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Tageslesung: Psalm 116

Mich umfingen Fesseln des Todes,
Drangsal der Unterwelt befiel mich,
ich erfuhr Bedrängnis und Kummer.
Da rief ich den Namen des Herrn an:
Ach Herr, rette mein Leben. 

Der Herr behütet die schlichten Herzen.
Ich war schwach und gering, – er brachte mir Hilfe.
Ja, du hast mein Leben dem Tode entrissen,
mein Auge den Tränen, meinen Fuß dem Straucheln. 

Ich glaube,
auch wenn ich sagen muss:
Ich war zutiefst erniedrigt,
ich sagte, als ich in Bedrängnis war:
Die Menschen lügen alle.“

Diese Verse des 116. Psalms, welchen wir in der Osteroktav jeden Tag gebetet haben, zeigen mir erneut, dass Gott besonders dort helfen kann, wo ich meine Schwäche zugebe.

Eine Freundin fragte mich vor kurzem: „Warum ist das Symbol für das Christentum eigentlich das Kreuz? Ist das nicht sogar fast makaber?“

Es ist wahr:
Im Mittelpunkt jeder katholischen Kirche erwartet den Gast das Bild einer am Kreuz hängenden Leiche. Im Zentrum unseres Glaubens steht der menschgewordene, als Verbrecher hingerichtete Sohn Gottes. Zwar „relativieren“ eine Fülle von anderen Bildern, Gemälden, Symbolen und Skulpturen den Schrecken dieses Anblicks – sie vermitteln, dass der Tod in unserem Glauben nicht das letzte Wort hat. Aber umso seltsamer ist es doch, dass nicht der Auferstandene das Zentrum beherrscht, sondern der Tote.

Gott entscheidet sich, Mensch zu werden, doch mit welch radikaler Konsequenz! Er wird in ärmlichsten Verhältnissen im Stall geboren und stirbt als Verurteilter. Der heutige Psalm zeigt auf, dass Gottes Gnade stärker wirken kann, je größer die Not ist.

„Wie kann ich dem Herrn vergelten
all das Gute, das er mir erwiesen?
Ach Herr, ich bin doch dein Knecht,
dein Knecht bin ich, der Sohn deiner Magd.
Gelöst hast du meine Fesseln.“

Ich stelle mir vor, wie Jesus selbst den Psalm betet, nachdem er auferstanden ist, im Rückblick auf seinen Kreuzweg. Es wird im Nachhinein klar, dass sein Vater selbst, nein gerade in diesem Moment bei ihm war.

Das Opfer Christi am erhöhten Kreuz spannt sich über die gesamte Breite, vom „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ im tiefsten Elend bis hin zur Auferstehung in Herrlichkeit. Es füllt die Leere des scheinbaren Nichtvorhandenseins Gottes und versöhnt unsere kaputte Welt mit dem dreifaltigen Gott. In der Wahrnehmung und Akzeptanz unseres Geschwächtseins und unserer Schwächen, ja im Erhöhen jener am Kreuz liegt die Chance wirklicher Heilung, die Auferstehung.

Br. Jonathan von Holst OSB

Ihr Diener bin ich geworden gemäß dem Heilsplan Gottes, um an euch das Wort Gottes zu erfüllen. (aus Kol 1,24-29)

Vor kurzem habe ich eine Reportage über ein Grandhotel in Genf gesehen. Der Portier des Hotels berichtete in einem Interview offen und leidenschaftlich über seine Liebe zu seinem Beruf. Ganz selbstverständlich erzählt er, dass er schon immer gerne anderen Menschen gedient hat.
Das ist sicher für viele von uns nicht ganz leicht nachzuvollziehen. Dienen, da muss man sich doch klein machen, oder wird man kleingemacht, und überhaupt, was hat man selbst davon?
In einer anderen Dokumentation reist ein junger Mann mit dem Fahrrad durch den Iran, und das im Jahr 2019. Ständig wird er von Fremden zum Tee oder zum Essen eingeladen, bietet man ihm ein Nachtquartier an. In einem Dorf lassen ihn die Bewohner sogar in ihrer Moschee schlafen, weil es nachts draußen zu kalt zum Zelten ist. Das entspricht alles nicht den Vorurteilen, die wir dem Iran normalerweise gegenüber haben.
Die Liebe zu dienen, oder einem Fremden zu helfen, dem Gast ein Freund zu sein,  ist in vielen Kulturen selbstverständlich.
Einem Menschen zu helfen, ihm die Sicherheit zu geben, wenn er sich unsicher fühlt, ihn willkommen zu heißen, sind scheinbar einfache Dinge, die aber viel bewirken können.
Das Heil Gottes fängt nicht erst in einer Kirche beim Gottesdienst an. Es beginnt an unserer Haustür, und manchmal klingelt es sogar an unserer Tür.
„Wer einem anderen die Hände reicht, bringt Segen über sein Haus“, heißt ein arabisches Sprichwort.
Im Benediktinischen ist die Gastfreundschaft elementar, und gerade in jedem Fremden soll man Christus sehen. Das ist nicht immer leicht, aber es hält ein Kloster lebendig.
Es ist schon seltsam, dass in einer Dienstleistungsgesellschaft das Dienen keinen guten Stand hat. Dabei ist es doch eigentlich seine Quelle.
Dem Heil zu dienen, heißt letztendlich Menschen zu dienen.
Ein Haus, in dem niemand dienen möchte, das seine Türen verschließt, und in dem das  Heil exklusiv ist, wird nicht viele Gäste sehen.

Br. Balthasar Hartmann OSB

Tageslesung: Kol 1,15-23

Wie konnte Jesus von Nazareth durch seinen Tod und seine Auferstehung uns Menschen heute erlösen, von unserer Schuld und unserem uns allen bevorstehenden Tod?

Darauf gibt der Kolosserbrief die Antwort: Weil Jesus das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung ist. Und weiter: Er ist vor aller Schöpfung und in ihm hat alles Bestand.

Er hat also die Macht, die auch Gottes Macht ist, uns von der Schuld zu erlösen und uns in die Ewigkeit Gottes zu geleiten.

Das ist eigentlich der Markenkern der Kirche: Schuld zu vergeben und den Menschen eine Perspektive über den Tod hinaus zu geben. Und dann steht auch weiter im Kolosserbrief, dass Jesus das Haupt des Leibes ist, der Leib aber ist die Kirche.

Eigentlich selbstverständlich. Aber buchstabieren wir das durch. Jesus ist das Haupt der Kirche, er ist der, der den Pharisäern unerschrocken gegenübertritt und sie daran erinnern will: Urteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden.

Urteilt nicht – ist das nicht eine Botschaft an die Kirche unserer Zeit? Nicht das Urteil zu sprechen ist Aufgabe der Kirche, sondern die Menschen in ihren Lebenslagen und Lebensfragen zu begleiten.

Erinnern wir uns daran, dass der verherrlichte Christus eins ist mit dem Jesus von Nazareth, der dem verlorenen Schaf nachgeht, der auch den Menschen über den Sabbat stellt und damit den Menschen über das Gesetz stellt.

Br. Benjamin Altemeier OSB

Tageslesung: Kol 1,1-14

Einst am Anfang hat Gott das Licht von der Finsternis geschieden. Einst an Ostern war derselbe Gott bei der Auferstehung Jesu am Werk. Schöpfungsgeschichte und Osterbotschaft sind miteinander tief vernetzt. Die Osterbotschaft knüpft über den Graben menschlicher Unheilsgeschichte hinweg an Gottes Schöpfungshandeln an. Ostern ist für uns so bedeutsam wie Gottes erstmalige Schöpfung. Wie Gott einst aus dem Chaos eine lebensfreundliche Welt hervorrief, so setzt er heute in die finsteren Momente der Menschheit sein Licht der Liebe, dessen Flamme Ostern ist. Ein neuer Morgen, der mit der Nacht beginnt und doch das Licht bereits in sich trägt. In der Morgendämmerung des Ostertages ereignet sich noch einmal das, was den ersten Tag der Schöpfung ausmachte: das Herbeirufen des Lichts. Durch die Auferstehung von Jesus, dem Licht der Welt, hat Gott uns endgültig „der Nacht der Finsternis entrissen und hat uns aufgenommen in das Reich seines geliebten Sohnes“ (Kol 1,13). Ostern haben wir eine Wohnung bei Gott durch Christi Auferstehung geschenkt bekommen. Eine Wohnung auf der lichtvollen, der Sonnenseite des Lebens. Ostern heißt wohnen. Wohnst du schon und lebst du auch?

Br. Benedikt Müller OSB

Dann führte Jesus seine Schüler und Freunde an einen Ort in der Nähe vom Ort Betanien. Da angekommen, hob er die Hände hoch und betete für sie. Und während er das tat, wurde Jesus langsam vor ihren Augen in den Himmel gehoben. Sie warfen sich vor ihm hin, beteten zu ihm und dankten ihm für alles, was er für sie getan hatte. Danach gingen sie wieder nach Jerusalem und waren total glücklich. Immer wieder gingen sie in den Tempel, freuten sich über Gott und dankten ihm für die vielen guten Sachen, die er tat. (Lk 24,50-53 nach der „Volxbibel“)

Eine Abschiedsszene. Nach der Auferstehung und den verschiedenen Begegnungen mit seinen Jüngerinnen und Jüngern verlässt Jesus diese endgültig. Zumindest im irdisch erfahrbaren Sinn. Es ist die Szene der „Himmelfahrt“. Eine gute Dramaturgie.
Und das war‘s dann?
Nun gut – immer wieder gehen sie in den Tempel, beten und danken. Das war’s??
Bei diesen Zeilen des Lukas am Ende seines Evangeliums muss ich immer wieder an uns denken. Wir haben unsere Erfahrungen mit Gott, mit Jesus. Schön, sich gesegnet zu fühlen. Da kann ich mich freuen und „Danke“ sagen.
Gut, dass die anderen Evangelien und andere Quellen diese Situation anders erzählen! Sie sprechen von einem Sendungsauftrag. „Geht hin in alle Welt …“
Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir das nicht mehr so gerne hören. Ist „freuen“ und „danken“ nicht genug?
Ich fühle mich doch gesegnet, angenommen, geliebt … Ja, das ist etwas Wunderbares. Und genau deshalb möchte ich davon erzählen. „Wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund.“ (vgl. Lk 6,45)
Aber: haben wir heute noch den Mut dazu? In unserem ganz normalen Alltag, in der Begegnung mit Menschen, auf der Straße, in Versammlungen – wie die Jünger nach den anderen Überlieferungen? Oder ziehen wir uns lieber in den Tempel, in unsere Kirche, ins persönliche Gebet zurück?
Nur am Rande: hätten das die Jünger damals tatsächlich getan, hätte uns die frohe Botschaft nicht erreicht. Also: wollen wir, dass sie auch zukünftige Generationen erreicht?

P. Guido Hügen OSB

Darauf öffnete er ihren Sinn für das Verständnis der Schriften. (Lk 24,45 – ganze Lesung: Lk 24,36-49)

Was mir bei den biblischen Erzählungen der Erscheinungen des Auferstandenen vor seinen Jüngern auffällt, ist, dass Jesus oft als „Exeget“ auftritt, als einer, der seinen Jüngern die Schriften Israels auslegt. Schon bei der Erzählung über die Emmausjünger war das so, und auch in der heutigen Perikope ist es ähnlich. Jesus sagt es hier ganz deutlich: „Alles muss in Erfüllung gehen, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich geschrieben steht.“ Hier haben wir übrigens eine erste Beschreibung des Dreiklangs unseres heutigen Alten Testaments, das auch Tanach genannt wird – eine Wortschöpfung, die gebildet wird aus den hebräischen Begriffen Tora (das Gesetz des Mose), Nebiim (die Propheten) und Ketubim (die „Schriften“ der jüdischen Weisheitsliteratur, zu denen vor allem die Psalmen gehören).

Mit der Auferstehung bzw. Auferweckung mag zwar etwas Neues geschehen sein, was es vorher noch nie gegeben hat (erst die Spätschriften des Alten Testaments kennen eine Hoffnung auf die Auferstehung der Toten am Ende der Zeiten), aber dieses Neue ereignet sich auf dem Boden des Judentums. Jesus ist nicht gekommen, um das Judentum abzuschaffen oder um es durch eine andere Religion zu ersetzen. Er war selbst Jude und ist in den Traditionen seines Volkes aufgewachsen. Die Schriften Israels sind der Nährboden, von dem her die umstürzende Erfahrung der Auferstehung verstanden und ausgelegt werden kann. Deshalb will Jesus seinen Jüngern den Sinn für das Verständnis ihrer Schriften neu öffnen.

Im Lauf der Geschichte hat sich das Christentum immer mehr vom Judentum seiner Zeit gelöst – mit tragischen Folgen in den jüdisch-christlichen Beziehungen. Die Tochter löste sich immer mehr von der Mutter – und brach oft völlig mit ihr, ja, gab der Mutter die Schuld für alles, was bei der Tochter nicht aufgearbeitet war – ein bekanntes psychologisches Muster. Erst seit dem II. Vatikanischen Konzil wächst das Verständnis dafür, dass es die jüdischen Wurzeln sind, die auch uns tragen. So etwas wie „Judenmission“ kann es nicht geben. Kann man sich so einfach von den eigenen Wurzeln lossagen?

Jesus bleibt auch als Auferstandener eingebettet in die Traditionen seines Volkes und seiner Religion. Nur wer die Schriften Israels kennt und immer neu um ihr Verständnis bemüht ist, kann auch das Neue der Auferstehung verstehen. Deshalb beten wir Mönche auch täglich die Psalmen, die alten jüdischen Gebete, die so reich sind an menschlicher Erfahrung, um uns über die Jahre „hineinzubeten“ in unsere Wurzeln, die uns bis heute tragen und die wir nie abschneiden dürfen.

P. Maurus Runge OSB

Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schriften eröffnete? (Lk 24,32 – ganze Tageslesung: Lk 24,13-35)

Die Erzählung von den beiden Jüngern, denen auf dem Weg nach Emmaus Jesus selbst begegnet und die ihn beim gemeinsamen Brotbrechen erkennen, gehört für mich zu den schönsten Ostererzählungen überhaupt. Ich kann mich in ihr so gut wiederfinden, weil ich mir die Enttäuschung, die Resignation und die tiefe Traurigkeit der beiden Jünger so gut vorstellen kann. Wenn ein geliebter Mensch gegangen ist, bleibt die riesige Lücke, die niemand füllen kann. Dann will man den Verlust nicht wahrhaben und kann gar nicht richtig begreifen, was eigentlich passiert ist.

Dass die Jünger Jesus nicht erkennen, weil ihnen die „Augen gehalten“ waren, wundert mich nicht. Der leere Blick eines trauernden oder auch eines schwer depressiven Menschen drückt das für mich aus: Die Wahrnehmung ist eingetrübt und der Trauernde erscheint ganz weit weg von einem.

Mich berührt die Erzählung aber auch deshalb so sehr, weil die Jünger zwar traurig stehen bleiben, sich dann aber dem Fremden in ihrem Kummer anvertrauen. Für mich persönlich klingt darin an, was Seelsorge bedeuten kann: „Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet?“ Es tut gut, wenn jemand Anteil an meinem Kummer nimmt, wenn jemand nachfragt, was mich bedrückt. Und daher ist es so wichtig, auf den Trauernden und auf den Depressiven zuzugehen. Sodass er das Gefühl haben darf, nicht alleine zu sein auf seinem Weg durch die Trauer. Auch das schweigende Mitgehen auf diesem Weg kann genauso hilfreich sein,wie ganz praktisch das miteinander Essen (was Trauernde oft schlichtweg vergessen, weil sie ohnehin keinen Hunger mehr haben).

„Brannte nicht unser Herz in uns?“ Auch wenn die Jünger vermutlich noch nicht einmal beim gemeinsamen Mahl mit Jesus begreifen, wie ihnen geschieht: Sie wissen und spüren in dem Moment einfach, dass Jesus da ist.

Auch wenn wir letztlich gar nicht begreifen können, dass Jesus von den Toten auferstanden ist, sondern es das „Geheimnis unseres Glaubens“ bleibt, so dürfen wir an Ostern gemeinsam das Brot brechen und feiern, dass Jesus bei uns ist.

Br. Vincent Grunwald OSB

Tageslesung: Lk 24,1-12

Ostermorgen

Die Nacht wird hell wie der Tag sein, wie strahlendes Licht
Die Nacht
Das Licht
Die Sonne – Morgenrot
Maria Magdalena mit Tränen der Trauer in den Augen
In der Morgenstille macht sie sich auf zum Grab

Halleluja! Wer gleicht dem Herrn, unserem Gotte,
der oben thront in der Höhe?
Erhaben ist seine Herrlichkeit über alle Himmel.
Halleluja! Halleluja!

Im Spiegel.Glanz des Mondes erstrahlt die Morgenröte
Der Fels
Das Grab
Der Stein – Felsengrabstein
Wer wird den Stein wohl wegrollen
Ein Engel kam vom Himmel und wälzte den Stein weg

Halleluja! Tanze du Erde und frohlocke
Er hat sein Volk herausgeführt in Freude,
seine Erwählten in Jubel.
Halleluja! Halleluja!

Das Licht eines neuen Morgens über der Stadt
Der Stein
Das Grab
Das Licht – Licht.Glanz
Warum weinst du Maria aus Magdala? Wen suchst du?
Yeshua, meinen Herrn! Hast du ihn weggebracht? Wo liegt er?

Halleluja! Er hat meine Fesseln gelöst.
Mein Leben entriss er dem Tod:
So wandle ich vor Gott, im Lande der Lebendigen.
Halleluja! Halleluja!

Rosen erblühen im Morgenlicht am Grab im Felsen
Die Rose
Der Stein
Das Grab – Klarheit
Im Morgentau des ersten Tages hörst du: Maria!
Rabbuni! Meister! Die Tränen klären sich im Licht.
Fürchte Dich nicht! Er ist auferstanden!
Wahrhaft auferstanden! Halleluja! Er lebt! Amen.

Br. Benedikt Müller OSB

Und er nahm ihn vom Kreuz, hüllte ihn in ein Leinentuch und legte ihn in ein Felsengrab, in dem noch niemand bestattet worden war. (Lk 23,53, ganze Tageslesung: Lk 23,50-56)

Der Leib des Herrn ruht im Grab, die Welt liegt in Dunkelheit.
Alles ist überstanden. Das Werk unserer Erlösung ist vollbracht. Jetzt sind wir Kinder Gottes, weil Jesus für uns gestorben ist und sein Tod uns losgekauft hat.
Empti enim estis pretio magno! (1 Kor 6,20)
Du und ich sind um einen hohen Preis erkauft worden.

…Nun ist alles still.
Die schreckliche Not ist endlich vorüber.
Ein tiefer Friede liegt um das einsame Grab. Es ist der Friede der Vollendung.
Der drinnen schläft, hat mit göttlicher Treue alles zu Ende gebracht, was der Vater ihm aufgetragen hatte.

Ich lade Sie ein, diese Stille, diese Ruhe am Grab – Grabesruhe – auszuhalten und die Sehnsucht nach der Ostersonne nicht zu vergessen.
…Und es ist uns, als wetterleuchte schon die nahende Osterherrlichkeit um den stillen Ort, so schreibt es Romano Guardini.

Benjamin Schmolck hat 1715 gedichtet: Ich gehe zu deinem Grabe, du großer Osterfürst, weil ich die Hoffnung habe, dass du mir zeigen wirst, wie ich kann fröhlich sterben und fröhlich auferstehn und mit des Himmels Erben ins Land des Lebens gehen.

+ Aloysius Althaus OSB

Und der Vorhang des Tempels riss mitten entzwei. Und Jesus rief laut: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände! (aus Lk 23,32-49)

Wir haben gestern am Gründonnerstag unsere Kirche leergeräumt. Alle Kerzen, alles Schmückende ist weg. Der Tabernakel ist leer, und das ewige Licht erloschen. Es ist seltsam, heute am Karfreitag kann man in der Abteikirche eine Weite erleben, die ganz weit von dem scheint, was wir heute in der Sterbestunde Jesu erfahren und erleben. Der Vorhang ist zerrissen, und wir blicken auf einen Raum, der durch seine Leere Dinge sichtbar macht, die andern Tags verborgen bleiben.
Als der Jesuit Hugo Makibi Enomiya-Lassalle, in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts in Japan dem Buddhistischen Weg des Zen begegnete und er begann, sich intensiv mit der Zen Meditation auseinanderzusetzen, da begegnete er einem Zen Meister, der ihn durch seine große Ruhe und Gelassenheit tief beeindruckte. Er wusste, dass der Zen Mönch im Zweiten Weltkrieg Schreckliches erlebt hatte und dass er in dieser Zeit mehrmals fast verhungert wäre. Trotz alledem war er nicht verbittert.
Lassalle fragte ihn eines Tages, wie es denn komme, dass er so in sich ruhe, und dass er gegen niemanden einen Groll hege? Der Meister erzählte ihm, dass er genau in der Zeit, als er so Schreckliches erleben musste, eines Tages in sich einen Raum fand, in dem vollkommener Frieden war. Dieser Ort war kein Fluchtraum oder ein Raum der inneren Immigration. Er berichtete Lassalle, dass sich, in dem Moment, da er den Raum gefunden hatte, alles um sich wandelte. All der Schrecken war auf einmal für ihn unwesentlich geworden.
Man kann besonders an einem Tag wie heute so eine Geschichte gut falsch verstehen. All das Leid, der Schmerz, der Menschen zugefügt wird, ist erst einmal wesentlich. Grausamkeit und Leid sind Realitäten in unserer Welt, und sie gehen uns alle an. Auch die Passion erzählt ja heute dies.
Doch gleichzeitig sind eben alle Lebewesen, auch immer viel mehr als nur ihre Existenz.
Wir sind nicht nur statisch, sondern immer auch im Wandel.
Wir haben es ja gerade in der  Fastenzeit erlebt, durch die wir gegangen sind.
Und wir werden diese Wandlung in unserem Sterben erleben. Es werden dann Dinge sichtbar werden, es werden sich Räume öffnen, die sonst verborgen bleiben.

Wir erfahren es heute, und wir werden es an Ostern erleben.

Br. Balthasar Hartmann OSB