Gleich zwei Ereignisse heben den 1. August 2020 als besonderen Tag aus dem Alltag des klösterlichen Lebens heraus: die Noviziatsaufnahme von Bruder Jonathan (Tim) von Holst, und die Verlängerung der Zeitlichen Profess von Bruder Cyprian Burra aus der Abtei Ndanda in Tansania, der als einer unserer Austauschstudenten unserer Gemeinschaft in Königsmünster auf Zeit anvertraut ist.

Um 10.30 Uhr versammelten sich die Verwandten und engen Freunde unseres Postulanten Tim von Holst im Kapitelsaal, dem Zentrum klösterlichen Lebens, der seinen Namen vom klösterlichen „Kapitel“, also der Gemeinschaft eines Klosters, wie auch vom Kapitel der Regel Benedikts herleitet, die einer alten Tradition zufolge in diesem Raum täglich gelesen und ausgelegt wurde. Abt Aloysius stellte die Feier der Noviziatsaufnahme unter das Leitwort der Barmherzigkeit, einer der wichtigsten Eigenschaften Gottes, die in unserem Leben zugleich Gabe und Verpflichtung beinhaltet. Die Feier begann mit dem Zeichen der Barmherzigkeit schlechthin, das Jesus seinen Jüngern am Abend vor seinem Tod überliefert hat: der Fußwaschung, die Abt und Novizenmeister am Postulanten vollzogen. Ebenso erhält der neue Novize im Rahmen der Aufnahme das Skapulier angezogen, eine Art „Überwurf“ über den Habit – während der Zeit des Noviziates noch einige Zentimeter kürzer. Auch die Regel Benedikts als „Joch, unter dem er dienen will“ bekommt er überreicht. Das Wichtigste aber ist der Name, den sich der Kandidat als Zeichen des Beginns eines neuen Lebens in Christus aussucht. Tim hat sich den Namen Jonathan ausgesucht, des Sohnes von König Saul und treuen Freundes von König David, so dass er fortan als Bruder Jonathan bei uns seinen klösterlichen Weg fortsetzen wird.

Abt Aloysius überreicht Br. Jonathan die Benediktsregel.

In der Vesper um 18.30 Uhr konnte Bruder Cyprian dann seine Zeitliche Profess um drei Jahre und drei Monate verlängern. Das ist insofern ein besonderer Fall, weil Cyprian zur Abtei Ndanda im Süden Tansanias gehört, im Rahmen seiner theologischen Studien aber eine längere Zeit in unserer Abtei lebt. So legt er die Verlängerung seiner Profess zwar inmitten unserer Gemeinschaft ab, jedoch auf die Abtei Ndanda, der er auch weiterhin angehört, und nach Abstimmung mit den Verantwortlichen dort. Bruder Cyprian befindet sich gerade in den letzten Vorbereitungen zur Beendigung seines Sprachkurses; seine abschließende Prüfung, die ihn zum Studium an einer Universität befähigen soll, wird er Mitte August ablegen. Wenn diese Prüfung erfolgreich ist, wird er dann zum Wintersemester 2020/21 sein Theologiestudium beginnen.

Br. Cyprian unterschreibt seine Professurkunde.

Wir gratulieren Bruder Jonathan und Bruder Cyprian an diesem Tag und wünschen ihnen Gottes Segen auf ihren weiteren Schritten im klösterlichen Leben.

Auch in diesem Jahr stehen im Rahmen des Spirituellen Sommers zwei geführte Wanderungen von Kloster zu Kloster, also vom Bergkloster Bestwig zur Abtei Königsmünster und zurück, auf dem Plan. Der Pilgerweg ist von einer Arbeitsgruppe in Kooperation der beiden Ordengemeinschaften entwickelt worden und erfreut sich mittlerweile bei Einzelgästen und Gruppen großer Beliebtheit. Derzeit laufen Überlegungen zu einer professionellen Beschilderung des Weges. Trotz der Corona-Pandemie konnte die erste geführte Wanderung vom Bergkloster zur Abtei stattfinden, wenn auch mit einer reduzierten Gruppe unter Wahrung der besonderen Regeln. So musste sich jeder, der teilnehmen wollte, vorher anmelden. Der Imbiss am Ende der Wanderung, der sonst vorgesehen ist, musste entfallen.

Am Sonntag, den 28. Juni 2020, versammelten sich die interessierten Wanderinnen und Wanderer an der Pforte des Bergklosters, wo die Wanderung ihren Ausgangspunkt hatte. An zehn Stationen auf dem ca. 18 km langen Weg gab es kurze Impulse, die sich an bestimmten Merkmalen am Weg und am Leben der beiden Gründungsheiligen der Ordensgemeinschaften orientierten. So ging es an der Veleda-Höhle um die „Höhlenerfahrung“ des hl. Benedikt, am Bahnübergang in Wehrstapel um unsere mobile Welt, und lange Wege regten zum Nachdenken über die Wegerfahrungen der hl. Maria Magdalena Postel an.

Ein besonderer Akzent war die Eucharistiefeier mitten im Wald auf dem Ostenberg, dem höchsten Punkt der Route. Hier wurde deutlich, dass Kirche wirklich pilgerndes Gottesvolk ist, Kirche auf dem Weg, die sich immer wieder im Hören auf das Wort Gottes und im Brechen des Brotes ihrer Quellen vergewissert, um gestärkt für die weitere Reise zu sein. Die angenehmen Temperaturen und der ausbleibende Regen trugen das Ihrige zum Gelingen des Tages bei. Am Ende des Tages gab es von Seiten der Teilnehmenden sehr positive Rückmeldungen – viele werden den Weg sicher nicht zum letzten Mal gegangen sein.

Die nächste Wanderung von Kloster zu Kloster findet am Sonntag, den 6. September 2020, statt. Sie führt von der Abtei Königsmünster zum Bergkloster Bestwig. Genauere Informationen erhalten Sie zu gegebener Zeit in der lokalen Presse.

Fotos: Ulrich Bock / SMMP

 

Abtprimas Gregory Polan OSB hat unseren P. Julian Maria Schaumlöffel OSB zum neuen Präsidenten der ICBE (International Commission on Benedictine Education, dt.: Internationale Kommission für Benediktinische Erziehung) berufen. P. Julian übernimmt diese Aufgabe von Abt Elias Lorenzo OSB, der im Februar diesen Jahres von Papst Franziskus zum Weihbischof der Diözese Newark, New Jersey/USA ernannt wurde.

P. Julian ist damit der oberste Repräsentant aller Benediktinerschulen weltweit. Seine Arbeit besteht vor allem im Pflegen der Kontakte und in der Vorbereitung der internationalen Treffen. Das nächste internationale Lehrertreffen „BENET 2022“ wird in Rio de Janeiro stattfinden. P. Julian hat schon an mehreren Treffen der ICBE teilgenommen und konnte so schon einige Kontakte knüpfen. 2005 hat er den Dritten Internationalen Benediktinischen Jugendkongress (TIBYC) mit organisiert, der in unserer Abtei stattfand.

Schon lange ist uns die internationale Vernetzung der benediktinischen Schulen ein wichtiges Anliegen. Unser P. Michael Hermes OSB (+ 2014) war einer der Pioniere dieser Arbeit. Unser Gymnasium der Benediktiner unterhält Austauschprogramme mit benediktinischen Schulen u.a. in Ungarn und England und pflegt seit einigen Jahren eine Partnerschaft mit der Berufsschule der Abtei Mvimwa in Tansania.

Wir freuen uns, dass mit der Berufung von P. Julian auch die Arbeit unseres Gymnasiums eine große Wertschätzung erfährt, und wünschen ihm Gottes Segen für die neue Aufgabe!

 

 

Am Sonntag, den 5. Juli 2020, eröffnet der Soester Domorganist Stefan Madrzak den 17. Mescheder Orgelsommer hier an der Klais-Orgel unserer Abteikirche.
Das Konzert beginnt um 20.00 Uhr, Eintrittskarten können nur an der Abendkasse erworben werden.

 

In den letzten Tagen hat unsere AbteiGaststätte ein Hygienekonzept erarbeitet, das eine Öffnung nicht nur für den Außerhausverkauf, sondern auch für den Hausverzehr möglich macht. So können wir Ihnen die freudige Mitteilung machen, dass ab dem 3. Juli 2020 die AbteiGaststätte freitags, samstags und sonntags öffnet, und zwar zu folgenden Zeiten:

  • freitags
  • samstags
  • sonntags
  • 14.00 Uhr – 17.30 Uhr
  • 11.00 Uhr – 17.30 Uhr
  • 14.00 Uhr – 17.30 Uhr

Angeboten werden Kaffee und Kuchen aus unserer Konditorei und samstags unsere leckeren Eintöpfe. Der Außerhausverkauf findet auch weiterhin statt. Am Eingang der Gaststätte werden Sie von uns empfangen und zu Ihrem Sitzplatz geführt.

An den Samstagen der NRW-Sommerferien (4.7./11.7./18.7./25.7./1.8./8.8.) finden um 10.30 Uhr und um 14.00 Uhr in Kleingruppen Führungen durch die Abteikirche und über das Klostergelände statt. Treffpunkt für alle Interessierten ist das AbteiForum. Ebenso findet an den Samstagen im AbteiForum ein Missionsbasar statt, mit dem wir unsere Bildungsprojekte in Afrika unterstützen. Herzlich willkommen!

Die Sommererlebnisabende dienstags müssen in diesem Jahr leider ausfallen!

 

 

Die Abiturientia des Jahres 2020 wird wohl noch lange an die Bedingungen zurückdenken, unter denen sie ihre Prüfungen abgelegt haben: Letzter Schultag und Abisturm nur sehr eingeschränkt, Abiturvorbereitung im Home Schooling, Abiturklausuren mit Abstands- und Hygieneregelungen. Nichtsdestotrotz freuen wir uns um so mehr, dass 74 Abiturientinnen und Abiturienten von unserem Gymnasium der Benediktiner in einer Feier im Klostergarten am 20. Juni 2020 ihre Zeugnisse in Empfang nehmen konnten. Die Verabschiedung fand in kleinerem Rahmen als gewöhnlich statt, nur die engsten Familienangehörigen der Absolvent*innen waren eingeladen. Da unsere Räume wie Aula und Kirche für die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen zu klein sind, fand die Feier draußen im Klostergarten statt – bei strahlendem Sonnenschein.
Wir gratulieren allen Abiturientinnen und Abiturienten herzlich zum bestandenen Abitur und wünschen Ihnen Gottes Segen für die Zukunft!

von Weihbischof Dominicus Meier OSB

 

„Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?“ –
So, liebe Schwestern und Brüder, lautet ein Buchtitel des Philosophen und Publizisten Richard David Precht. In 54 Kapiteln geht Precht den Fragen nach: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen?, und meint, in der Beantwortung dieser Fragen komme man der eigenen Identität auf die Spur.
Auch uns Christen beschäftigt immer wieder die Suche nach unserer Identität. Ein Christ fragt: Was macht mich aus? Hat meine Identität mit meiner Gottesbeziehung zu tun? Und wo ist der Ort, diese Identität zu leben: in der Familie, in einer Gemeinschaft oder allein?
Zunächst gründet für Christen ihre Identität in der Beziehung zu Gott. Gott verspricht, dass wir seine Kinder sind, geliebte Söhne und Töchter. Er spricht uns bedingungslos als seine „geliebten Kinder“ an.
Gleichzeitig haben wir als Christen die überkommene Aufgabe, Gottsucher im konkreten Alltag und Nachfolger Jesu im Heute zu sein.
Dabei stellen sich weitere Fragen ein: was macht mich aus? Wie definiere ich mich? Wie viel Individualität ist gesund und wo ist es besser, sich anzupassen? Man muss sich ja irgendwie definieren, sonst ist man ein Niemand, oder?
Lieber Br. Vincent, solche Fragen sind Dir sicher nicht fremd. In den vergangenen Jahren als Student in Paderborn, als Novize und Zeitlicher Professe in unserer Abtei, in den Monaten des Pastoralkurses hast Du vermutlich immer wieder die Identitätsfrage gestellt und nach Antworten gesucht. Antworten, die zu Dir und Deinen Lebensvorstellungen passen, die Dich so sein lassen, wie Du bist und nicht verbiegen.
Du hast immer wieder die Frage gestellt, wer bin ich vor Gott und vor den Menschen, mit denen ich den Alltag teile.
Diese Pfingstwoche 2020 ist gleichsam Deine ganz persönliche Identitätswoche, in der sich alles Fragen nach Deiner Identität nochmals verdichtet.
Während am Pfingstsonntag der Mönch und seine Lebensweise im Mittelpunkt des Suchens und Fragens standen, ist es heute der Dienst des Diakons.
In einer einzigen Woche bist Du aufgerufen, den Mönch und den Diakon in Dir Gestalt zu geben. Du, Bruder Vincent bist aufgerufen, als Mönch und Diakon Gestalt zu sein, dem Mönch- und Diakonsein Gestalt zu geben. Was heißt das?

Gestalt sein

Es mag einigen von Ihnen, liebe Schwestern und Brüder verwundern, dass ich von der Gestalt des Mönches und des Diakons spreche. Eine Gestalt ist eine Form, ein Umriss oder eine Erscheinungsbild, also etwas Äußerliches. Müsste es aber bei beiden Lebensidentitäten nicht eher um Innerlichkeit gehen?
Von Äußerlichkeit sprechen wir in der Kirche nur ungern. Denn schnell verbinden wir äußere Gestalt oder Form mit Schein und Eitelkeiten. Muss das so sein? Es gibt ja nun mal sowohl für den Mönch als auch den Diakon äußere Zeichen seiner Lebensgestalt.
Ist es die Kukulle als Zeichen der mönchischen Lebensweise, ist es beim Diakon die Dalmatik und die gekreuzte Stola. Diese äußeren Zeichen sind prägend für den Träger, und für die, die ihn anschauen, vermitteln sie einen Eindruck.
Mönchsgewand und Dalmatik sind in Form des Kreuzes geschnitten und weisen so auf den, der menschliche Gestalt annahm, sich den Menschen zuneigte, um uns schließlich am Kreuz zu erlösen: Jesus Christus.
Ja, man kann sich allein durch das Äußere, den mönchischen Habitus, definieren, sich ergehen in liturgischen Handlungen und diakonalen Riten, aber werden diese Äußerlichkeiten reichen, um die Lebens-Gestalt eines Mönches und eines Diakons ein Leben lang zu verwirklichen?
Mönch und Diakon sind unterwegs mit Gott auf der Basis ihrer Spiritualität im Dialog mit ihm. Im alltäglichen Handeln lassen sie sich von Gottes schöpferischen Geist durchdringen und formen. Dabei können sich immer wieder neue und unerwartete Wege auftun und Herausforderungen zeigen, auf die beide sich einzulassen haben. Je mehr sie Gott in ihrem Leben Raum geben und sich auf ihn einlassen, desto mehr werden sie selbst zu einer menschlichen Gestalt Gottes und können in einer glaubhaft gelebten Spiritualität als Mönch und Diakon gestaltend wirken.

Gestalt geben

In den letzten Jahren konntest Du, lieber Br. Vincent, dem Mönch in Dir eine Gestalt geben. Die Zeiten von Noviziat und zeitlicher Profess waren Zeiten des Erlernens, des sich Vergewisserns – Zeiten der Gestaltgebung.
Weil Du diese Lebensweise angenommen hast und Dich in sie hineingegeben hast, gestaltetest Du sie mit. Du konntest dem Mönch in Dir eine bestimmte Form geben. Bündelnder Ausdruck Deiner Gestaltungsjahre war das am vergangenen Sonntag im Kreis Deiner Brüder vertrauensvoll gesungenen „Suscipe me, Dominie“ auf dem Professpflaster unser Abteikirche.
Gleich wirst Du wieder an dieser Alltags-Stelle stehen und Deine Bereitschaft erklären, als Diakon in dieser Gemeinschaft zu leben und für diese Deine Brüder zu wirken.
Da wird es wieder um Form und Formung gehen, d.h. um den Gestaltungwillen, dem Evangelium Jesu Raum und Zeit zu geben, nicht nur im inneren Ringen um die eigene Identität, sondern im diakonalen Handeln unter den Menschen.
So wirst Du sicher nicht von ungefähr für diesen Gottesdienst die Berichte von der Fußwaschung Jesu im Abendmahlssaal und der Taufe des Äthiopiers gewählt haben. Aus beiden Perikopen spiegelt uns die diakonale Haltung des Dienens, der Wertschätzung und der Ehrfurcht vor dem Leben des anderen entgegen, einem von Gott geschenkten und gestalteten Leben.
Als Diakon gibst Du in der Gemeinschaft und an Deinen Einsatzorten diesem Gott eine Gestalt und ein menschliches Antlitz.
Das ist ab heute Deine Mission! Ich möchte es mit den Worten von Papst Franziskus formulieren:
„Ich bin immer eine Mission; du bist immer eine Mission; jede Getaufte und jeder Getaufte ist eine Mission. Wer liebt, setzt sich in Bewegung, es treibt ihn von sich selbst hinaus, er wird angezogen und zieht an, er schenkt sich dem anderen und knüpft Beziehungen, die Leben spenden“ – so Papst Franziskus.
Lieber Br. Vincent, ich wünsche Dir von Herzen, dass Du in den kommenden Jahren dieser Mission Gestalt geben und eine Gestalt dieser Mission sein kannst.
Ich wünsche Dir, dass Du den Mönch und den Diakon in Dir nicht als zwei unvereinbare Identitäten wahrnimmst, sondern als Deine Identität in zwei Gestalten zu leben vermagst.
Ich wünsche Dir, dass Du mit Gottes Hilfe erkennst, dass Du in den unterschiedlichen Aufgaben und Diensten ein- und derselbe bist:
Vincent, ein von Gott geliebter und von den Menschen geschätzter Bruder!

Am Pfingstsonntag, den 31. Mai 2020, hat sich Bruder Vincent Grunwald OSB in der Feierlichen Profess als Mönch auf Lebenszeit an unsere Gemeinschaft von Königsmünster gebunden, am 6. Juni konnten wir mit ihm ein weiteres Fest feiern: seine Weihe zum Diakon. Ein besonderer Akzent war, dass Weihbischof Dominicus Meier, der von 2001 bis 2013 unsere Gemeinschaft als Abt leitete, aus Paderborn kam, um Bruder Vincent die Diakonenweihe zu spenden.
Um 14.30 Uhr versammelten sich Mönche und Gäste in der Abteikirche. Die Liturgie begann mit der Vorstellung und Erwählung des Kandidaten, auf die als Bestätigung der Gemeinde das feierliche Gloria folgte.

Erwählung des Kandidaten

Die Lesungen, die Bruder Vincent für die Feier ausgesucht hatte, spiegeln wesentliche Aspekte des diakonalen Dienstes wieder – die Taufe des Äthiopiers durch den Diakon Philippus in der Apostelgeschichte (Apg 8,26-39) und die Erzählung der Fußwaschung aus dem Johannesevangelium (Joh 13).

In seiner Predigt ging Weihbischof Dominicus von der Frage des Menschen nach der persönlichen Identität aus, die uns auch als Christen immer wieder umtreibt. Für Bruder Vincent sei die Pfingstwoche 2020 seine „ganz persönliche Identitätswoche“ gewesen, „in der sich alles Suchen nach Identität nochmals verdichtet.“ In einer Woche sei er aufgerufen, „dem Mönch- und Diakonsein Gestalt zu geben.“ Äußere Zeichen dieser Lebensgestalt seien für den Mönch die Kukulle, für den Diakon Dalmatik und gekreuzte Stola. „Mönchsgewand und Dalmatik sind in Form des Kreuzes geschnitten und weisen so auf den, der menschliche Gestalt annahm, sich den Menschen zuneigte, um uns schließlich am Kreuz zu erlösen: Jesus Christus“, so Weihbischof Dominicus.

Weihbischof Dominicus bei seiner Predigt

Bezogen auf die diakonale Identität fuhr er fort: „Als Diakon gibst Du in der Gemeinschaft und an Deinen Einsatzorten Gott eine Gestalt und ein menschliches Antlitz. Das ist ab heute Deine Mission!“Und er beendete seine Predigt mit dem Wunsch an Bruder Vincent: „Ich wünsche Dir, dass Du den Mönch und den Diakon in Dir nicht als zwei unvereinbare Identitäten wahrnimmst, sondern als Deine Identität in zwei Gestalten zu leben vermagst. Ich wünsche Dir, dass Du mit Gottes Hilfe erkennst, dass Du in den unterschiedlichen Aufgaben und Diensten ein- und derselbe bist: Vincent, ein von Gott geliebter und von den Menschen geschätzter Bruder!“

An die Predigt schloss sich die eigentliche Weiheliturgie an. Nach der Anrufung des Heiligen Geistes im Hymnus „Veni Creator Spiritus“ befragte Weihbischof Dominicus Bruder Vincent nach seiner Bereitschaft, als Diakon in unserer Gemeinschaft und in der Kirche zu wirken. Anschließend betete die Gemeinde die Allerheiligenlitanei, während der Kandidat lang ausgestreckt in der Mitte der Kirche lag – als Zeichen der Hingabe an Gott für die Menschen. Der Kern der Weihehandlung bestand in der Handauflegung durch den Bischof und dem Gebet über den Kandidaten. In den ausdeutenden Riten wurden Bruder Vincent Stola und Dalmatik, die diakonalen Gewänder, angelegt. Ebenso wurde ihm das Evangeliar übergeben, womit er zur Verkündigung der Frohen Botschaft beauftragt wurde. In der anschließenden Eucharistiefeier assistierte Bruder Vincent dann zum ersten Mal als Diakon.

Wir gratulieren Bruder Vincent zur Diakonenweihe und wünschen ihm Erfüllung in seinen Aufgaben!

Gott, ich ahne das Wagnis.
Eines Tages lass mich erkennen:
Auf dem Weg ins Leben
lag eine Frage.
Ich habe JA gesagt.

Dieser Ausschnitt aus einem „Gebet aus Königsmünster“ ist auf der Einladung zur Feierlichen Profess von Bruder Vincent Grunwald OSB zu finden. Eigentlich sollte sie schon am 4. Fastensonntag „Laetare“ stattfinden. Das war aus den bekannten Gründen nicht möglich, und so fand sie im Beisein seiner Verwandten und Freunde am Pfingstsonntag, den 31. Mai 2020, in der Abteikirche statt. An Pfingsten erinnert die Kirche an die Sendung des Heiligen Geistes und an den missionarischen Aufbruch der ersten Jünger Jesu, die begannen, die Frohe Botschaft des Auferstandenen allen Menschen zu verkünden. So ist dieses Fest für die Feierliche Profess eines Missionsbenediktiners passend – denn hier wird er zum Dienst des Stundengebetes für die Menschen beauftragt und erhält die Kukulle, das traditionelle Mönchsgewand, das den Neuprofessen ganz umfängt: er zieht sozusagen Christus an und lässt sich von ihm in die Nachfolge rufen.

Bruder Vincent erhält das Stundenbuch.

Nach der Anrufung des Heiligen Geistes verlas Bruder Vincent die handgeschriebene Professurkunde, besiegelte sie mit seiner Unterschrift und zeigte sie allen Feierlichen Professen der Gemeinschaft, bevor er sie auf den Altar legte. Anschließend stimmte er dreimal das „Suscipe“ an, den Gesang der Hingabe an Gott, das man zu Recht ein „klösterliches Liebeslied“ nennen kann: „Nimm mich auf, Herr, nach deinem Wort, und ich werde leben; lass mich in meiner Hoffnung nicht scheitern!“ In der anschließenden „Prostratio“ auf dem Boden vor dem Altar liegend wurde diese Hingabe an Christus in unserer Gemeinschaft leibhaft erfahrbar. Schließlich wurde Br. Vincent durch das Zusprechen der PAX, des Friedensgrußes – wegen der Corona-Pandemie ohne Umarmung, aber nicht weniger herzlich – in die Gemeinschaft von Königsmünster aufgenommen.

Bruder Vincent wurde 1989 in Belecke geboren. Er studierte Theologie in Paderborn und Freiburg. Nach einem „Kloster auf Zeit“-Aufenthalt trat er 2015 in die Abtei Königsmünster ein. Er engagiert sich in unserer Gemeinschaft als Organist, im Gastbüro und in der geistlichen Begleitung von Einzelgästen und Gruppen. Wir wünschen Bruder Vincent alles Gute an seinem Festtag und weiterhin Freude an seiner Berufung.

Der Film „Babel“ des mexikanischen Regisseurs Alejandro González Iñárritu aus dem Jahr 2006 zeigt auf eindrückliche Weise, dass alles mit allem verbunden ist. Drei zunächst zusammenhanglos erscheinende Episoden in verschiedenen Regionen der Erde hängen doch miteinander zusammen. Ein Gewehrschuss in der Wüste von Marokko löst eine internationale Krise aus und verbindet das Schicksal von Menschen dort, in Japan und an der mexikanisch-amerikanischen Grenze.
Der Filmtitel „Babel“ erinnert an die biblische Erzählung vom Turmbau zu Babel, Symbol für den Größenwahn des Menschen, der dann letztlich in Sprachverwirrung und das Nicht-Verstehen mündet. Und auch im Film ist es oft das Nichtverstehen, das Aneinander-Vorbeireden, die körperliche und seelische Gewalt, die Verwirrung schafft. Erst am Ende des Films gibt es ein zartes Pflänzchen der Hoffnung, dass Kommunikation gelingen kann.

Pfingsten ist der biblische Gegenentwurf zu Babel. Hier ist die Vielfalt nicht verwirrend und führt in die Isolation, sondern Menschen verschiedener Kulturen beginnen einander zu verstehen, obwohl sie unterschiedliche Sprachen sprechen. Nicht menschengemacht und damit heillos überfordernd, wie es die Geschichte von Babel zeigt, sondern Geschenk des „Ruach“-Geistes, des „Atems“ Gottes, der Menschen befreit aufatmen lässt. So nennt der Journalist Heribert Prantl in einem Kommentar in der Süddeutschen Zeitung die Pfingstgeschichte „eine Anti-Geschichte gegen das Virus, das den Kranken und der Gesellschaft den Atem nimmt.“ Eine Geschichte, die von „göttlicher Beatmung“ erzählt.

„Pfingsten ist die Vision, dass gegenseitiges Verstehen trotz dieser Vielfalt möglich ist.“ Das Ende des Films „Babel“ zeigt diese Vision in einer sehr zarten, leicht zerbrechlichen Form. Pfingstliche Aufbrüche sind nicht unbedingt laut, sondern kommen oft eher leise daher. Der Gottesgeist offenbart sich nicht immer in den kräftigen Bildern des aufrüttelnden Sturmes und der Feuerzungen, sondern manchmal im sanften, leisen Säuseln, das der Prophet Elija am Gottesberg erspürt, in der „Stimme verschwebenden Schweigens“, wie es Martin Buber großartig übersetzt. Mögen wir diese leisen Hoffnungszeichen in unserer schnellen Welt nicht übersehen!