41 Und als er nahe hinzukam und die Stadt sah, weinte er über sie 42 und sprach: Wenn doch auch du erkenntest an diesem Tag, was zum Frieden dient! Aber nun ist’s vor deinen Augen verborgen. 43 Denn es wird eine Zeit über dich kommen, da werden deine Feinde um dich einen Wall aufwerfen, dich belagern und von allen Seiten bedrängen 44 und werden dich dem Erdboden gleichmachen samt deinen Kindern in dir und keinen Stein auf dem andern lassen in dir, weil du die Zeit nicht erkannt hast, in der du besucht worden bist.
45 Und er ging in den Tempel und fing an, die Händler hinauszutreiben, 46 und sprach zu ihnen: Es steht geschrieben (Jesaja 56,7): »Mein Haus wird ein Bethaus sein«; ihr aber habt es zur Räuberhöhle gemacht. 47 Und er lehrte täglich im Tempel. Aber die Hohenpriester und die Schriftgelehrten und die Angesehensten des Volkes trachteten danach, dass sie ihn umbrächten, 48 und fanden nicht, wie sie es machen sollten; denn alles Volk hing ihm an und hörte ihn. (Lk 19,41-48)

Es ist ein Abschnitt voller Emotionen, in dem uns ein Jesus vor Augen geführt wird, der von ganz unterschiedlichen Gefühlen überwältigt wird. In Jerusalem angekommen, ist es zunächst Trauer, die ihn übermannt. Jesus schämt sich seiner Tränen nicht, wenn er Jerusalem, wörtlich: „die Stadt des Friedens“ sieht, die ihrem Namen so gar keine Ehre macht: „Wenn doch auch du erkanntest an diesem Tag, was zum Frieden dient!“ Eine große Sehnsucht spricht aus diesem Satz.
Nach der Trauer kommt der Zorn. Als Jesus in den Tempel kommt – eher ist hier der Vorhof des Tempels gemeint, wo die Händler und Geldwechsler ihren Ort hatten – überkommt ihn die Wut darüber, dass hier kaum noch etwas vom Tempel als Bethaus zu spüren ist.
Trauer und Zorn sind urmenschliche Emotionen. Jesus scheut sich nicht, zu diesen Emotionen zu stehen – weil ihm Jerusalem, die Stadt des Friedens, so wichtig ist, weil ihm Gott und seine Herrschaft so wichtig sind.

Was ist mir wichtig im Leben? Was ist mir so wichtig, dass die Emotionen hochkochen?

P. Maurus Runge OSB