Es war aber Nacht…

Als Judas den Bissen Brot genommen hatte, ging er sofort hinaus.  Es war aber Nacht. (Joh 13,30)

Er konnte sie nicht vergessen, diese erste Nacht im Lager Auschwitz, die sein Leben zu einer einzigen langen Nacht gemacht hat. So beschreibt es der Schriftsteller und Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel († 2016) auf erschütternde Weise in seinem autobiografischen Werk „Die Nacht“. Und er stellt darin die Frage, wie es sein konnte, dass intelligente, gut ausgebildete junge Männer aus gutem Hause sich so sehr vom Bösen verführen lassen konnten, dass der Tod jüdischer Männer, Frauen und Kinder sie einfach kalt gelassen hat.

Und diese Frage stellt sich für mich auch im Blick auf Judas, der seinen Freund Jesus verrät und dem Tod ausliefert. Als Judas den Kreis der Jünger verließ, war es Nacht. Und dies ist nicht nur als Zeitangabe zu verstehen, sondern steht für den Schrecken, das Böse, die Dunkelheit, die sich auch im Kreis der Jünger breitgemacht hat. Denn letztlich verraten auch die anderen Jünger Jesus und lassen ihn am Ende wenig von ihrer Freundschaft zu ihm spüren.

Leider liegen Begeisterung und Enttäuschung, Treue und Verrat oft so nahe beieinander. Immer wieder erleben wir das sehr schmerzlich auch in unserem eigenen Leben, in unseren Beziehungen und unseren Freundschaften. Auch da wird es immer wieder Nacht.

In diesem heutigen Evangelium ist aber nicht nur von der Nacht die Rede, sondern wir hören da auch vom „Bissen Brot“, den Jesus reicht.

Nach damaligem Brauch nahm der Hausherr beim Essen mit einem Gast ein Stück Brot, tauchte es in verschiedene Soßen und reichte es dem Gast, der dann als Erster zu essen begann. Diese Geste war nicht nur ein Willkommensgruß, sondern auch ein Zeichen von Gemeinschaft. Und wenn Jesus Judas einen Bissen Brot reicht, dann ist das ein Zeichen seiner Liebe zu demjenigen, der ihm innerlich schon die Gemeinschaft aufgekündigt hat.

Dieser Bissen Brot hat die Kraft und besiegt unsere Nacht, wenn wir es zulassen. Ganz so, wie es in einem Lied heißt:

Dieses kleine Stück Brot in unsren Händen reicht aus für alle Menschen.
Dieser kleine Schluck Wein in unsren Bechern gibt Kraft für alle Menschen.
Jede Hoffnung, die lebt in unsren Herzen, ist Hoffnung für alle Menschen.
Du verwandelst das Brot in Jesu Leib.
Du verwandelst den Wein in Jesu Blut.
Du verwandelst den Tod in Auferstehn.
Verwandle du auch uns!

Ja, lassen wir uns in dieser Karwoche hineinnehmen in die Nacht Jesu und verwandeln, sodass wir mit ihm in der OsterNACHT auferstehn!

Ich wünsche uns eine tiefbewegende Woche!

Text und Bild: P. Cornelius Wanner OSB

In den Tagen des sog. „Triduum Paschale“, der hl. drei Tage von Leiden, Tod und Auferstehung Jesu Christi, bleibt unsere Abteikirche weiterhin zum persönlichen Gebet geöffnet. Allerdings kommt es wegen der besonderen Zeiten unserer Liturgie zu geänderten Öffnungszeiten:

  • Gründonnerstag (9.4.)
  • Karfreitag (10.4.)
  • Karsamstag (11.4.)
  • Ostersonntag (12.4.)
  • Ostermontag (13.4.)
  • 8.00 Uhr – 17.00 Uhr
  • 9.00 Uhr – 14.00 Uhr
  • 8.00 Uhr – 16.00 Uhr
  • 13.00 Uhr – 17.00 Uhr
  • 13.00 Uhr – 17.00 Uhr

Alle unsere Stundengebete werden wir weiterhin über den Audiostream via YouTube übertragen, die Liturgien des Österlichen Triduum auch als Videolivestream. Hier finden Sie eine Übersicht aller Zeiten:

Gründonnerstag

  • 6.30 Uhr
  • 12.15 Uhr
  • 17.30 Uhr
  • 20.15 Uhr (ca.)
  • Trauermetten
  • Mittagshore
  • Abendmahlsgottesdienst (Videostream)
  • Komplet

Karfreitag

  • 6.30 Uhr
  • 12.15 Uhr
  • 15.00 Uhr
  • 19.15 Uhr
  • Trauermetten
  • Mittagshore
  • Karfreitagsliturgie (Videostream)
  • Komplet

Karsamstag

  • 6.30 Uhr
  • 12.15 Uhr
  • 17.00 Uhr
  • 21.00 Uhr (!)
  • Trauermetten
  • Mittagshore
  • Vesper
  • Feier der Osternacht (Videostream)

Ostersonntag

  • 10.30 Uhr
  • 17.45 Uhr
  • 19.40 Uhr
  • Osterhochamt (Videostream)
  • Vesper mit Sakramentalem Segen (Videostream)
  • Komplet

Am Ostermontag gilt die normale Sonntagsordnung; nur die Komplet singen wir an diesem Tag um 19.40 Uhr.

Neben dem Angebot, unsere Gottesdienste über YouTube mitzufeiern, bieten wir Ihnen auch weiterhin in diesen Tagen tägliche Impulse an und werden die Predigten zum Nachlesen einstellen. Wir wünschen Ihnen gesegnete Tage!

Da nahm Maria ein Pfund echtes kostbares Nardenöl, salbte Jesus die Füße und trocknete sie mit ihrem Haar. Das Haus wurde vom Duft des Öls erfüllt. (Joh 12,3)

Jesus ist in Bethanien bei seinen Freunden Lazarus, Martha und Maria zu Gast. Sie halten gemeinsam ein Mahl. Maria nimmt wertvolles Öl und salbt Jesus die Füße. Mit ihrem Haar trocknet sie die Füße ab. Ein Abwischen der Füße mit den Haaren macht bei einer Salbung keinen Sinn. Somit dürfen wir das Abwischen mit den Haaren symbolisch deuten. Die Haare Marias nehmen den Duft des Öls auf. Es entsteht eine Gemeinschaft des Duftes, des Wohlgeruchs zwischen Maria und Jesus. Am Beginn der Karwoche wird uns im heutigen Evangelium Maria als Vorbild der Hingabe vorgestellt. Wir sind eingeladen, es ihr in dieser Woche gleichzutun. In liebender Hingabe dürfen wir mit Jesus durch Leid und Leere zur Auferstehung gehen. Der Wohlgeruch erinnert uns an ein unzerstörbares Leben. Auch wir dürfen den Duft Jesu aufnehmen. Den Duft seiner Hingabe an uns, den Duft seiner Lebenspassion und den Duft der Auferstehung.

Br. Emmanuel Panchyrz OSB

Heute haben wir die Palmsonntagsliturgie gefeiert – in schlichter Form, ohne Gäste. Das ist schon eine seltsame Stimmung, und wir hoffen, dass wir bald wieder viele Menschen zu unseren Gottesdiensten begrüßen können. Nichtsdestotrotz fühlen wir uns als Klostergemeinschaft dennoch mit Ihnen verbunden. Und wir erleben in diesen Tagen ganz neu den Auftrag zum stellvertretenden Gebet, den wir Mönche in unserer Profess versprochen haben.

Immerhin gibt es für Sie die Möglichkeit, unsere Stundengebete im Audiolivestream mitzubeten. Und zu den Liturgien des Österlichen Triduum können Sie uns dann im Video auch sehen. Gut, dass es diese technischen Möglichkeiten gibt!

Die Palmzweige haben wir in der liturgischen Feier heute gesegnet. Sie sind herzlich eingeladen, in unsere Kirche zu kommen und sich einen Palmzweig für ihr Zuhause mitzunehmen – und natürlich auch still zu beten. Zwei Körbe stehen an den Eingängen der Kirche. Die Kirche ist heute bis 17.00 Uhr geöffnet – und an den kommenden Tagen jeweils von 8.00 Uhr bis 17.00 Uhr. Beachten Sie bitte nur die Abstandsregeln – denn Gesundheit zählt in diesen Tagen besonders.

Der Palmsonntag ist sozusagen das Tor zur Karwoche. Und was für ein Eingang wird uns in der Liturgie bereitet! Da hat wie in einer Vorschau all das seinen Platz, was im Lauf der Karwoche ausbuchstabiert wird. Ganz unterschiedliche Emotionen und Gefühle finden hier Raum.

Da ist zunächst der Einzug Jesu nach Jerusalem, der in den Kirchen szenisch nachgestellt wird – mancherorts sogar mit Esel. Auch wenn die Palmprozession in diesem Jahr wie die gesamte öffentliche Liturgie wegen der Coronakrise entfällt, so sind wir doch eingeladen, für uns „den Schauplatz zu bereiten“, uns in die biblische Szene, wie sie im Evangelium beschrieben wird, hineinzuversetzen. Es ist eine Szene der Freude und des Jubels. Jesus zieht als messianischer Friedenskönig auf einem Esel in die Stadt ein – nicht als martialischer Kriegsheld auf einem Schlachtross. Die Menschen breiten ihre Kleider auf den Straßen aus – ein ganz besonderer „roter Teppich“ – und singen Freudenlieder: „Hosianna dem Sohn Davids!“

Doch die Stimmung wandelt sich – in der Karwoche und auch schon in der Liturgie des Palmsonntags. Die Passion wird vorgelesen – ohne einleitende und abschließende Worte, ohne Predigt, schlicht und einfach die „Leidensgeschichte unseres Herrn Jesus Christus“, in diesem Jahr in der Version, wie sie uns Matthäus überliefert. Die Worte der Passion – sie reichen völlig aus. Da braucht es keine Predigt mehr, eigentlich auch keinen Impuls. Im Hören der Passionsgeschichte Jesu hören wir vielleicht auch die vielen Passionsgeschichten der heutigen Welt, nicht zuletzt unsere eigene Passionsgeschichte.

Wenn ich in diesem Jahr die Passion höre, verbinde ich mit den vielen Menschen, die am Coronavirus erkrankt sind und die schon daran gestorben sind.

Ich verbinde mich mit den vielen Menschen, die helfen, den stillen Helden in den Krankenhäusern, Pflegeheimen und in all den anderen „systemrelevanten“ Berufen. Aber welcher Mensch ist eigentlich nicht systemrelevant? Wir alle sind doch wichtig fürs System, keiner darf verlorengehen.

Ich verbinde mich aber auch mit den vielen anderen leidenden Menschen, die über die Coronakrise schnell in Vergessenheit zu geraten drohen, besonders mit den Menschen an den Außengrenzen Europas.

Ich verbinde mich mit den vielen Menschen, die einsam sind, die sich nach menschlichem Kontakt und nach Berührung sehnen, die sich danach sehnen, dass jemand sie in den Arm nimmt.

In all diesen menschlichen Passionsgeschichten kommt mir Jesus entgegen, macht er sich bemerkbar.

Ich wünsche Ihnen in diesem Sinne eine berührende Heilige Woche!

P. Maurus Runge OSB

Als wir Ende des letzten Jahres in unserer Kommission für Öffentlichkeitsarbeit über mögliche Themen für die Gruß-Ausgaben 2020 sprachen, ahnte wohl noch niemand, wie existentiell gerade das Thema dieser aktuellen Ausgabe sein wird. „Passio – Erdulden und Geduld“ – wir haben das Thema als Gegenpol zum ersten Gruß des Jahres gewählt, in dem es um die „Actio“, das „In Bewegung Kommen“ ging. Deshalb erscheint das Heft bewusst auch in der Passionszeit, in der wir den Blick zum Kreuz erheben, zu einem, der uns im Erdulden unseres alltäglichen Lebens Hilfe und Stütze sein kann.

Hier ist der aktuelle Gruß 2-2020 für Sie als Download verfügbar.

Wir wünschen Ihnen eine bereichernde Lektüre und gesegnete Kar- und Ostertage!

Im Zuge der alle fünf Jahre durchzuführenden Kanonischen Visitation, die bei uns in der Abtei Königsmünster vom 14. bis 24. Februar 2020 stattfand, haben die Visitatoren die Klosterleitung auf die in den Konstitutionen der Kongregation von St. Ottilien vorgesehene „Ämtererneuerung“ im Rahmen einer Senioratswahl hingewiesen und dazu ermutigt.

Ämtererneuerung bedeutet, dass alle Mönche, die vom Abt mit einem Amt (Prior, Subprior, Cellerar, Magister, Zeitlichenpräfekt, Missionsprokurator) betraut wurden, ihr bisheriges Amt ab einem bestimmten Zeitpunkt nur noch kommissarisch wahrnehmen. Dies ist so lange der Fall, bis der Abt den bisherigen Amtsträger bestätigt oder einen neuen benannt hat.

Da die Senioratswahl, die regulär alle drei Jahre stattfindet, turnusgemäß in Königsmünster im März diesen Jahres wieder anstand, bot es sich an, in deren Kontext die empfohlene Ämtererneuerung durchzuführen.

So traten zum 1. März diesen Jahres die bisherigen Inhaber der bereits erwähnten Ämter zurück und versahen ihren Dienst nur noch kommissarisch.

Den Vorgaben der Konstitutionen unserer Kongregation folgend, wurden in unterschiedlichen Beratungsprozessen und Gesprächen die  Amtsträger in ihren Aufgaben von Abt Aloysius neu bestimmt oder bestätigt. Mit der Senioratswahl am 27. März wurde dieser Prozess dann abgeschlossen.

Folgende Mitbrüder wurden in ein neues Amt berufen oder in ihrer bisherigen Aufgabe bestätigt:

Prior: P. Cosmas Hoffmann OSB
Subprior:  P. Erasmus Kulke OSB
Cellerar: P. Julian Schaumlöffel OSB
Novizenmeister: P. Klaus-Ludger Söbbeler OSB
Präfekt der Zeitlichen Professen: Br. Benjamin Altemeier OSB
Missionsprokurator: P. Maurus Runge OSB
Cellerar für die alltäglichen Bedürfnisse: Br. Antonius Fach OSB

Die Namen der Mitglieder des neuen Seniorates sind:

P. Cosmas Hoffmann OSB
P. Julian Schaumlöffel OSB
P. Erasmus Kulke OSB
Br. Benjamin Altemeier OSB
P. Jonas Wiemann OSB
P. Klaus-Ludger Söbbeler OSB
P. Gabriel Weber OSB 

Im Rahmen des Abendessens am Sonntag, den 29.3., wünschte Abt Aloysius den neuen Offizialen und Senioren Gottes Segen für ihre Arbeit und dankte den bisherigen Amtsträgern und Senioren. Ein besonderer Dank galt P. Abraham Fischer OSB, der sich in den vergangenen Jahren als Prior und Cellerar für die Gemeinschaft engagiert hat. Ein herausragendes Beispiel seines Einsatzes, das uns weiterhin in besonderer Weise begleitet, sind die neue Orgel und die damit verbundene grundlegende Renovierung der Abteikirche.

Ich versetze euch wieder auf euren Ackerboden. (Ez 37,14)

Ein wirklich seltsamer Satz aus einem noch seltsameren Text! Es empfiehlt sich ihn ganz zu lesen: Er steht in der Auferweckungsvision des alttestamentlichen Propheten Ezechiel. Der Seher hat Knochen vor sich. Und beschreibt schrittweise, wie sie wieder das bilden, was sie mal waren: Körper! Er lässt den Wind ihnen Atem geben – bring sie zurück ins Leben. Das, was da geschieht, ist Auferstehung der Toten. Wir sprechen im Glaubensbekenntnis „Und ich glaube an die Auferstehung der Toten.“ Ist das gemeint? Wir werden irgendwie unsanft wieder zusammen gekleistert und dann auch noch auf den Ackerboden gesetzt? Ackerboden, das steht doch für Arbeit. Die Hacke vor mir. Da die Schaufel. Und zurück in die brutale Welt des Alltags geworfen werden, wird hier als Auferstehung geschildert. Irgendwie – bei allem gebotenen Respekt – keine Verheißung, bei der ich vor Freude aufjubeln würde: Nichts von himmlischen Chören hier, die die Auferweckten erwarten. Nichts von einem Festmahl, das kein Ende findet. Zwar kommen die Auferweckten in das gelobte Land Israel. Aber es wird „Ackerboden“ genannt!

Ezechiel spricht in die Zeit der babylonischen Gefangenschaft hinein zur Gemeinde der Exilierten. Damals war es eine frohe Botschaft, die sagen wollte: „Wir sind nicht ewig fern der Heimat“.

Ein genauerer Blick auf das Wort Ackerboden: Im Hebräischen steht adamat. Man hört hier schon den Namen des ersten Menschen aus der Genesis. Aber dieser Name heißt nichts anderes als Mensch. Ackerboden, das woraus er gemacht wurde, ist das, wo man wirklich Mensch sein kann. Keine Lebensferne, sondern ganz Boden-ständig im wortwörtlichen Sinn. Auferstehung – wie wir auch im heutigen Evangelium hören – wird uns nicht der Realität entreißen, vielmehr werden wir auf eine tiefere Weise mit ihr verbunden. Es ist nicht die himmlische Auferstehung, die Maria erwartet (Joh 11,24), sondern das echte Leben, das an des Hier und Jetzt gebunden ist.

Und das bedeutet im Umkehrschluss auch: Wir werden nicht unserer Verantwortung entrissen. Kein frommes, verklärtes und abwesendes Jubilieren, kein verzücktes das Haupt Neigen, das sich in unsere Kirchen zu oft eingeschlichen hat, kein bloßes Emporschauen (vgl. Apg 1,11a) gibt es in der Erlösung, sondern nur blanke, entblößte Realität, wo wir uns in allem wieder erkennen, weil wir eben nichts anderes sind – darum dieses Wortspiel. Die Midrasch im Talmud (bT Sanhedrin 98a) bringt es gut auf den Punkt: Der Messias, der Erlösung bringt, sitzt vor den Toren Roms und verbindet die Wunden der Menschen – ein Gleicher unter Gleichen – ganz angekommen in der Realität. Er ist sich seiner Verantwortung bewusst und tut, was verantwortlich und geboten ist. Ist es nicht auch ein Anspruch an uns, „heute, wenn ihr seine Stimme hört“(Ps 95,7)?

Text aus dem Traktat Sanhedrin 98a des babylonischen Talmud:

„Rabbi Jehošua ben Levi traf einst Elijahu am Eingange der Höhle des Rabbi Šim’on ben Jochaj stehen; da sprach er zu ihm: Werde ich in die zukünftige Welt kommen? Dieser erwiderte: Wenn es diesem Herrn gefällig sein wird. […] Hierauf fragte er ihn weiter: Wann wird der Messias kommen? Dieser erwiderte: Geh, frag ihn selbst. – Wo befindet er sich? – Am Tore von Rom – Woran erkennt man ihn? – Er sitzt zwischen den mit Krankheiten behafteten Armen; alle übrigen binden ihre Wunden mit einem Male auf und verbinden sie wieder, er aber bindet sie einzeln auf und verbindet sie, denn er denkt: vielleicht werde ich verlangt, so soll keine Verzögerung entstehen. Hierauf ging er zu ihm hin und spricht zu ihm: Friede mit dir, Herr und Meister! Dieser erwiderte: Friede mit dir, Sohn Levis! Er fragte: Wann kommt der Meister? Dieser erwiderte: Heute. Darauf kehrte er zu Elijahu zurück, der ihn fragte: Was sagte er dir? Er erwiderte Friede mit dir, Sohn Levis! Da sprach dieser: Er hat dir und deinem Vater die zukünftige Welt verheißen. Jener entgegnete: Er hat mich belogen, denn er sagte mir, er werde heute kommen, und er kam nicht. Dieser erwiderte: Er hat es wie folgt gemeint: wenn ihr heute auf seine Stimme hören werdet.(Ps 95,7)“

Br. Symeon Müller OSB

Wegen der derzeitigen Situation rund um die Ausbreitung des Coronavirus ist es leider nicht möglich, dass Menschen an unseren Gottesdiensten in der Abteikirche teilnehmen. Aber es gibt zum Glück noch weitere Möglichkeiten, sich mit uns zu verbinden. Viele bekommen schon unsere Impulse als Newsletter bzw. lesen die Sonntagspredigten auf unserer Website.
Ab der Morgenhore am Samstag, den 28.03.2020, haben wir eine weitere Möglichkeit geschaffen: einen Audio-Livestream unserer Gebetszeiten. Über unseren YouTube-Kanal laden wir Sie ein, an unserem Stundengebet teilzunehmen. Zu folgenden Zeiten beten wir:

06.30 Uhr Morgenhore
12.15 Uhr Mittagshore (sonntags: 11.45 Uhr)
18.15 Uhr Vesper (samstags: 18.30 Uhr – sonntags: 17.45 Uhr)
19.30 Uhr Glockenläuten zum Stillen Gebet
19.40 Uhr Komplet (sonntags: 20.00 Uhr)

Unsere Cella St. Benedikt in Hannover bietet ebenfalls einen Livestream an – per Videolivestream können Sie am Stundengebet und auch an der Eucharistiefeier teilnehmen.

Wir freuen uns, dass wir Ihnen wenigstens ein wenig die Möglichkeit zur Teilnahme an unserem Stundengebet bieten können.
Wenn Sie unsere Abtei finanziell unterstützen möchten, besteht die Möglichkeit einer Spende. Gerade in den Zeiten, wo Gästehäuser und viele Betriebe geschlossen sind, haben wir wie viele andere Unternehmen auch mit wirtschaftlichen Einbußen zu kämpfen. Mit Ihrem Beitrag helfen SIe uns, unseren missionarischen und seelsorglichen Auftrag auch weiterhin gut erfüllen zu können. Für jede Spende sind wir dankbar.

Lazare, veni foras!

von P. Marian Reke OSB

An den Sonntagen der österlichen Bußzeit kommen in der Eucharistiefeier im Lesejahr A Passagen aus dem Johannesevangelium zum Vortrag. Dieses Evangelium wird auch das mystische genannt, ein Evangelium, das in Gänze sozusagen vom Glanz der Göttlichkeit Christi erstrahlt. Es spielte schon immer in der Liturgie der Fasten- und Passionszeit eine gewichtige Rolle. Die Reihe der teils ungewohnt langen und zugleich faszinierenden Perikopen richtete sich zuerst an die Katechumenen, an Frauen und Männer also, die auf ihre christliche Initiation in der Feier der Osternacht zugingen. Sie richtete sich auch an Christen, die mit einer schweren Schuld beladen als Poenitenten auf dem Weg der Wiederversöhnung waren. Ebenso richteten und richten sich diese Passagen des Johannesevangeliums an uns alle, denn unser Glaube kann nur als immerwährender Anfängergeist und im Geist steter Versöhnung lebendig bleiben.

Am dritten Fastensonntag hörten wir von der Verheißung lebendigen Wassers, die Jesus der Samariterin am Jakobsbrunnen offenbart. Wir alle sind mit dieser Frau aus Samarien gemeint. Jedem von uns will sich das doppelte Geheimnis des Durstes erschließen – des Durstes Christi, den es sozusagen nach dem Durst unserer Seelen dürstet, nach der tiefsten Sehnsucht des Menschen, die sich im Verfließen der Zeit allein aus der ursprünglichen Quelle der Ewigkeit stillen lässt. An ihr dürfen wir schon jetzt wieder und wieder zur inneren Ruhe kommen – und dessen bedürfen wir doch in diesen Tagen.

Am vierten Fastensonntag erfuhren wir vom Drama des blindgeborenen Mannes, dem Jesus mit dem Augenlicht auch eine neue Lebenssicht schenkte. Wir Menschen sind wie blindgeboren, doch ist jedem von uns das Licht Christi – der neue Blick – verheißen. Wahrhaftig erhellende Sichtweisen tun besonders in widerwärtiger Gegenwart not und sie können sich auftun im nüchternen Vertrauen gläubiger Herzen.

Heute, am fünften Fastensonntag, begegnen wir einem eindrucksvoll menschlichen Jesus, einem berührbaren, innerlich erregten und weinenden Mann auf dem Weg zum Grab seines geliebten Freundes, der nach vier Tagen schon zu stinken beginnt, wie es die Lutherbibel drastisch ins Wort fasst. Wir alle sind sterblich. Auch wenn es uns stinkt, wir sind definitiv „die Sterblichen“, wie in der Antike die Menschen genannt wurden – im Unterschied zu den unsterblichen Göttern. Jeder von uns ist in vielerlei Binden eng gebunden, in Bindungen der Angst, die uns bisweilen erstarren lässt. Immer wieder einmal sind einem Augen und Mund verdeckt vom Schweißtuch unserer Nöte, man will sie nicht anschauen oder darüber sprechen und irgendwann fühlt man sich geradezu eingeschlossen in die Einsamkeit – wie in eine Grabeshöhle.

Mit „Lazarus im Grab“ sind wir gemeint und zu uns als seinen geliebten Freunden ist Jesus auf dem Weg. Auch uns will derzeit – unter den gegebenen lebensfeindlichen Umständen – der Ruf der Auferstehung Christi auferwecken: zum Leben und zur Lebensfreude oder verhaltener gesagt zur Lebensfreundlichkeit in Wort und Tat … Ich wünsche sie uns derzeit von Herzen.

Das als erster Hinweis – und noch kurz zwei weitere auf zwei andere Texte der Liturgie dieses Sonntags:

Hören wir zunächst mit den gespannten Ohren des Anfängergeistes von Katechumenen und mit den auf das versöhnende Wort lauschenden Ohren von Poenitenten noch einmal die großartige Prophetie des Ezechiel in der heutigen Lesung: So spricht GOTT, der Herr: Siehe, ich öffne eure Gräber und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf. … Und ihr werdet erkennen, dass ich der HERR bin, wenn ich eure Gräber öffne und euch, mein Volk, aus euren Gräbern heraufhole. Ich gebe meinen Geist in euch, dann werdet ihr lebendig … Ich habe gesprochen und ich führe es aus – Spruch des HERRN. Diese Verheißung, einst erfüllt in der Auferweckung des Lazarus, will sich wieder und wieder erfüllen in der Geschichte der Menschheit und in den vielen Geschichten der Einzelschicksale. Wir sollen und dürfen lernen, die Geschicke der Welt und unseres eigenen Erdendaseins wie Katechumenen ganz neu zu sehen oder wie Poenitenten von Grund auf erneuert auch zu verstehen, und das schon jetzt und Tag für Tag … Dann werden wir es auch bald feiern können – im Licht der Nacht der Auferstehung Christi, jener Ostervigil, die der heilige Augustinus die „Mutter aller Vigilien“ genannt hat.

Und noch zuletzt – lasst uns nachher in gleicher Haltung die Communio der heutigen Messe singen. Sie ist zweifellos eine der machtvollsten Verflechtungen von Text und Melodie im Repertoire der lateinischen Liturgie. „Als der HERR sah, daß die Schwestern des Lazarus am Grab weinten, da brach er in Tränen aus vor den Juden und rief: ‚Lazarus, komm heraus!‘ Da kam er heraus; Hände und Füße waren mit Binden umwunden; seit vier Tagen war er tot gewesen.“ Jede Beschreibung dieses Gesangs greift zu kurz. Es genügt, ihn zu singen. Er erschließt sich von selbst und öffnet mir das Herz, wenn ich nur die impressive, expressive Kraft des Rufes Christi nicht scheue, dieses „Lazare, veni foras!“, mit dem er jeden von uns aus seinem Grab ruft – und auch das gilt heute.

FÜRBITTEN

Herr Jesus Christus, du rufst uns auf, zu glauben und auf dein Wort zu vertrauen. Es fällt uns oft schwer. Doch du versprichst uns neues Leben. So bitten wir dich:

Für die Corona-Patienten und alle Kranken, die körperliche und seelische Schmerzen ertragen müssen. – Christus, höre uns. Alle: Christus, erhöre uns.

Für alle, die in Pflege und medizinischer Betreuung an die Grenzen ihrer Kraft geraten. – Christus, …

Für alle, die an ihren Arbeitsplätzen weiter ihre Pflicht tun, und für alle, die nicht mehr arbeiten dürfen. – Christus, …

Für alle, die auf engstem Raum mit ungewohnten Herausforderungen fertig werden müssen. – Christus, …

Für alle von Ängsten Geplagten und für alle im Glauben Erschütterten. – Christus, …

Für alle, die neue Wege des Miteinanders suchen und wagen. – Christus, …

Für alle, die wir in diesen Tagen aus dem Blick verlieren, weil uns die eigene Not zu sehr plagt. – Christus, …

Für uns selbst und unsere Lieben, die Lebenden und die Verstorbenen. – Christus, …

Gott, führe uns aus der Bedrängnis. Hauche uns deinen Geist ein, damit wir leben. Das erbitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn und unseren Herrn. – A: Amen.