17 Die Zweiundsiebzig kehrten zurück und sagten voller Freude: Herr, sogar die Dämonen sind uns in deinem Namen untertan. 18 Da sagte er zu ihnen: Ich sah den Satan wie einen Blitz aus dem Himmel fallen. 19 Siehe, ich habe euch die Vollmacht gegeben, auf Schlangen und Skorpione zu treten und über die ganze Macht des Feindes. Nichts wird euch schaden können. 20 Doch freut euch nicht darüber, dass euch die Geister gehorchen, sondern freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind! 21 In dieser Stunde rief Jesus, vom Heiligen Geist erfüllt, voll Freude aus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du das vor den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen. 22 Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden; niemand erkennt, wer der Sohn ist, nur der Vater, und niemand erkennt, wer der Vater ist, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will. 23 Jesus wandte sich an die Jünger und sagte zu ihnen allein: Selig sind die Augen, die sehen, was ihr seht. 24 Denn ich sage euch: Viele Propheten und Könige wollten sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und wollten hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört. (Lk 10,17-24)

Die heutige Schriftlesung schließt an die Stelle vom vergangenen Samstag an, in der von der Aussendung der Jünger durch Jesus berichtet wird. Heute lesen wir von der Rückkehr der 72 Jünger. Die Jünger sind völlig euphorisiert von den Wundertaten und Dämonenaustreibungen, die sie vollbracht haben. Offenbar haben sie Erfolg gehabt und konnten vielen Menschen helfen, sie von Blockaden und Lähmungen befreien.

Da ist auch zunächst einmal nichts Schlimmes dran, und Jesus bestätigt in eindrücklichen Worten das, was die Jünger berichten: „Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen!“ Etwas Neues ist angebrochen, vor dem die lebensfeindlichen Mächte nicht bestehen können.

Und doch rückt Jesus die Freude der Jünger in die rechte Perspektive: „Freut euch nicht darüber, dass euch die Geister gehorchen, sondern freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind!“ Das Sein steht bei Jesus vor dem Tun – zuerst wird mir etwas geschenkt, und meine Taten sind sozusagen die Konsequenz daraus. Die Jünger handeln nicht aus eigener Macht, sondern mit der Vollmacht Jesu, dessen, der sie gerufen und gesandt hat.

Es ist so etwas wie eine Umkehrung der Perspektive, die hier geschieht. Es sind nicht die Weisen und Klugen, die mit gewandten Worten reden können, die Jesu Botschaft voranbringen, sondern gerade die „Unmündigen“, Menschen, denen man es vordergründig nicht zutrauen würde. Das Heil kommt da zu mir, wo ich es am wenigsten erwarte.

Wenn ich mir bewusst mache, dass ich das, was ich kann und leiste, nicht aus mir selbst habe, sondern es mir von einem Anderen geschenkt ist, dann werde ich wahrhaft Großes vollbringen. Dann muss ich auch nicht neidisch auf die Talente anderer blicken, sondern kann mich an ihnen freuen – wie auch an meinen eigenen Gaben, die mir geschenkt wurden.

P. Maurus Runge OSB