„Rorate caeli desuper, et nubes pluant iustum“   – „Tauet, ihr Himmel, von oben! Ihr Wolken, regnet herab den Gerechten!“ (Jes 45,8)

Kein Gesang verkörpert so stark die adventliche Sehnsucht nach dem Kommen Gottes wie der Gesang des Rorate. In der liturgischen Tradition hat der Introitus des „Rorate caeli“ seinen festen Platz am 4. Adventssonntag. Sicher klingen bei vielen Menschen  tiefe Erfahrungen nach, einen Rorate-Gottesdienst erlebt zu haben. In der Dunkelheit erklingt  der Gesang tiefer Sehnsucht: “Tauet, Himmel, den Gerechten, Wolken, regnet ihn herab, rief das Volk in bangen Nächten, dem Gott die Verheißung gab.“ So heißt es in einer Nachdichtung eines bekannten Adventsliedes.

Heute am 16. Dezember hören wir diese Worte des Propheten Jesaja in der Lesung  der Eucharistie. Martin Buber übersetzt:

„Träufelt ihr Himmel von oben,
Wahrhaftigkeit  sollen rieseln die Lüfte.
Die Erde soll sich öffnen,
Freiheit soll sie fruchten lassen,
Bewährung soll sie sprießen zumal.
Ich selber habe es geschaffen.“

Dieses heutige Prophetenwort schreit gleichsam nach Gerechtigkeit, nach Freiheit, nach Frieden, Wahrhaftigkeit und Bewährung. Diese Worte haben ihren Ursprung in der Zusage Gottes an sein Volk, welches im Exil lebt. Gott will den bedrängten Menschen trösten. Da Gott selbst Mensch wird, stellt er sich selbst an unsere Seite. In all unseren heutigen Bedrängnissen, unserem Unfrieden und  unserer Unversöhntheit will Gott mit uns sein.

Br. Emmanuel Panchyrz OSB