Ich muss zugeben, ich warte nicht gerne, egal ob im Wartezimmer beim Arzt, oder auf einem zügig kalten Bahnsteig im Nirgendwo.
Sicher, die Warte-Geschichte ergibt später eine gute Anekdote, aber ein tiefer Gewinn, der vielleicht im Warten stecken könnte, stellt sich bei mir nicht so richtig ein.
Ein Leben lang auf den entscheidenden Moment zu warten, wie es Hanna und Simeon getan haben, ist umso faszinierender für mich.
Die beiden alten Propheten, erleben in ihrer Begegnung mit Jesus, als seine Eltern mit ihm das erste Mal den Tempel besuchen, das Ziel ihres Lebens.
„Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden, denn meine Augen haben das Heil gesehen“. So stimmt Simeon daraufhin feierlich an.
Aber es ist ja nicht nur ihr Warten, das beindruckt, sondern auch, dass sie die Heilige Familie freundlich, freudig erwarten. Kein mürrischer strenger Blick vom Tempelpersonal, oder steinerne Angst, dass mit diesem Moment die alte Ordnung Vergangenheit sein wird. Sondern einfach nur Herzlichkeit. Sie haben es sicher damit Josef und Maria leichter gemacht, an so einem besonderen Tag für eine jüdische Familie.
Vielleicht liegt ein Sinn im Warten ja darin, um so freudiger das lang Erwartete zu begrüßen, wenn es dann endlich mal kommt.
In diesem Sinne einen guten Rutsch nach 2025!

Br. Balthasar Hartmann OSB

Wenn in den Weihnachtsansprachen und Predigten dieser Tage von der Hoffnung in aller Hoffnungslosigkeit die Rede ist, dann fällt mir dazu tatsächlich die Person Dietrich Bonhoeffers ein. Wie wenige andere verkörpert er für mich die Würde und Geradlinigkeit des Menschen. Ich kann diese Stärke nur in der christlichen Ausrichtung Dietrich Bonhoeffers begründet sehen. Es gibt eine Hoffnung über den Tod hinaus. Es gibt die Hoffnung des Neugeborenen, die Geschichten von Gewalt und Gegengewalt zu überschreiben. Es gibt die Hoffnung, dass alles an ein gutes Ende gelangen wird.

Br. Benjamin Altemeier OSB

Schon seit meinen frühen Kindertagen wusste ich durch meine weltneugierige Beobachtung: Wenn man aus Holz etwas werken will, dann braucht man viel Werkzeug, sogar einen Bleistift. Mein Vater hatte in seiner Kellerwerkstatt in unserem Haus immer einen großen Bleistift liegen. Er zeichnete damit die Maße auf das Holz auf, zog Linien für das Aussägen, markierte Stellen auf dem Holz, wo geschraubt werden musste. Mein Vater hat viel gewerkt und uns Kindern großartige Weihnachtsgeschenke gebaut. Ob nun einen Bauernhof oder, wie ich mich erinnere, an Weihnachten sogar einen ganzen Kaufmannsladen. Und er hat mir für meine Krippenfiguren, die ich von meiner Großmutter bekam, den Stall von Bethlehem gebaut. Und da bin ich schon bei Joseph von Nazareth. Genau: Der Joseph aus der Weihnachtsgeschichte.

Welche Werkzeuge hatte er wohl in seiner Werkstatt? Keine Ahnung. Und überhaupt, wir wissen gar nicht viel über ihn. Still werkt er im Hintergrund der Geschichte rum. Was wir aber wissen: Er lässt die schwangere Maria nicht sitzen, obwohl er den Steg der Liebe hätte durchsägen können. Er nimmt das Kind, das nicht von ihm ist, an. Er hätte auch die Tür zunageln können. Obwohl vielleicht seine Ohren durch die Geräusche des Hämmerns gefüllt waren, hörte er auf die sanfte Stimme des Engels im Traum. Obwohl er auf einem Bau in Bethlehem sicher hätte gutes Geld verdienen können, riskierte er alles und flüchtet mit Maria und dem Kind vor der Todesgefahr durch König Herodes nach Ägypten. Obwohl er in Israel seine eigene Firma hätte haben können, lebte er nun als Flüchtling im Ausland. Und warum? Aus Liebe!

Somit ist der heilige Joseph ein Gerechter und ein aufrichtiger Kerl mit dem Herz am rechten Fleck. Vielleicht ist das ja auch typisch für einen Handwerker. Bleibt für mich noch die Frage: Hatte der heilige Joseph, wie mein Vater, auch einen Bleistift? Wenn nicht, irgendwas muss er aber zum Vorzeichnen gehabt haben. Was mag er gezeichnet haben? Den Weg von Nazareth nach Bethlehem? Hat er sich mit seinem Bleistift in die Steuerliste des Kaisers Augustus eingetragen? Hat er mit dem Bleistift Spielzeug für den kleinen Jesus vorgezeichnet und dann in Ägypten gebaut?

Joseph hatte seine Werkzeuge sicherlich fest in der Hand. Und so konnten Maria und Jesus sich in seinen Händen geborgen, behütet und beschützt wissen. Joseph wird zum treuen Werkzeug Gottes und baute so an Gottes großem Plan mit. Werkzeug Gottes sein ist ein schönes Bild für Christsein. Wir alle sind dazu berufen, an Gottes Reich mitzubauen. Unser Werkzeug: Die Liebe. Möge der heilige Joseph uns ein Vorbild als Werkzeug der Liebe Gottes sein. Hl. Joseph – bitte für uns.

Br. Benedikt Müller OSB
Bild: StockSnap / Pixabay

„ …und er sandte aus
und ließ in Betlehem und der ganzen Umgebung
alle Knaben bis zum Alter von zwei Jahren töten,
genau der Zeit entsprechend,
die er von den Sterndeutern erfahren hatte.“

(Mt 2,16)

„Unschuldige Kinder“
ist dieser Tag überschrieben.
Mord
ist wohl treffender.

Ein König lässt Kinder ermorden,
um seine Macht und seinen Einfluss zu sichern.
Niemand neben ihm soll es geben.

Kinder sind bis heute
die unschuldigsten Opfer
von Krieg, Terror und Gewalt.
Ob absichtlich oder nicht –
sie müssen sterben,
damit andere ihre Macht sichern,
ihren Einfluss erweitern,
ihre Ideen und Ideologien durchsetzen,

Und wir?

Wie viele Kinder
sterben Jahr für Jahr,
hungern, leiden, sind krank,
damit wir unseren Wohlstand sichern,
unser Leben genießen?

P. Guido Hügen OSB

Was macht den Apostel Johannes, dem wir nach der frühkirchlichen Kirche das 4. Evangelium verdanken, zu einer Gestalt der Hoffnung?

Hat das mit seinem leidenschaftlichen Temperament zu tun? Schließlich wurden er und sein Bruder Jakobus „Donnersöhne“ genannt. Er neigte zu radikalen Lösungen: Als Jesus und seine Jünger in einem ungastlichen Dorf auf Ablehnung stießen, reagierte Johannes ziemlich rabiat: „Sollen wir ein vernichtendes Feuer von oben auf das Dorf herabfallen lassen?“ Ob er das tatsächlich ernsthaft wollte oder nur seinem Ärger Luft machen wollte, weiß ich nicht. Aber offensichtlich hatte er Jesus und seine Botschaft noch nicht richtig verstanden.

Aber wie auch immer, er wurde von Jesus mit auf den Berg genommen, auf dem dieser unfassbar ganz vom Licht erfüllt wurde. Er gehörte zu den drei Jüngern, die Jesus gebeten hatte, ihn nach dem Abendmahl in den Ölgarten zu begleiten und in seiner tiefsten Not, seinem inneren Ringen, wach und teilnahmevoll anwesend zu sein. Er gehörte zwar zum engeren Apostelkreis, aber war auch kein Überapostel. Und trotz seiner menschlichen Schwächen hat er die Hoffnung nicht aufgegeben. Diese war zeitweise nach dem Tod Jesu von der Angst und Traurigkeit überspült worden, konnte aber wieder aufgeweckt werden. Er schenkte der Botschaft Vertrauen, dass Jesus auferweckt worden war, und gehörte zu jenen, denen der Auferstandene erschienen ist. Er war Zeuge geworden und bezeugte die auferstandene Wahrheit. Er hat die Hoffnung nicht selbst erzeugt, sondern sich überzeugen lassen, dass der Gekreuzigte lebte.

Johannes ist eine Gestalt jener Hoffnung, die auch zuletzt nicht stirbt. Er hatte Jesus sein Vertrauen geschenkt, und das, was er an ihm wahrgenommen hatte, ging so tief in seine Seele ein, dass auch in der Stunde der Enttäuschung noch die verschüttete Bereitschaft lebte, seiner ursprünglichen Hoffnung treu zu bleiben und sie auferstehen zu lassen.

Die heutige Lesung aus dem 1. Johannesbrief macht deutlich, was das Fundament des christlichen Glaubens ist:

„Was von Anfang an war, was wir gehört, was wir mit eigenen Augen gesehen und was unsere Hände angefasst haben vom Wort des Labens, das verkünden wir auch euch, damit ihr Gemeinschaft mit uns habt.“

P. Johannes Sauerwald OSB

Vielleicht kennen Sie das: Sie stehen an einem Strand und blicken auf die Weite des Horizontes, keine Wolke ist am Himmel zu sehen. Das Auge findet keinen Halt. Alles scheint Weite zu sein. Der Himmel erhebt sich, das Meer erstreckt sich.

Genauso kann man auf einem Berggipfel fühlen. Der Blick schweift in die Weite und es scheint keine Grenzen zu geben. Ein Gefühl von Unbegrenztheit. Die Details unten im Tal lösen sich auf und wir fühlen uns fern der Welt in einer anderen Dimension. Das Leben erscheint offen und frei.

„Und er sah den Himmel offen.“

Das ist ein starkes Wort über den heutigen Heiligen. Bedenken wir aber auch den Zusammenhang, in den dieses Wort gestellt ist:

Stephanus ist einer der Diakone der jungen Kirche. Die Apostel erkennen, dass das Werk Jesu wächst und dass sie Aufgaben mit anderen Berufenen teilen müssen. Und so wählen sie Menschen aus, die das vermögen und „geistesgegenwärtig“ sind: „Voll Gnade und Kraft“ – wie es in der Apostelgeschichte heißt. Das Werk Jesu bekommt also eine Zukunft, denn die Zahl der Getauften wächst und daher vertrauen die Apostel ihre Sendung weiteren Gemeindemitgliedern an. Das sind den Bibeltexten zufolge  übrigens Männer und Frauen. Daher ist es gut, dass die Kirche in heutiger Zeit immer wieder den Ruf zu hören bekommt, dass es Diakoninnen gegeben hat und auch heute wieder geben könnte.

Die frühen Christen haben – wie wir heute auch – um die Zukunft der Kirche gerungen und sie haben sich verändert und neuen Situationen angepasst. Dabei ging es darum, wie man die Menschen erreichen kann und wie die Botschaft auf fruchtbare Herzensböden fallen kann. Mit der Aussendung geistesbegabter Menschen oder wie wir das heute nennen – mit der Weihe der Diakonen und Diakoninnen – entwickelt das Christentum seine Wirkung über die Grenzen Palästinas hinaus.

Obwohl diese Fragen in der Kirche diskutiert werden, gehe ich davon aus, dass wir alle die Weihe von Frauen nicht mehr erleben werden. Aber muss uns das hindern, dass das System Kirche zur Entwicklung mehr als Generationen braucht?

Es bleibt eine Herausforderung, auf einem Berg in die Weite zu sehen und alle Details einmal zu vernachlässigen und nur die Weite und Größe, die Gnade und Freude des Gottesreiches zu sehen.

Stephanus war anscheinend jemand, der weiter blicken konnte. Er sah den Himmel offen. Was kann das bedeuten? Er blickte über die Beschränkungen der frühen Kirche hinaus und entwickelte das Christentum weiter. Nicht umsonst ist seine Geschichte und sogar sein Schicksal mit der des Saulus von Tarsos verknüpft. Der war zur Lebenszeit des Stephanus ein echter jüdischer Reaktionär, der neue Gedanken und andersdenkende  Menschen verfolgte. Eines der Opfer seiner und anderer Eiferer der Gewalt war Stephanus.

Es hat wenig Zweck, über die Zustände um uns herum fortwährend nur zu klagen. Zielführender wäre es, wenn wir ändern, was wir selbst zu ändern vermögen. Stellen wir uns also die Frage, wo wir eng und ängstlich reagieren, wo wir Neues nicht sehen können oder wollen, wo wir anstehende Veränderungen verdrängen oder gar andere anfeinden, die genau das zulassen. Als endliche und sterbliche Menschen haben wir schnell die Tendenz, Veränderungen zu meiden, weil wir uns zu Recht nach Sicherheit und Geborgenheit sehnen. Aber manchmal kommt der Augenblick, in dem uns klar werden kann, dass es schmerzhafter ist, in der Knospe zu bleiben als das Blühen zu wagen.

Das scheint ja das Umfeld des Stephanus gegen ihn am meisten aufgebracht zu haben, dass er anstehende Veränderungen erkannte und es auch wagte, sie zu äußern und zu leben. Er ist ein visionärer Mensch, der nicht im Klein-Klein der Wirklichkeit und des Alltags aufgeht, sondern er ist einer, der den Himmel offen sieht. In unserer Sprache scheint er ein Optimist zu sein, einer, der auf das Gute sieht und aus diesem Blick der Liebe auch das Endliche bewältigen und annehmen kann.

Für Stephanus wird diese Haltung ernst und auch in der letzten Herausforderung bleibt er sich treu: Im Tode blickt er durch die Schmerzen der schrecklichen Hinrichtung hindurch und sieht, was er immer gesehen hat: Der Himmel ist offen und wir sind dort erwartet. Wenn er für seine Feinde betet, dann zitiert er nicht nur die Worte Jesu am Kreuz, sondern er macht ernst mit seiner Lebenshaltung.

Darin kann der heilige Diakon uns und auch unserer derzeit so endlichen Kirche ein Vorbild sein. Er öffnet sich auch inmitten aller Vergänglichkeit dem Ewigen. Er ist nicht etwa ein blauäugiger Optimist, den man verlachen könnte. Er macht ernst mit seiner Haltung. Die Juden, die das Alte bewahren wollten, die die Steine auf ihn warfen, sie sind vergessen. Der Heilige ist noch heute Erzähler und Zeuge des Himmels.

P. Abraham Fischer OSB

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ So steht es in der Präambel unseres Grundgesetzes. Der Diakon und Künstler Ralf Knoblauch hat es sich zur Aufgabe gemacht, diesen Satz von der unantastbaren Würde jedes Menschen gleich welcher Herkunft, Religion, sexueller Orientierung im Bewusstsein einer Gesellschaft zu halten, die diesen Satz oft zu vergessen scheint. Mit seinen kleinen Königinnen und Königen macht er auf die königliche Würde jedes Menschen aufmerksam.

Weihnachten ist der tiefste Grund für diese Königswürde. Denn hier ist Gott selbst ein Mensch geworden. Er hat unsere so schwache, gefährdete, zerbrechliche Natur angenommen, um uns zu erlösen, zu retten. Genau das bedeutet der Name Jesus: Gott rettet. Gott rettet – und er stellt unsere unantastbare Königswürde wieder her, gerade da, wo sie mit Füßen getreten wird. Das ist die Hoffnungsbotschaft von Weihnachten. Wir sind Königinnen und Könige, ganz egal, was andere behaupten.

Ich wünsche Ihnen an diesem Weihnachtsfest, dass Sie sich immer neu Ihrer königlichen Würde bewusst werden – und dass wir uns sanft daran erinnern mögen, wenn wir im Getriebe des Alltags selbst nicht mehr daran glauben können.

P. Maurus Runge OSB

In dieser Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde.
(aus Lk 2,1-14)

Vor einigen Tagen konnte man im Bayerischen Rundfunk einen Beitrag sehen, wie ein Kamerateam eine Hirtin dabei begleitet, wie sie ihre Schafherde im Münchner Umland in das Winterquartier treibt.  Stolz erzählt sie, dass sie sich keinen anderen Beruf vorstellen könnte und ihre Familie schon viele Generationen Schäfer seien.
Die Welt, durch die sie ihre Herde trieb, war bezeichnend. Es ging durch sonntäglich leere Gewerbegebiete an einem McDonald‘s vorbei, über Autobahnbrücken, bis zum Zielort bei Fröttmaning, wo einst ihre Familie im gleichnamigen Dorf einen Hof hatte. Doch von diesem Dorf steht nur noch eine kleine Kirche. Der Rest musste im letzten Jahrhundert einer immer grösser werdenden Mülldeponie weichen. Mittlerweile ist auch die Deponie wieder verschwunden, alles ist vorbildlich renaturiert. Fröttmaning kennt heute jeder in München als Haltestation der U6, und auch jeder Fußballfan. Denn ein paar Kilometer hinter der kleinen Dorfkirche ragt eine“ neue Kirche“ wie ein großes Luftkissen aus der Landschaft hervor, die „Allianz Arena“.
Hirten gehören zu einem der ältesten Berufe der Menschheit, und auf wundersame Weise hat es dieser Beruf in die Moderne geschafft.
Hirten erzählen uns davon, wie wir Menschen einst als Nomaden umherzogen und dann langsam sesshaft wurden.
Die Geschichte von Kain und Abel berichtet eigentlich davon, welche Konflikte zwischen nicht sesshaften Menschen (Hirten) und sesshaften Menschen (Ackerbau) damals entstanden. Die einen legen ein Feld an, auf dem etwas sprießt und wachsen soll. Und Ziegen oder Schafe entscheiden sich natürlich auf ihrer Suche nach Futter für die die neue leckere Überraschung, wenn es sonst immer nur trockenes Gras gibt.
So war Streit vorprogrammiert und fand sogar einen prominenten Platz in der Heiligen Schrift.
König David war ein Hirte, Moses arbeitet als Hirte, als ihm Gott im brennenden Dornbusch erschien, Jesus ist bekannt als der gute Hirte.
Wir verstehen heute immer noch viele der manchmal archaischen Bilder der Bibel, vieles ist vertraut, und dennoch können wir dabei auch immer wieder Neues, Überraschendes entdecken.
So frage ich mich z.B., ob der Evangelist Lukas ein wenig dabei schmunzelte, als er das Weihnachtsevangelium schrieb. Denn er hat darin einen politischen Witz versteckt. Es ist bezeichnend, dass der Engel Hirten erscheint. Aber eben echten Hirten, deren Ruf nicht der beste war. Die frohe Botschaft wird nicht Kaiser Augustus verkündet, der sich selbst gerne als Hirten der römischen Völker sah. Der Engel hat den „großen Hirten“ bewusst übergangen und landet bei einer kümmerlichen Schar auf dem nächtlichen Feld.
Und hier sind wir auch schon bei der Kehrseite der Medaille. Der Hirte ist ein großes archetypisches Bild, aber der gesellschaftliche Stand von Hirten selbst war nie sonderlich gut, und hinter dem romantischen Bild liegt ein Beruf, der harte Arbeit ist.
Auch unsere Hirtin berichtet davon, wie ihre Arbeit nicht in eine 35-Stunden-Woche passt. Aber aus ihrem Gesicht spricht dabei eine Zufriedenheit, und es ist beruhigend zu sehen, wie sie ihre Herde durch alle Unwägbarkeiten unserer Zeit sicher geleitet. Ein wenig scheint es fast so, dass immer noch ein kleiner Glanz von dem „Fürchtet euch nicht“, das ihre Vorgänger damals in der Heiligen Nacht hörten, bei ihr zu sehen ist.

Br. Balthasar Hartmann OSB

O Immanuel,
unser König und Lehrer,
du Hoffnung und Heiland der Völker:
o komm, eile und schaffe uns Hilfe,
du unser Herr und unser Gott!

Aus der O-Antiphon „O Immanuel“ möchte ich den Vers „Komm, eile und schaffe uns Hilfe, du unser Herr und unser Gott“ hervorholen. Ist doch durch die Tragödie beim Weihnachtsmarkt in Magdeburg oft nur noch ein Schrei nach Hilfe möglich. Komm, eile und schaffe uns Hilfe, Gott, der uns im Psalm 23 zusagt: „Und muss ich auch wandern in finsterer Schlucht… du bist ja bei mir.“

Vieles verstehe ich nicht. Viele Fragen bleiben offen. Viel Leid muss ertragen werden, obwohl es manchmal unerträglich wirkt. Auch wenn ich Gott nicht verstehe, so glaube ich an seine Gegenwart trotz aller Gewalt in der Welt. Das gibt meinem Leben Hoffnung – in der Erwartung auf das Kind in der Krippe, das am Kreuz stirbt und dennoch aufersteht.

Br. Benjamin Altemeier OSB

O König der Völker, ihre Erwartung und Sehnsucht,
Schlussstein, der den Bau zusammenhält:
o komm und errette den Menschen,
den du aus Erde gebildet!

Die heutige O-Antiphon ist zutiefst verbunden mit unserer Gemeinschaft von Königsmünster. Unsere Kirche wie auch unser Kloster sind Christus, dem König geweiht. Er übt sein Königtum jedoch ganz anders aus als die Könige und Herrscher dieser Welt.

Ein Leitsatz vieler Herrscher lautet „Divide et impera! – Teile und herrsche!“ Also: Schaffe in deinem Reich möglichst viele Untergruppen mit gegensätzlichen Interessen. Und schau dabei zu, wie sie ihre Interessen gegeneinander ausspielen. So kannst du in Ruhe herrschen.

Ganz anders Jesus Christus. Er ist der „Schlussstein, der den Bau zusammenhält“. Zusammenhalt, nicht Spaltung ist seine Maxime. Die Vielfalt nicht gegeneinander ausspielen, sondern das Beste von jedem Menschen zum Aufbau des Ganzen nehmen. Solche Versöhner brauchen wir heute dringender denn je.

Ja, komm, du Friedenskönig, und rette den Menschen und die Welt!

P. Maurus Runge OSB