Impuls zu Dan 9,1-19

Nicht im Vertrauen auf unsere guten Taten legen wir dir unsere Bitten vor, sondern im Vertrauen auf dein großes Erbarmen. (Dan 9,18)

Die heutige Lesung besteht fast ausnahmslos aus einem Gebet, aus einem flehentlichen Bittgebet, das Daniel stellvertretend für sein Volk vor Gott bringt. Es ist ein Gebet, das in eindringlichen Worten die eigene Umkehr bekennt – und Gott zur Umkehr aufruft, zur (Wieder-)Hinwendung zu seinem Volk. Wir beten dieses Gebet in der liturgischen Zeit der Umkehr schlechthin, in der Österlichen Bußzeit, als einer der Psalmen der Sonntagsvesper.

In Vers 18 finden wir sozusagen die Quintessenz dieses ganzen Gebetes. Es geht nicht um die guten Taten derer, die zu Gott beten. Wenn es allein darum ginge, wenn wir abhängig von unseren Taten wären, dann wären wir hoffnungslos verloren. Nein, „im Vertrauen auf dein großes Erbarmen“, im Vertrauen auf die immer größere Barmherzigkeit Gottes dürfen wir vor ihn treten. Ich muss mich vor Gott nicht groß machen, sondern darf meine Kleinheit, meine Schwachheit bekennen. Er wird meine Kleinheit annehmen, sich hinwenden zu mir und mich wieder groß machen. Ich muss mir das Erbarmen Gottes nicht verdienen, sondern darf schlicht und einfach darum bitten. Dazu braucht es nicht unbedingt viele Worte – manchmal genügt ganz einfach die Stille meines Herzens.

Machen wir uns heute die Worte des Gebetes Daniels zu eigen. Lesen wir sie Vers für Vers durch, und bleiben wir bei dem, was uns anspricht. Und versuchen wir dann, in eigenen Worten das vor ihn zu bringen, was uns bewegt.

P. Maurus Runge OSB