Bibellesung: Psalm 10

„Warum, o HERR, bleibst du so fern!“ Traurigkeit, Einsamkeit und Verlassenheit von Gott, das beklagt der Beter im 10. Psalm.  Er klagt: Gott ist an Tagen der Not so fern. Jene Traurigkeit kann ich gut verstehen, besonders in diesem langen Winter der Pandemie. Oft habe ich mir in den letzten Wochen, wenn ich abends am Fenster stand und in den Nachthimmel geguckt habe, die Frage gestellt: Wo bist du? Es wurde dann still in mir. In solchen Situationen muss ich immer an Windkrafträder denken. Windräder von über 100 Metern Höhe müssen über Blinklichter verfügen, um nachts für Flugzeuge sichtbar zu sein. Wären sie nicht da, dann könnte das Flugzeug im Zusammenstoß mit dem Windrad in große Not geraten.  Schaue ich in einer dunklen, wolkenverhangenen und nebligen Nacht aus dem Fenster meiner Klosterzelle, dann sehe ich diese „Leuchtfeuer“ der Windkrafträder nicht aufleuchten. Meine Erfahrung sagt mir aber dann: Auch wenn der Nebel dicht ist, die Lichter sind dennoch da. Der Verstand sagt mir weiter: Müssen sie ja auch, sonst geraten die Flugzeuge in Gefahr! Schaue ich aber in einer sternklaren und wolkenfreien Nacht aus meinem Fenster, dann sehe ich deutlich die roten Lichter im Dunkeln von den Sauerländer Bergen her leuchten. Sie sind da – einfach! Im Gleichklang leuchten sie auf – immer wieder! Dieses Bild verdeutlicht mir, dass Gott da ist, immer da ist. Gerade auch dann, wenn die Nebel der Traurigkeit meine Seele umhüllen. In meiner Not weiß ich, dass Gott auch in meinen Dunkelheiten an meiner Seite steht. Gott kann ich vertrauen und auf ihn hoffen: Er ist da. Das verrät mir auch sein Name: JHWH! Und darum kann ich mit dem Psalmbeter einstimmen und  am Ende des 10. Psalms Gott immer wieder als König preisen, der mein Herz aufrichtet. Die Fastenzeit will uns einladen, Gottes „Leuchtfeuer“ der Liebe zu entdecken, damit er in unserem Herzen scheinen kann. Und zwar immer, ob an Tagen der Not oder Freude. Er ist da.

Br. Benedikt Müller OSB