Vom „Mut, Dinge wirklich anders zu machen“ – Gedanken zu Dan 1,1-21

Ein Volk im Umbruch, eine Welt im Wandel: So setzt das Buch Daniel in seine Erzählung ein. Nebukadnezar, der babylonische König, erobert Jerusalem, raubt den Tempelschatz und nimmt die Oberschicht als Geiseln mit; ins Exil.

Ein Volk am Ende? So könnte man schnell meinen. Die Veränderung des Gewohnten ist gewaltig. Man könnte resignieren. Das ist Verlust von Freiheit durch ein Regime. Das ist das Ende des Vaterlandes. So geht ja alles nur zu Grunde. Kennen wir solche Parolen nicht auch heute?

Bemerkenswert ist, dass der heutige Abschnitt des Bibelleseplans gar nicht auf solche Emotionen, die es hier bestimmt auch gegeben hat, eingeht. Vielmehr werden die neuen Wege betont. Ungewöhnlich vielleicht – wenn auch nicht direkt aus heutiger Sicht -, da wollen vier junge Männer vegan leben. Aufgrund der kaschrut, der jüdischen Speisevorschriften, denen sie aus Überzeugung treu bleiben wollen, wollen sie nicht den guten Lebensstil haben. Keinen Wein, kein Essen von der royalen Tafel: Einfach Gemüse. Da steht Treue zu ihren Überzeugungen hinter.

Ja, auch das Gegenargument ist auch heute noch bekannt: Nicht den gewohnten Lebensstil, nicht das Alteingesessene? Das kann ja nichts werden. „Warum soll er [der König] sehen, dass eure Gesichter schmächtiger sind als die der anderen?“ (Dan 1,10b) So ein Leben, das nicht bloß auf Konsum setzt – „mehr; höher; weiter“ ist das Motto! – wird als seltsam, unnatürlich dargestellt.

Junge Leute wagen Veränderung. Sie merken, dass es so nicht weiter gehen kann und dass sie – die neue Generation – neue Wege beschreiten müssen, weil die vorherigen Entscheidungen nur in die Katastrophe führten.

Die Veränderungen gelingen zur Überraschung der Anderen. Der Mut, Dinge wirklich anders zu machen, zahlt sich aus.

Fragen wir – die Jungen und auch die Älteren- uns im Heute, wenn wir so etwas lesen:
Was ist die Aufgabe meiner Generation?
Habe ich den Mut, Dinge anders zu gestalten und so mutig in die Zukunft zu gehen?
Will ich nur, dass alles beim Alten bleibt?
Deute ich Einmütigkeit in Entscheidungen als Schwäche und Offenheit in der Position als Unentschiedenheit? Oder ist es für mich Ausdruck eines Stils, der im Dialog neue Wege sucht?
Wie reagiere ich, wenn junge Leute für ihre Überzeugungen freitags auf die Straße gehen, um Veränderungen einzufordern?

Es ist Zeit für eine sanfte, aber bewusste Veränderung, eine Veränderung, die mutig in die Zukunft geht und doch im Dialog und Austausch ist. Wir können die Zukunft gut gestalten, wir müssen es nur wagen und dann auch machen. Manchmal muss man – persönlich und als Gesellschaft – einfach den Sprung ins kalte Wasser wagen und wählen, was vielleicht ungewohnt und neu ist, damit die Zukunft gut werden kann.
Für mich persönlich, als junger Mensch, ist es eine sehr tröstliche Botschaft im heutigen Bibelabschnitt.

Br. Symeon Müller OSB