Auf dem Klosterberg arbeiten in den verschiedenen Bereichen und Betrieben mit den Mönchen auch über 100 hoch engagierte Frauen und Männer. Ohne sie könnte das Leben nicht so ablaufen, wie es von vielen Gästen und Kunden geschätzt wird. Gerade in der für alle schwierigen Zeit der Corona-Pandemie, wo viele Bereiche schließen mussten, haben wir eine große Solidarität seitens unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfahren. So ist es uns ein Anliegen, einmal im Jahr zu einem Fest aller Mitarbeitenden einzuladen.

Begonnen haben wir am Freitag, den 20. August 2021, um 16.30 Uhr – also quasi nach „Dienstschluss“ und zum Wochenendeinstieg – mit der Vesper in der Abteikirche. Am Ende der Vesper dankte Abt Aloysius allen ausdrücklich für ihren Dienst und das Engagement. Im Anschluss trafen sich alle zum Grillen auf der Terrasse am AbteiForum, wo Mönche und Mitarbeitende in fröhlicher Runde zusammensaßen und über die einzelnen Arbeitsbereiche hinweg miteinander ins Gespräch kamen. Auch das Wetter spielte mit und bescherte uns strahlenden Sonnenschein.

Noch einmal auch an dieser Stelle vielen Dank an jede*n einzelne*n für sein/ihr Engagement!

Normalerweise versammeln sich am Beginn eines neuen Schuljahrs Schüler*innen, Lehrer*innen, die Eltern der neuen Fünftklässler und Mönche zu einem gemeinsamen Morgengebet in der Abteikirche. Doch eine volle Abteikirche ist in diesen Tagen noch nicht möglich, und so richteten sich am Morgen des 18. August 2021 die Blicke aller Beteiligten gen Himmel. Und tatsächlich hatte der Wettergott ein Einsehen und machte eine kleine Regenpause bzw. ließ zumindest keinen Starkregen fallen. So fand die Eröffnung des neuen Schuljahrs 2021/22 auf dem Oberen Schulhof des Gymnasiums statt. Den Ökumenischen Gottesdienst leiteten Abt Aloysius und Pfarrer Michael Wendtland. Abt Aloysius begrüßte alle Anwesenden, ganz besonders aber Herrn Joachim Deckers, der mit Beginn des Schuljahrs als Nachfolger von Heinz Plugge das Amt des Direktors am Gymnasium der Benediktiner übernimmt. Abt Aloysius überreichte ihm eine handgeschnitzte Christusfigur der Makonde, die er von seiner Reise nach Tansania im Juli mitgebracht hatte (unsere Schule unterhält eine Partnerschaft mit der Berufsschule der Abtei Mvimwa in Tansania).

Abt Aloysius übergibt dem neuen Direktor die Makondefigur.

„Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.“ Diese Segensworte aus dem Buch Numeri (Num 6,24-26) deutete Pfr. Wendtland in seiner Predigt als Auftrag für eine benediktinisch geprägte Schulgemeinschaft. Der Name „Benedikt“ leite sich ab vom lateinischen „bene dicere“, was mit „Gutes sagen“ übersetzt werden kann. Einander Gutes sagen, gute Worte füreinander finden – ein gutes Motto für das kommende Schuljahr.

Wegen des dann doch stärker werdenden Regens verschob der neue Schulleiter seine Begrüßungsworte auf einen späteren Zeitpunkt. Der Gottesdienst endete mit einem gemeinsam gesprochenen Vaterunser und dem Segen. Wir wünschen der Schulgemeinschaft am Gymnasium einen guten Schulbeginn, nicht zu viele unvorhergesehene Entwicklungen, und Herrn Joachim Deckers einen segensreichen Beginn als Direktor!

 

von P. Julian M. Schaumlöffel OSB

Das eigentliche und auch erste Meisterwerk von Egid Quirin Asam ist der 1722–1723 erstellte szenische Hochaltar, der den Kirchenraum der Benediktinerabtei Rohr in Niederbayern dominiert, «eine mit allen rhetorischen, perspektivisch-illusionistischen und theatralischen Kunstgriffen visualisierte plastische Darstellung der Himmelfahrt Mariens».
Die Ausmaße dieser raumbeherrschenden Altarinstallation sind eindrücklich und haben mich beim Betrachten überwältigt.
Der offene Sarkophag steht weit über dem Chorboden. Die beiden Altarbauten sind sieben Meter tief und deren Säulen fast 8 Meter hoch, bilden aber für den Betrachter eine einzige Schauwand. Für dieses eindrückliche «Theatrum sacrum» setzten die Asam ihre Kenntnisse aus dem Studium der Lichtinszenierungen Berninis genial um.
Eine mächtige goldene Krone von 5 Metern Durchmesser schließt die Giebelstücke des Alters zusammen. Auf der Monumentalbühne erscheint als lebendes Bild die Himmelfahrt Mariens. Über drei Stufen steht der Sarkophag. Von allen Seiten eilen die Apostel in erregter Bewegung herbei. Sie finden das Grab leer, der Deckel lehnt an der Rückwand. Maria aber schwebt, von Engeln getragen in die übergroße Krone hinein und zum Himmel empor, wo sie von der Hl. Dreifaltigkeit und Engelschören erwartet wird. Ein gelbes Fenster an der Rückwand wirft goldenes Licht auf die himmlische Szenerie.

Liebe Schwestern und Brüder!

Wir feiern heute das Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel. Am 1. November 1950 hat Papst Pius XII. feierlich das Dogma verkündet, die Gottesmutter Maria sei nach Vollendung ihres irdischen Lebens mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen worden. Das heutige Fest hat seinen wahren Ursprung jedoch nicht in diesem Dogma; der Glaubenssatz hält auf feierliche Weise fest, was seit dem 4. Jahrhundert aus der Volksfrömmigkeit (vor allem der Ostkirche) in das Glaubensbewusstsein der Kirche gelangt ist und dort seit anderthalb Jahrtausenden seinen festen Platz hat.
Und genau dieses Glaubensbewusstsein hat die Künstler aller Epochen inspiriert, die Himmelfahrt Mariens darzustellen. Ein Beispiel dafür ist das eingangs beschriebene Kunstwerk der Asam in Rohr.
Genau 300 Jahre später wurde hier im Sauerland für die Gemeinde St. Clemens in Drolshagen ein Flügelaltar in Auftrag gegeben. Schon die Tatsache, dass eine Gemeinde im 21. Jahrhundert einen Hochaltar in Auftrag gibt ist ungewöhnlich, noch ungewöhnlicher aber ist die dortige Darstellung der Himmelfahrt Mariens.
Das Altarbild des Künstlers Thomas Jessen aus Eslohe zeigt im Zentrum die Gottesmutter Maria auf einer Klappleiter stehend. Die fotorealistisch gemalten, lebensgroßen Figuren wirken dabei auf den ersten Blick eher wie Gemeindemitglieder oder Handwerker, die dabei sind, den im Hintergrund erkennbaren Altarraum neu zu gestalten. Das am Pfingstmontag dieses Jahres zur Altarweihe enthüllte Bild soll die Himmelfahrt Mariens in einer modernen Version zeigen. Die Mutter Jesu trägt dabei Jeans und Rollkragenpullover und steht auf einer Trittleiter unter dem Kreuz. Neben Maria stehen die heilige Veronika als Handwerkerin, ebenfalls in moderner Alltagskleidung und ohne Heiligenschein, sowie der ungläubige Thomas in Jeans und mit freiem Oberkörper – ein Selbstbildnis des Künstlers. Im Sauerland und gerade in Drolshagen erregt dieser Altar nun seit Wochen die Gemüter. Darf man die Gottesmutter und die anderen Heiligen so darstellen?
Während Maria im barocken Rohr von Engeln getragen in die Glorie des Himmels entschwebt, muss die Gottesmutter in Drolshagen in Arbeitskleidung selbst die Holzleiter erklimmen, um in den Bereich ihres am Kreuz dargestellten Sohnes zu gelangen. Die Leiter ist hier das verbindende Moment, denn während der Körper Mariens noch vor dem Rot irdischen Liebens und Leidens dargestellt ist, reicht ihr Kopf schon in die Kreuzigungsszene des Himmels hinein, in der das kräftige Blau dominiert.

Vielleicht fragen Sie sich, warum ich Ihnen zum heutigen Hochfest diese Kunstpredigt halte. Ich meine, dass die beiden beschriebenen Darstellungen uns gut an das Festgeheimnis heranführen können. Wenn mich persönlich – und meine Brüder kennen mich – die barocke Szenerie letztlich mehr bewegt und meine Seele anrührt, so vermag die moderne Darstellung eine intensivere Auseinandersetzung mit deren Inhalt zu entfachen.
Fragen wir uns angesichts der Aufnahme Mariens in den Himmel doch einmal, wie wir uns den Himmel eigentlich vorstellen. Ist es der Garten Eden, ein Paradies, eine Art Schlaraffenland, ein Ort des Friedens und der Gerechtigkeit oder die Begegnung mit allen schon Verstorbenen?
Der Himmel – jeder hat vermutlich seine ganz eigene Vorstellung davon.
Wenn wir im biblisch-christlichen Sinn von Himmel sprechen, meinen wir das uns von Gott zugedachte Ziel der persönlichen und universalen Geschichte; also das endgültige, rundum beseligende „Aufgehobensein“ in der Gemeinschaft mit Gott. Himmel so verstanden ist ein anderes Wort für Vollendung.
„Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden“, hörten wir in der Lesung aus dem Korintherbrief. Quelle und Mitte aller Vollendung ist Gottes versöhnende Liebe, die uns in Christus bereits innergeschichtlich erschienen ist und im Himmel in ihrer ungehinderten Wirksamkeit offenbar wird. Der Seher Johannes nennt sie die Hochzeit des Lammes, die Gott mit seiner Schöpfung im himmlischen Jerusalem feiern will. „In dieses Fest wird all das mit einbezogen, was uns auch jetzt schon in unserem irdischen Leben mit dankbarer Freude erfüllt, was unsere mitlachende und mitweinende Sympathie weckt, ja, was uns einfach zutiefst menschlich sein lässt“, wie es Medard Kehl formuliert.
In unserer eigenen Vollendung sollen wir endgültig Ja sagen können, auch zu all dem Schmerzlichen, das erst im Licht der versöhnenden Liebe Gottes ganz und heil werden kann. Diesen Prozess der je eigenen Vollendung meinen wir im christlichen Glauben, wenn wir vom Himmel sprechen.
Was wir in der Lesung vom Hl. Paulus über die Vollendung aller Menschen hörten, sagt die Kirche in ihrem Lehramt nun eigens von Maria: „Die Gottesmutter ist derart in das Geheimnis Christi eingeschrieben, dass sie der Auferstehung ihres Sohnes mit ihrem ganzen Sein bereits am Ende ihres irdischen Lebens teilhaftig wird; sie lebt das, was wir alle am Ende der Zeiten erwarten, wenn der »letzte Feind«, der Tod, entmachtet werden wird.“
Die Begründung für die unmittelbare Aufnahme Mariens in den Himmel liefert uns der Lobgesang der Gottesmutter im Evangelium. Das Magnifikat ist eine einzige große Zustimmung zu Gottes Plan mit ihr. Maria spricht – schon während sie Christus in sich trägt – das endgültige Ja ihrer zukünftigen Vollendung und kann daher nach ihrem irdischen Leben unmittelbar am großen Fest der kommenden Welt teilnehmen. Durch all die Erfahrungen der Verlassenheit, in Schmerz und unsagbarem Leid, hat sie dieses einmal gegebene Ja nie zurückgenommen.
So ist die Gottesmutter uns Vorbild im täglichen Durchhalten, in der Treue und schließlich auch in der himmlischen Vollendung.

Das Leben der Gottesmutter, ihre alltäglichen Mühen und Sorgen, ihren Schmerz und ihr Leid bringt das Kunstwerk von Thomas Jessen in Drolshagen besser zum Ausdruck, zeigt es uns Maria doch als Menschen aus Fleisch und Blut, der an Christi Vollendung Anteil nehmen darf.

Die Treue der Gottesmutter, das ein Leben lang durchgehaltene, unbedingte Ja zu Gott, vermag dagegen den barocken Glanz der Asam-Szenerie zu erklären, wenn in dieser golden-lichtvollen Darstellung eine Ahnung unserer je eigenen österlichen Vollendung aufleuchtet.

Amen.

„Wir haben dein Erbarmen aufgenommen, o Gott.“ Diesen Psalmvers singen die Mönche bei einer Noviziatsaufnahme, nachdem der Abt dem Kandidaten die Füße gewaschen hat. Er macht deutlich, dass mit jedem neuen Bruder – wie auch mit jedem Gast – im Grunde Jesus Christus aufgenommen wird, dass wir in jedem Menschen etwas vom Erbarmen Gottes erfahren dürfen. So haben wir am Freitag, den 13. August 2021, in einer schlichten Feier im Kapitelsaal, dem „Herz“ unserer Gemeinschaft, David Josef Fuhrmann als Bruder Christophorus Maria ins Noviziat aufgenommen. David wurde 1994 im Weserbergland geboren und ist seit seiner Kindheit von den Passionisten in Marienmünster geprägt. Nach der Schulzeit absolvierte er eine Ausbildung zum Koch und lebte eine Zeit als Kandidat bei den Zisterziensern in Bochum-Stiepel, bevor er im letzten Jahr in unser Kloster eintrat.

Skapulier, Benediktsregel und Gefäß zur Fußwaschung

Ausgehend vom Evangelium vom Sturm auf dem See betonte Abt Aloysius in seiner Ansprache, dass Jesus auch in stürmischen Zeiten in Kirche und Gesellschaft uns nahe sein möchte, wie er auch unserem Novizen über alle Stationen seines Lebens hinweg nahe war und ihn begleitete. Ein besonderer Brauch bei der Noviziatsaufnahme ist der neue Name, den der Novize bekommt. David hat sich den heiligen Christophorus (Christusträger) als Schutzpatron ausgesucht. Wie schon bei seinen Taufnamen möchte er auch im Kloster die Tradition des Doppelnamens fortführen und vertraut sich in besonderer Weise der Gottesmutter Maria an, sodass er von nun an Bruder Christophorus Maria heißt.

Bei der Noviziatsaufnahme bekommt der Novize das sog. Skapulier angezogen, das im Jahr des Noviziates noch etwas kürzer ist – als Zeichen dafür, dass er im Noviziat erst langsam in die mönchische Lebensweise hineinwächst. Ebenso bekommt er die Regel des hl. Benedikt, die Lebensordnung des Klosters, überreicht, in die er sich im Noviziat einübt.  Wir gratulieren Bruder Christophorus Maria zur Noviziatsaufnahme und wünschen ihm weiterhin eine gute Zeit des Einlebens und der Eingewöhnung bei uns!

Vorher

Nachher

von Br. Benjamin Altemeier OSB

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

Auch wenn Jesus heute im Evangelium auf den tieferen Sinn von Sättigung hinweist, hat er doch zunächst den leiblichen Hunger in der Brotvermehrung gestillt. Davon wurde uns letzten Sonntag berichtet. Das ist wichtig, denn Hungernden eine wie auch immer gestaltete Religiosität mit auf den Weg geben zu wollen, ohne vorher das Grundbedürfnis nach Nahrung, Gesundheit, Wohnung gestillt zu haben, macht keinen Sinn. Daher ist eine Evangelisation in Gegenden der Not ohne begleitende Hilfe undenkbar. So gibt es auch in unseren Missionsgebieten immer auch die konkrete Linderung von Notlagen. Es gibt Krankenhäuser, Brunnenbau und Schulen wie auch Ausbildungsstätten, um an einer Gerechtigkeit mitzubauen.

Gleichzeitig aber gibt es ja auch einen Hunger, der nicht durch Nahrungsaufnahme gestillt wird. Ich denke, wir alle kennen diesen Hunger. Es ist der Hunger nach Anerkennung, der Hunger nach Liebe, der Hunger nach Sinn und der Hunger nach Ewigkeit. Wir kennen die Sehnsucht nach unendlicher Liebe. Wir kennen das Sehnen, das zur Sucht werden kann, wenn es keine Erfüllung findet. Wir kennen die Werbestrategien, die auf subtile Weise versuchen, uns Ersatz anzubieten. Diese Formen des Konsumierens wirken zumindest nur sehr kurz. Wahre Erfüllung unserer Sehnsüchte ist nicht zu kaufen.  Das wissen wir eigentlich alles.

Und nun bietet sich Jesus im heutigen Evangelium  selbst als das „wahre Brot“ an. Mit der Verheißung, dass wir danach nicht mehr hungern und nicht mehr dürsten werden. Ich muss schon sagen: Das ist ja eine steile These. Natürlich ist damit nicht gemeint, dass wir einfach aufhören zu essen und zu trinken. Aber auch die Vorstellung, dass unsere Sehnsucht durch Jesus gänzlich gestillt werden kann, wird doch augenscheinlich durch die Erfahrungen des Alltags widerlegt. Hatte es zu Beginn der Pandemie noch die Meinung gegeben, dass sich das Konsumverhalten verändern könnte, so ist dies inzwischen durch die Zahlen der Wirtschaft widerlegt.

War da Jesus von Menschen ausgegangen, die es so eben nicht gibt? Ich glaube tatsächlich, dass wir uns immer wieder auf den Weg machen dürfen und müssen, uns neu die „Nahrungsquelle Jesus“ zu erschließen.

Welche Nahrung bietet uns Jesus an? Da ist die Nahrung des  tiefen Verstehens und des Verständnisses für jeden Menschen, gerade auch in der Schwachheit. Sei es Zachäus auf dem Baum, sei es die Ehebrecherin, seien es die Aussätzigen oder die Kranken. Ich darf mich so in meiner Gebrochenheit angenommen wissen, wie es Jesus in den Begegnungen gelebt hat und immer wieder auch bei jedem von uns tut. Wir alle sind von Gott Angenommene. Da ist die Nahrung der sich selbst verschenkenden Liebe, die an keine Bedingung geknüpft ist. Diese Liebe zu den Menschen, aber auch zu jedem Einzelnen von uns, ist grenzenlos. Bedingungslos bis hin zum Kreuz. Es gibt also jemanden, ein wirkliches Gegenüber, das mich so liebt, wie ich bin und nicht Bedingungen an die Liebe formuliert. Ich darf mich also geliebt und verstanden fühlen, ohne in Vorleistungen treten zu müssen. Da ist die Nahrung der Vergebung, die nicht verurteilt, sondern heilt. In allem, was mir nicht gelungen ist, in allem, wo mir Fehler unterlaufen sind, werde ich nicht verurteilt, sondern von göttlicher Vergebung umfangen.  Denken Sie an das Gleichnis des verlorenen Sohnes oder besser des barmherzigen Vaters. So in den Arm genommen zu werden und liebkost zu werden, obwohl wir Schuld tragen, ist wahrlich ein lebenswichtiges und heilendes Lebensmittel. Gottes Vergebung ist grenzenlos. Und da ist noch die Nahrungsquelle der Ewigkeit. Alles Sehnen will Erfüllung und Ewigkeit. Durch Jesu Tod und Auferstehung ist uns die Perspektive auf Ewigkeit hin eröffnet.

Schauen wir jetzt auf unsere Praxis.

Gibt es denn Menschen, die aufgrund dieser göttlichen Nahrung ihren Hunger und ihren Durst so gestillt haben, dass sie es fruchtbar machen können für sich und andere  – in der konkreten Nachfolge Jesu?

Ich habe über die Medien in den letzten 14 Tagen mitbekommen,  wieviel Kraft Menschen zukommt, egal ob sie sich als religiös bezeichnen  würden oder nicht, und die diese Kraft für andere zum Einsatz gebracht haben. Ich meine die Helfer und Helferinnen in den überflutenden  Hochwasser-Gegenden, hier vor unserer Haustür. Menschen, die sich auf den Weg gemacht haben, um anderen in existentieller Not beizustehen. Da sind Feuerwehrangehörige, die ihr Leben, um anderen zu helfen, gefährdet haben. Soviel an praktisch gelebter Religiosität. Über 60 Millionen Euro sind von Menschen gespendet worden. Ich glaube, dass diese Bereitschaft zur Hilfe den Helfern selbst wirklich Sättigung für Ihr eigenes Leben verschafft hat. Es klingt paradox. Wer sich hingibt, empfängt und wird gesättigt!

Wenn wir gleich vom Tisch des Herrn Christus empfangen, dann wird uns in diesem Brot auch seine Botschaft der sich hingebenden Liebe und Güte ausgeteilt. Durch das geschwisterliche Mahl sind wir zur Hingabe befähigt. Geben wir das Empfangene an unsere nächsten Schwestern und Brüder weiter.

Ich möchte schließen mit einem Gebet:

„ Der du der Erde Brot gegessen,
mit Sündern hast zu Tisch gesessen,
Herr Jesu, komm und mach uns satt,
dass Leib und Seel Genüge hat.
Amen.“

Der Initiative des Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Dr. Thorsten Latzel, zum Gedenken an die Betroffenen und Opfer der Flutkatastrophen am Freitag, den 23. Juli 2021 um 18.00 Uhr die Glocken zu läuten, schließen sich heute viele Gemeinden im Erzbistum Paderborn an.
Auch wir in der Abtei Königsmünster schließen uns dieser Bitte an. Da wir um 17.45 Uhr unser Konventamt feiern , werden am 23. Juli um 19.30 Uhr fünf Minuten lang die Glocken der Abteikirche im Gedenken an die von der Flutkatastrophe betroffenen Menschen läuten. Im Konventamt um 17.45 Uhr werden wir dieses Anliegen in unser Gebet nehmen.

Möge Gott den Menschen, die alles verloren haben, beistehen, die vielen Helferinnen und Helfer segnen und die Verstorbenen in sein Reich aufnehmen!

 

von P. Erasmus Kulke OSB

„Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus!“
Liebe Schwestern und Brüder, ich könnte mir vorstellen, dass eine ganze Reihe von uns sich von diesen Worten Jesu angesprochen fühlen und innerlich seufzen: Ja, das wäre schön. Einmal so richtig entspannen und ausruhen, durchatmen und wieder aufatmen.
Viele tun auch genau das jetzt in der Ferienzeit und sind im Urlaub, in dem sie hoffentlich auch Erholung finden. Doch viele fühlen sich sicher urlaubsreif und haben keine Mög­lichkeit, Ferien zu machen.
Ruhe haben wir alle nötig. Gerade unsere Zeit ist so voller Stress, Hektik, Lärm und Unruhe wie wohl kaum eine Zeit zuvor. Und Corona und der Lockdown haben vieles noch ein­mal verschärft. Home Office und Home Schooling haben viel­fach für Konflikte in den Familien gesorgt, und ein Ausgleich dazu wurde durch Kontaktbeschränkungen und viele andere Einschränkungen sehr erschwert. Dass da so mancher am Ende seiner Kräfte ist und dringend Ruhe und Erholung braucht, ist nur allzu verständlich.
Ja, es ist wichtig, dass wir uns immer wieder Zeiten der Ruhe nehmen und uns Orte suchen, an denen wir uns erholen und auftanken können. So wie die Apostel nach ihrer Missions­reise Ruhe brauchten, um neue Kräfte sammeln zu können, so brauchen auch wir immer wieder Ruhe und Erholung, Zeiten, in denen wir nichts leisten müssen, wo wir tun und lassen können, was uns gerade Spaß macht, wo wir ganz zweckfrei sein, da sein können und das Leben genießen können.
Mein Eindruck ist aber, dass das Abschalten und Ausruhen vielen zunehmend schwer fällt. Wir stehen ständig unter Druck, sind ständig erreichbar, die Welt um uns herum wird immer schneller, komplexer und verwirrender, und da ist es oft gar nicht so leicht, aus diesem Hamsterrad auszusteigen, abzuschalten und dann die Ruhe auszuhalten. Vielleicht hatten es Jesus und seine Apostel da grundsätzlich leichter. Natürlich, das heutige Evangelium erzählt uns davon, dass es auch für sie schwierig war, Ruhe zu finden, weil Tausende von Leuten hinter ihnen her waren. Aber als gläubige Juden waren sie es gewohnt, regelmäßig auszuruhen, nämlich am Sabbat. Das hatten sie von Kindes Beinen an „gelernt“.
Am Sabbat darf ein Jude sich nicht nur ganz offiziell aus­ruhen und das Leben genießen, er soll es sogar und ist aus­drücklich dazu verpflichtet. Es ist eine heilige Pflicht. Ein Jude genießt am Sabbat die Zeit mit Familie und Freunden, genießt festliches Essen. Es wird erzählt, gespielt, gesungen und gelacht. Es werden die Schöpfung und der Schöpfer gefeiert, auch durch Gebet und Gottesdienst. Und jüdische Ehepaare kommen ihren „ehelichen Pflichten“ nach. Am Sabbat muss man sich für das Nichtstun nicht rechtfertigen, sondern ganz im Gegenteil, das Arbeiten bedarf einer Recht­fertigung. Ich glaube, dass wir davon eine Menge lernen können. Denn manchmal habe ich den Eindruck, dass wir das wahre Ausruhen verlernt haben, dass wir oft gar nicht mehr wissen, was uns wirklich gut tut und Erholung verschafft. Da wird die Freizeit vollgepackt mit vielen Dingen, die uns letzt­lich nicht nur keine Erholung bringen, sondern uns zusätz­lich ermüden und entkräften. Oder die Zeit wird sinnlos ver­daddelt mit Dingen, die unserer Seele keine Erholung bringen, sondern sie mit einem Gefühl der Leere zurück­lassen.
Im Talmud, eine der bedeutendsten Schriften des Juden­tums, heißt es, dass der Sabbat nicht deshalb geschaffen wurde, weil Gott Ruhe gebraucht hätte, sondern Gott wollte, dass die Ruhe geheiligt werde. Die Ruhe ist also etwas Gött­liches. Ohne Frage, schaffen und erschaffen, dass was Gott an den ersten sechs Tagen seiner Schöpfung getan hat, ist auch etwas Göttliches. Aber mit der Ruhe „krönt“ Gott seine Schöpfung. Wenn wir uns also Zeiten der Ruhe nehmen und gönnen, heiligen wir uns selbst und unsere Zeit, und im „Heiligen“ geschieht Heilung. Wenn wir uns in der Mühe des Alltags immer wieder Zeiten der Ruhe nehmen, dann kommen wir, die wir Abbilder Gottes sind, zu uns selbst. Und da muss jede und jeder für sich selbst schauen, was wahre Ruhe und Erholung bringt. Ein Weg ist sicherlich die Einladung Jesu anzunehmen und zu ihm zu kommen mit all dem, was uns belastet. „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid“, sagt Jesus zu uns. „Ich will euch Ruhe verschaffen.“ (Mt 11,28) Ja, Jesus verheißt uns Ruhe für die Seele. (11,29)

Schließen möchte ich mit Gedanken der kleinen Anna aus dem Buch „Hallo Mister Gott, hier spricht Anna“, denn die sind bedenkenswert:

Anna fragte: „Was ist wohl das Größte, was Gott gemacht hat?“
Fynn überlegte und sagte: „Das Größte ist die Erschaffung des Menschen.“
Sie schüttelte den Kopf und war nicht einverstanden.
Fynn rätselte herum: „Vielleicht die Tiere, die Blumen oder das Weltall?“ Er fragte sich durch die sechstägige Schöpfungsge­schichte hindurch, erntete aber nichts als weiteres Kopfschüt­teln. Mehr fiel ihm nicht ein.
Plötzlich legte Anna ihre Hände vor sich auf den Tisch und stand auf. Auf ihrem Gesicht malte sich Freude und Erstaunen über sich selbst. Sie holte tief Luft und sagte: „Das größte ist der siebte Tag.“
„Das kapier ich nicht“, sagte Fynn. „Da hat er nun alle seine Wunder in sechs Tagen fertiggekriegt. Und dann ruht er sich aus am siebten Tag. Was ist da so Besonderes dran?“
„Warum hat er sich denn am siebten Tag ausgeruht?“ fragte Anna.
„Na, das Ganze war doch ’ne hübsche Menge Arbeit. Da braucht man dann mal ’ne Pause.“
„Er hat sich aber nicht ausgeruht, weil er müde war. Er nicht. Er war nicht müde.“
„Bestimmt nicht?“
„Am siebten Tag hat er die Ruhe geschaffen, und das ist das wirkliche Wunder. Er hat sich die Ruhe ausgedacht und sie dann gemacht. Wie, glaubst du, war das alles, bevor er am ersten Tag angefangen hat mit der Arbeit?“
„Ein ziemlich schauerliches Durcheinander, nehme ich an.“
„Ja, und du kannst dich doch nirgendwo ausruhen, wenn alles so’n Riesendurcheinander ist, oder?“
„Wahrscheinlich nicht. Und dann?“
„Siehst du, als er dann angefangen hat, alle Sachen zu machen, da war es schon gleich ein bisschen weniger unor­dentlich. Und als er mit allem fertig war, hatte er die ganze Unordnung in Ordnung gebracht. Und erst jetzt konnte er sich die Ruhe ausdenken. Und darum ist die Ruhe das alleraller­größte Wunder.“

Die neue Corona-Schutzverordnung mit Gültigkeit ab 09.07.2021 sieht einige Lockerungen bei der Inzidenzstufe 1 vor. Demnach ist gemeinsamer Gesang ohne Maske im öffentlichen Gottesdienst erlaubt, wenn „die Anzahl der Teilnehmenden auf jeweils eine Person pro angefangene 10 m² Raumfläche begrenzt ist“. Das sind in unserer Kirche 85 Personen incl. Konvent.

Deshalb werden wir ab der Vesper am Samstag, den 10. Juli 2021, um 18.30 Uhr alle Gottesdienste wieder der Öffentlichkeit zugänglich machen. Die Maskenpflicht entfällt. Es gelten aber weiterhin die bisherigen Abstandsregelungen und die Pflicht zur Erfassung der Kontaktdaten.

Wir freuen uns, Sie nun auch wieder in unseren Stundengebeten begrüßen zu dürfen!

 

In diesen Tagen jährt sich die Schulpartnerschaft unseres Gymnasiums der Benediktiner mit der Benediktinerschule im ungarischen Pannonhalma zum 40. Mal. Im Jahr 1981 als europäisches Projekt angelegt, war ein regelmäßiger Austausch erst nach dem Fall des sog. „Eisernen Vorhangs“ 1989 möglich. Doch seitdem besuchen sich im jährlichen Wechsel größere Schülergruppen gegenseitig und lernen die jeweils andere Kultur kennen. Herr Eberhard Borghoff, langjähriger Lehrer an unserem Gymnasium, hat von Anfang an mit viel Herzblut und Engagement die Partnerschaft begleitet. In der  ersten Juliwoche haben sich die Schulleitungen der beiden Gymnasien in Meschede getroffen, um Rückschau zu halten und neue Pläne für die Zukunft zu entwickeln. Wir gratulieren herzlich zum Jubiläum!

Es war ein besonderer Moment, als sich einige Mönche am Freitagabend des 2. Juli 2021, dem Beginn des jüdischen Schabbat, gemeinsam mit Sarah Borowik-Frank in der Oase im festlich geschmückten Speisesaal zu einer kleinen Feier zur Begrüßung der Braut „Schabbat“ (so die eigentliche Bedeutung dieses jüdischen wöchentlichen Festes) versammelten. Frau Borowik-Frank, eine junge orthodoxe Jüdin, ist zur Zeit bei uns zu Gast und hat im Rahmen der Zertifikatsverleihung der Oberstufenakademie eine bewegende Festrede gehalten. Aus Dankbarkeit für die Gastfreundschaft, die sie im Kloster erfährt, hat sie die Mönche zur Schabbat-Feier eingeladen.

Dem Schabbatmahl geht ein Gottesdienst voran, in dem mit hebräischen und aramäischen Gesängen der jüdische Ruhetag, die Braut „Schabbat“, begrüßt wird. Neben traditionellen Gebeten und Lobpreisungen Gottes wurde in Bittgebeten auf aktuelle Ereignisse Bezug genommen. So erinnerte uns der Anschlag auf einen jüdischen Rabbiner in Boston keine 24 Stunden zuvor daran, dass jüdisches Leben weltweit von wachsendem Antisemitismus bedroht ist. Auch in Deutschland ist das öffentliche Begehen der jüdischen Rituale leider nur unter Polizeischutz möglich.

An den Gottesdienst schloss sich das Schabbatmahl an. Dazu wurden das Kiddusch-Gebet und der Segen über den bis zum Rand gefüllten Becher mit Wein gesprochen, der den Überfluss und die Fülle Gottes symbolisieren soll. Dazu wurde Challa gereicht, eine Art Hefezopf. Auch hierüber wurde der Segen gesprochen, und jeder erhielt ein Stück des mit Salz bestreuten Brotes. Vor dem Austeilen des Brotes ist es mit einer Decke verhüllt. Das weist auf die Heiligkeit auch der alltäglichen, von Gott gegebenen Dinge hin – ein Gedanke, der durchaus in ein benediktinisches Kloster passt, spricht doch der hl. Benedikt in seiner Regel davon, dass alle Dinge „wie heiliges Altargerät“ behandelt werden sollen.

Alle Anwesenden waren sich des außerordentlichen Privilegs bewusst, an dieser Schabbat-Feier teilnehmen zu dürfen. Nachdenklich stimmt den Schreiber dieser Zeilen, dass das öffentliche Praktizieren der jüdischen Rituale in Deutschland (und nicht nur hier) fast nur noch unter Polizeischutz möglich ist. Antisemitismus ist auch über 70 Jahre nach der Schoah leider immer noch eine Realität in unserem Land. Frau Borowik-Frank hat es sich zur Aufgabe gemacht, auch mit Hilfe der sozialen Medien und in vielen Vorträgen und Begegnungen auf die Realität jüdischen Lebens in Deutschland – in diesem Jahr blicken wir auf 1700 Jahre zurück – aufmerksam zu machen und gegen Antisemitismus die Stimme zu erheben. Wir Christen, die wir aus jüdischen Wurzeln entstammen, sollten dabei an ihrer Seite stehen!

Ein besonderer Dank geht an Sarah Borowik-Frank, dass sie ein wichtiges Ritual ihrer Religion mit uns geteilt hat. Schabbat Schalom – mögen wir uns in Jerusalem wiedersehen!