„Höre, Tochter, sieh her und neige dein Ohr…“ (Ps 45,11)

Der 45. Psalm ist überschrieben als „Lied zur Hochzeit des Königs“. In der Sprache der Brautmystik, ähnlich wie auch im Hohenlied, wird das sehnsuchtsvolle Warten von Braut und Bräutigam aufeinander in einer poetischen und sinnlichen Sprache umschrieben. Das Verhältnis zwischen Gott und seiner Braut Israel wird wie in einem Ehebund als Bund ewiger Treue charakterisiert. In Psalm 45 erfüllt sich nun gewissermaßen die Verheißung aus Hosea 2,21-22: „Ich verlobe dich mir auf ewig; ich verlobe dich mir um den Brautpreis von Gerechtigkeit und Recht, von Liebe und Erbarmen, ich verlobe dich mir um den Brautpreis der Treue.“

Der Bräutigam des Psalms ist der Messias, dessen Zepter die Gerechtigkeit ist und der von Gott her gesalbt ist wie kein irdischer König je zuvor. Für die Kirche ist jetzt die Zeit des sehnsuchtsvollen Erwartens des Bräutigams. Bis es am Ende der Zeiten heißen wird: „Der Geist und die Braut aber sagen: Komm!“ (Offb 22,17) und wir eingeladen sind zum himmlischen Hochzeitsmahl, das nie mehr endet (vgl. das Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl in Mt 22).

In dem Psalmwort an die Braut „neige dein Ohr“ klingt für mich als Echo auch das Wort aus dem Prolog der Benediktusregel mit: „Neige das Ohr deines Herzens…“

Sehnsuchtsvoll dürfen wir den Messias als Bräutigam erwarten und das Ohr unseres Herzens sensibel dafür machen, wenn er an die Tür unseres Herzens klopft: „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn einer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten und Mahl mit ihm halten und er mit mir.“ (Offb 3.20)

Br. Vincent Grunwald OSB