33 Niemand zündet eine Leuchte an und stellt sie in einen versteckten Winkel oder unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter, damit alle, die eintreten, das Licht sehen. 34 Die Leuchte des Leibes ist dein Auge. Wenn dein Auge gesund ist, dann ist dein ganzer Leib hell. Wenn es aber krank ist, dann ist auch dein Leib finster. 35 Achte also darauf, dass das Licht in dir nicht Finsternis ist! 36 Wenn nun dein ganzer Leib hell ist und nichts Finsteres in ihm ist, dann wird er ganz hell sein, wie wenn die Leuchte dich mit ihrem Strahl bescheint. (Lk 11,33-36)

„Stell dein Licht nicht unter den Scheffel!“ Das sagte früher meine Mutter zu mir, wenn ich mich nicht traute, irgendetwas zu tun, wo ich zwangsläufig im Rampenlicht stände – beim Schultheater, in der Musikgruppe, beim Lektorendienst im Gottesdienst. Sie ermutigte mich, meine Talente nicht zu vergraben, sondern zu nutzen – und genau deshalb habe ich das dann getan, zwar mit viel Lampenfieber und Zittern, aber auch mit der Erfahrung, dass es eigentlich gar nicht so schlimm war.
Wer im Licht steht, der wird gesehen. Das ist positiv und negativ. Nicht nur der Applaus am Ende zählt, sondern jeder Versprecher wird wahrgenommen – oft mehr von mir selbst als von anderen.

„Achte also darauf, dass das Licht in dir nicht Finsternis ist!“ Ich bin für mein Licht selbst verantwortlich. Wenn ich einmal im Licht stehe, dann muss ich damit rechnen, dass da vielleicht auch etwas zum Vorschein kommt, dass ich lieber im Dunkeln gelassen hätte. Deshalb ist manchmal auch die Vorsicht des Kindes angebracht, das sich nicht traut, im Licht zu stehen. Gerade unsere Mediengesellschaft ist unbarmherzig im Aufdecken des eigenen Schattens.

Mir hilft es in solchen Situationen oft innezuhalten. Mich zu vergewissern, dass ich durch nichts aus dem Licht Gottes herausfallen kann. Mich neu anfüllen zu lassen von Seinem Licht, das auch das Dunkle in mir erleuchtet. Nicht grell wie ein Scheinwerfer, sondern sanft wie eine Nachttischlampe.

P. Maurus Runge OSB