39 Dann verließ Jesus die Stadt und ging, wie er es gewohnt war, zum Ölberg; seine Jünger folgten ihm. 40 Als er dort war, sagte er zu ihnen: Betet, dass ihr nicht in Versuchung geratet! 41 Dann entfernte er sich von ihnen ungefähr einen Steinwurf weit, kniete nieder und betete: 42 Vater, wenn du willst, nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen. 43 Da erschien ihm ein Engel vom Himmel und stärkte ihn. 44 Und er betete in seiner Angst noch inständiger und sein Schweiß war wie Blut, das auf die Erde tropfte. 45 Nach dem Gebet stand er auf, ging zu den Jüngern zurück und fand sie schlafend; denn sie waren vor Kummer erschöpft. 46 Da sagte er zu ihnen: Wie könnt ihr schlafen? Steht auf und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet! (Lk 22,39-46)

Auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau befindet sich die „Todesangst-Christi-Kapelle“, die auf die Initiative des Münchner Weihbischofs Johannes Neuhäusler zurückgeht, der selbst vier Jahre in Dachau inhaftiert war. 1960 ist sie eingeweiht worden. Wo anders passt dieses Patrozinium besser als an diesem Ort, wo unzählige Menschen Tag für Tag Todesängste aushalten mussten angesichts der unvorstellbaren Barbarei des NS-Terrorregimes?

Auf unserem Passionsweg gehen wir heute mit Jesus auf den Ölberg, wo er unter Blut und Tränen betete, dass dieser Kelch an ihm vorübergehe. Dieses Gebet ist nicht erhört worden – wie so viele Gebete der vielen KZ-Häftlinge nicht erhört worden sind. „Nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen.“ Dieses Wort bleibt dunkel und rätselhaft angesichts von so viel ungerechtem Leid in der Welt. Kann das wirklich Gottes Wille sein? Fragen bleiben.

Wir dürfen all unser Fragen und Zweifeln, unsere Todesangst und unsere Tränen im Gebet vor den bringen, der all das selbst durchlitten hat. Und wenn wir wie die Jünger „vor Kummer erschöpft“ einschlafen, lassen wir uns behutsam von ihm wecken – er wird uns dafür sicher nicht verurteilen…

P. Maurus Runge OSB