Palmsonntag

Gedanken zur Passion

von P. Maurus Runge OSB

„Sie versiegelten den Eingang und ließen die Wache dort.“
Kein Happy End.
Das Grab ist nicht leer, sondern verschlossen.
Gut bewacht, damit niemand auf dumme Gedanken kommt.
„Ihr alle werdet in dieser Nacht an mir Anstoß nehmen.“
Jesus ist zum Stein des Anstoßes geworden.
Der Hirt ist erschlagen,
die Schafe haben sich zerstreut.
Vom Freund verraten,
vom ersten Jünger verleugnet,
von den Mächtigen verspottet,
vom Pöbel angespuckt und geschlagen.
Ans Kreuz geschlagen.
Wie ein gewöhnlicher Verbrecher.
Das „Hosianna“ des Palmsonntags wandelt sich schnell zum „Kreuzige ihn.“
Und das soll wirklich alles gewesen sein?
Der, in den wir all unsere Hoffnung gesetzt haben, tot?
An Karfreitag werden wir ein anderes Wort hören:
„Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben.“
Und wir sind eingeladen, ihn anzuschauen.
Der Liebe ins Gesicht zu schauen.
Zu schauen, wie der Mensch ist, was er in seiner Gewalt anrichten kann.
Aber auch zu schauen, wie Gott ist – in seiner gewaltlosen Liebe.
Das alles hat er ausgehalten, erlitten – für mich.
„Kreuz, auf das ich schaue, steht als Zeichen da,
der, dem ich vertraue, ist in dir mir nah.
Kreuz, zu dem ich fliehe aus der Dunkelheit,
statt der Angst und Mühe ist nun Hoffnungszeit.
Kreuz, von dem ich gehe in den neuen Tag,
bleib in meiner Nähe, dass ich nicht verzag.“