Vom Ersten Advent 2020 bis zum Epiphaniefest, dem 6. Januar 2021, war unsere Abteikirche jeden Abend bis 23.00 Uhr und morgens von 6.00 Uhr bis 8.30 Uhr orange erleuchtet. Von vielen haben wir positive Rückmeldungen erhalten, dass sie die Illumination als Hoffnungszeichen in dunklen Zeiten erlebt hätten. Und ganz nebenbei konnten wir uns in die Initiative „Orange the world“ einreihen, die jedes Jahr im November und Dezember ein sichtbares Zeichen gegen Gewalt vornehmlich an Frauen setzen möchte. Mit unserer Friedenskirche fühlen wir uns diesem Anliegen sehr verbunden. Ganz herzlich danken wir den Sponsoren und Helferinnen und Helfern, die die Realisierung dieses Projektes ermöglicht haben. Viele haben uns ermutigt, über eine dauerhafte Beleuchtung der Abteikirche nachzudenken. Das erfordert natürlich gute Überlegungen und Zeit, die wir uns dafür nehmen möchten.

In einem Interview mit der Westfalenpost hat unser Cellerar, P. Julian, einiges zu den Hintergründen der Beleuchtung erläutert.

Zum Ende der Beleuchtungszeit haben wir, ähnlich wie in der Silvesternacht, noch einmal ein kleines Lichtfeuerwerk aufleuchten lassen. Auf dem Video können Sie sich das in aller Ruhe anschauen:

Und hier noch einige Fotos der erleuchteten Abteikirche:

 

Geh mit Gott!
Aber geh.

Diesen Ausruf,
vielleicht auch nur inneren Seufzer,
kennen wir alle.

Gibt ihm das heutige Evangelium
nicht eine andere Richtung,
als wir sie sonst kennen?!

Geh!
Mache dich auf!
Kehr um!

Denn das Himmelreich ist nahe.

Geh mit Gott!
Geh endlich los.

Die Menschen warten auch auf dich.
Auf dein Tun.
Auf deine frohe Botschaft.

Geh mit Gott!
Das Himmelreich ist nahe.

P. Guido Hügen OSB
Zeichnung: Christina Kulot

Normalerweise besuchen uns in den Exerzitien um den 6. Januar die Sternsinger im Klosterrefektorium, um uns den Segen für das neue Jahr zuzusingen. In diesem Jahr konnten sowohl die Exerzitien als auch der Besuch der Sternsinger nicht in der gewohnten Form stattfinden. Nichtsdestotrotz freuen wir uns, dass beides in veränderter Form möglich war. Die Exerzitien gestalteten wir als „stille Tage“ für unsere Gemeinschaft. Es gab einige geistliche Angebote, die von einzelnen Brüdern gestaltet wurden (Anbetung, Bibelteilen, Rosenkranzgebet, Filmexerzitien), vor allem aber war eine Atmosphäre der Ruhe im Haus spürbar, und die Arbeitsbereiche waren noch nicht vollständig geöffnet, so dass sich jeder gut auf die Gelübdeerneuerung vorbereiten konnte, die am Epiphanietag im Kreis unserer Gemeinschaft stattfindet.

Die Sternsinger mit Abt Aloysius vor der Abteikirche

Besonders hat es uns gefreut, dass die Sternsinger aus der Gemeinde Maria Himmelfahrt nach unserem Konventamt am 3. Januar bei uns waren. Auch wenn das Singen in diesem Jahr entfallen musste, haben sie uns doch den Segen gebracht, den die Leute auf den bekannten Kärtchen in ihre Häuser mitnehmen konnten. „Heller denn je“ – so lautete das Thema der diesjährigen Dreikönigsaktion – gerade in dunklen Zeiten soll die Botschaft der Sternsinger heller denn je in unseren Herzen und Häusern leuchten – und ganz konkret jetzt auch auf unserem Kirchplatz!

„Heller denn je“ – Segen auf dem Kirchplatz

Wir danken den jungen Königen für ihren Besuch bei uns, die mit ihrer Aktion auch immer notleidende Kinder in aller Welt unterstützen – und das ist in diesem Jahr auch kontaktlos und digital möglich.

Die Geburt eines Sternes

Vor einigen Tagen war auf einem großen deutschen Nachrichtenportal ein Foto der sogenannten „Wishing Wall“ auf dem New Yorker Times Square zu sehen. Hierbei handelte es sich um eine Wand, bei der Passanten Wünsche für das neue Jahr auf kleine bunte Zettel schreiben und dann auf ihr anpinnen konnten. In der Silvesternacht wurden diese Wunsch-Zettel dann als Konfetti verwendet.

 

Besonders im Fokus der gezeigten Fotografie, auf der also bereits angepinnte Zettel zu sehen waren, war der Wunsch, der Coronavirus möge besiegt werden – das ist wohl ein Wunsch, den wir alle nachvollziehen können.

Ein weiterer Wunsch, der mich nachdenklich gestimmt hat, war allerdings unscharf dahinter zu sehen: „I wish to meet my idols“ – zu Deutsch: „Ich wünsche mir, meine Vorbilder zu treffen“ oder, etwas genauer und dazu prägnanter übersetzt: „Ich wünsche mir, meine Idole/Götzen zu treffen“.

 

Zur Zeit der Geburt Jesu war die Vorstellung verbreitet, jeder Mensch habe seinen Stern, bedeutende und reiche Leute einen hellen, die anderen einen unscheinbaren, der mit der Geburt entsteht und mit dem Tod erlischt.

 

Die Magier vertrauten wohl dieser Überzeugung. Sie nahmen – so geht die Erzählung im Evangelium zum heutigen Tag – einen neuen, hellen Stern wahr, sodass sie sich auf den langen Weg nach Betlehem machten, um dem neugeborenen König zu huldigen.

 

König Herodes war – als Herrscher – das, was man heute vielleicht als „Star“ bezeichnen würde. Er sieht seine Macht durch den neuen König angezweifelt, schließlich erfährt auch er von dem neuen, hellen Stern. Der neue Stern passt weder in sein Selbstbild, noch in sein Weltbild, denn er und seine Herrschergewalt sind gewissermaßen sein eigenes Idol. Er macht sich selbst zum Götzen. Dies wird im weiteren Verlauf der Geschichte zu großem Unglück führen (Mt 2,16).

Die Magier scheinen seinen Aberglauben jedoch zu durchschauen. Sie machen sich voll Vertrauen auf den Weg zu Christus, dem wahren König, der sein Volk nicht mit Gewalt beherrscht, sondern voll Dienstbarkeit in die Welt kommt. Von ihm lassen sie sich zutiefst berühren, geben sich ihm hin und werden durch ihn gewandelt.

 

Welche Wünsche habe ich für das neue Jahr? Wer ist mein Stern, was sind meine Sterne? Gibt es Wünsche, die nur vermeintlich Sterne sind, die ich aber als Götzen entlarven kann, sodass ich stattdessen Ausschau nach dem wahren Stern, Ausschau nach dem wahren König halten kann?

Br. Josef Ellendorff OSB

Liebe Leserin, lieber Leser,

im Schlussgebet der heutigen Eucharistiefeier heißt es: Gib uns Kraft für unseren Weg zu dir und schütze uns in deiner nie versagenden Liebe.

Wir sind auf dem Weg, unserem Lebensweg. Wir pilgern unserer himmlischen Heimat entgegen, dem Licht, das keinen Abend kennt. Für jeden Schritt und alle Lebenssituationen, die wir erleben und in die wir gestellt werden, tut es Not, den Schutz und die Hilfe Gottes zu erbitten.

Schütze uns in deiner nie versagenden Liebe. Auch diese Worte gilt es „auszukosten“, immer wieder, täglich neu.

Gott ist Liebe. Er ist treu und sorgsam!

Diethard Zils hat es in einem Liedtext so zum Ausdruck gebracht: Weil wir neues Leben suchen, darum folgen wir dem Stern (Gotteslob Nr. 262).

Ich wünsche Ihnen einen solchen Stern, einen Orientierungspunkt, der Halt und Richtung schenkt.

P. Gabriel O.C.D. hat in einer Betrachtung zum Fest Epiphanie folgende Gebetsworte gesprochen:

Lass auch mir heute deinen Stern erstrahlen, und weise mir den Weg zu dir hin. Lass auch mich heute eine wahre Epiphanie erleben, eine neue Offenbarung deiner selbst an meinem Geist und meinem Herz.

In herzlicher Weggemeinschaft

Ihr
+ Aloysius Althaus OSB

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich wünsche Ihnen ein frohes und gesegnetes Jahr 2021.

Im Evangelium des Tages heißt es bei Johannes: „Jesus antwortete: „Kommt und seht“! Da gingen sie mit und sahen, wo er wohnte.“

Diese Einladung gilt jeder und jedem persönlich.

Lassen wir uns erneut auf diese Einladung ein. Öffnen wir Augen und Ohren. Ja, beginnen wir wieder neu, uns auf IHN, das Lamm Gottes, auszurichten.

Ich möchte Ihnen Gebetsworte von Alkuin von York anvertrauen:

Ewiges Erbarmen, werde uns zuteil, damit wir mit unserem ganzen Herzen und Verstand, mit unserer Seele und Kraft dein Antlitz suchen und durch deine unendliche Gnade und Barmherzigkeit zu deiner heiligen Anschauung gelangen.

Ihr

+ Aloysius Althaus OSB

von P. Klaus-Ludger Söbbeler OSB

„Passwort vergessen?“ – Ärgerlich ist das, wenn ich beim Arbeiten am Rechner den Zugang zu einem Programm oder einer Homepage brauche; schnell habe ich eingetippt, was mir als das zugehörige Passwort in Erinnerung ist und dann poppt auf: „Passwort vergessen?“. Meist war es nur ein leicht zu korrigierender Flüchtigkeitsfehler, manchmal ist aber auch ein lästiges Herumsuchen fällig, bis ich schließlich weiterkomme. Es fehlt das richtige, entscheidende Wort, damit etwas passiert, – das Passwort eben. Übrigens kein Phänomen, das erst mit der Digitalisierung aufgetaucht ist. Schon der alte Goethe kannte das, als er 1797 die Ballade vom Zauberlehrling schrieb: Immerhin kennt der Zauberlehrling das Passwort, um in Gang zu bringen, was er vorhat. Viele werden die Verse noch aus der Schulzeit kennen:

Walle! walle
Manche Strecke,
Dass, zum Zwecke,
Wasser fließe
Und mit reichem, vollem Schwalle
Zu dem Bade sich ergieße.

Damit wird der Besen zum Hausknecht, der das Wasser aus dem Brunnen holt, um das Bad für den ebenso vorwitzigen wie bequemen Herrn Zauberlehrling zu füllen. – Aber dann, oh Schreck: es fehlt das Wort, um das Ganze zu beenden, bevor das Haus völlig unter Wasser steht.

Stehe! stehe!
Denn wir haben
Deiner Gaben
Vollgemessen! –
Ach, ich merk es! Wehe! wehe!
Hab ich doch das Wort vergessen!
Ach, das Wort, worauf am Ende
Er das wird, was er gewesen!

In dieser humorigen Szene aus Goethezeiten spiegelt sich etwas, was mir in ziemlich ernsthafter Version in unserer augenblicklichen Corona-Bedrückung durch den Kopf geht. Es fühlt sich an wie „Passwort vergessen?“ oder Wehe! wehe! Hab ich doch das Wort vergessen! Ach, das Wort, worauf am Ende er das wird, was er gewesen!

Neben der konkreten Bedrohung für Leib und Leben durch das Corona-Virus zerrt an den Nerven, dass im Augenblick kein Mensch wirklich weiß, wann und wie das Ganze zu stoppen ist. Wir meinten, alles im Griff zu haben und jetzt haben wir die Kontrolle verloren! Unsere Gedanken und Gespräche, unzählige Äußerungen von Experten und Politikern behaupten alles Mögliche, aber bis jetzt hat keiner das Wort gefunden, mit dem wir Corona loswerden; wir stehen da wie Zauberlehrlinge: Herr, die Not ist groß! Die ich rief, die Geister, Werd ich nun nicht los.

Liebe Schwestern und Brüder,

Angesichts dieser, so möchte ich es einmal nennen, allumfassenden Wortfindungsstörung wirken die großen, souveränen Worte des Johannesprologs, die wir gerade als Evangelium gehört haben, wie aus der Zeit gefallen:

Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne es wurde nichts, was geworden ist. In ihm war Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst. Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.

Man ahnt: Diese Sätze hätten die Kraft zu wirken, wenn es gelänge, sich von ihnen ergreifen zu lassen. Doch klingen sie angesichts des Wortgedröhns um die Corona-Pandemie nicht „wie ein Märchen aus uralten Zeiten“? Das tut umso mehr weh, je mehr wir merken, wie sehr es gerade hier und jetzt auf solche „wirkenden Worte“ ankäme.

  • Wie Zugang finden zu einem Wort, das nicht ins Leere geht, sondern etwas „werden“ lässt.
  • Wie Zugang finden zu einem Wort, das nicht runterzieht und verdunkelt, sondern in dem „Licht und Leben“ steckt?
  • Wie Zugang finden zu einem Wort, das nicht „von der Finsternis verschluckt wird“, sondern in der Dunkelheit leuchtet?

Die Antwort auf solche Fragen wird nicht so einfach zu finden sein wie ein Zauberspruch oder wie ein Computerpasswort. – Doch, warum sich nicht zumindest auf die Suche machen? Ist es nicht eine grundlegende Lebenserfahrung, dass sich die wirklich wichtigen Dinge Schritt um Schritt erschließen, wenn man mit ihnen lebt, statt nur über sie zu grübeln und zu reden? – Deshalb: Was wären nächste Schritte, um das Wort zum Wirken zu bringen, das uns aus dem lähmenden Gerede befreit und einen Weg weist, der weiterführt?

Ich schlage die Schrittfolge der „Stationen auf dem Wege zur Freiheit“ vor, die Dietrich Bonhoeffer Ende Juli 1944 aufschrieb, als ihm klar vor Augen stand, dass seine persönliche Situation in der Nazi-Gefangenschaft aussichtslos war. Ich glaube, diese Sätze haben wirklich die Kraft, als Widerhall des „Licht und Leben“ bringenden „Wortes“ zu wirken, von dem das Evangelium spricht. Bonhoeffer sieht vier Stationen auf dem Weg, der das „Wort, das am Anfang war“, Wirklichkeit werden lässt bringt. Er spricht von der „Zucht“, von der „Tat“, vom „Leiden“ und schließlich vom „Tod“:

Zucht.
Ziehst du aus, die Freiheit zu suchen, so lerne vor allem Zucht der Sinne und deiner Seele, dass die Begierden und deine Glieder dich nicht bald hierhin, bald dorthin führen. Keusch sei dein Geist und dein Leib, gänzlich dir selbst unterworfen, und gehorsam, das Ziel zu suchen, das ihm gesetzt ist. Niemand erfährt das Geheimnis der Freiheit, es sei denn durch Zucht.

Tat.
Nicht das Beliebige, sondern das Rechte tun und wagen, nicht im Möglichen schweben, das Wirkliche tapfer ergreifen, nicht in der Flucht der Gedanken, allein in der Tat ist die Freiheit. Tritt aus ängstlichem Zögern heraus in den Sturm des Geschehens nur von Gottes Gebot und deinem Glauben getragen, und die Freiheit wird deinen Geist jauchzend umfangen.

Leiden.
Wunderbare Verwandlung. Die starken tätigen Hände sind dir gebunden. Ohnmächtig einsam siehst du das Ende deiner Tat. Doch atmest du auf und legst das Rechte still und getrost in stärkere Hand und gibst dich zufrieden. Nur einen Augenblick berührtest du selig die Freiheit, dann übergabst du sie Gott, damit er sie herrlich vollende.

Tod.
Komm nun, höchstes Fest auf dem Wege zur ewigen Freiheit, Tod, leg nieder beschwerliche Ketten und Mauern unsres vergänglichen Leibes und unsrer verblendeten Seele, dass wir endlich erblicken, was hier uns zu sehen missgönnt ist. Freiheit, dich suchten wir lange in Zucht und in Tat und in Leiden. Sterbend erkennen wir nun im Angesicht Gottes dich selbst.

Als tiefes Schweigen das All umfing, (…) da sprang dein allmächtiges Wort vom Himmel, vom königlichen Thron herab.  (Weish 18,14-15)

Wann haben Sie sich im Familien- oder Freundeskreis das letzte Mal Geschichten erzählt?
Eine Geschichte kann bedeuten: Ein Märchen, wie sie früher erzählt wurden. Oder: Den Kindern oder Enkelkindern von der eigenen Kindheit und ihren Abenteuern erzählen. Oder: lustige Geschichten, die man von anderen gehört hat. Oder: Ein Buch mit Geschichten nehmen, um vorzulesen.
Früher war es üblich, in der Winterzeit zu erzählen. Die Nächte sind lang und das Wetter kalt, Arbeit draußen ist kaum möglich. Da saß man in der „guten Stube“ am Ofen und einer erzählte oder las Geschichten vor, während die anderen zuhörten. Das stiftet Gemeinschaft und verankert jeden einzelnen in Kultur und Geschichte der Familie und der näheren Umgebung. Es ist ein urmenschliches Phänomen.
Papst Franziskus sagte dazu in seiner Botschaft zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel 2020: „Der Mensch ist nicht nur das einzige Lebewesen, das Kleidung braucht, um seine Verwundbarkeit zu verhüllen (vgl. Gen 3,21) – er ist auch das einzige, das von sich erzählen, sich in Geschichten ‚kleiden‘ muss, um sein Leben zu bewahren. Wir weben nicht nur Kleider, sondern auch Erzählungen: die menschliche Fähigkeit zu ‚weben‘ bringt Textilien und Texte hervor.“
Ein schönes Bild: Texte und Geschichten sind die Textilien, die uns unsere seelische Verwundbarkeit verhüllen und uns mit einer ganz persönlichen Zugehörigkeit kleiden. Das ist etwas, was uns Sicherheit gibt und uns prägt. Wir werden durch unsere eigene Geschichte zu ganz einzigartigen Menschen, aber auch durch die Geschichten anderer.
Das weiß auch die Bibel. Aus diesem Grund besteht sie fast nur aus Geschichten, aus dem, was Menschen mit Gott und mit dem Nächsten erlebt haben, und sie ordnet an zu erzählen. „Wenn dich morgen dein Kind fragt (…), dann sollst du deinem Kind antworten:“ (Dtn 6, 20f.) und es soll die Geschichte des Exodus erzählt werden.
Wir leben in den schweren Zeiten einer Pandemie. Wir sind auf uns und auf unseren engsten Kreis zurückgeworfen. Die Welt umfängt scheinbar tiefes Schweigen, weil wir nicht so feiern können, wie wir es gewohnt sind. Müssen wir da in Trübsal  verstummen? Müssen uns die Worte fehlen?
Ich würde behaupten: Nein!
Warum? Weil ein Wort vom Himmel in die Welt gesprungen ist und es selbst, das die große Geschichte der Welt erzählt, soweit ging, dass es Fleisch wurde und es uns Kunde gebracht hat – also Geschichten erzählt. (vgl. Joh 1,14.18) Alle Texte der heutigen Messe fordern uns auf, zu erzählen von früher und von unserer Hoffnung.
Darum noch einmal meine Frage: Wann haben Sie sich das letzte Mal Geschichten erzählt?
Und mein Vorschlag: Nutzen Sie diese weihnachtliche Gelegenheit, um sich im Kreis Ihrer Lieben – real oder digital – zu treffen, es sich bei Gebäck und warmen Getränken gemütlich zu machen und um zu erzählen: Geschichten gegen die Einsamkeit und das Schweigen der Pandemie und den dunklen Winter, um uns so mit Worten zu stärken, wie auch Gottes Wort als Mensch uns stärken will.

Br. Symeon Müller OSB

So lass uns ruhig sein
In dieser Liebe
So lass uns ruhn
In unserer einen Liebe

So lass uns
Leben
Tag für Tag
Mit Menschen
Und allem
Was wir uns schaffen

So lass uns
Ganz innig
Und still
Und dankbar
Unsere Liebe bergen
In den Tiefen

Lass uns
Darin gründen

Und leben
Tag für Tag

(Verfasser unbekannt)

Er, die Liebe, ist Mensch geworden, ist konkret in mein Leben gekommen. Das haben wir an Weihnachten gefeiert. Meine Liebe und Sehnsucht zu IHM und seine Liebe zu mir – sie sind sich begegnet. Oder in den Worten des Weihnachtsliedes ‚Ich steh an deiner Krippen hier‘: „Da ich noch nicht geboren war, da bist du mir geboren und hast dich mir zu eigen gar, eh’ ich dich kannt’, erkoren. Eh’ ich durch deine Hand gemacht, da hast du schon bei dir bedacht, wie du mein wolltest werden.“

In dieser Liebe, in diesem Geliebt-sein, mein Leben gestalten. Die Höhen und Tiefen des neuen Jahres 2021, die Begegnungen, das Freuen und Weinen – es soll gegründet sein in dieser Liebe. Sie soll das Fundament sein, was mir festen Stand, festen Halt gibt – in all dem, was auf mich, auf uns zukommt.

Ja – lassen Sie uns in diesem neuen Jahr wieder darin gründen, darauf gründen. Auf diese unerschütterliche Liebe Gottes zu mir – komme auch, was will.  ER IST DA!

P. Jonas Wiemann OSB

In Süddeutschland, wo ich aufgewachsen bin, war häufig die Zeit um Neujahr der Moment, in welchem Neuschnee gefallen ist. Manchmal fing es wie bestellt in der Silvesternacht an, und am nächsten Morgen war die ganze Welt weiß und verwandelt. Wir Kinder sind dann oft schon in der Nacht nach draußen gegangen, um kleine Abenteuer zu erleben. Im frisch gefallenen Schnee auf den stillen Straßen war es ein Riesenspaß, über die Wege zu schlittern und im Schnee erste Spuren zu hinterlassen.

Der Benediktiner David Steindl-Rast nimmt in seinem Buch „Credo“ den jungfräulichen Schnee als ein Bild, um das Wunder der Jungfrau Maria auch für einen eher skeptischen Menschen begreifbarer zu machen. Nicht das Enge, Dogmatische ist wirklich wichtig, sondern das Geheimnis der Muttergottes geht viel tiefer.

Die Welt zeigt sich uns von einem Moment auf den anderen jungfräulich eingeschneit, sie ist ohne unser Zutun verwandelt, und das Leben wird beginnen, in diesem Schnee seine Spuren zu hinterlassen. Es ist wie die weiße Leinwand, das leere Blatt Papier. Die Stunde Null.

Maria hinterlässt ihre Spuren, und sie, Maria, die Muttergottes wird (ihre) Geschichte schreiben.

Heute am Neujahrstag zu Beginn des Jahres 2021 gehen sicher viele von uns mit hoffnungsvollen oder bangen Schritten voran. Wir haben unsere Träume oder auch Sorgen. Die Menschheit hat im vergangenen Jahr ein gemeinsames Thema gefunden, um neue Spuren zu schreiben. Wann endlich wird diese Pandemie enden? Werden wir aus der Vergangenheit lernen? Werden wir Abenteuer wagen?
Eine neue Welt tut sich zart auf.
Der Wintermorgen wartet auf unsere Spuren im Schnee.

Br. Balthasar Hartmann OSB