Alles beginnt mit der Sehnsucht… (Nelly Sachs) 

Benedikt sagt: Mit geistlicher Sehnsucht………….. erwarte er, der Mönch, die Nonne, der Christ, das heilige Osterfest. (RB49,7) Sehnsucht ist ein Aspekt von Hoffnung! 

Sehnsucht! Mit diesem Wort drücken wir etwas ganz Wesentliches von uns aus. In jedem von uns lebt eine Sehnsucht, ein leidenschaftliches Begehren nach etwas, ein Hungern und Dürsten nach Erfüllung, nach Lieben und geliebt werden. Eine Sehnsucht kann den Sehnsüchtigen so ergreifen, dass es ihn „siech“ , süchtig macht (Sehnsucht kommt von „siechen“, nicht von suchen).  Augustinus sagt von der Sehnsucht: „Sie gibt dem Herzen Tiefe,“ desiderium sinus cordis. Also wehe dem, der keine Sehnsucht hat. Für Ignatius ist die Sehnsucht so wichtig, dass er bei der Aufnahme eines Kandidaten die Frage gestellt haben will, ob er eine Sehnsucht, ein Verlangen (desiderium) verspürt, dem gekreuzigten Herrn mit allen Konsequenzen nachzufolgen. Wenn der Kandidat eingesteht, diese Sehnsucht nur wenig oder gar nicht in sich zu verspüren, so soll man ihn fragen, ob er wenigstens eine Sehnsucht nach der Sehnsucht in sich verspüre, Gott zu lieben und ihm nachzufolgen. Das sei dann schon genug. Der französische Psychotherapeut, Jaques Lacan, definiert aufgrund seiner Praxiserfahrung das Wesen des Menschen mit „désir“ – Sehnsucht. Wenn wir nun schauen, was für Sehnsüchte uns täglich umtreiben, müssen wir uns eingestehen, dass sie sich nicht immer direkt gleich auf so Erhabenes richten, wie das Osterfest. Manchmal sind es eher Alltagssehnsüchte, wie zum Beispiel Ausschlafen, ein gutes Essen, Zeit verbringen mit Freunden, eine Erkenntnis gewinnen in einem Problem, Urlaubssehnsüchte, Sehnsucht nach Nähe und Geborgenheit. Das ist alles nichts Schlechtes. Diese Wünsche gehören zu unserer Natur als Menschen. Und genau diese kleinen Sehnsüchte helfen uns auf dem Weg zu unserer großen Sehnsucht. Sie helfen uns paradoxerweise nicht, wenn wir sie uns immer wieder bis zur Sättigung oder im Übermaß erfüllen, sondern wenn wir ganz bewusst und aus freien Stücken um eines höheren Gutes willen einen Verzicht setzen. Damit nähren wir in uns eine größere Sehnsucht, verdichten sie durch den Verzicht und gelangen zu einer inneren Freude, die wir nicht machen können, sondern die der Heilige Geist schenkt. Denn es geht nicht um die Freude, besser zu sein als andere, oder stolz sein zu können auf unsere Leistung, sondern darum, Gott unsere Liebe zu zeigen. (offerat Deo) Wir nähren unsere Sehnsucht und wir leben mit ihr. Wir machen allerdings im Laufe des Klosterlebens oder des Lebens überhaupt die Erfahrung, dass sie ungestillt bleibt und wohl auch unstillbar ist. Nur Gott wird sie einmal wirklich stillen können, und in manchen Momenten des Glücks oder der Freude ahnen wir, was das heißen kann. Gefragt ist unsere Treue zu dieser unserer Sehnsucht. 

Christine Busta 

Treue zur Sehnsucht 

Ich glaube, dass jeder Mensch 

mit einer unerfüllten Sehnsucht  

von dieser Erde scheidet 

 

Aber ich glaube auch, 

dass die Treue zu dieser Sehnsucht 

die Erfüllung unseres Lebens ist.     

Sr. Francesca Redelberger OSB, geb. 1960, Profess 1986 in der Benediktinerinnenabtei St. Hildegard Eibingen, leitet dort den Gastbereich, engagiert sich sehr in der geistlichen Begleitung und Kursarbeit und ist in die Ausbildung der Noviziatsmitschwestern eingebunden.

Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen. (Mt 1,19) 

Mitten in dieser Fastenzeit wird uns der hl. Josef als Mensch der Hoffnung vor Augen gestellt. Von ihm wird im Evangelium nicht viel erzählt – aber das Wenige sagt uns, wie wichtig sein Platz in der Heilsgeschichte war.  

Maria ist in einer wahrhaft hoffnungslosen Situation. Sie war mit Josef verlobt, und dann heißt es im Text: „Noch bevor sie in der Ehe zusammenlebten, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete.“ Das konnte durchaus ihr sicheres Todesurteil bedeuten. Wenn die Leute erst anfangen zu reden, ist schnell kein Halten mehr, bis die ersten Steine fliegen. Auch der Zusatz „durch das Wirken des Heiligen Geistes“ macht es nicht besser. Denn was heißt das schon? Das ist alles schwer greifbar. 

Mitten in dieser für Maria hoffnungslosen Situation ist es Josef, der ihr wieder Hoffnung schenkt, eine neue Lebensperspektive aufzeigt. Er ist ein „Gerechter“ – kein Selbstgerechter, der nur um der eigenen Bestätigung willen den Stab über andere bricht. Seine Gerechtigkeit zeigt sich in seiner Barmherzigkeit: Er will einen Skandal vermeiden, will Maria nicht dem Mob ausliefern, sondern sich lediglich in aller Stille von ihr trennen.  

Und schließlich ist Josef jemand, der es wagt, auf seine Träume zu hören. Auf die Stimme des Engels im Traum hin geht er noch einen Schritt weiter und nimmt das nicht von ihm gezeugte Kind an – und ebenso seine Frau. Die Geschichte unserer Erlösung und unserer Hoffnung kann weitergehen. So ist es gerade Josef, dieser stille Heilige, der wie selbstverständlich das tut, was gerade dran ist, der mir Hoffnung macht für unsere Welt. Solange es Menschen gibt wie Josef, ist unsere Welt nicht verloren. 

P. Maurus Runge OSB, Missionsprokurator und Öffentlichkeitsreferent der Abtei Königsmünster

Hoffnung ist die aktive Erwartung, dass Gott die Welt heilen und verwandeln wird. Hoffnung bedeutet nicht die Leugnung von Leid oder Ungerechtigkeit, und sie bedeutet auch nicht, dass der Mensch in der Lage ist, die Schöpfung ohne Gottes gnädige Bevollmächtigung zu heilen. Vielmehr gründet sich die Hoffnung auf das, was Gott für die Zukunft versprochen hat, und sie ruft uns auf, diese Verheißungen durch Taten der Heilung und Gerechtigkeit in der Gegenwart zu bezeugen. Wenn wir versucht sind, wegen all dem, was wir in der Gegenwart sehen, den Mut zu verlieren, sind wir aufgerufen, uns an die Zukunft zu erinnern, die Gott verheißen hat, und in Hoffnung vorwärts zu gehen.  

Jürgen Moltmann 

Gott sei Dank für diese von Jürgen Moltmann angebotene Perspektive! Ich brauche diese zukunftsorientierte Perspektive, um nicht in der Verzweiflung der aktuellen Realitäten in meinem eigenen Land (ich komme aus den USA) und in unserer Welt stecken zu bleiben. Ich bin und kann hoffnungsvoll sein, nicht in einer naiven oder realitätsverleugnenden Weise, sondern im Glauben an Gottes Verheißungen.  

Ich weiß, dass der Frühling kommen wird, trotz des Schnees und des Eises von heute.  Ich weiß, dass der Morgen kommen wird, egal wie dunkel die Nacht ist.  Ich bin mir sicher, dass es in dieser Welt gute Menschen gibt, deren Liebe den Hass überwiegen kann, der an viel zu vielen Orten und unter zu vielen Umständen zu beobachten ist.  Ich habe diese Liebe bei denen gesehen, die sich um die Not derer kümmern, die sich in einer scheinbar hoffnungslosen Lage befinden, und sich bemühen, sie zu verbessern.  

Die Poesie hilft mir oft, eine neue Perspektive einzunehmen.  Dieser Auszug aus einem Gedicht mit dem Titel „Violet“ von Edwina Gately bietet eine solche hoffnungsvolle Perspektive: 

Ich sah am Rande der Autobahn,  

wie aus einem winzigen Spalt 

in der großen Betonplatte 

ein winziges goldenes Veilchen lugte, 

das auf wundersame Weise winkte 

und mich anlächelte –  

trotz der Umweltverschmutzung und dem tosenden Verkehr 

mit einem herrlichen Schauspiel  

zerbrechlicher Schönheit. 

Gott – er erinnert mich an die Auferstehung. 

Und an Hoffnung. 

(aus dem Gedichtband Soul Whispers von Edwina Gately) 

Wer sind die Veilchen, die in unserem Leben durch den Beton lugen?  Wer und was erinnert uns daran, über das Offensichtliche hinaus auf die Verheißungen Gottes zu schauen? In dieser Phase meines Lebens weiß ich um das Leben und das Zeugnis der Benediktineräbtissin Klara Swiderska und ihrer Schwestern in Zhytomyr in der Ukraine, die mehr als drei Jahre Krieg in ihrem Land ertragen mussten, die aus erster Hand und durch Berichte wissen, dass viele gefoltert, verstümmelt und getötet wurden – wie können sie inmitten von so viel Hass und Zerstörung, so unmenschlichen und ungerechten Handlungen hoffen?  Wo sind die Veilchen, die für sie durch den Beton lugen? 

Nach Kriegsbeginn schrieb eine der Schwestern des Klosters Zhytomyr auf die Aufforderung hin, etwas über das Glaubensleben in Kriegszeiten zu schreiben, über ihr Leben aus der Perspektive des Glaubens an die Auferstehung im Angesicht von Krieg und Tod. Sie sagte, dass „jeder Krieg wie ein langer Karfreitag ist“. Sie verglich ihr tägliches Leben mit den Stationen des Kreuzwegs. Sie schrieb, dass es schwierig war, angesichts des Krieges, des sinnlosen Tötens und der Tragödie weiter zu beten.  „Wie konnten wir im Gebet ausharren? Trotz des Gefühls der Verzweiflung und der Schreie des Unverständnisses… trotz der Sirenen und der Luftangriffe, trotz des Unwissens über den nächsten Moment, wie durch Trägheit, setzten wir das gemeinsame Stundengebet fort und merkten später, wie dieses Gebet uns hielt. Es gab uns innere Kraft und ein Gefühl des Friedens.“ 

Wenn diese ukrainischen Nonnen, während Bombensirenen ertönen und die ohrenbetäubenden Geräusche der Zerstörung in ihren Ohren widerhallen, ihren Weg zum Gebet finden können, in der Tradition der Kirche im Stundengebet, dann kann ich sicher auch unter viel weniger offensichtlich verzweifelten Umständen dem Gebet in meinem eigenen Kloster treu bleiben. Das Zeugnis dieser Benediktinerinnen in der Ukraine hilft mir, eine gesunde Perspektive für mein eigenes Leben zu finden.  Welche Kreuzwegstationen es auch immer in meinem Leben und in meinem Umfeld gibt, wir können treu weitergehen, im Glauben, dass Jesus, das Ostergeheimnis, uns in die Verheißung der Auferstehung hindurchführt. 

Sr. Lynn McKenzie OSB stammt aus dem Herz-Jesu-Kloster in Cullman, Alabama, USA. Sie leitet die Kongregation der Benediktinerinnen von St. Scholastika (USA) und ist Koordinatorin der Communio Internationalis Benedictinarum (CIB), der Vereinigung aller Benediktinerinnenklöster weltweit.

Wenn ich rufe, gib mir Antwort,
du Gott, der für mich Recht schafft.
Du hast mir Raum geschaffen in der Bedrängnis,
sei mir gnädig und höre mein Beten.
(Ps. 4, 2a) 

Was gibt mir Hoffnung? 

Hoffnungsfroh durchs Leben zu gehen, fällt mir zunehmend schwerer – vielleicht liegt es an den großen Problemen und Bedrohungen, vielleicht am Älterwerden und den damit einhergehenden Beschwernissen, vielleicht an dem, was man gemeinhin „Lebenserfahrung“ nennt?
Bei den Vorbereitungen für unser regelmäßiges Friedensgebet bin ich irgendwann auf das Lied „Hoffen wider alle Hoffnung“1 gestoßen, das Heinz Martin Lonquich (1937 – 2014) 1988 geschrieben hat: 

  1. Hoffen wider alle Hoffnung,  glauben, dass es dennoch weiter geht. Lieben, wo es beinah’ nicht mehr möglich ist, damit die Welt auch morgen noch besteht.
  2. Fühlen, wo Gefühle sterben, Licht sehn, da wo alles dunkel scheint. Handeln, anstatt tatenlos zu trauern, trösten auch den, der ohne Tränen weint.
  3. Wach sein, Zeichen klar erkennen, helfen trotz der eigenen großen Not. Aufstehn gegen Unrecht, Mord und Lüge, nicht einfach schweigen, wo die Welt bedroht. 
  4. Trauen dem, der uns gesagt hat: „Seht doch, ich bin bei euch alle Zeit.“ Mit uns ist er auch in unserem Suchen, bis wir ihn schauen im Licht der Ewigkeit. 

Gibt das Hoffnung? 
Es scheint, als sei dieses Lied aus einem starken Glauben und Vertrauen geschrieben. Das ist zugleich bewundernswert und herausfordernd. Habe ich auch solches Vertrauen, solchen Glauben? Ist Hoffnung nicht wieder etwas, das Kraft und Einsatz kostet, ja Überwindung? Und muss ich dann schon wieder aktiv sein? Bin ich nicht viel eher wie Elia, der sich erschöpft und frustriert unter den Ginsterstrauch setzt: Gott, ich will nicht mehr, ich kann nicht mehr [1 Könige 19]? Das darf offenbar sein. Zweimal muss der Engel kommen und sagen „Steh auf und iss! Sonst ist der Weg zu weit für dich“. Er kommt, weil Gott überall hin nachgeht, selbst, wenn ich das weder merke noch glauben kann, glauben will. Trauen dem, der uns gesagt hat: „Seht doch, ich bin bei euch alle Zeit.“ Ist das nicht naiv in Zeiten wie diesen? Der Versuch ist es wert, auch wenn es Kraft erfordert, sich am Morgen in den Garten zu begeben, dumpf, verweint, entmutigt – sich beim Namen rufen zu lassen – und sich umzuwenden: Rabbuni 

Nicht müde werden,
sondern dem Wunder
leise
wie einem Vogel
die Hand hinhalten.
(Hilde Domin) 

 

Olaf Litwiakow, Gast der OASE 

Hoffnung ist bereits in uns 

Auf die Frage, was mir in dieser bewegten Zeit Hoffnung gibt, mag meine Antwort überraschen: Nichts kann mir Hoffnung geben. Das klingt vielleicht ernüchternd, doch es entspringt keiner Depression oder Enttäuschung. Ich sehe durchaus Licht am Horizont. Vielmehr ist es meine Überzeugung – und meine Erfahrung –, dass Hoffnung nichts ist, was ich mir erst aneignen muss. Hoffnung ist nicht etwas, das von außen kommt. Sie ist bereits in mir, in uns allen, von Geburt an. 

Hoffnung als natürlicher Lebensimpuls 

Schon der Säugling, der sich durch den Geburtskanal auf den Weg ins Leben macht, trägt Hoffnung in sich. Er geht diesen Weg im Vertrauen, dass ihn am Ende Licht, Wärme und Geborgenheit erwarten. Ebenso folgt jede kleine Pflanze ihrer inneren Veranlagung: Sie treibt Wurzeln in die Erde und bricht durch die Erdkruste, in der Hoffnung, dass es Licht gibt. Kein Mensch muss diesem Säugling oder der Pflanze Hoffnung geben – sie sind Hoffnung, per se. Denn Leben ist auf Hoffnung hin ausgerichtet. Hoffnung ist ein anderes Wort für Leben. 

Hoffnung kann nicht gegeben, aber genommen werden 

Ein Baum im Herbst verliert seine Blätter, doch er braucht keine Zusicherung, dass der Frühling kommen wird. Diese Gewissheit ist in ihm. Schon der Samen, aus dem er wuchs, trug Hoffnung in sich. Auch wir Menschen sind so geschaffen. Ein Kind, das laufen lernt, tut dies in der Hoffnung, dass es gelingen wird, ohne dass jemand es ihm garantieren muss. 

Doch ich sehe auch, dass viele Menschen ihre Hoffnung nicht mehr spüren. Denn während niemand uns Hoffnung geben kann, kann sie uns genommen werden. Zweifel, Angst, schlechte Nachrichten und Krisen können uns von unserer inneren Hoffnung entfremden. Sie stehlen uns einen wesentlichen Teil des Lebens. In Zeiten der Unsicherheit geht es daher nicht darum, Hoffnung zu finden, sondern sie zu bewahren. Unsere Aufgabe ist es, zur eigenen Lebendigkeit zurückzufinden. 

Die Kraft der kleinen Momente 

Hoffnung zeigt sich nicht nur in großen Ereignissen, sondern im Alltag, in den kleinen Momenten des Lebens. In der Freude über eine Blume, die in meinem Zimmer blüht. In der verspielten Lebendigkeit meiner Katzen, jede mit ihrem eigenen Wesen und ihrer unerschütterlichen Hoffnung. In der Wärme einer Tasse Kaffee am Morgen, im Geschmack, im Duft, im einfachen Sein. 

Hoffnung als gelebte Lebendigkeit 

Hoffnung ist nicht in erster Linie ein Warten auf bessere Zeiten. Hoffnung ist das Spüren des Lebens selbst. Wer die Beziehung zu seinem Leben und zu seiner Lebendigkeit pflegt, wird die Hoffnung nie verlieren. Dann kann sie auch niemand rauben. Wer sich seine Hoffnung nehmen lässt, entfernt sich vom Weg des Lebens. 

Um Hoffnung zu haben, brauchen wir keine garantierte Aussicht auf Veränderung oder Rettung. Wir müssen nur das Leben selbst spüren. Und dann kann es sein, dass selbst die auswegloseste Situation noch einen Spalt öffnet, durch den das Licht in unser Leben fällt. 

Die österliche Botschaft der Hoffnung 

Ostern erinnert uns an diesen Spalt, den Jesus uns mit seiner Auferstehung geschenkt hat. Durch ihn fällt das göttliche Licht in unser Dasein. Es lässt uns unser Leben und unsere Hoffnung wieder erkennen. Es lehrt uns das unerschütterliche Vertrauen, das Oscar Wilde einst so formulierte: „Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.“ 

Br. David Damberg OSB, Cella St. Benedikt Hannover

H  Haltung: Hilf mir, mich in die Haltung des Hoffens einzuüben, auch und vor allem, wenn in der Welt nichts dafürspricht.   
O  Ohren: Schenke mir offene Ohren, um das Wort zu hören, das aufrichtet und stärkt.  
F  Ein Funke reicht aus: Entzünde den Funken, der mich neue Kraft tanken lässt.  
F  Freund: Sei ein unsichtbarer Begleiter, der Freund, der mich trägt, wenn ich nicht mehr kann, auch dann noch, wenn ich versagt und Dich verraten habe.  
N  Nicht müde werden: Lass mich ausruhen und Kraft schöpfen! Doch hole mich unter dem Ginsterstrauß hervor, auch wenn ich nicht mehr will.   
U  Unerwartet: Lass mich wach bleiben, das Unerwartete zu erwarten, und lernen, Dir zu vertrauen, dass Du in allem bist und ich der wunderbare Gedanke sein darf, als den Du mich gedacht hast.  
N  Neues beginnen: Schenke mir den Mut, das Vertrauen und die Kraft, aufzustehen und loszugehen.  
G  Gottes Liebe: Hilf mir, mich von Dir lieben zu lassen und mich nicht mehr vor Dir zu verstecken  

Priska Litwiakow, Gast der OASE

Vergebung – Boden für das Neue 

Wenn etwas Wichtiges schiefgegangen ist, braucht man jemanden, mit dem man darüber sprechen kann. 
Denn sonst arbeitet es in einem weiter und belegt unsere Gedanken, unser Gemüt und die Gefühle. Das trifft besonders dann zu, wenn uns bewusst wird, dass wir jemanden verletzt, geschädigt oder achtlos übergangen haben. Schuldgefühle kommen hoch. Sie können uns ängstigen. Manchmal spielt sich dann im Inneren ein Kampf ab, und die Anspannung kann lange andauern. Sie belastet uns, besonders dann, wenn wir uns verschließen und Beziehungen empfindlich gestört sind. Das geschieht, wenn wir es selbst waren, von denen die Probleme ausgegangen sind. 
Wie kommen wir aus dieser Sackgasse heraus? Nur durch die Vergebung. Es ist schwer, den eigenen Fehler einzusehen und zuzugeben. Durch das Eingeständnis fällt ein Schatten auf uns, wir werden angreifbar. Und doch leiden wir unter dem, was wir angerichtet haben und bitten um Vergebung.
Die Vergebung setzt einen neuen Anfang, das zerbrochene Vertrauen wird geheilt. Man kann sich wieder in die Augen sehen, einander die Hand geben. Die Zuversicht auf ein versöhntes Verhältnis bricht auf. „Die Verzeihung bereitet den Boden für das Neue, für das Andere.“ (Byung-Chul Han)
Woher kommt der Mut zur Vergebung? Aus einer guten Stimmung heraus? Durch ein ererbtes Naturell? Oder aus dem Glauben heraus, dass von Gott eine vergebende Kraft ausgeht? Hoffnung ist wie ein Wunder, das man nicht erwerben oder herbeizaubern, sondern nur suchen kann. Es kommt uns zuvor und umfängt uns. Das lässt hoffen. Und macht uns zur Vergebung bereit. 

P. Johannes Sauerwald OSB, Seelsorger und Bibliothekar der Abtei Königsmünster

Was mir in meinem Leben und in meiner Arbeit Hoffnung gibt 

Meine Arbeit in meiner Abtei in Tansania empfinde ich als großes Geschenk, aber auch immer wieder als eine Herausforderung. Sie gibt mir in meinem Leben als Benediktiner große Hoffnung durch meinen tiefen unerschütterlichen Glauben in Gottes Gegenwart, selbst in Momenten der Unsicherheit. 

Seelsorge, Beratung und das Spenden der Sakramente bestimmen meine Tage und erinnern mich daran, dass das Herzstück meiner Berufung darin besteht, andere Menschen zu begleiten und vor allem dem lebendigen Gott zu begegnen, den ich in jedem Augenblick an meiner Seite spüre. 

Bei den vielen Menschen, denen ich in meiner Heimat begegne und diene, bemerke ich im Gebet, in dem Frieden gesucht wird, und auch bei der Rückkehr von Menschen in die Kirche viele kleine und große Hoffnungen. In einfachen und tiefen Momenten aller meiner Begegnungen, im Gebet und in meinem Dienst werde ich daran erinnert, dass Hoffnung nicht abstrakt, sondern ganz lebendig ist. 

In der Eucharistie erfahren ich und wir alle die Liebe Christi, im Sakrament Momente der persönlichen Besinnung und eine tiefe Hoffnung der Verbundenheit aller im Glauben. 

Hoffnung ist für mich eine Gnade Gottes, die mich durch Höhen und Tiefen meines Lebens und meines Dienstes trägt. Sie erinnert mich daran, dass das Licht selbst in dunkelsten Zeiten durchbrechen kann. 

Jedes Jahr zur Fastenzeit verleiht mir die Hoffnung auf Erneuerung und Auferstehung eine ganz besondere und unermessliche Kraft. Für mein Leben wünsche ich mir immerwährende Hoffnung und auch für meine Arbeit ist Hoffnung die Grundlage für alles, was ich tue. 

Mein Wunsch ist, dass wir uns alle durch den Glauben dazu aufgerufen fühlen, Träger dieser Hoffnung für andere zu sein. 

Ich wünsche Ihnen viel Segen für die Fastenzeit und darüber hinaus! 

P. Victor Chambi OSB ist Mönch der Benediktinerabtei Mvimwa in Tansania. Von 2018 bis 2024 hat er bei uns und in der Cella St. Benedikt in Hannover gelebt und in Salzburg Theologie studiert. Im Juli 2024 wurde er zum Priester geweiht. Ende des letzten Jahres wurde er zum Prior der Abtei Mvimwa ernannt.

Hoffnung in bewegten Zeiten 

Wir leben in bewegten Zeiten. Gefühlt ist „seit Corona“ nichts mehr, wie es einmal war – und der Ausbruch der Pandemie jährt sich jetzt zum fünften Mal. Hinzu kommt die politische Lage. Alles scheint sich zu ändern, dabei hatten wir uns doch recht bequem eingerichtet.
Was trägt mich in der Veränderung? Schnell fallen mir dazu die Basics ein: mein Glaube, menschliche Beziehungen, Stille, Musik, Texte, die Natur. Diese Liste kann sicher jede:r für sich individuell und schnell ergänzen. 
Wenn ich allerdings länger darüber nachdenke, dann zeigt sich, dass für mich der Austausch und die Begegnung mit jungen Menschen essenziell sind. Ich unterrichte an einem Gymnasium die Fächer Deutsch, Musik, katholische Religion und Stressmanagement. Die Inhalte dieser Schulfächer haben sehr oft das Potenzial, im Gespräch, im Austausch, in der Diskussion an Wesentliches heranzukommen. Dabei öffnen sich zuerst die Menschen, angeregt, berührt oder auch provoziert von Inhalten. Und dann eröffnen sich für alle neue Welten, Gedanken und auch Hoffnungen. Gleichzeitig entsteht Beziehung, gegenseitiges Verstehen über die Altersunterschiede hinweg und jenseits der Schulsituation. Und ich bin immer wieder gefordert, mich und meinen Standpunkt zu reflektieren und zu überdenken. Nach inzwischen über 30 Jahren als Lehrerin empfinde ich das immer mehr als ein Geschenk: im Austausch bleiben zu dürfen mit jungen Menschen und dadurch die Zukunft mitgestalten zu können; eigene Lebenserfahrung und Wissen weitergeben zu können und selbst am Puls der Zeit zu bleiben. Als mir vor vielen Jahren eine ältere Kollegin sagte: „Du, ich soll Dich von meiner Nichte sehr herzlich grüßen. Sie hat ihr erstes Kind taufen lassen, weil sie für ihr Kind möchte, dass es den Glauben so erleben kann, wie Du ihn im Religionsunterricht vermittelt hast.“, war das für mich ein Moment tiefer Freude, Bestätigung und Dankbarkeit. 
Auf eine ganz neue Weise ist mir dies während meiner Reise nach Tansania bewusst geworden: Ich durfte mehrere Schulen besuchen und bin dort mit Kolleg:innen und Schüler:innen in Kontakt gekommen. Die Bedeutung von Bildung ist dort sehr präsent zu spüren. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, meine Schule so selbstbewusst und dankbar zu zeigen, wie ich es bei den afrikanischen Kolleg:innen erlebt habe. Beeindruckend waren auch das wache Interesse und die Identifizierung der Schüler:innen mit ihrer Schule und ihre Dankbarkeit den Lehrenden gegenüber. Die Erlebnisse in Tansania haben mir sehr deutlich und vor allem auch nachhaltig vor Augen geführt, wie wichtig und bereichernd mein Beruf  – meine Berufung?! – ist und dass Menschen weltweit an diesem Projekt, die jungen Menschen fit für das Leben zu machen, mitarbeiten. Das trägt!
Dank der sozialen Medien bin ich weiter im Austausch mit den Freund:innen in Tansania und habe gerade von einem dortigen Kollegen einen schönen Satz geschickt bekommen:
„Is my hope, you are in good condition as well as your students, because we are traveling with the same boat.”
Wir sind alle in demselben Boot unterwegs, rund um die Welt, unterschiedlich in Methodik, Didaktik, Ausstattung und Weltanschauung, aber alle mit demselben Ziel, das Leben zu unterstützen.
Gott sei Dank! 

Erdmuthe Lüttig, OblOSB, Cella Sankt Benedikt/Hannover, Oblatin der Abtei Königsmünster, Lehrerin an einem Gymnasium in Hannover

Was gibt mir Hoffnung? 

Ich habe mir vorgenommen, immer wenn ich Nachrichten höre oder lese zu unterscheiden, welche Möglichkeiten des Handelns ich habe. Das heißt für mich, dass ich bei allen negativen Meldungen mich nicht der Resignation hingebe. Was kann ich tun? Wie begegne ich Menschen? Freundlich oder verbittert? Was kann ich gegen die Armut tun? Begegne ich dem Obdachlosen auf Augenhöhe? Helfe ich, im Rahmen meiner Möglichkeiten diese Welt humaner zu gestalten? Bei uns im Kloster gibt es den Spruch: „Lächeln, immer nur lächeln“. Das ist ironisch gemeint. Ich kann nicht immer lächeln. Aber wenn ich einem Säugling oder einem Kind begegne, und diese lächeln mich an, dann gibt mir das Hoffnung. Jeder Mensch hat so viel Potenzial in sich. Ich kann so viel Gutes bewirken.  

Was gibt mir Hoffnung? 

Ich versuche die Dinge in Relation zu setzen: 20 %, die AfD gewählt haben, heißt auch, dass 80 % demokratische Parteien gewählt haben.
Es gibt viel Armut in der Welt, aber auch Sternsingeraktionen, die unglaublich viel Spenden sammeln.
Ja, es gibt Fremdenfeindlichkeit, aber auch unglaublich viele ehrenamtliche Initiativen der Flüchtlingshilfe.
Es gibt Leiden und Tod – und es gibt die Hospizarbeit und so viele Menschen, die in der Pflege oder Medizin arbeiten. 

Was gibt mir Hoffnung? 

Aus meiner religiösen Sichtweise gibt mir Hoffnung, dass wir der endgültigen Vollendung entgegengehen. Das heißt für mich, alles, was Unheil ist, wird in der Ewigkeit geheilt sein. Alles, was heute an Unrecht geschieht, wird von Gott ins Recht gesetzt. Dieser Glaube gibt mir schon heute Kraft und Zuversicht. Ich bin nicht blauäugig oder laufe mit einer rosaroten Brille durch die Gegend. Aber der Glaube an das Gute, das in jedem Menschen zu Hause ist, der Glaube, selbst an der Welt mitgestalten zu können, der Glaube, dass alles Leben der Vollendung entgegengeht, verschafft mir Hoffnung. 

Br. Benjamin Altemeier OSB, Leiter des Gastbereichs der Abtei Königsmünster