1 Und es geschah: Eines Tages lehrte er im Tempel das Volk und verkündete das Evangelium, da kamen die Hohepriester und die Schriftgelehrten mit den Ältesten hinzu 2 und fragten ihn: Sag uns: In welcher Vollmacht tust du das? Wer hat dir diese Vollmacht gegeben? 3 Er antwortete ihnen: Auch ich will euch eine Frage stellen. Sagt mir: 4 Stammte die Taufe des Johannes vom Himmel oder von den Menschen? 5 Da überlegten sie und sagten zueinander: Wenn wir antworten: Vom Himmel!, so wird er sagen: Warum habt ihr ihm dann nicht geglaubt? 6 Wenn wir aber antworten: Von den Menschen!, dann wird das ganze Volk uns steinigen; denn sie sind überzeugt, dass Johannes ein Prophet ist. 7 Darum antworteten sie: Wir wissen nicht, woher. 8 Jesus erwiderte ihnen: Dann sage auch ich euch nicht, in welcher Vollmacht ich das tue. (Lk 20,1-8)

Jesus wird in der Synagoge von den Pharisäern und Schriftgelehrten  gefragt, in welcher Vollmacht er verkünde und Taten vollbringe. Sie fragen Jesus, wer oder was ihn ermächtigt. Auch heute stellen viele Zeitgenossen die Frage nach der Macht in der Kirche. Jesu Auftrag war es, den umfassenden Heilswillen des Vaters allen Menschen erfahrbar werden zu lassen. Auch wir sind als Schwestern und Brüder zu diesem Auftrag heute berufen. Jesu Weg entlarvt falsche Machtvorstellungen. Sein Weg gipfelt in der Ohnmacht seiner Liebe am Kreuz. Sein Weg ist ein Weg der hingebenden Liebe. Jede Frau und jeder Mann, der aus dieser göttlichen Grundinspiration versucht zu leben, verwirklicht diese Liebe. Als Geschwister haben wir alle Anteil am Dienst des Evangeliums und der Versöhnung.

Die Zeit auf Ostern hin ist immer auch eine Zeit der Korrektur und der Umkehr. Fragen wir uns kritisch, wo jeder einzelne von uns einer falschen Macht folgt, die nicht Maß nimmt an der Liebe und Selbsthingabe Jesu.

Br. Emmanuel Panchyrz OSB