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Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! (Joh 20,27)

Jesus lädt Thomas ein, seine Wunden zu berühren. Er lädt den ein, der an das Unglaubliche nicht glauben kann, weil es jeder menschlichen Erfahrung widerspricht, ihn zu berühren. Jesus lässt sich berühren.

In Coronazeiten bekommt dieses Evangelium der Begegnung des Auferstandenen mit dem Apostel Thomas eine ganz neue Sinnspitze. Undenkbar, dass in diesen Tagen jemand einen Mitmenschen dazu einlädt, ihn zu berühren. In Zeiten des Social Distancing ist körperliche Berührung gefährlich geworden, weil sie den Mindestabstand nicht einhält und die Gefahr einer Infektion vergrößert. „Distanz ist die neue Form von Zuneigung“, so hat es unsere Bundeskanzlerin am Beginn der Pandemie formuliert. Und sie hat zweifelsohne recht. Menschen, die mir etwas bedeuten und die ich schützen will, zu denen sollte ich in diesen Tagen auf Abstand gehen – so paradox das auch klingt und so schmerzhaft das sein mag. Zum Glück gibt es noch andere Wege der Berührung.

So spricht die Einladung Jesu an Thomas, seine Wunden zu berühren, vielleicht eine zutiefst menschliche Sehnsucht in uns an: die Sehnsucht nach Berührung, die Sehnsucht, umarmt zu werden und einem lieben Menschen auch körperlich nahe zu sein. Und vielleicht tröstet es uns, dass im Fortgang des Evangeliums von einer Berührung Jesu durch Thomas nicht die Rede ist, dass Thomas sein Glaubensbekenntnis – „Mein Herr und mein Gott“ – spricht, auch ohne Jesus körperlich zu berühren.

Es ist das Wesen menschlicher Sehnsucht, dass sie hier auf Erden unerfüllt bleibt. Und wenn sie – ansatzweise – Erfüllung findet, dann oft nur, um wieder neu, größer, anders aufzubrechen. Der Mensch ist das Wesen der Sehnsucht. „Alles beginnt mit der Sehnsucht“, schreibt die Dichterin Nelly Sachs. Vielleicht kann uns gerade das Unerfüllbare menschlicher Sehnsucht dazu antreiben, kreativ zu werden, Wege zu finden, die Distanz zwischen uns zu überwinden, Menschen nahe zu sein, auch wenn körperliche Nähe gerade nicht geboten ist. So ist das Evangelium gerade in unsere Zeit hinein geschrieben, für uns Jüngerinnen und Jünger „zweiter Hand“, die Jesus nicht mehr physisch berühren können, aber dennoch in seine Nähe eingeladen sind, damit auch wir einmal mit Thomas sagen können: „Mein Herr und mein Gott!“

P. Maurus Runge OSB

In den Klostern gibt es die Tradition der sog. „Laetiz“, was sich vom lateinischen Wort „Laetitia“ – Freude – ableitet. An Festtagen gab es früher ein besonderes Kaffeetrinken, wo die ganze Gemeinschaft in lockerer Runde zusammenkam. In Coronazeiten ist es gut, solche Traditionen wieder aufleben zu lassen. Und so haben Bruder Benedikt und Bruder Symeon den Konvent spontan am Nachmittag des Ostermontag zum Waffelessen ins Klosterrefektorium eingeladen. Wer schon einmal die Quarkwaffeln nach dem Rezept von Bruder Benedikt gekostet hat, wird bestätigen, dass es sich dabei wahrlich um ein himmlisches Vergnügen handelt, das sehr gut in die österliche Zeit der Freude über unsere Erlösung passt. Und weil das Klosterrektorium groß ist und nicht alle zur selben Zeit kamen, konnte auch ein angemessener Abstand zwischen den Mönchen eingehalten werden.

Vielen Dank an das Vorbereitungsteam für diese ganz besondere Osterfreude!

Bruder Symeon beim Waffelbacken

 

Die ersten Waffeln sehen schon gut aus.

von P. Julian Schaumlöffel OSB

Liebe Brüder hier im Königsmünster,

liebe Schwestern und Brüder unserer Mescheder Gemeinden, liebe Freunde und Förderer, Schwestern und Brüder im Glauben, die Sie heute über den Livestream mit uns verbunden sind!

 

Drei Begebenheiten der letzten Tage kamen mir bei der Vorbereitung der heutigen Osterpredigt in den Sinn. Drei Erlebnisse, die mich berührt und die sich mir eingeprägt haben.

Am Mittag des Gründonnerstags traf ich in unserer hiesigen Sparkasse eine Bekannte, die ich aufgrund des einzuhaltenden Sicherheitsabstands zunächst gar nicht wahrnahm. Im Vorübergehen rief sie mir zu, ich möge in diesen Tagen besonders an ihre Familie denken, die es schwer getroffen habe. Besonders schwer habe es ihren Bruder getroffen, der, obwohl er eine stabile Gesundheit hatte und aufgrund seiner 56 Lebensjahre auch noch nicht unbedingt zur Risikogruppe gehöre, nun schwer an Covid-19 erkrankt sei und an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen im Krankenhaus auf der Intensivstation läge. Wirkliche Angst konnte ich ihren Worten entnehmen. Lebensangst. Überlebensangst. Ich versprach das Gedenken und das Gebet. Das Gespräch war zu Ende, aber das Gesagte wirkte noch lange in mir fort.

Lebensangst. Überlebensangst. Sie ist mächtig in diesen Tagen!

 

Die zweite Begebenheit datiert einen Tag – oder auch 2000 Jahre – zuvor. Am Mittwochabend haben wir im Kreis der Brüder den Film „Maria Magdalena“ aus dem Jahre 2018 geschaut. Obwohl die Gestalt der Maria Magdalena sehr zu begeistern vermochte, blieb ich an einem anderen Charakter hängen: Judas. Sehr warmherzig, liebevoll und bedingungslos treu in der Nachfolge wurde Judas im Film gezeichnet. Einer, der die Kraft seiner unbedingten Nachfolge aus der verheißenen Hoffnung der bald schon anbrechenden Königsherrschaft Gottes zieht. In diesem Reich der Liebe und der Gerechtigkeit will er auf ewig wohnen und all seine Lieben wiedersehen, die er so schmerzlich vermisst. Doch wann geht es los? Wann beginnt dieses Reich? Er wird ungeduldig. Lebensangst. Überlebensangst. Er hat Angst, dass seine Hoffnung enttäuscht wird. Er will nachhelfen. Sein Verrat wird hier eher als ein verzweifeltes Anschubsen Jesu dargestellt. Jetzt muss der Messias sich doch endlich offenbaren und seine Königsherrschaft beginnen. Jetzt kann er nicht mehr anders. Judas will es nach seinen menschlichen Vorstellungen verwirklicht wissen. Er hat die Botschaft eben noch nicht verstanden. Und er wird sie innerweltlich auch nicht mehr verstehen, denn der Blick ins leere Grab, die tröstende Begegnung mit dem Auferstandenen ist ihm nicht mehr möglich. Angst. Überlebensangst. Sie war zu mächtig und hat ihm im Letzten das wahre Leben nicht ermöglicht, es am Ende sogar vernichtet.

Der dritte Moment, der sich mir eingeprägt hat, war nochmals einige Tage zuvor. Es war die Aussage einer älteren Frau aus Oberammergau im Rahmen einer Reportage über die abgesagten Passionsspiele. Der Ort und seine Bewohner haben über Jahre in die Leidensgeschichte investiert. Die Passionsspiele sind eine wichtige Einnahmequelle für das kleine oberbayrische Dorf. Über die Hälfte der Bevölkerung steht mehrere Monate auf der Bühne, um das Leiden, Sterben und Auferstehen Jesu getreu einem über 380 Jahre alten Pestgelöbnis darzustellen. Nun sind die Passionsspiele abgesagt und auf 2022 verschoben. Die Reportage zeigte in diesem Zusammenhang auch eine junge Muslima, die der besagten älteren Dame ihre benötigten Lebensmittel vor die Haustür stellte. Der Dank und die Freude über die aktuelle Hilfsbereitschaft der Dorfbevölkerung – insbesondere der jungen Muslima – brachte die ältere Dame vor laufender Kamera zum Weinen: „So lange schon lebe ich hier, so viele Passionsspiele habe ich miterlebt, aber erst jetzt, da sie abgesagt werden mussten, habe ich in dieser jungen Frau zum ersten Mal die barmherzige Liebe Gottes wirklich erfahren dürfen.“  Ein Satz, der nachdenklich macht.

Was verbindet diese drei Begebenheiten miteinander? Auf den ersten Blick ist es die Angst einzelner Menschen. Angst. Überlebensangst.

Über die Angst zu sprechen, fällt an diesem Osterfest, das durch Kontaktverbot, abgesagte gesellschaftliche Ereignisse, fehlende Familienbesuche und Gottesdienste hinter verschlossenen Kirchentüren geprägt ist, nicht schwer. Die Angst überschattet unseren Alltag in Deutschland seit nunmehr vier Wochen.

Mit dieser Angst und Unsicherheit sind wir durchaus auch im Kern des heutigen Osterevangeliums. Im noch diffusen Licht des frühen Ostermorgens kommt Maria von Magdala zum Grab und findet den Stein weggewälzt. Es ist die Angst um den geliebten Meister, die sie schnell zu den Jüngern laufen lässt, die Angst und Unsicherheit um den Verbleib ihres Herrn, der sie rennen lässt. Überhaupt ist hier viel von Bewegung die Rede, denn nun rennen die Jünger ihrerseits zum Grab. Der Evangelist beschreibt es wie einen Wettlauf, denn wir hören, wer schneller ist und zuerst ankommt. Angst kann zu Aktionismus führen, der aber nicht ans Ziel bringt, solange das Vertrauen und die Hoffnung fehlen. Petrus, der zwar langsamer ist und später am Grab ankommt, traut sich dagegen hinein in das Grab, hinein in die dunkle Ungewissheit. Die Hoffnung, den Worten Jesu trauen zu dürfen, dass der Tod nicht das Ende ist, trägt ihn in die Grabkammer hinein, und aus der Ungewissheit und Angst kann österliches Licht aufstrahlen. Das ängstliche und verschlossene Herz wird weit und die Selbstbezogenheit öffnet sich zum anderen hin. Die eigene Auferstehung beginnt. Das nimmt auch der andere Jünger wahr und traut sich jetzt ebenfalls hinein. „Er sah und glaubte“ berichtet uns das Evangelium. Den Auferstandenen selber sehen sie zwar noch nicht, aber der Glaube an die Worte ihres Meisters trägt jetzt wieder und wird mächtiger als die Angst, die sie bisher gefangen hielt. Auferstehung ist eben nicht das große Zauberkunststück oder die Effekthascherei mancher Zeitgenossen. Auferstehung beginnt zaghaft, eben im noch diffusen Licht des Ostermorgens. Auferstehung beginnt dort, wo ich der Botschaft Jesu wieder traue, wo meine Hoffnung und mein Glaube wieder stärker werden als die Angst. Dann kann so vieles um mich herum wieder heller und leichter werden, dann kann die österliche Sonne wirklich strahlen und mein Leben bis in den letzten dunklen Winkel hinein erhellen. Das ist Ostern, das ist Auferstehung!

Papst Franziskus drückte es bei seiner Video-Generalaudienz am vergangenen Mittwoch so aus:

„Gott ist allmächtig in der Liebe und nicht anders. Es ist seine Natur, er ist so. Er ist die Liebe. Du könntest einwenden: „Was will ich mit einem so schwachen Gott, der stirbt? Ich würde einen starken und mächtigen Gott vorziehen.“ Aber wisse: Alle Macht der Welt vergeht, doch die Liebe bleibt. Nur die Liebe wacht über das Leben, das wir haben, denn sie umarmt unsere Schwächen und verwandelt sie. Es ist die Liebe Gottes, die zu Ostern unsere Sünde durch seine Vergebung tilgte, die den Tod zu einem Übergang zum Leben machte, die unsere Angst in Vertrauen, unsere Verzweiflung in Hoffnung verwandelte. Ostern sagt uns, dass Gott alles zum Guten wenden kann.“

Noch einmal zurück zu den drei Begebenheiten, die ich eingangs erzählte. Was verbindet sie? Es ist nur auf den ersten Blick die Angst. Genauer betrachtet verbindet sie die Sehnsucht nach Leben!

Die Sehnsucht meiner Bekannten, dass der geliebte Bruder die schwere Corona-Erkrankung übersteht.

Die Sehnsucht des Judas, dass die Gerechtigkeit des verheißenen Gottesreiches endlich anbricht.

Die Sehnsucht der älteren Dame aus Oberammergau, die so oft gespielte Passion als Lebenswirklichkeit in der Gemeinschaft ihres Ortes am eigenen Leibe erfahren zu dürfen.

 

Das ist Ostern, das ist Auferstehung!

Beginnen wir, liebe Schwestern und Brüder, noch heute mit unserer eigenen Auferstehung aus den dunklen Grabkammern unserer Ängste und vertrauen wir darauf, dass Gott wirklich alles zum Guten wenden kann. Spüren wir neu unsere eigene Sehnsucht nach Leben!

Dann kann es Ostern werden – auch in dieser schweren Zeit.

Christus ist wahrhaft vom Tode erstanden!

Amen. Halleluja.

von P. Reinald Rickert OSB

Meine lieben Brüder und Schwestern, die Sie über das Internet mit uns verbunden sind, meine lieben Brüder hier in der Abtei!

Am Osterfest geht es immer um Leben und Tod! Am Osterfest 2020 geht es in besonderer Weise um Leben und Tod, oder besser gesagt um Tod und Leben!

Es ist eine Folge der Globalisierung – und noch nie dagewesen -, dass eine Viruserkrankung, die sehr viele Todesopfer fordert, sich so rasant ausbreitet: Sie macht vor keinem Erdteil, vor keiner Nation halt. Sie unterscheidet nicht zwischen hochentwickelten und weniger entwickelten Ländern. Corona betrifft alle Menschen – ohne Ausnahme: Die Infizierten und die Nicht-Infizierten, die noch Lebenden und die schon Verstorbenen.

 

Der Münsteraner Fundamentaltheologe Johann Baptist Metz sprach schon vor Jahren davon, dass sich die Menschheit in einer allumfassenden „Koalition der Lebenden und der Toten“ befindet. Er stellt „eine Gleichheit aller Menschen unter Berücksichtigung der unterschiedlichsten Lebens- und Handlungsbedingungen“ fest. Metz sieht diese Gleichheit als Folge einer „rettenden Gottesgerechtigkeit“.

Und da sind wir wieder beim Thema „Ostern“.

„Es gibt kein Leid in der Welt, das uns nicht angeht.“ Diese elementare und solidarische Gleichheit aller Menschen zielt auf „die Anerkennung einer Autorität, die allen Menschen zugänglich und zumutbar ist, auf die Autorität der Leidenden, der ungerecht und unschuldig leidenden Opfer.“ Alle Leidenden haben uns etwas zu sagen, haben eine Botschaft auch ohne große Worte.

Wie hätte Jesus darauf reagiert? Wir wissen, dass er sich überwiegend in Gleichnissen, weniger in dogmatischen Sätzen äußerte. Im Johannesevangelium stoßen wir – kurz vor seiner eigenen Leidensgeschichte – auf ein Bildwort aus dem bäuerlichen Milieu seiner Zeit: „Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.“ (Joh. 12, 24) Jesus beschreibt einen biologischen Vorgang, der jedem seiner Zuhörer geläufig ist: Wenn nach der winterlichen Ruhepause die Natur sich regt und alles wieder sprießt und sprosst: Frühjahr, eine Zeit des beginnenden Lebens! Darauf kann man sich verlassen: Leben – Sterben – Leben — Leben – Tod – Geburt.

Genauso stellten sich die griechischen Philosophen den „Kosmos“ vor. Platon wusste um das lebendige Walten der Physis: Werden und Vergehen – Anwesen und Abwesen – Wachsen und Sterben. Für die Antike war der Mensch fester Bestandteil dieses Kosmos; auf Augenhöhe mit Flora und Fauna, in Harmonie mit Pflanzen und Tieren inklusive ihrer Vergänglichkeit. Kosmos konnte nur einen göttlichen Ursprung haben. Auch die intellektuellen Juden zur Zeit Jesu wussten darum.

Heute ist dies anscheinend alles unvorstellbar geworden. Schon lange haben sich die meisten modernen Menschen vom Kosmos emanzipiert, „befreit“ und sich in und mit einer mechanisch-technischen Weltanschauung eingerichtet.

 

Dass menschliches Sterben nicht nur ein biologischer Vorgang ist, weiß auch Jesus: „Wer an seinem Leben hängt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben.“ (Joh. 12, 25) Der Inhalt des christlichen Osterfestes bleibt paradox: Wir leben nicht unserem Tod entgegen, sondern wir sterben unserem Leben entgegen. Wir wechseln im Sterben unsere Lebensform, doch wir werden nicht zerstört.

Übrigens hat Pythagoras (570 – 510 v.Chr.) die Lehre der Unsterblichkeit der Seele aus Ägypten nach Hellas importiert. Denn in der Frömmigkeit der alten Griechen findet man nicht den geringsten Hinweis auf ein Fortleben der Seele nach dem Tod.

 

Die praktische Seelsorge beschränkt sich derzeit auf Beerdigungen direkt am Grab im engsten Familienkreis. Ich hatte also in den letzten Wochen viel Zeit zur Muße. Bei gutem Wetter sitze ich dann auf der runden Bank in unserem Garten, rauche eine Zigarre und beobachte den kleinen frühlingshaften Kosmos auf dem Klosterberg: Die eiweißreichen Kerne eines jeden Samenkorns verzehren sich zugunsten einer neuen Pflanze; alles sprießt und sprosst; „wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.“ Die verschiedenen Vogelarten liefern sich Revierkämpfe und zeigen Balzrituale. Bruder Isidors Mutterschafe führen ihre Lämmer aus. Ein Bild des Lebens! Keine Corona-Panik! Ein Gleichnis für den inneren und äußeren Frieden der Menschen.

Vielleicht brechen wir innerlich auf – wo wir an diesem Osterfest ja nicht weg können – und machen uns auf die Suche nach der verlorenen Harmonie und lernen wieder den Kosmos bewusst wahrzunehmen.

Tiere und Pflanzen machen uns vor identisch zu leben. Auf ihre Art hat Ute Latendorf die österliche Botschaft in einem Gedicht beschrieben:

 

Leben lernen

Von der Sonne lernen, zu wärmen,

von den Wolken lernen, leicht zu schweben.

Von dem Wind lernen, Anstöße zu geben,

Von den Vögeln lernen, Höhe zu gewinnen,

Von den Bäumen lernen, standhaft zu sein.

 

Von den Blumen das Leuchten lernen,

Von den Steinen das Bleiben lernen,

Von den Büschen im Frühling Erneuerung lernen,

Von den Blättern im Herbst das Fallenlassen lernen,

Vom Sturm die Leidenschaft lernen.

 

Vom Regen lernen, sich zu verströmen,

Von der Erde lernen, mütterlich zu sein.

Vom Mond lernen, sich zu verändern,

Von den Sternen lernen, einer von vielen zu sein,

Von den Jahreszeiten lernen, dass das Leben immer von Neuem beginnt.

Amen.

Kann man Ostern feiern mitten in der Coronakrise? Diese Frage ist in den letzten Wochen häufiger gestellt worden. Wie können Christen Ostern, ihr wichtigstes Gemeinschaftsfest, feiern, wenn keine öffentlichen Gottesdienste stattfinden und wenn davon abgeraten wird, die Familie zu besuchen oder zu verreisen? Wir sind uns des großen Privilegs bewusst, dass wir als Ordensgemeinschaft in diesen Zeiten immer noch miteinander beten können und dürfen, und haben doch die schmerzliche Erfahrung machen müssen, dass unsere Gäste, die gerade zu den großen Liturgien der Kar- und Ostertage aus ganz Deutschland anreisen, fehlen. Es ist ungewohnt, in einem leeren Kirchenschiff Gottesdienst zu feiern, „hinter verschlossenen Türen“, so ähnlich wie die Jünger am Ostermorgen. So haben wir uns möglichst bald dazu entschlossen, unsere Stundengebete per Audiolivestream und die großen Liturgien der Kar- und Ostertage per Videostream zu übertragen. So konnten viele Menschen sich über das Internet mit uns verbinden. Viele haben das tatsächlich getan; während der Osternacht waren durchschnittlich 400 Personen anwesend, wahrscheinlich sogar noch mehr, weil uns viele geschrieben haben, dass sie an der Liturgie mit ihrer ganzen Familie teilgenommen haben. Eine ganze Reihe von positiven Rückmeldungen haben wir erhalten – das hat uns tief bewegt und dafür sind wir dankbar.

Osterfeuer im Innenhof des Klosters

Das Osterfeuer haben wir im Innenhof unseres Klosters entzündet. An unserer Osterkerze, auf der viele bunte Schmetterlinge – Symboltier für die Auferstehung – nach oben fliegen, wurden die Osterkerzen aller Gemeinden aus Meschede und Bestwig, des Bergklosters in Bestwig und mehrerer Altenheime entzündet, die ab heute in den jeweiligen Kirchen brennen – ein bewegender Moment! In unserer Kirche, die heute und morgen von 13.00 Uhr bis 17.00 Uhr und ab Dienstag von 8.00 Uhr bis 17.00 Uhr zum Gebet geöffnet ist, können Sie eine kleine Osterkerze für Ihr Zuhause erwerben und am Osterlicht vorne entzünden; ebenso können Sie sich geweihtes Wasser mitnehmen.

Osterkerzen aller Kirchen von Meschede und Bestwig

Nach dem Osterhochamt sind wir singend auf unseren Klosterfriedhof gezogen, um unseren verstorbenen Mitbrüdern das Licht der Osterkerze zu bringen. Als wir dort sangen, sind die Schafe auf der Wiese nebenan in unseren Gesang eingestimmt – was zu einem spontanen „Risus paschalis“, dem traditionellen Osterlachen, bei den Mönchen geführt hat.

Schafe und Mönche singen gemeinsam

Beim Mittagessen schließlich hat Bruder Cyprian aus der Abtei Ndanda in Tansania das Tischgebet in seiner Muttersprache Swahili gesungen. Er hält sich gerade zum Studium in Deutschland auf. So wurde mitten in den Reisebeschränkungen, die auch das Alltagsleben unserer Kongregation der Missionsbenediktiner betreffen, ein Stück Weltkirche erlebbar.

Wir wünschen Ihnen weiterhin erfüllende und hoffnungsfrohe Ostertage! Bleiben Sie gesund! Wir freuen uns, Sie möglichst bald, spätestens aber zum Osterfest 2021 wieder in der Abtei begrüßen zu dürfen.

 

Liebe Freundinnen und Freunde,
liebe Wohltäterinnen und Wohltäter unserer Gemeinschaft!

Ich rufe Ihnen ein frohes Der Herr ist auferstanden entgegen.
Ja, der Herr ist Sieger über Tod und Sünde. Er, der Auferstandene, befähigt uns zum Leben: Ich lebe und auch ihr sollt leben.
Kann es eine schönere Ermutigung und frohmachende Zuversicht geben?

Das Licht der Osterkerze erhellt die Dunkelheit der Nacht und auch das Dunkel der aktuellen Corona-Krise.
In diesen Tagen dürfen wir die Strahlen der Sonne genießen, das Aufblühen der Natur bewundern und nicht zuletzt viel Gutes erfahren.
Unsere Gemeinschaft dankt Ihnen für die positiven Rückmeldungen auf die Übertragungen der Gebetszeiten und Gottesdienste, ihre Zeichen der Solidarität durch finanzielle Unterstützung und freundschaftliche Verbundenheit.
All das schenkt Hoffnung und ermutigt, zuversichtlich nach vorne zu schauen.

Ein Wort von Alfons Gerhardt hat sich in diesen Tagen fest in mir eingeprägt: MITTEN IM KREUZ IST LEBEN!

Trotz Einschränkungen unterschiedlichster Art haben wir Grund zum Osterjubel. Die Frauen am leeren Grab sollten nicht mehr trauern und weinen, nein, der Engel hat sie gesandt: Geht, der Gekreuzigte lebt. Verkündet die Botschaft des Lebens!

Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich an ihren Lebensorten des Lebens neu vergewissern und die Nähe des Auferstandenen spüren.
Unsere Gemeinschaft gedenkt Ihrer in der Feier der österlichen Liturgie und nimmt alle Ihre Anliegen mit hinein in unser Gebet.

Ostern – Auferstehung – vom Tod zum Leben!

Gott will das dunkle Gestern in ein helles Morgen verwandeln – zuletzt in den leuchtenden Morgen der Ewigkeit!

Frohe Ostergrüße

+ Aloysius Althaus OSB

 

DIe Osternacht gilt als Nacht der Nächte, als „wahrhaft selige Nacht, in der Christus die Ketten des Todes zerbrach und aus der Tiefe als Sieger emporstieg“, wie es im Exsultet, im Lob der Osterkerze, gesungen wird. In diesem Jahr wird sie in der Abtei Königsmünster um 21.00 Uhr gefeiert.

Ein besonderer Akzent in diesem Jahr ist es, dass an der Osterkerze unserer Abtei in einem besonderen Ritus die 16 Osterkerzen der Gemeinden unseres Pastoralen Raumes entzündet werden. Gerade weil in diesem Jahr die Osternacht in den Gemeinden nicht stattfinden kann, freuen wir uns, diesen Dienst für unsere Mitchristen tun zu können.Am Morgen des Karsamstags haben die Vertreter*innen der einzelnen Gemeinden die Osterkerzen an unserer Pforte abgegeben.

Zum feierlichen Gloria ca. um 21.55 Uhr werden sich die Glocken unserer Abteikirche mit den übrigen Glocken der Mescheder Kirchen zum gemeinsamen Läuten und zur Verkündigung der Auferstehung verbinden – ein starkes Hoffnungszeichen.

Die Lesungen dieser Nacht geben uns einen Überblick über die Geschichte Gottes mit seinem Volk: von der Schöpfung über die Befreiung Israels aus der Knechtschaft, die Propheten bis hin zur Neuschöpfung in der Auferweckung Jesu Christi. Folgende Lesungen werden in der Osternacht in der Abtei gelesen:

Gen 1,1-2,2
Ex 14,15-15,1
Jes 55,1-11
Ez 36,16-17a.18-28
Röm 6,3-11
Mt 28,1-10

Nach der neutestamentlichen Lesung aus dem Römerbrief wird das österliche Halleluja, der Ruf der Freude über unsere Erlösung, angekündigt und dreimal feierlich intoniert, jeweils etwas höher.

Eine weitere Besonderheit der Osternacht ist die Segnung des Wassers und die Tauferneuerung der Gemeinde. In der Osternacht wurden früher, teils noch bzw. auch wieder heute, neue Christen getauft und so in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen. Die Tauferneuerung erinnert uns an unsere Würde als Kinder Gottes und verbindet uns weltweit mit allen Christinnen und Christen.

Herzlich laden wir Sie zum persönlichen Gebet in unsere Abteikirche ein. Ostersonntag und Ostermontag ist unsere Kirche von 13.00 bis 17.00 Uhr geöffnet, ab Osterdienstag dann von 8.00 bis 17.00 Uhr. Hinten in der Kirche liegen Osterkerzen aus, die Sie erwerben und am Osterlicht in der Abteikirche entzünden können. Ebenso steht vorne ein Behälter mit Wasser, das in der Osternacht geweiht wird. Auch hiervon können Sie sich gerne etwas für Ihr Zuhause mitnehmen.

Weihwasser zum Mitnehmen

 

Osterlicht