24 Es entstand unter ihnen ein Streit darüber, wer von ihnen wohl der Größte sei. 25 Da sagte Jesus zu ihnen: Die Könige herrschen über ihre Völker und die Vollmacht über sie haben, lassen sich Wohltäter nennen. 26 Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern der Größte unter euch soll werden wie der Jüngste und der Führende soll werden wie der Dienende. 27 Denn wer ist größer: Der bei Tisch sitzt oder der bedient? Ist es nicht der, der bei Tisch sitzt? Ich aber bin unter euch wie der, der bedient. 28 Ihr aber habt in meinen Prüfungen bei mir ausgeharrt. 29 Darum vermache ich euch das Reich, wie es mein Vater mir vermacht hat: 30 Ihr sollt in meinem Reich an meinem Tisch essen und trinken und ihr sollt auf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten. (Lk 22,24-30)

Die reduzierten Formen der Passionszeit wollen uns in eine größere Klarheit führen.

Vor allem in eine größere Klarheit auf unseren Glauben hin. In dieser Zeit dürfen wir unsere Nachfolge Jesu reflektieren und erneuern. Ein Wesensmerkmal der Nachfolge bildet das Dienen.

Im Bewusstsein einer wirklichen Alternative nehmen wir dabei Maß bei Jesus Christus, der uns heute zuruft: „Ich aber bin unter euch wir der, der bedient.“  Der Dienstcharakter unserer Nachfolge verdeutlicht uns, dass religiöses Bewusstsein und Vollzug primär eine Hingabe darstellen. Gott selbst gibt sich ja den Menschen hin. Der Dienst Gottes versteht sich vornehmlich als ein Dienst an den Menschen, die am Rande stehen, den Leidenden und den Armen. Das ist der leidenschaftliche Weg Jesu, der uns neu ermutigen will, ebenfalls vom falschen Herrschen ins Dienen zu kommen. Eine Kirche bleibt nur glaubwürdig, wenn sie dies beherzigt und falscher Macht- und Herrschsucht entsagt.

Br. Emmanuel Panchyrz OSB