Mit großer Sehnsucht habe ich danach verlangt, vor meinem Leiden dieses Paschamahl mit euch zu essen. Denn ich sage euch: Ich werde es nicht mehr essen, bis es seine Erfüllung findet im Reich Gottes. (Lk 22,15-16 – gesamte Tageslesung: Lk 22,7-23)

In unserer Abteikirche gibt es einen Stein aus dem Abendmahlssaal in Jerusalem, der in die Ziegelmauer unter einem der Apostelleuchter eingelassen ist. Er erinnert mich jeden Tag daran, was damals in Jerusalem geschehen ist, als Jesus mit seinen Jüngern das Paschamahl gefeiert hat.

Es berührt mich, dass Jesus sich danach gesehnt hat, mit seinen Jüngern noch ein letztes Mal zusammenzukommen, um gemeinsam mit ihnen das Paschamahl zu feiern. Das Mahl, das an die Befreiung des jüdischen Volkes aus der Knechtschaft Ägyptens erinnert. Bei diesem letzten Abendmahl mit seinen Jüngern sagt Jesus: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“. Daher feiern wir am Gründonnerstag, an dem des letzten Abendmahls gedacht wird, die Einsetzung der Eucharistie. Seitdem versammelten sich zu allen Zeiten und überall auf der Welt Christen, um miteinander das Brot und den Wein zu teilen. Das Brot wird zu Christi Leib, der für uns hingegeben wird und der Wein zu Christi Blut, das für uns vergossen worden ist. Das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern wird in jeder Eucharistiefeier Gegenwart. Es ist nicht nur ein reines Erinnern an das, was damals in Jerusalem geschehen ist, sondern Jesus gibt seinen Leib und sein Blut auch für uns hin. Er sehnt sich danach, auch mit uns dieses Mahl zu feiern.

In jeder Eucharistiefeier werden wir selbst Teil der Heils- und Erlösungsgeschichte Gottes: Jesu Hingabe für uns wird in der Feier des Abendmahls gegenwärtig und erfahrbar. Und zugleich ist dieses Mahl ein Vorgeschmack des himmlischen Hochzeitsmahles, das seine Erfüllung findet im Reich Gottes.

Br. Vincent Grunwald OSB