23b Du hast die Götter aus Gold und Silber, aus Bronze, Eisen, Holz und Stein gepriesen, die weder sehen noch hören können und keinen Verstand haben. Aber den Gott, der deinen Lebensatem in seiner Hand hat und dem all deine Wege gehören, den hast du nicht verherrlicht.
24 Darum hat er diese Hand geschickt und diese Schrift geschrieben.
25 Das Geschriebene lautet aber: Mene mene tekel u-parsin.
26 Diese Worte bedeuten: Mene: Gezählt hat Gott die Tage deiner Herrschaft und macht ihr ein Ende.
27 Tekel: Gewogen wurdest du auf der Waage und zu leicht befunden.
28 Peres: Geteilt wird dein Reich und den Medern und Persern gegeben.
29 Da befahl Belschazzar, Daniel in Purpur zu kleiden und ihm eine goldene Kette um den Hals zu legen, und er ließ verkünden, dass Daniel als der Dritte im Reich herrschen sollte.
30 Aber noch in derselben Nacht wurde Belschazzar, der König der Chaldäer, getötet.

(Dan 5,23b-30; Gesamttext des Tages: Dan 5,1-30)

Das „Menetekel“ ist sprichwörtlich geworden. Es steht für eine unheilverkündende Warnung, einen Mahnruf oder ein Vorzeichen für ein drohendes Unheil. Im heutigen Bibeltext eine sehr konkrete Botschaft an König Belschazzar. Die lange Vorgeschichte zu den letzten, dramatischen Versen macht ja auch deutlich, was hinter der Warnung steckt.

Aber ist das „Menetekel“ nicht viel tiefer gehend, viel allgemeiner – ja, mich betreffend?

„Den unberechenbaren Tod täglich vor Augen haben,“ mahnt der Hl. Benedikt in unserer Ordensregel (RB 4,47). Als junger Mönch konnte ich damit nichts anfangen. Was soll das? Verstanden habe ich es nach einem schweren Autounfall, als der Mensch am anderen Ende der Notrufsäule nur fragte: „Und Sie leben noch?!“

Ja, ich lebte noch und lebe heute noch. Und lebe seit der Zeit viel bewusster. Nicht aus Angst vor dem Tod, sondern um der Chance zum Leben willen. HEUTE lebe ich – weiß ich, was morgen ist?! Heute kann ich die Chance nutzen, mein Leben zu gestalten, Liebe zu leben und weiterzugeben, die Freiheit, die Gott mir geschenkt hat, zu nutzen. HEUTE. (In Klammern: vielleicht auch ein klein wenig, um nicht „ausgezählt“ oder als „zu leicht“ empfunden zu werden …)

Ich kann es nicht glauben, Gott,
dass mein Leben einmal zu Ende sein soll.
Dass ich nicht mehr atme,
nicht mehr gehe, staune, genieße. 

Jede Stunde kann meine letzte sein.
Kann ich daran denken?
Was will ich noch tun?
Wem noch etwas sagen?
Was noch möglich machen? 

Ob ich es nicht schon heute tue, Gott?
Du schenkst mir einen neuen Tag.
Danke, Gott!

(Guido Hügen OSB in: Wegzeichen. Ein Gebetbuch für den Weg)

P. Guido Hügen OSB