Mit Beginn der Sommerferien am 7. Juli 2021 können wir den nächsten Schritt gehen und die Öffnungszeiten der AbteiGaststätte erweitern:

Ab Mittwoch, den 7. Juli 2021, gelten die folgenden Öffnungszeiten:

Montag & Dienstag:     Ruhetag
Mittwoch – Sonntag:    11.00 – 17.30 Uhr

Aktuell dürfen bis zu fünf Haushalte ohne Test gemeinsam an einem Tisch sitzen. Erst ab fünf Haushalten ist dann ein Test erforderlich. Auch private Veranstaltungen wie Taufen, Goldhochzeiten und Beerdigungskaffees sind mit Tests wieder möglich. Die Einhaltung der AHA+L-Regeln sowie die Kontaktnachverfolgung per Luca-App oder per Papier-Aufzeichnung sind weiterhin vorgeschrieben.

Weitere Informationen zu unserem Angebot finden Sie hier.

Herzlich willkommen!

Eine fast 40-köpfige Pilgergruppe machte sich am Sonntag, den 27. Juni 2021, auf den Weg von der Abtei Königsmünster zum Bergkloster Bestwig. Dabei gab es auch ein paar Hindernisse zu überwinden – überspülte Wege und entwurzelte Bäume. „Aber Unwägbarkeiten gehören beim Pilgern dazu“, meinte eine Teilnehmerin aus Bochum. Pater Klaus-Ludger Söbbeler feierte auf dem Weg mit der Gruppe Gottesdienst. Schwester Laetitia Müller war als Begleiterin aus dem Bergkloster mit dabei. Nach sieben Stunden Wanderung einschließlich heiliger Messe unter freiem Himmel, acht spirituellen Impulsen und einer Kaffeepause im Waldhaus Föckinghausen war das Ziel in Bestwig erreicht. Gemeinsam hatten die Benediktiner und die Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel zu der geführten Wanderung auf dem Weg von Kloster zu Kloster eingeladen. Am Sonntag, 5. September, findet die Wanderung auf der Südroute vom Bergkloster Bestwig zur Abtei Königsmünster statt. Weitere Informationen finden Sie hier. 

Text und Fotos: Ulrich Bock / SMMP

von P. Guido Hügen OSB

Opa Bär und der kleine Bär saßen vor dem Haus und betrachteten den Abendstern.
Es war ziemlich kühl und Opa Bär hatte seinen Schal um.
Der kleine Bär strich sanft mit der Pfote darüber.
„Ich mag deinen Schal“, sagte er. „Er ist so lang und kuschelig.“
„Ja, er ist ein Teil von mir“, sagte Opa Bär.
„Er wird immer länger – genau wie mein Leben immer länger wird,
je älter ich werde.
Als ich angefangen habe, ihn zu weben, war ich so alt wie du.“

So beginnt ein wunderbares Kinderbuch:
„Opa Bär und sein langer bunter Schal“,
in dem Opa Bär von seinem Lebens-Schal erzählt.

„Wenn du dir meinen Schal genau anschaust,
siehst du zwei Arten von Fäden,
Die einen gehen rauf und runter, die anderen kreuz und quer.
Die langen Rauf-und-runter-Fäden halten meinen Schal zusammen
und geben ihm seine Form –
so wie die Eigenheiten, die du von Mama und Papa geerbt hast
oder sogar von mir
– zum Beispiel, dass du gern Beeren isst
oder Angst vor Bienen hast oder große Pfoten …“
„Ich habe Papas Nase“, rief der kleine Bär aufgeregt.
„Alle sagen das!“

Erben wir Nasen?
Bestimmte Charaktereigenschaften vermutlich schon.
Und selbst solche Dinge wie unsere Namen.

In einer Supervision oder Fortbildung
hätten Sie jetzt eine halbe Stunde Zeit,
Ihre Rauf-und-runter-Fäden,
das Ihnen Mitgegebene, Geerbte,
das was Ihr Leben hält, aufzuschreiben.

Würden Ihnen dabei auch Dinge einfallen,
die „göttlich“ geerbt sind?

Wir haben es doch gerade in der Lesung gehört.
Paulus schreibt es an die Gemeinde in Rom:

Wir sind Kinder Gottes, Erben Gottes.

Das geht weit über das Biologische hinaus.
Von Gott her erben wir unsere Einmaligkeit,
unsere Ebenbildlichkeit mit IHM.
Gott vererbt sich selbst in uns …

Wenn wir in der Dreifaltigkeit feiern,
dass Gott kein einsamer Einzelkämpfer ist,
und die „Dreifaltigkeit“ nicht nur ein theologisches Konstrukt ist,
dann ist Gott in sich selber Lebendigkeit und Beziehung,
ist Geber und Empfänger,
Wort und Antwort.

Und ER zeigt sich als ein großmütiger,
freigiebiger Gott, der sich mitteilt,
der uns Menschen nahe kommt,
der uns erfüllen und das Leben mit uns teilen will.

Der für uns Vater und Bruder ist.

Und uns sein Erbe vermacht.

Allerdings:
Erben heißt auch, Verantwortung zu übernehmen.

Wir sind keine Alleinerben.
Wir sind – im wahrsten Sinne des Wortes –
eine weltweite Erbengemeinschaft.

Und wie so oft, wenn es um das Erbe geht,
bringt das Konflikte mit sich.

Das fängt schon bei der Deutungshoheit an.
Zwar haben wir sogar zwei „Testamente“
und die Weisung Jesu im Evangelium ist klar:
„Lehrt sie alles zu befolgen, was ich Euch geboten habe.“

Dass das längst nicht so klar und einfach ist,
zeigt uns der Blick in die Kirchengeschichte
oder schlichtweg in so manche Diskussionen unserer Tage.
Was ist Gottes Wille?
Wer darf was entscheiden,
wer ist Verwalter und Vollstrecker des Erbes?
Schwarz-weiß oder grau oder bunt?

Und wie so manche Erbengemeinschaft
geraten wir in Streit und Krieg.
Nichts von Geschwisterlichkeit.
Nichts vom Blick auf den gemeinsamen Vater.

Wenn nicht einmal wir Christen,
nicht einmal in einer Gemeinde und Gemeinschaft
es hinbekommen,
uns in aller Buntheit und Verschiedenartigkeit
als „Sein Volk“ zu sehen:
wie sollte es Frieden geben in dieser Welt?

Wir machen uns doch selbst das Leben schwer.
Wir sprechen uns gegenseitig ab,
die gegebenen Fähigkeiten, unser Erbe gut einzusetzen.

Ich kann doch besser entscheiden,
was dem anderen gut tut …

Ja, und noch ein Blick weiter:
Und wie gehen wir denn mit dem uns gegebenen Erbe um?
Es ist ja nicht nur das ganz persönliche.

Das fängt beim ganz kleinen an:
bin ich der bevorzugte Erbe, der als erstes eine Impfung braucht?
Und endet längst nicht beim Weltweiten:

Dürfen wir mit dem Erbe von Schöpfung und Natur so umgehen,
dass andere Miterben in die Röhre schauen?

Wenn wir Gott „Abba, Vater!“ nennen,
muss das Folgen haben.
Wenn wir in Jesus Christus unseren Bruder und Herrn erkennen,
muss das Folgen haben.
Wenn wir auf den Heiligen Geist, der Kraft gibt und Mut macht, vertrauen, muss das Folgen haben.

Wie können diese Folgen anders sein
als geprägt von der Botschaft der Liebe
und dem Geschenk der Freiheit?

Ich müsste sie halt auch den anderen zugestehen
– und nicht glauben, ich könnte über das Erbe entscheiden.

Ich müsste mich selber in der Freiheit sehen,
die Gottes Geist mir schenkt.

Und diese Freiheit dem anderen zutrauen.
In unserer Kirche,
ja auch in unseren Gemeinschaften
ist das leider oft nicht der Fall.
Unter Verboten, Unterstellungen, Verleumdungen
leiden viele von uns.

Und doch gilt:
Ich habe den Geist der Kindschaft empfangen,
in der Einmaligkeit meines Lebens will Gott aufscheinen,
macht ER mir Mut, mich selber anzusehen
und den langen bunten Schal meines Lebens.

 

„Es ist wichtig, dass du dir die Farben deines Schals
und seiner Fäden ab und zu ganz genau ansiehst“, sagt Opa Bär.
„Vielleicht hat dir irgendjemand ein paar trübe, langweilige Fäden gegeben.
Fäden die aussehen wie die Tage,
an denen man am besten gleich im Bett bleibt.
Willst du die wirklich in deinem Schal haben?
Du kannst sie natürlich nicht aus dem Stück nehmen,
das schon gewebt ist,
aber du kannst sie durch neue Fäden ersetzen,
wenn du weiterwebst.“

Entdecken wir die goldenen Fäden der Kinder Gottes,
die Fäden der Liebe und des Mutes.
Und weben wir in sie die bunten Fäden unseres Lebens!

Denn die Verheißung gilt:
„Siehe, ich bin mit euch alle Tage
bis zum Ende der Welt!“

Liebe Leserin, lieber Leser,

in der Schriftlesung heißt es heute:
…sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk…. (aus Apg 2,42-47)

Eine ideale Beschreibung der ersten Gemeinde.
Einmütigkeit.
Freude.
Lauterkeit des Herzens.
Lobpreis.

Zu schön, um wahr zu sein!?

Wie sieht es in unseren Familien, Gemeinschaften und Gemeinden aus?
Wie geht es mir beim Lesen dieser Zeilen?
Hat es vielleicht schon beim Frühstück eine Auseinandersetzung gegeben?
Habe ich heute schon Gemeinschaft erlebt oder dazu beigetragen?
Ist mir schon ein Gedanke oder Wort der Dankbarkeit über die Lippen gekommen?

Was bedeutet für mich Gemeinschaft? Eine Antwort könnte lauten: Zusammenhalt in gegenseitiger Liebe und Hilfsbereitschaft.
Diese Definition gefällt mir, kommt darin doch zum Ausdruck: Mir wird geholfen und ich kann mich einbringen. Ich denke, darin liegt ein erstes Angebot für diesen Tag, denn beides müssen wir üben.

Und ein zweites: Gemeinschaft (er)leben. Auch das bedarf der Einübung. Denn echtes Leben vermehrt sich!

Mit dem vorliegenden Impuls endet die Reihe der österlichen Impulse. Ich bedanke mich für Ihr Interesse und die positiven Rückmeldungen.
Bewahren Sie sich die Freude des Herzens und vergessen Sie bitte unsere Gemeinschaft von Königsmünster nicht.

Mit folgenden Gebetsworten wünsche ich Ihnen frohe und gesegnete Begegnungen.

Bekleide uns mit deiner Gnade,
erfülle uns mit deiner Liebe
und führe uns den Weg zur Vollkommenheit. 

Ihr
+ Aloysius Althaus OSB

 

Im Advent 2021 werden wir die Reihe der täglichen Impulse wieder aufnehmen. Wenn Sie die Impulse als E-Mail-Newsletter empfangen möchten, nutzen Sie bitte den Anmeldelink rechts auf dieser Seite.

Denn euch und euren Kindern gilt diese Verheißung und allen, die fern sind, so viele der Herr, unser Gott, herzurufen wird. (aus der Apostelgeschichte 2,37-41)

Im antiken Pantheon in Rom, das heute eine Kirche ist, gibt es an Pfingsten einen schönen Brauch. Um das Ausgießen des Heiligen Geistes darzustellen, werden am Ende des Pfingstgottesdienstes durch die Öffnung der Dachkuppel Rosenblätter in die Kirche gestreut, die dann in einem duftenden Blütenregen zu Boden fallen.
Ein ganz ähnliches Bild gibt es in dem Film „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ von Marc Rothemund aus dem Jahr 2005. Im Lichthof der Ludwig-Maximilians-Universität in München lassen die Mitglieder der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ Flugblätter zu Boden regnen. Es ist nur eine Filmszene, aber sie ist tatsächlich so ähnlich in Wirklichkeit passiert. Nach dieser Aktion wurde die Gruppe durch die Nationalsozialisten zerschlagen, ihre Mitglieder festgenommen, verurteilt und ermordet. Wenn man heutzutage im Lichthof der Universität steht, kann man sich gut vorstellen, wie das damals alles geschah. Der Ort ist äußerlich unverändert.

Es ist schon seltsam: Damals, im Februar 1943 schien alles so, als ob es vorbei wäre. Die Mühen und Hoffnungen der Gruppe gescheitert, zerstört. Kein guter Anfang, so scheint es.
Und doch ist die Saat, die Saat der Flugblätter, aufgegangen, und als die Blätter am Boden angekommen waren, hatten sie die Welt verändert.
Steht man im Lichthof, erlebt man um sich herum junge freie Menschen, die von ihrem Morgen träumen. Der Traum der Weißen Rose vom Wintertag 1943 ist zu ihrer Wirklichkeit geworden.
Pfingsten ist die Geburtsstunde der Kirche, der Gemeinschaft. Es ist aber auch der Moment, in dem die Verheißung ausgesät wurde. Eine Verheißung, die wir säen sollten und die wir wachsen lassen können, deren Früchte aber für das Morgen bestimmt sein werden.

Br. Balthasar Hartmann OSB

„So wisse nun das ganze Haus Israel gewiss, dass Gott diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zum Herrn und Christus gemacht hat.“ (Apg 2, 36 – ganze Lesung: Apg 2,29-36)

Wie eine feierliche Proklamation hört es sich an, was uns die Apostelgeschichte hier vor Augen führt! Zum Ende der Osterzeit erinnert sie uns nochmal daran: der Mensch hat diesen Jesus gekreuzigt – Gott hat ihn auferweckt. Der Mensch hat ihn klein gemacht – Gott hat ihn groß gemacht.

Wiederholt sich dies nicht in unserer Geschichte? Der Mensch wird immer wieder vom Menschen klein gemacht – aber Gott macht ihn groß. Ja, wie oft habe ich das schon persönlich erlebt, dass man mich klein machen wollte, aufs Kreuz legen wollte, mundtot machen wollte… Doch dieser Gott will dem Menschen immer wieder Ehre und Ansehen verschaffen – ausnahmslos jedem! Das ist uns in und durch Jesus Christus versprochen. Vergessen wir es nie! Gerade dann nicht, wenn uns wieder jemand klein machen will. ER macht mich groß!

P. Jonas Wiemann OSB

Gott aber hat ihn von den Wehen des Todes befreit und auferweckt. (Apg 2,23 – ganze Lesung: Apg 2,22-28)

Ich halte den Herrn beständig vor Augen. Denn er steht mir zur Rechten, dass ich nicht wanke. (Ps 16,8)

Das zweite Kapitel der Apostelgeschichte beschreibt einen bedeutenden Wesenszug Gottes: Gott ist der, der rettet. Wir alle sind demnach Gerettete.

Gottes machtvolles Handeln wurde in der Auferweckung Jesu sichtbar. Gott erwies sich als eindeutiger Retter. Auch wir Menschen dürfen getrost sein, dass Gott uns rettet. Gott wählt immerfort das Leben. Auch wir werden von unserem Tod befreit. Das rettende Handeln Gottes ist bereits jetzt schon unser stetiger Begleiter. Zu unserer Rechten geht Gott alle Wege mit uns mit. Unterpfand dieser permanenten Präsenz zu unserer Rechten ist der in uns wohnende Heilige Geist. Die jetzige Pfingstnovene möge uns daran erinnern, dass wir auf Gott bezogen sind, ER unser Gefährte ist. Letztlich kann uns nichts ins Wanken bringen. ER bleibt unsere Urstabilität.

Br. Emmanuel Panchyrz OSB

14 Da trat Petrus auf, zusammen mit den Elf; er erhob seine Stimme und begann zu reden: Ihr Juden und alle Bewohner von Jerusalem! Dies sollt ihr wissen, achtet auf meine Worte! 15 Diese Männer sind nicht betrunken, wie ihr meint; es ist ja erst die dritte Stunde am Tag; 16 sondern jetzt geschieht, was durch den Propheten Joël gesagt worden ist: 17 In den letzten Tagen wird es geschehen, so spricht Gott: Ich werde von meinem Geist ausgießen über alles Fleisch. Eure Söhne und eure Töchter werden prophetisch reden, eure jungen Männer werden Visionen haben und eure Alten werden Träume haben. 18 Auch über meine Knechte und Mägde werde ich von meinem Geist ausgießen in jenen Tagen und sie werden prophetisch reden. 19 Ich werde Wunder erscheinen lassen droben am Himmel und Zeichen unten auf der Erde:/ Blut und Feuer und qualmenden Rauch. 20 Die Sonne wird sich in Finsternis verwandeln und der Mond in Blut, ehe der Tag des Herrn kommt, der große und herrliche Tag. 21 Und es wird geschehen: Jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden.

(Apg 2,14-21)

Oder doch eher so – damals und heute …?!?

„Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle Jünger am gleichen Ort. Sie freuten sich, beieinander zu sein. Sie frischten Erinnerungen an Jesus auf; sie erzählten sich dies und jenes und dachten daran, wie schön es gewesen war, als er noch bei ihnen war. Die Fenster öffneten sie nur gelegentlich, um ein wenig zu lüften.

In den Straßen um ihr Haus herum tummelten sich an diesem Tag Leute aus aller Herren Länder. Sie unterhielten sich über vieles, manche auch über Jesus und seine Anhänger: „Man hört nichts mehr von der Sache. Sie scheint sich erledigt zu haben!“ Sie gingen weiter, ohne etwas Besonderes erlebt zu haben – der Pfingsttag, ein Tag wie jeder andere.

In der kleinen Gruppe aber hielt Petrus eine Rede: „Liebe Freunde in der Erinnerung an Jesus! Inzwischen haben wir uns daran gewöhnt, dass unser Freund Jesus nicht mehr bei uns ist. Von denen, die ihn getötet haben, haben wir nichts mehr zu befürchten. Langsam hat sich alles beruhigt. Warum sollten wir von der Sache wieder anfangen? Wir haben unsere Ruhe. Das ist gut so, das soll so bleiben! Ab und zu wollen wir uns treffen, um das Andenken an ihn in Ehren zu halten. Im Übrigen soll alles so bleiben, wie es ist. Das ist für uns alle das Angenehmste. Fremde können in unserer Gruppe nur stören.“

Die Jünger trafen sich noch öfters, aber irgendwann fingen sie an, sich zu langweilen. Mit den Jahren starben sie. So ging die Sache Jesu zu Ende. Man redete nicht mehr viel darüber, denn Belanglosigkeiten haben das gleiche Schicksal wie Eintagsfliegen.“

(Autor unbekannt)

Bald ist Pfingsten. Was feiern wir? Dass irgendwann der Geist geweht hat – oder auch nicht? Dass er heute noch weht – oder auch nicht?

Dass wir gar nicht mitbekommen, dass der Geist weht?

„Eure Jungen werden Visionen haben und Eure Alten Träume.“ Und wir möchten gerne alles so haben und behalten wie immer. Gottes Geist wird ausgegossen und prophetisch wird geredet. Na ja, zumindest damals. Wir verschließen lieber die Türen …

P. Guido Hügen OSB

Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war, waren alle zusammen am selben Ort. (Apg 2,1 – ganze Lesung: Apg 2,1-13)

Wenn in der heutigen Tageslesung, die wir am Sonntag wieder in unseren Kirchen hören werden, vom „Tag des Pfingstfestes“ die Rede ist, dann ist damit mitnichten unser christliches Pfingsten oder ein „Geburtstag der Kirche“ gemeint, Das gab es nämlich zur Zeit, von der hier erzählt wird, noch nicht. Der deutsche Name „Pfingsten“ ist schlicht und einfach eine Ableitung vom altgriechischen „pentekoste“ (fünfzig), und meint den 50. Tag nach dem Pessachfest, an dem gläubige Juden bis heute das sog. Wochenfest „Chag Schawuot“ feiern. Ohne jüdisches Wochenfest kein christliches Pfingsten – das muss gerade in Zeiten des wachsenden Antisemitismus deutlich betont werden.

Das Wochenfest, das ursprünglich in einem landwirtschaftlichen Kontext stand und den Beginn der Weizenernte markiert (vgl. Ex 34,22), erinnert gläubige Juden an ein zentrales Ereignis ihrer Heilsgeschichte: die Übergabe der Tora, des Gesetzes von JHWH, auf dem Sinai (vgl. Ex 34,28). Das ist nicht ein einfacher juristischer Vertragsabschluss, sondern die Besiegelung einer dauernden Liebesgeschichte: JHWH und Israel versprechen sich gegenseitig ewige Treue.

Zum Wochenfest pilgerten zur Zeit der Abfassung der Apostelgeschichte fromme Juden zum Jerusalemer Tempel. Das erklärt die Aufzählung der verschiedenen Sprach- und Kulturgruppen, die in Apg 2,9-11 erwähnt werden und für jede*n Lektor*in eine Herausforderung darstellen. „Wir hören sie in unseren Sprachen die großen Taten Gottes verkünden.“ Menschen werden ihrer fundamentalen Einheit gewahr, ohne dass diese Einheit zur Einförmigkeit wird, denn die verschiedenen Sprachen in ihrer Vielfalt bleiben. Sie werden aber nicht zum Hindernis und Sprachenwirrwarr. So viel Einheit in Vielfalt war den Menschen wohl schon damals suspekt, und ihre Reaktion besteht in Ratlosigkeit, Entsetzen bis hin zu Spott: “Sie sind voll süßen Weins.“ (Apg 2,13)

Beide Feste, das jüdische Schawuot und das christliche Pfingsten, haben für mich mit einem Traum, einer Vision zu tun: der Vision, dass menschliches Verstehen, auch über Sprach-, Konfessions- und Religionsgrenzen hinweg möglich ist. Und dass überall da, wo Terror, Hass und Gewalt an der Tagesordnung sind, dem lautstark widersprochen werden muss. Gerade Antisemitismus, wie er sich in den letzten Tagen gezeigt hat, darf keinen Platz in Deutschland und anderswo haben!

P. Maurus Runge OSB

Impuls zu Apg 1,15-26

Die Nachwahl des Matthias findet statt, um die Zahl der zwölf Apostel nach dem Tod des  Judas Iskarioth wieder herzustellen. Diese Zwölferzahl repräsentiert die Gesamtheit des Volkes Israel. Keiner von den Stämmen Israels soll verlorengehen. Und im Fortlauf der Apostelgeschichte werden die Apostel in alle Welt gesandt. Damit weitet sich die Zwölferzahl auf die ganze Welt. Es ergeht der Missionsbefehl an alle Welt.

Der Apostel Matthias wird in Trier verehrt. Er soll uns das Evangelium gebracht haben. Das kann uns in besonderer Weise mit dieser Textstelle in Verbindung bringen.

Br. Benjamin Altemeier OSB