ordensgewänder verbrachte.
Noch heute ist Bruder Andreas in jedem Stundengebet dabei. Auch wenn die äußeren Kräfte naturgemäß nachgelassen haben, begleitet er unsere Gemeinschaft und all seine Freunde und Bekannten auch weiterhin im Gebet – ein Dienst, für den wir sehr dankbar sind. Wir wünschen Bruder Andreas Gottes Segen an seinem Geburtstag!

Bedenke Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehrst. (Gen 3,19)

Die Scheune ist abgebrannt
jetzt
seh ich den Mond
(Mizuta Masahide)

Wenn heute am Aschermittwoch in vielen Gottesdiensten das Aschenkreuz den Gottesdienstbesuchern auf die Stirn oder den Kopf gezeichnet wird, dann hat dieser Moment etwas von einem Kennzeichnen. Auch wenn es uns nicht passt, oder angenehm ist, das Kreuz wird uns scheinbar regelrecht aufgedrückt.
Am Beginn eines neuen Weges steht das urchristlichste aller Symbole, und dieses wird uns auf die eigene Haut geschrieben.
Die Fastenzeit steht in ihrer Tradition für Buße und Umkehr, für das Freimachen von unserer Sünde. Sie erzählt auch vom Sündenfall des Menschen.
Buße und Umkehr, Sünde, das sind harte Worte, aber es steckt darin auch eine Verheißung. Indem wir loslassen, einen Schritt gehen, kann etwas ganz NEUES beginnen.
Die Asche erinnert uns an unsere eigene Vergänglichkeit, und diese Asche hat eine Lebensgeschichte.
Unsere Vergänglichkeit ist nichts fernes, kein Tag X in weiter Zukunft, sondern sie ist Gegenwart, und diese Gegenwart ist uns auf die Haut geschrieben, als unser eigenstes Memento Mori, unsere Lebensgeschichte.
Wenn die Erfahrung des Kreuzes in unserem Leben gegenwärtig wird, dann fühlen wir uns oft dem ausgeliefert. Jemand drückt uns eine Schicksalslast auf. Ob das aber wirklich so ist, bleibt ein Geheimnis. Sicher ist nur, das Kreuz ist keine Strafe. Es ist eine Wegmarke. Denn dort wo das Kreuz ist, da ist Jesus Christus.
Wohin wir auch heute aufbrechen, es ist jetzt nicht mehr weit, Ostern erwartet uns.

Br. Balthasar Hartmann OSB