An jenem Tag brauchst du dich nicht mehr zu schämen, wegen all deiner schändlichen Taten, die du gegen mich verübt hast. (Zef 3,11)

Wir kennen wohl alle nur zu gut das Gefühl der Scham, wenn wir als kleines Kind (und manchmal auch als Erwachsener) einen Fehler gemacht haben, den alle um uns herum bemerkten. Wir werden dann rot oder schauen auf den Boden, würden am liebsten in selbigem versinken. Manchmal ist es auch die Fremdscham, wenn ein Freund, eine Verwandte etwas tut, was dann auch auf uns zurückfällt. Ein Gefühl, was manche vielleicht auch in ihrer Kirche empfinden, wenn der nächste Fall von schlimmster sexualisierter Gewalt durch die Medien aufgedeckt wird. Auch wenn uns formal keine Schuld trifft, empfinden wir doch Scham ob der Ungeheuerlichkeit der Tat – wir können uns davon nicht freisprechen, weil wir eben zur gleichen „Täterorganisation“ gehören.

Wie wohltuend und befreiend ist da das Wort des Propheten Zefanja, das wir in der heutigen Tageslesung hören, das uns dort zugesagt wird: Du brauchst dich nicht mehr zu schämen! Das bedeutet nicht, dass meine Taten vergessen sind – aber zumindest sollen sie mich nicht mehr belasten.

Das kann ich verständlicherweise nicht selbst sagen. Gerade in Extremfällen wäre es vermessen den Opfern meiner Taten gegenüber. Ich kann es mir letztlich nur zusagen lassen – und das oft nach einem langen Prozess der Läuterung und Versöhnung. Mir sagen lassen von einem, der mich als Person sieht und mich nicht auf meine Taten reduziert.

P. Maurus Runge OSB