Nun geht dieses Jahr zu Ende. Für mich war es eine wirkliche Herausforderung und ist es immer noch. Ich musste in diesem Jahr lernen, dass sich das Leben nicht wirklich planen lässt. Auch ich habe immer wieder Vermutungen angestellt, wie und wann es mit der Pandemie zu Ende geht. Ich lag immer falsch. Ich habe gelernt, dass ich Termine machen kann, aber dass sich das Leben nicht planen lässt. Es liegt in Gottes Hand. Eigentlich müsste ich das als Mönch ja wissen. Aber die Erfahrungen der früheren Jahre hatten bei mir die Wirkung, dass sich Leben in geordneten Bahnen voraussagen lässt. Wenn die Verordnungen der Regierung Beachtung finden, werden wir diesen Jahreswechsel in Stille begehen. Für mich eine Chance, tatsächlich nach meiner Befindlichkeit zu schauen und zu schweigen.

Schweigen!

Mir ist aufgefallen, wie oft wir Menschen Dinge sagen, die wir gar nicht wissen können: „Das wird schon! Nächstes Jahr wird alles besser! Die Wirtschaft wird sich so entwickeln, und die Bevölkerung wird in diese oder jene Richtung tendieren.“ Ich weiß das alles nicht.

Und noch etwas ist mir aufgefallen beim Lesen mancher Predigten, auch von Bischöfen, die reden von Gott und wie er ist. Wie er uns Menschen sieht. Wie Gott über Lebensentscheidungen bzw. Lebensformen denkt. Ich weiß das alles nicht. Vielleicht trauen wir uns auch einmal zu sagen: „Ich weiß nicht, was Gott denkt, ich weiß nicht, was er sich dabei denkt.“ Er ist eben auch der Unverfügbare, nicht Erklärbare. Er ist eben auch Geheimnis.

Ich habe mir für das kommende Jahr vorgenommen, häufiger den Satz einzuüben: „Ich weiß es nicht.“ Ob es mir gelingt, weiß ich nicht, aber ich habe Hoffnung.

Br. Benjamin Altemeier OSB

In jener Zeit lebte eine Prophetin namens Hanna, eine Tochter Pénuëls, aus dem Stamm Ascher. Sie war schon hochbetagt. Als junges Mädchen hatte sie geheiratet und sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt; nun war sie eine Witwe von vierundachtzig Jahren. Sie hielt sich ständig im Tempel auf und diente Gott Tag und Nacht mit Fasten und Beten. In diesem Augenblick nun trat sie hinzu, pries Gott und sprach über das Kind zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten. (Lk 2,36-38)

Hanna, die treue Prophetin

Sie hatte in ihrem langen Leben sicher so einiges durchgemacht. Schon nach wenigen Ehejahren wurde sie Witwe, und das bedeutete für sie, schutzlos und benachteiligt zu sein. Sie war angewiesen auf fremde Hilfe, und bestimmt war ihr Leben geprägt von großer Not. Doch Hanna, die der Evangelist Lukas eine Prophetin mit 84 Jahren nennt, scheint aus ihrem Leben das Beste gemacht zu haben, denn sie strahlt trotz allem Schweren, das ihr Leben prägte, eine unerschütterliche Hoffnung aus. Nichts und niemand konnte sie von ihrem Gottvertrauen abbringen.

Es scheint fast so, als hätten die Schicksalsschläge in ihrem Leben sie eher noch näher hin zu Gott gebracht, denn der Evangelist berichtet, dass sie sich ständig im Tempel aufhielt und Tag und Nacht Gott diente mit Fasten und Beten. Bis ins hohe Alter hatte sie nicht aufgehört, an die Erlösung Jerusalems zu glauben, und ihre Sehnsucht wurde erfüllt, als Maria und Josef ihren Sohn zu Simeon in den Tempel brachten. Auch wenn es Simeon mit seinem Lobgesang des „Nunc dimittis“ bis ins Nachtgebet der Kirche geschafft hat, so nennt der Evangelist Lukas jedoch sie eine Prophetin, und Hanna könnte für uns nicht nur eine Prophetin, sondern ein Vorbild im Glauben sein. Denn wir können nicht nur von ihrer Hoffnung und ihrer Ausdauer im Auf und Ab des Lebens lernen, sondern auch von ihrer Frömmigkeit, ihrer Demut und ihrem unerschütterlichen Gottvertrauen.

Auch wenn nicht überliefert ist, was Hanna genau sagte, so lässt uns der Evangelist doch wissen, dass sie im Tempel hinzutrat und Gott lobte und sie mit allen sprach, die auf die Erlösung Jerusalems warteten.

Wäre das nicht auch eine Aufgabe für uns, von Weihnachten und der Geburt Jesu weiterzuerzählen und Gott zu loben und ihm zu danken, dass er uns seinen Sohn als Mensch und Erlöser geschenkt hat.

P. Cornelius Wanner OSB

Am heutigen 29. Dezember, meinem Namenstag, der traditionell auch der Gedenktag König Davids ist, möchte ich ein paar Gedanken zu meinem Namenspatron Jonathan teilen:

Jonathan ist der Sohn Sauls, des ersten Königs des Volkes Israel. Er ist somit auch der geborene Nachfolger, wodurch die Rivalität zu David, der von JHWH zum zweiten König Israels erwählt wird, vorprogrammiert scheint. Jonathan hätte jeden Grund gehabt, David zu verachten – ganz wie sein Vater Saul, an dessen Seite er schließlich auch im Kampf stirbt (vgl. 1 Sam 31,2). Doch „Jonathan liebte David wie sein eigenes Leben“ (1 Sam 18,2). So rational und logisch sich Jonathan auch stets im 1. Buch Samuel verhält – sei es zu Beginn in den Vorstößen gegen die Philister oder später bei den Versuchen, David auf seiner Flucht vor Saul zu helfen – die Liebe zu David ist der Punkt, an dem er irrational handelt, an dem er sogar auf seinen eigenen Thronanspruch verzichtet:

Eine Unvernunft um der Liebe willen.

Jonathan gerät zwischen die Fronten von David und Saul. Er bleibt seinem Vater treu, ohne David zu verraten; und er hält seine Liebe zu David, ohne Saul zu verlassen. Jonathan nimmt die Gestalt des idealen Vermittlers ein, dem es irgendwie gelingt, den Todfeind seines eigenen Vaters über alles zu lieben, ohne dessen Zorn auf sich zu laden. Wie durch ein Wunder schafft er es, in solch einer problematischen Situation selbst ganz unparteiisch zu bleiben und keine der beiden ihm so lieben Seiten gegeneinander auszuspielen oder im Stich zu lassen. Jonathan ist somit auch der Inbegriff der Treue und der Zuverlässigkeit, und er ist für mich das Sinnbild des Brückenbauers.

Dabei fällt mir besonders auf, wie Jonathan stets unauffällig und diskret in seinem Vorgehen bleibt. Nicht zuletzt durch seinen Verzicht auf die Thronfolge wird deutlich, dass Jonathan niemand ist, der große Anerkennung und viel Reichtum (was er leicht haben könnte) braucht.

Für mich hängt dies auf eine bestimmte Weise auch mit Weihnachten zusammen.

Angenommen, wir wären dazu angehalten, eine Menschwerdung Gottes zu inszenieren, wie hätten wir das Ganze vonstatten gehen lassen?
Das Naheliegendste wäre es doch, ihn in einem Palast zur Welt kommen zu lassen, wo er als Thronfolger und neuer Herrscher über seine ganze Schöpfung regieren könnte. Wieso ist der Messias eigentlich nicht als Königssohn zur Welt gekommen? Möglich wäre das Gott doch gewesen. Und wir hätten ihm doch bestimmt gerne gehorcht in dieser Position – schließlich wäre er ja Sohn Gottes!

Gott wurde Mensch in den für uns denkbar unwürdigsten Verhältnissen: Er wurde in einer kalten Winternacht in einem Stall geboren, weil seine Eltern keinen Platz in einer Herberge bekamen. Keine Mutter würde ihr Kind in eine Futterkrippe legen – doch Maria hatte keine andere Wahl. Kurz darauf muss die Familie nach Ägypten fliehen, um dem kindermordenden Herodes zu entkommen.
Und es kommt noch schlimmer: Das Leben Gottes auf Erden endet mit Geißelung und Folter. Jesus wird bespuckt, geschlagen, mit Dornen gekrönt, zur Schau gestellt und verlacht. Er endet am Kreuz, sein Leben mit der Todesstrafe.
Warum tut Gott seinem Sohn und sich selbst das an?

Der Grund ist die Liebe zu seiner Schöpfung.

Gott möchte mehr von uns als unseren Gehorsam, er wünscht sich – so wie im Grunde wir alle (und da ist unsere Ähnlichkeit zu Gott besonders spürbar) – die Erwiderung seiner Liebe.
Am Oktavtag gedachte die Kirche früher (und die evangelische Kirche noch heute) der Beschneidung Jesu: Die menschliche Seite Jesu, die gehorsam unter dem jüdischen Gesetz steht, gerät in den Mittelpunkt.
Doch blinder Gehorsam wäre Gott viel zu einfach. Er sehnt sich nach seiner in Sünde verirrten Schöpfung und möchte, dass auch wir uns nach ihm sehnen. Und er macht es uns eigentlich ziemlich leicht:
Ein schwaches, wehrloses Kind in einer Krippe – man müsste gänzlich in Dunkelheit versunken sein, um kein Mitgefühl, keine Liebe zu empfinden.

Wäre er ein königlicher Herrscher, hätten wir vielleicht (mehr oder weniger) Gottes Geboten eine Zeit lang gehorcht. Wir hätten ihn aber niemals lieben können.
Nun wird Gott nicht nur als schwaches Kind geboren, sondern verzichtet sogar auf jeden Herrschaftsanspruch. Obendrein gibt er sein Leben für uns, seine Freunde, und für unsere Sünden dahin.

Gott handelt irrational um der Liebe willen.

Den Kreis schließen möchte ich, indem ich auf einen weiteren Namen zu sprechen komme:
Vor zwei Tagen, am 27.12., war der Gedenktag des Evangelisten Johannes, der in diesem Jahr ausnahmsweise vom Sonntag der Weihnachtsoktav verdrängt wurde.
Johannes zeigt uns in seinem Evangelium ein Beispiel wirklich verstandener mystischer Liebe Gottes. Der an Jesu Brust ruhende „geliebte Jünger“, der keines apostolischen Amtes bedarf (vgl. Joh 21,20-22) erinnert mich an den an Davids Brust ruhenden Jonathan. Vielleicht ist es kein Zufall, dass sich die Namen so ähneln und dass sie so dicht zusammen ihr Gedenken feiern.

Br. Jonathan von Holst OSB

 

Liebe Leserin, lieber Leser!

„Die unschuldigen Martyrer haben nicht redend, sondern sterbend Gott verherrlicht“, so heißt es in der Liturgie des heutigen Tages.

Was bedeutet dieses Fest für mein Leben?

Eine Antwort könnte lauten: Auch mein Leben soll ein Lobhymnus an Gott, nicht durch das Wort, sondern durch die Tat sein.

In Psalm 103 lese ich: Preise den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht seine unendlichen Wohltaten.

Aber auch Schmerz und Trauer verbinde ich mit dem heutigen Festgeheimnis. Ich lade Sie ein, folgende Gedanken von Frère Roger auf sich wirken zu lassen:

Gott sieht der Qual der Menschen niemals unbewegt zu, er leidet mit den Unschuldigen, den Opfern unbegreiflicher Not, er leidet mit jedem.
Es gibt einen Schmerz Gottes, ein Leiden Christi. Im Evangelium macht sich Christus das unbegreifliche Leid Unschuldiger zu eigen, beweint den Tod der Menschen, die er liebt.
Ist Christus nicht auf die Erde gekommen, damit sich jeder Mensch geliebt weiß? Das Herz kann vor solcher Liebe schier ins Staunen geraten.

Tragen wir unsere persönliche Not und das Leid der Welt an das Herz dessen, der aus Liebe Mensch geworden ist.

In herzlicher Verbundenheit

Ihr

+ Aloysius Althaus OSB

Am Fest der heiligen  Familie stehen heute zwei  Gestalten der heiligen Schrift im Mittelpunkt, nämlich Hanna und Simeon. Explizit wird auf das Alter der beiden Gestalten hingewiesen. Das Alter spielt im biblischen Kontext eine große Rolle. So wird auch  Abraham  als alter Mann beschrieben.  Das bedeutet für mich, dass Gott die älteren Menschen beruft,  Zeugnis abzulegen. In ihnen verdichtet sich die Lebenserfahrung,  und daraus kann sich die Weisheit, die häufig aus älteren Menschen spricht, speisen.  Daher bin ich dankbar, in einer Gemeinschaft zu leben, wo der ältere Bruder  seinen festen Platz hat. Ich kann dann miterleben, was wirklich wichtig ist im Leben. Ich darf wahrnehmen, was wirklich nährt und was wirklich bleibt. Für mich hat das Alter eine ganz eigene Würde. Diese Würde ist unabhängig von der Leistungsfähigkeit des Menschen. Vielmehr ist es das Hinweisen auf das Wesentliche. Die Sehnsucht auf das Wesentliche wachhalten. Für Hanna und Simeon ist dies das Kommen des Messias. Die Sehnsucht nach einer Verheißung wachhalten, die über das Hier und Jetzt hinausgeht. Im Stundengebet hat die Aussage des Simeon ihren festen Platz: „Nun lässt Du, o Herr, mich in Frieden scheiden, denn ich habe das Heil gesehen, dass Du allen Völkern bereitet hast.“

Wenn ich glaube, dass das Heil schon gekommen ist und ich am  Ende in dieses Heil eingehe, dann kann ich in Frieden leben – jetzt in dieser Gegenwart.

Das Fest der heiligen Familie wurde häufig als Erziehungsmodell für Kinder genutzt. Auch als Projektionsfläche, um einem  Familienideal zu huldigen, das es nie gegeben hat. Aber das Fest ermutigt, Kontakt zu unseren älteren Mitmenschen zu suchen. Nicht um ihnen einen Gefallen zu tun, sondern um an ihrer Lebenserfahrung und Weisheit teilzuhaben.

Br. Benjamin Altemeier OSB

 

„Siehe, ich sehe …“ (Apg 7,56)

Das kennen Sie bestimmt auch: „Heute feiern wir den ersten Blutzeugen für Jesus!“ „Der Priester trägt heute rot, wie Blut!“ Das sind Klassiker für Predigten am heutigen Tag, dem Fest des heiligen Stephanus. Irgendwie ist es „alle Jahre wieder“ das Gleiche. Spätestens heute scheint es vorbei mit der wohligen Weihnachtsstimmung in der Kirche. Gibt es keinen Bezug auf das Weihnachtsfest, das wir doch alle immer noch feiern wollen? Muss man automatisch einen gedanklichen salto mortale hinlegen, um diesen Spalt zu überbrücken?

Schauen wir uns die Evangelien der Christmette (Lk 2,1-14) und des Weihnachtstages (Joh 1,1-18), sowie die heutige Lesung (Apg 6,8-10.7,54-60) an. Es gibt ein Wort, dass in allen drei Texten identisch ist: doxa. Übersetzt wird es mit „Ehre“ und „Herrlichkeit“.

  • In der Christmette: Hier wird das ärmliche, dunkle Szenario der Geburt Jesu durchbrochen von einem Engel, der vor Hirten spricht. Fern der Heimat geboren – das widerspricht dem majestätischen Bild der Stadt des Königs David. Das kleine Kind widerspricht dem großen Bild des Retters. Die große Freude widerspricht dem heruntergekommen Stall und dem Stroh der Krippe. Krasser könnten die Gegensätze nicht sein. Und doch: die Herrlichkeit (doxa) des Herrn leuchtet und „Ehre (doxa) Gott in der Höhe“
  • Am Weihnachtstag: Mitten im schwer verständlichen Johannesprolog fällt der Satz „ und wir haben seine Herrlichkeit (doxa) gesehen, die Herrlichkeit (doxa) als des eingeborenen Sohnes vom Vater.“ (Joh 1,14) Theologische Gedanken und Höhenflüge werden durchbrochen vom Sehen. Etwas ganz Realem. Wir sehen Gottes Herrlichkeit durch Jesus, der geboren wurde, hindurch schimmern!
  • In der heutigen Lesung: Stephanus bei seinem Prozess schaut in den Himmel und sieht „die Herrlichkeit (doxa) Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen.“ (Apg 7,55).

Dreimal das gleiche Wort. Die Herrlichkeit Gottes. Sie ist im Sprachgebrauch des Alten Testaments gleichbedeutend mit Gott selbst. Wenn Mose Gottes Herrlichkeit sehen will, will er Gott sehen! (vgl. Ex 33,18 ff)

Was ist sonst noch allen gemeinsam? Hier bricht etwas in die menschliche Realität ein. Gott erscheint! Nicht mehr im Tempel, wo sonst immer die Herrlichkeit Gottes zu sehen ist. Er ist zu sehen auf dem Feld bei den Hirten, nicht bei den Führern. Er ist zu sehen im Fleisch eines Menschen, nicht mehr im abstrakten Gedenken! Er ist zu sehen im Augenblick des ungerechten Todesurteils, nicht bloß beim Lobpreis, der ihn rühmt! Und das Bindeglied zwischen allen drei Erscheinungsformen ist Jesus. Als Baby, von dem die Welt sich noch nichts erwartet. Als Mensch, den die Menschen nicht verstehen. Als der, den Gott an seine Rechte gestellt hat. Alle Extreme sind umfasst: Der Anfang des Lebens und sein Ende. Das Sich-Umstrahlen-Lassen und das Nicht-Erkennen. Die Realität dieser Welt und die Hoffnung auf den Himmel, den Stephanus offen sieht.

Könnten uns diese Texte nicht folgendes sagen wollen? All dies ist Weihnachten. Nicht bloß Jesu Geburt, die wir feiern, und die wohlig klassische Feier daheim, sondern auch das, was an den Rändern geschieht, in den Ausnahmesituationen.

Vielleicht feiern Sie Weihnachten allein. Vielleicht sind sie wegen der Pandemie von ihren Lieben getrennt. Vielleicht sind Sie erkrankt oder jemand, der Ihnen am Herzen liegt. Vielleicht leiden Sie unter dem Verlust eines geliebten Menschen. Können diese Texte Ihnen einen Trost schenken? Für mich sprechen die Texte diese Botschaft: Gott will uns seine Nähe in allen Lebenslagen schenken und bei uns sein. Er will uns nicht verlassen. Einen kleinen Lichtstrahl dieser Erfahrung wünsche ich Ihnen von Herzen an diesem außergewöhnlichen Weihnachtsfest, dass Sie auch den Himmel offen sehen und vielleicht neu mit einstimmen können in den Gesang der Engel: „Ehre Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen!“

Frohe und gesegnete Weihnachten!

Ihr
Br. Symeon Müller OSB

Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren;
er ist der Christus, der Herr. (Lk 2,11)

Die Worte des Engels an die Hirten werden Ihnen sicher bekannt sein. Vielleicht haben Sie diese Worte in der letzten Nacht auch gehört – sei es in einem Präsenzgottesdienst, sei es via Internet, TV oder Radio. Aber haben Sie sich durch diese Worte auch angesprochen gefühlt? Oder sie eher als Bestandteil einer schönen Geschichte aus vergangenen Zeiten gesehen, die zu Weihnachten gehört wie der Tannenbaum und die Geschenke?

Das Heute macht darauf aufmerksam, dass es bei diesen Worten um mehr geht als um eine Erzählung aus der Vergangenheit. Ich selbst bin gemeint: Mir ist in meiner Stadt, in meinem Alltag, in meinem Haus der Retter geboren, Christus, der Herr. Das alles geschieht wirklich heute, mitten in der Zeit der Pandemie, mitten in diesem so anderen Weihnachtsfest, das geprägt ist von Verzicht, Kontaktbeschränkungen und Reduzierung.

Heute ist uns der Retter geboren, heute ist uns Erlösung geschenkt: Das ist die befreiende Botschaft von Weihnachten – mitten in allem Leid, aller Krankheit, aller Entbehrung! Ich wünsche Ihnen, dass Sie dieses Heute in Ihrem Alltag erleben können.

P. Maurus Runge OSB

Die Mönche der Abtei Königsmünster wünschen Ihnen und Ihren Familien ein gesegnetes Weihnachtsfest!

Liebe Leserin, lieber Leser,

im Tagesgebet wird die Bitte ausgesprochen: Herr Jesus Christus, komm bald und säume nicht.

Kann ich in diesen Gebetsruf einstimmen?
Bin ich bereit für das Fest der Geburt des Herrn?

Da sind sie nun unterwegs, zu Fuß wie die Ärmsten, trotz der Mühsal für Maria, die bald Mutter werden soll. Sie sind unterwegs, weil sie gehorsam sind, ohne Einwände. Ihr tiefer Glaube entdeckt im ausgesprochenen Befehl den Willen Gottes. Und sie gehen dahin, voll Vertrauen auf die Vorsehung.

Wie gehe ich meine Wege?
Vertraue ich der Führung Gottes?

In Betlehem ist für sie kein Platz, und es bleibt ihnen nichts anderes übrig, als in eine Höhle im Freien zu flüchten. Sie wissen wohl, dass der Sohn Gottes geboren werden soll. Und sie wissen, dass Gott so ganz anders wirkt als die Menschen.

Wo hat Gott in meinem Leben gewirkt?
An welchem Ort und unter welchen Umständen?

Und Gott, ganz auf seine Art, bedient sich, um das größte seiner Werke zu vollbringen: die Menschwerdung des Wortes.
Die Hl. Elisabeth von der Dreifaltigkeit betet: „Lass mich die geheimnisvollen Wege deiner Liebe verstehen“.

Ich wünsche Ihnen ein mit Sehnsucht erfülltes Herz, im Zugehen auf das Geburtsfest unseres Herrn. In der Christmette werde ich an Sie denken und für Sie und Ihre Familien und Freunde den Segen erbitten.

Ihr

+ Aloysius Althaus OSB

O Immanuel, unser König und Lehrer, du Hoffnung und Heiland der Völker. O komm, eile und schaffe uns Hilfe, du unser Herr und unser Gott!

Gott hat Sehnsucht nach seinem Geschöpf. Um diesem Geschöpf nahe sein zu können, sendet Gott von sich aus ein Zeichen. Eine Jungfrau gebiert einen Sohn, den Immanuel (vgl. Jes 7,14). Das Zeichen Gottes ist ein Kind. Für uns Christen ist dieses Kind, dieser Immanuel,  Jesus Christus. Wir mögen uns fragen, weshalb Gott gerade als verletzliches und unterstützungsbedürftiges Kind kommt. Ein neugeborenes Kind steht für Offenheit und Vertrauen. Jeder von uns kennt den Blick der Augen eines Säuglings. Die Augen schauen voller Neugier weit geöffnet in diese Welt hinein. Die geöffneten Augen des Kindes stehen für Offenheit. Die Sehnsucht des Kindes ist es, immer wieder die Nähe der Eltern zu suchen, die es dann in die Arme schließen und herzen. Diese Bewegung des Kindes ist eine Bewegung des Vertrauens. Das Kind vertraut restlos seinen Eltern. Wir Menschen sind eingeladen, es diesem Kind gleich zu tun. Mit einem offenen und liebenden Blick in diese Welt zu schauen. Jeder, der von einem solchen offenen und liebenden Blick  getroffen wird, empfängt Heil und kann so selbst heil werden. Ebenso sind wir eingeladen, an diesem Weihnachtsfest 2020 unser Vertrauen zu erneuern, da unser Gott helfend an unserer Seite unseren Lebensweg teilt.

Br. Emmanuel Panchyrz OSB

 

O König der Völker, ihre Erwartung und Sehnsucht, du Schlussstein, der den Bau zusammenhält – komm und errette den Menschen, den du aus Erde gebildet!

Für mich gehören die O-Antiphonen, die wir vom 17. bis zum 23. Dezember in unserer Vesper singen, zu den schönsten und dichtesten Texten im Advent. Das sind Rufe der Erwartung und Sehnsucht, die bis in die Glaubensgeschichte Israels zurückgehen und auf Christus hin gedeutet werden, zu dem wir in diesen Tagen ja unterwegs sind. Sie heißen so, weil sie mit dem Ausruf O als Ausdruck des Staunens und der Ehrfurcht beginnen. Mit diesen O-Antiphonen stellen wir uns in eine ganz alte Glaubensgeschichte hinein.

In der Krypta unserer Abteikirche befindet sich eine Säule, in die der Text der heutigen O-Antiphon in lateinischer Sprache eingeschrieben ist. Diese Antiphon weist hin auf Christus, den König des Friedens, den König aller Völker, dem wir in unserem Königs-Münster besonders verpflichtet sind. Er wird einmal hoffentlich unsere Sehnsucht nach Frieden erfüllen, nach dem sich unsere Welt so sehr sehnt.

Die Säule befindet sich genau unter dem Altar unserer Hauptkirche. Sie trägt den Altar und das ganze Kirchengebäude. Der König des Friedens trägt uns. Aber noch etwas ganz Wichtiges trägt uns: In dieser Säule befinden sich die Namen aller Menschen, die uns beim Bau unserer Kirche in den 1960er Jahren unterstützt haben. All diese Menschen tragen uns bis heute. Jeder hat einen Beitrag dazu geleistet, dass wir heute noch hier beten können. Diese Säule erinnert mich daran, dass wir zu einer Gemeinschaft gehören, die Raum und Zeit übersteigt, eine Gemeinschaft von Menschen aller Völker und Kulturen, aber auch von Menschen, die noch leben und solchen, die schon gestorben sind.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie immer wieder in Ihrem Leben den Frieden erfahren können, den uns Christus bringen möchte, und ich wünsche Ihnen eine gute Vorbereitung auf das Fest der Menschwerdung!

P. Maurus Runge OSB