Die Kirche gedenkt heute der hl. Barbara, einer frühchristlichen Märtyrerin. Der Legende nach wurde sie von ihrem Vater in einen Turm gesperrt und im Jahr 306 als Christin im Römischen Reich hingerichtet. Die hl. Barbara gehört zu den 14 Nothelfern und ist die Patronin der Bergleute. Es ist ein schöner Brauch, an ihrem Gedenktag Zweige von Obstbäumen ins Wasser zu stellen. Wenn alles gut geht, blühen sie an Weihnachten auf.

Barbara
mutige Frau
die für ihren Glauben einstand
die bereit war
bis in den Tod zu gehen
für ihren Glauben an eine bessere Welt

Barbara
Patronin der Hoffnung
die Zweige
die erst tot und verdorrt scheinen
sie blühen auf
an Weihnachten
dem Fest unserer Hoffnung

Am 3. Dezember gedenkt die Kirche des großen Jesuitenmissionars Franz Xaver. Er wurde 1506 auf Schloss Javier bei Sangüesa (Navarra) in Spanien geboren und schloss sich in Paris der Gruppe um Ignatius von Loyola an. Als Missionar wirkte er in Indien, Sri Lanka, Malacca und Japan. Er gilt als Apostel Indiens und Japans und gilt als unermüdlicher Verkünder der Frohen Botschaft Jesu Christi. Am 3. Dezember 1552 starb er auf einer Reise nach China. Sein Leben und Wirken ist für uns Missionsbenediktiner ein Vorbild in unsererem Bestreben, allen Menschen die Liebe Gottes zu verkünden. Eine asiatische Weisheit bringt sehr schön die Haltung eines echten Missionars zum Ausdruck:

Wenn wir
einem anderen Volk
einer anderen Kultur
einer anderen Religion
begegnen
ist es unsere erste Aufgabe
unsere Schuhe auszuziehen
denn der Ort
den wir da betreten
ist heiliger Boden

Sonst könnte es sein
dass wir
die Liebe
den Glauben
die Hoffnung
eines anderen zertreten
oder was noch viel schlimmer wäre
vergessen
dass Gott schon vor unserer Ankunft dort war

von P. Maurus Runge OSB

Die Adventszeit ist für viele Menschen die wohl schönste Zeit im Jahr. Die unterschiedlichen Bräuche und Düfte, Lieder und Gesänge wecken Erinnerungen an Kindheitstage und rufen eine unbestimmte Sehnsucht in uns wach.

Eines der Lieder, das mich am meisten berührt, ist das Lied „Die Nacht ist vorgedrungen“ (GL 220) mit seinen gegensätzlichen Bildern von Dunkelheit und Licht, Nacht und Tag, Schuld und Erlösung. Für mich ist es ein Hoffnungslied, das davon singt, dass die Nacht schon „vorgedrungen“, also am Ende ihres Laufes angekommen ist und dass schon der helle Morgenstern naht, in der Tradition auch ein Sinnbild für Jesus Christus. Es passt gut in dieses zu Ende gehende Jahr der Hoffnung – und es passt in eine Zeit, die oft jede Hoffnung verloren zu haben glaubt.

Das Lied ist in einer der dunkelsten Zeiten unserer deutschen Geschichte entstanden. Der evangelische Theologe Jochen Klepper hat es 1938 geschrieben, in der Zeit, in der die menschenverachtende Ideologie des Nationalsozialismus unser Land vergiftete. Eine Zeit der Hoffnungslosigkeit und tiefsten Verzweiflung, der dunkelsten Nacht. Auch ganz existentiell für Jochen Klepper selbst, der seit 1931 mit der Jüdin Johanna Stein verheiratet war, die aus erster Ehe zwei Töchter hatte. Nicht nur seine Familie missbilligte diese Verbindung, auch das NS-Regime machte es den beiden immer schwerer. So wurde Jochen Klepper 1941 wegen der Ehe mit einer „nichtarischen“ Frau als „wehrunwürdig“ aus der Wehrmacht entlassen. Eine Ausreise ins rettende Ausland scheiterte, die Deportation stand unmittelbar bevor, und so wusste die junge Familie keinen Ausweg, als sich in der Nacht vom 11. auf den 12. Dezember 1942 mitten in der Adventszeit das Leben zu nehmen.

Die letzte Eintragung im Tagebuch Kleppers lautete: „Nachmittags die Verhandlung auf dem Sicherheitsdienst. Wir sterben nun – ach, auch das steht bei Gott – Wir gehen heute nacht gemeinsam in den Tod. Über uns steht in den letzten Stunden das Bild des Segnenden Christus, der um uns ringt. In dessen Anblick endet unser Leben.“

Eine Geschichte, ein persönliches Drama der Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung. Und dennoch hat Klepper den Glauben an den segnenden Christus auch in dunkelster Zeit nie verloren. Das Lied „Die Nacht ist vorgedrungen“ gibt eindrucksvoll Zeugnis davon.

„Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein. Der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein.“ Wir können uns wohl nur schwer vorstellen, unter welcher inneren Not Klepper diese Zeilen geschrieben hat. Glauben und Halt hat Klepper in dem gefunden, dessen Ankunft so ganz anders daherkommt als die der NS-Schergen und Folterknechte: „Dem alle Engel dienen, wird nun ein Kind und Knecht. … Er soll errettet werden, wenn er dem Kinde glaubt.“ Der Retter der Welt erscheint als wehrloses Kind. Er wird geboren in einem ärmlichen Stall im Übergang von der Nacht zum Tag, dann, wenn die Nacht schon im Schwinden ist. Dort ist das Heil zu finden, das Licht in der Dunkelheit, die Hoffnung in der Verzweiflung.

„Noch manche Nacht wird fallen auf Menschenleid und -schuld.“ Es ist, als hätte Klepper mit diesen Zeilen schon in die Zukunft gesehen, auch in unsere Zeit, auf die Nächte des Menschenleids in der Ukraine, im Heiligen Land, im Sudan und an so vielen anderen Orten auf dieser Welt, auch auf die Nächte der Menschenschuld im Großen und im Kleinen. Wie ein Schrei der Hoffnung inmitten der Hoffnungslosigkeit erklingen dann die nächsten Zeilen: „Doch wandert nun mit allen der Stern der Gotteshuld. Beglänzt von seinem Lichte hält euch kein Dunkel mehr; von Gottes Angesichte kam euch die Rettung her.“

Wir erwarten auch in diesem Advent einen Gott, der nicht zu den strahlenden Siegertypen gehört, einen Gott, der „im Dunkel wohnen“ will und dieses Dunkel erhellen will, weil er selbst alle Dunkelheit, Nacht und Schuld dieser Welt ausgelitten hat. Gott ist hinabgestiegen an den tiefsten Punkt unserer Existenz. Sein Licht erreicht auch noch diesen Nullpunkt. Während der Adventszeit wird Woche für Woche dieser Punkt heller.

Der, der uns einmal richten wird, ist derselbe, der als Kind in der Krippe lag und als Verbrecher am Kreuz hingerichtet wurde. Das ist unsere tiefste Hoffnung mitten im Dunkel unserer Zeit, mitten in unserer ganz persönlichen Nacht.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie in dieser Adventszeit die Erfahrung machen, dass auch in der Dunkelheit Ihres Herzens Gott wohnt und es mit dem Stern seiner Gottesliebe erhellt.

Predigt von P. Abraham Fischer OSB im Konventamt am Ersten Adventssonntag 2025

Das Evangelium spricht nicht gerade von einer gemütlichen Adventsstimmung, sondern von der Wiederkehr des Christus. Da es in der Ewigkeit kein Vorher und kein Nachher mehr gibt, fällt dieser Tag in eins mit unserem persönlichen Sterben. Alle Zeitlinien vereinen sich sozusagen in einem Punkt. Das Evangelium kann daher beunruhigen, vielleicht sogar aufwecken aus dem Schlaf der Sicherheit. Worauf warten wir Menschen? Was könnte unser Lebensadvent sein?
Ich möchte mir mit Ihnen heute Gedanken zum Thema Warten machen:

Advent einmal anders:

Über das bange Warten. Auf die Diagnose nach einer Untersuchung zu warten, kann das Herz einschnüren. Wir kennen alle den Satz, dass die Hoffnung zuletzt stürbe. Aber unsere Gefühle und Gedanken sind vorher tausend Tode gestorben. Und wir sind erlöst, wenn das Warten endlich ein Ende hat und wir „Gewissheit“ haben, wie es um uns steht.
Alle, die einen Menschen lieben und um ihn bangen, wissen, wie schwer das Herz wiegen kann und wie lang Nächte werden. Eltern, die auf die aushäusigen Kinder warten. Der Schwerkranke, der auf den Morgen wartet, an dem endlich wieder etwas geschieht. Das Besondere an diesen Wartesituationen ist, dass wir nicht wissen, wann der Zeitpunkt des Eintreffens ist. Wir fühlen uns haltlos und beginnen so etwas wie Ersatzhandlungen, nesteln am Taschentuch herum, drehen Däumchen, gehen wie der Tiger im Käfig auf und ab. Letztendlich sind wir auf uns selbst fixiert, fressen das Leid einsam in uns hinein, bis es uns auffrisst.
Wie schön ist es, wenn uns in diesem bangen Warten etwas ablenkt. Was für ein Segen ist der Mensch an meiner Seite, der da ist und mich und meine Angst aushält. Meist mehr ohne Worte, ohne Ratschläge oder Besänftigung. Das ist der stärkste Dienst aneinander. Sich daneben setzen, Sprachlosigkeit teilen und die Unruhe aushalten.
Früher und auch heute noch beten manche Menschen in durchwachten Nächten. Man kann das belächeln. Vielen aber hat das schon Halt gegeben, wenn die Gebetsschnur durch die Finger gleitet und die Worte mechanisch durch die Seele fließen. Die kleinen Holzperlen an der Kette geben Halt und sie zeigen, dass die Zeit vergeht, und die sich wiederholenden Texte holen das andere ins Bewusstsein. Wir atmen regelmäßiger und die Seele beruhigt sich.
Und dann wäre da noch ein Warten, das wir gar nicht als solches empfinden: Vielleicht deshalb, weil wir dieses Warten „Leben“ nennen.

Das Warten auf den Tod.  Ja – sie haben richtig gehört: das Warten auf den Tod. Wann immer ein Menschenkind geboren wird, ist eines gewiss: Dass dieses Leben nicht bleiben wird. Entwicklung kann nur geschehen, wenn es Abschied gibt. Das wissen wir geistig schon immer – auch wenn wir das gerne nicht wahrhaben wollen.
Die Regel des heiligen Benedikt formuliert dieses letzte Warten dramatisch: Den drohenden Tod sollen die Menschen sich täglich vor Augen halten. Da kann man Angst bekommen. Manche Menschen gehen in die Lebensangst. Sie trauen sich nicht zu leben, weil es ja eh alles endlich ist.
Es wäre aber auch möglich, diese Bewertung umzudrehen. Gerade wenn etwas endlich ist, wird es kostbar. Manche Menschen können nur arbeiten, wenn sie einen Termin vor sich sehen. Im Englischen nennt man das „Deadline“. Was für ein treffender Begriff. Dahinter steht die Erkenntnis, dass man nicht rückwärts leben kann. Wir wünschen uns das: einmal wieder von vorne anfangen und dann alles vermeintlich besser zu gestalten. Das ist eine Illusion. Wir haben nur den Augenblick, in dem wir wirklich handlungsfähig sind. Das scheint wenig zu sein. Unsere Vergangenheit ist unveränderbar und unsere Zukunft ist unabsehbar. Uns bleibt: Aus der Vergangenheit zu lernen: Das Gute wertschätzen und bewahren, das Vertane in Versöhnung ändern. Achtsam unsere Zukunft zu sein. Im Jetzt gute und nachhaltige Entscheidungen zu treffen.
Die Angst vor dem Ende, dem Tod ist uns eingeschrieben. Sie löst sich nicht, wenn wir flüchten. Vielmehr wäre es eine Möglichkeit, das Zeitliche wirklich zu segnen. Also in innerer Versöhnung den Weg zu gehen … bis zu seinem Ende.

Deshalb zum Schluss meiner Überlegungen:

Warten auf Erlösung

Menschen in der Mitte des Lebens stellen sich die Frage, was denn da noch kommen kann. Wir finden uns in einem Lebensnetz wieder, in dem die meisten Verbindungen allzu fest verknüpft sind. Lebensnetze halten, aber sie können auch einengen.
Alles ist relativ – alles ist bezogen und verbunden. Es gibt kein Entrinnen, wir sind immer gesehen. Eine Vorstellung, die eher verunsichert. Aber: wir sind auch geborgen in allem, was ist.
Es stellt sich dann auch die Frage, ob wir es wagen, aus dem „Bestehenden“ auszusteigen und uns in eine andere Dimension vorzuwagen. Menschen, die glauben, gelten als widerstandsfähiger. Sie können Lebenskrisen besser bestehen, weil sie ihre
Seele verankert haben. Weltliche Lebensversicherungen sind immer endlich und begrenzt. Der Ausstieg aus dem vermeintlich „Wirklichen“ hin zu einem größeren Netzwerk kann das Leben erleichtern.
Erlösung ist das Loslassen auf etwas Größeres hin. Es ist eine lebenslange Übung. Viele kleine Schritte und Übungen reichern das Vertrauen an, dass hinter allem etwas wartet, auf das hin wir loslassen dürfen. Menschsein ist dann nicht Zufall, sondern Gewolltsein. Wer sich das im wahrsten Sinn des Wortes „erlebt“, der gestaltet sein Leben als Wartender. Dabei ist das Ziel des Lebens nicht etwa ein immer enger werdender Tunnel, sondern die Erfahrung von Größe und einer Weite, die das begrenzte materielle Dasein nicht leisten kann. Leben ist Übung. Warten in seinen verschiedenen Dimensionen ist keine Zeitverschwendung, sondern Übung, ins Wesentliche zu kommen.

Warten ist Leben. Wie kann es werden? Warten wir‘s ab!

 

An einem Morgen im April 

An in einem Morgen in April
Kurz bevor die Nacht verschwand
Nahmst du Abschied hier ganz still
Etwas ging zu Ende und was Neues begann 

In ihrem Lied „An einem Morgen im April“ singt die Band Rosenstolz von einem Abschied, einem Verlust. Da ist jemand gegangen, ganz still. Oder etwas ist zu Ende gegangen. Das Neue, von dem hier die Rede ist, es ist gefühlsmäßig nicht zu begreifen. Erst einmal ist alles aus. Karsamstagsstimmung. 

Ich lag ganz tief in meinen Träumen
Und war wieder ganz ein Kind
Es hat sich alles so geändert
In dem Moment als du gingst 

Ja, alles hat sich geändert mit dem gestrigen Tag. Jesus ist tot. Der, auf den wir all unsere Hoffnung gesetzt haben, er ist schändlich hingerichtet worden, gekreuzigt wie ein Verbrecher. Alles hat sich geändert. Da ist nur noch Leere, Einsamkeit, Verzweiflung. 

Und draußen ist Frühling
Dabei müsst es doch schneien
Überall hör ich Lachen
Warum kann ich nicht weinen? 

Das Leben um mich herum geht weiter, als wäre nichts geschehen. Es ist Frühling, die Natur bricht auf und erstrahlt in wunderbaren Farben, Kinder lachen. Und ich kann noch nicht einmal weinen. Das wäre wenigstens befreiend, reinigend. Aber selbst die Tränen sind versiegt. 

Du bleibst für immer doch mein Engel
Ganz egal was du auch machst
Höre ich dich leise flüstern
Und ich seh‘ noch wie du lachst 

Ein Hoffnungsschimmer bleibt. In meinen Erinnerungen lebst du weiter. Ich erinnere mich an deine Stimme, an deine Zärtlichkeit, daran, wie du mit uns durch Galiläa gingst. Ja, du bleibst mein Engel. Mein Beschützer, der an meiner Seite ist.  

Leise zieht eine Hoffnung herauf. Wird sie zum Durchbruch kommen? 

P. Maurus Runge OSB, Missionsprokurator und Öffentlichkeitsreferent der Abtei Königsmünster

Mit diesem Impuls endet unsere Hoffnungsreihe durch die Fastenzeit. Wir wünschen Ihnen eine gesegnete Feier der Osternacht und licht- und hoffnungsvolle österliche Tage!

 

Kreuz und Krone 

Das traditionell christliche Symbol von Kreuz und Krone (Kreuz inmitten einer Krone) fand in vielen Kirche eine Verwendung. In unserem Kloster ist es auf dem Dach des Kloster-Altbaus, wo wir Mönche wohnen, zu sehen. Es verweist bei uns auf den Namen des Klosters: Königsmünster – Christus als König. Symbolisch stellt es die Belohnung im Himmel (die Krone) dar, nachdem die Versuchungen in diesem Leben (das Kreuz) überwunden wurden. In Johann Sebastian Bachs Kantate „Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen“ (BWV 12) beginnt die Arie Nr. 4 mit den Worten: „Kreuz und Krone sind verbunden“. Sie formuliert im Mittelteil der Da-capo-Arie die Worte: „Christen haben alle Stunden ihre Qual“ und weist damit im Sinne von Jakobus 1,12 auf den Zusammenhang zwischen dem Leiden der Christen in der Welt (Kreuz) und der Verheißung ewiger Geborgenheit (Himmel) hin. 

An Karfreitag gedenkt die Christenheit des Todes Jesu am Kreuz. Mit seinem Tod am Kreuz durchkreuzt Jesus alle von Menschenhand so schönen Gottesbilder. Jesus durchkreuzt das Ideal, dass Religion nichts mit dem Leiden zu tun habe, sondern nur etwas Angenehmes für die eigene Befindlichkeit sei, denn die Welt sei ja schon hart genug. Aber an Jesu Tod ist nichts Angenehmes. Sein gewaltsamer Tod bewirkte Spott und Verachtung – sogar noch heute. Aus seinem Todesschrei am Kreuz durchdringt der Klang des Schmerzes der ganzen Welt in den Kosmos hinein. Jesus am Kreuz, das drückt tiefste menschliche Verlassenheit aus. Das wäre traurig, wenn dies die einzige Botschaft von Karfreitag wäre. Aber gleich einer innerlichen Revolution trifft der theologische Gedanke vom Kreuz mitten in unser Herz: Nicht der Mensch ist es, der zu Gott geht, um ihn durch Opfer, Buße und Sühne zu besänftigen, sondern Gott in Christus selbst kommt zum Menschen, um ihn mit sich zu versöhnen. Christus ist unser Friede und unsere Versöhnung. So wird das Kreuz ein Zeichen der Liebe Gottes: Gottes Liebe ist eine Liebe, die ganz weit geht: Gottes Liebe gibt sich ganz und gar hin. Gottes Liebe zu uns ist radikal.  Seine Liebe schenkt uns Hoffnung über den Tod hinaus. Und hier kommt die Krone als zweites Symbol ins Spiel. 

Denn Jesus wurde mit einer Dornenkrone gekrönt. Und ein Schild war am Kreuz mit den Worten angebracht: INRI – Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum – Jesus von Nazareth König der Juden. Es geht aber um eine andere Krone: Die Krone des ewigen Königs Christus. Denn: Am Ende der Zeit wird derselbe Jesus, der als Kind in der Krippe in die Welt gekommen ist und der durch Kreuz und Auferstehung das Erlösungswerk vollbracht hat, als König – symbolisiert durch die Krone – wiederkommen, um uns heimzuholen. Dann wird er uns die Krone des ewigen Lebens aufsetzen. Die Krone des ewigen Lebens, die Gottes Liebe schon innerlich in uns gelegt hat, strahlt durch das Kreuz des Karfreitags schon jetzt in unserem Herzen hoffnungsvoll auf. 

Br. Benedikt Müller OSB, Referent im Gastbereich der Abtei Königsmünster

Liebe ist alles 

Vor einem Monat ist ganz überraschend die Sängerin AnNA R. gestorben. Als Sängerin der Band „Rosenstolz“ hat sie die Sehnsüchte vieler Menschen, ihre Hoffnungen und Enttäuschungen, ihre Liebe und ihren Schmerz, ins Wort gebracht. Eines ihrer Lieder trägt den Titel „Liebe ist alles“ und könnte als Leitmotiv über dem heutigen Gründonnerstag stehen. 

Hast du nur ein Wort zu sagen
Nur ein‘ Gedanken dann
Lass es Liebe sein
Kannst du mir ein Bild beschreiben
Mit deinen Farben dann
Lass es Liebe sein 

An diesem Gründonnerstag geht es um Liebe – eine Liebe, die sich nicht in vielen Worten ausdrückt, sondern in Bildern, Gesten, Szenen. Exemplarisch stehen dafür das Letzte Abendmahl und die Fußwaschung, die Jesus an seinen Jüngern vornimmt, ein letzter Liebesdienst vor seinem Tod. Abendmahl und Fußwaschung sind sozusagen das Liebesvermächtnis Jesu an uns. 

Wann du gehst
Wieder gehst
Schau mir noch mal ins Gesicht
Sag’s mir oder sag es nicht
Dreh dich bitte nochmal um
Und ich seh’s in deinem Blick
Lass es Liebe sein 

Bei diesen Zeilen denke ich an die Begegnung Jesu mit Petrus, kurz nachdem dieser ihn dreimal verleugnet hat. Jesus dreht sich um und sieht Petrus an. Ich stelle mir diesen Blick als einen Blick der Liebe vor, der enttäuschten Liebe, aber auch einer Liebe, die den anderen auch im Versagen nicht aufgibt. Jesus gibt mich nicht auf, auch wenn ich ihn im Alltag immer wieder verleugne, verrate, vergesse. Er sieht mich an mit dem Blick seiner Liebe. Das gibt mir Hoffnung. 

Liebe ist alles
Alles, was wir brauchen
Lass es Liebe sein
Das ist alles, was wir brauchen
Noch viel mehr als große Worte
Lass das alles hinter dir
Fang nochmal von vorne an
Liebe ist alles 

Ja, Liebe ist alles. Das ist die Botschaft dieses Gründonnerstags. Mögen wir sie an uns heranlassen in diesen österlichen Tagen. 

P. Maurus Runge OSB, Missionsprokurator und Öffentlichkeitsreferent der Abtei Königsmünster

Das stärkste Kind der Welt

Schon am Flur kam uns der Vater entgegen, als hätte er uns erwartet. „Kommt ihr auch zu meinem Sohn Mehmet? Wir würden uns sehr freuen.“
Klar hatten wir vor auch Mehmet zu besuchen. Sein Zimmer war das nächste Ziel auf unserer Reise. Ich, Leofino, hatte mir mit Hilfe von meiner bezaubernden Assistentin Mimi Rizzi fest vorgenommen heute im Herzzentrum zu beweisen, dass ich der stärkste Mann der Welt bin.
Mehmet saß im Bett. Sein Vater hatte die Rückenlehne in eine aufrechte Position gebracht. Mehmet wirkte müde, wie als hätte er kurz vorher noch geschlafen. Erwartungsvoll beobachtete er unseren Auftritt. Und auch sein Vater ließ aufgeregt seinen Blick zwischen uns und Mehmet wandern.
„Leofino“ – so stellte mich Mimi Rizzi vor – „Wird nun beweisen, dass er der stärkste Mann der Welt ist, indem er diesen Tisch hebt.“
Eigentlich muss man nicht beweisen, dass ich der stärkste Mann der Welt bin, denn das sieht jeder. Aber was man nicht beweisen muss, dass beweist man gerne, weil man es ganz einfach beweisen kann.
Unter den erwartungsvollen Blicken von Mehmet und seinem Vater stellte ich mich nun an den Tisch. Mimi Rizzi zählte bis drei, und dann hob ich den Tisch. Das heißt, ich versuchte es. Ich versuchte es sogar sehr. Mit vollem Körpereinsatz. Mein Rücken krümmte sich mehrmals und dabei gab ich Geräusche von mir, die nicht besonders fein sind. Der Tisch bewegte sich keinen Millimeter. Meine Bemühungen weckte wenig Bewunderung – im Gegenteil – Mehmet lächelte, und sein Vater lachte über mein Missgeschick.
Zum Glück hatte ich Mimi Rizzi an meiner Seite. Sie versuchte die Situation zu retten: „Leofino ist noch nicht ganz aufgewärmt. Er wird nun diesen wirklich schweren Stuhl heben.“ Ich gab Mimi Rizzi mit einem Blick zu verstehen, dass dieser Stuhl unter meiner Würde ist. Aber auch ich wollte diese Situation nun zu einem glücklichen Ende bringen. Was soll ich sagen. Es war nicht mein Tag. Auch der Stuhl blieb trotz meiner Bemühungen fest am Boden. Mehmet hatte inzwischen ein breites Grinsen und sein Vater, der immer noch den Blick zwischen ihm und uns wandern ließ, lachte herzhaft.
„Expander“ brüllte Mimi Rizzi plötzlich, die wieder zu retten versuchte, was kaum noch zu rette war. „Expander“ wiederholte sie noch einmal und ganz nebenbei stellte sie zur Freude von Vater und Sohn den Stuhl mit einer Hand zur Seite.  Mir blieb der Mund offen. Aber zum Erstaunt-sein blieb keine Zeit, denn Mimi Rizzi forderte mich erneut heraus:  „Expander! Das ist die Spezialdisziplin von LeoFinow“.  Und sie holte einen Mundschutz mit zwei Gummibändern links und rechts aus ihrer Tasche. Ein ganz gewöhnlicher Mundschutz, wie er in jedem Krankenhaus zu finden ist. Jedoch man kann ihn durchaus auch zum trainieren als Expander benutzen. Ich biss die Zähne zusammen, fing an zu schwitzen – nur dieser Spezialexpander ließ sich nicht dehnen.
„Soll ich dir zeigen, wie das geht?“ unterbrach meine Anstrengungen eine ganz leiser Stimme. Es war Mehmet, der diesen Vorschlag gemacht hatte. „Klar“ – sagte Mimi Rizzi – „Lassen wir Mehmet den Versuch machen.“ Mehmet´s Vater machte Platz und Mimi Rizzi stellte sich mit dem Mundschutzexpander ans Bett. Mehmet fasste links- und Mimi Rizze rechts das Gummiband. Und zum Erstaunen von mir und zur Freude vom Vater dehnten die beiden den Expander weit auseinander.
Hiermit war bewiesen: Der stärkste Mann der Welt ist Mehmet!
Zu dritt feierten wir nun Mehmets großen Erfolg. Sein Vater hatte Tränen in den Augen vor Freude. Mimi Rizzi und ich verabschiedeten uns. Mit Feierlaune kamen wir zurück auf den Flur. „Wart ihr gerade bei Mehmet?“ Fragte uns eine Ärztin. „Ja“ sagten wir. „Er hat uns gezeigt, dass er der stärkste Mann der Welt ist“. „Das ist gut, dass ihr ihn und seinen Vater zum Lachen gebracht habt. Er war durch die gestrige Herz-OP so geschwächt, dass er letzte Nacht fast verstorben wäre. Jetzt ist das schlimmste überstanden“. Mimi Rizzi und ich schauten uns an. Ja, es bestand nun kein Zweifel mehr: Mehmet war wirklich der stärkste Mann der Welt.

Leopold Altenburg ist ein Ururenkel von Kaiser Franz Joseph I. und Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn. Engagements als Schauspieler führen den in Berlin wohnhaften Kosmopoliten u.a. nach Wien, Salzburg, Bielefeld und Bonn. Er ist Krankenhausclown bei den Roten Nasen International, Regisseur verschiedener Theaterstücke und begibt sich in Dokumentationen auf die Spuren des Kaiserreiches und die Wurzeln seiner Herkunft.

„Halt an, wo läufst du hin“? 

Zeit zum Innehalten, mir geschenkte Zeit die Fastenzeit?! Zeit des Innehaltens und achtsam werden für mich Selbst.  

Drei Perlen der Achtsamkeit: 

  • Raum des Bewusstseins schaffen:
    Hier geht es um das kleine Wort „wie“- Wie spüre ich mich selbst in meiner Haut? Wie empfinde ich momentan meine Umwelt? Welche Fragen, Sorgen und Ziele halten mich in Bewegung? Wo und wann bin ich zuhause bei mir?
    Ich bringe ans Licht, was im Dunkel ist = Bewusstsein 
  • Raum der Stille hüten: 
    Bei mir zuhause sein – Einmal am Tag bin ich Gast bei mir Selbst – Hören, was da ist und wie es zu mir spricht. Gedanken, Empfindungen. All mein Tun lassen und nachspüren: wie erlebe ich mich hier und jetzt? Da– ein in meiner Wahrnehmung. Mit allem, was da ist, sich zeigt und zu mir gehört. 
    Ein Buch lesen, welches mich Inspiriert und meine Seele aufatmen lässt. Eine Tasse Tee oder Kaffee bewusst genießen.
    Die kleinen Atempausen zwischen Begegnungen und Gesprächen sich einräumen. 
  • Raum der Begegnung schaffen:
    In Bewegung bleiben – Erlebe die Natur mit deinen Sinnen. Freunde einladen und gemeinsam etwas Gesundes kochen.  
    Menschen aufsuchen, die mir gut tun und mich inspirieren.
    Verzichten, um für das Wesentliche Zeit zu haben. 

Das Wort Religion bedeutet in seinem Wortsinn  “rückgebunden” – es will Bewusstsein schaffen für die Frage: Wie und Wo bin ich „rückgebunden“?  40 Tage der Fastenzeit ist für uns eine geschenkte Zeit des sich Kümmerns um die eigene Seele und wo möglich auch in Gegenseitigkeit um die Seele des anderen. Eine Wegstrecke des Erwachens zu mir Selbst und zueinander. 

Halt an, wo läufst du hin? Der Himmel ist in dir. Suchst du Gott anderswo, du fehlst ihn für und für.“   (Angelus Silesius)

Henryk Megier, Referent im Haus der Stille, Vorstandsmitglied im Freundeskreis Königsmünster

 

„Die schönste Richtung aber war die Himmelsrichtung“. 
Von einer Hoffnungskraft, die zum Handeln führt 

Ein Jahr Erzbischof von Paderborn – neue Menschen, neue Landschaften, neue Städte, neue Orte. Eine Flut von Eindrücken und Erfahrungen! 
Ein Jahr, das sich anfühlte, als säße ich in einem Hochgeschwindigkeitszug und schaute aus dem Fenster. Intensive Momente, schöne Stunden, bewegte Zeiten!   
Und das alles in dieser oft auch schwierigen Situation von Politik, Kirche und Gesellschaft – bei uns und weltweit. Die Kriege, die Katastrophen, das Gezerre der Interessengruppen und Parteien…  „Die Büchse der Pandora ist geöffnet“: Fast täglich türmen sich Krisen auf Krisen, im Alltag und im Weltgeschehen. Es stimmt: Angesichts dessen wäre eine illusionäre Hoffnung im wahrsten Sinn des Wortes lebens-gefährlich.
Was also gibt mir selber Hoffnung?  Als Udo Markus Bentz, als Mensch, als Priester, als Erzbischof…   

Friedrich Nietzsche, der Philosoph, hat einmal gemeint: Hoffnung ist eines der größten aller Übel. Sie verlängert die Qual der Menschen nur unnötig. Hoffnung verweigert sich der Wirklichkeit. Und diese nihilistische Sicht auf Hoffnung teilen wohl gar nicht so wenige Menschen heute. Mir kommt auch Greta Thunbergs wütender Satz in den Sinn: „Ich will eure Hoffnung nicht. … Ich will, dass ihr in Panik geratet … Und dann will ich, dass ihr handelt.“ 

Ist Hoffnung wirklich so ein Beruhigungsmittel, das uns davon abhält, das Heft in die Hand zu nehmen, um die Welt zum Guten zu wenden? 

Ich habe es in diesem ersten Jahr als Erzbischof anders erfahren. Es gibt viel Hoffnung in unserer Ortskirche von Paderborn, wunderbare Hoffnungsorte, großartige Menschen, die, aus ihrem Glauben heraus, Hoffnung und Zuversicht verbreiten. Und die auch mich damit anstecken – und ich sie. Die Gemeinschaft der Benediktiner in Königsmünster gehört auf jeden Fall für mich dazu!  Königsmünster ist für mich so ein Hoffnungsort mit einer ungeheuren Strahlkraft!   

Und dafür steht Königsmünster auch: Echte Hoffnung hat beide Beine fest auf dem Boden der Tatsachen. Hoffnung bedeutet, die Realität anzuerkennen, ohne in Utopien zu flüchten. Utopien sind letztlich menschenverachtend! Eine Utopie ist etwas, das jenseits jeder Realität liegt – etwas Irreales, in das man sich hineinträumen kann und das oft in Terror und Gewalt endet. 
Echte Hoffnung aber geht von dem aus, was ist, und setzt etwas in Bewegung. Wer hofft, gibt sich nicht zufrieden mit dem, was ist. Er oder sie hat eine Vision, wie etwas sein könnte! Und dieser Graben zwischen dem, was ist, und dem, wie es sein könnte, den überwindet die Hoffnung, indem sie zum Handeln motiviert. Ja sogar „verrückte“ Hoffnungen haben darin ihren Sinn. Der Journalist Heribert Prantl meint: „Es gibt Hoffnungen, die scheinen verrückt; aber sie sind es nicht. Diese verrückten Hoffnungen sind nämlich oft gerade diejenigen Hoffnungen, die helfen, nicht verrückt zu werden.“ 

Eine solche „verrückte“ Hoffnung – weil sie die gängigen Maßstäbe verrückt – ist für mich als Christ die Hoffnung von Ostern. Ostern steht jetzt unmittelbar vor der Tür. Die Hoffnung auf den Sieg des Lebens. Darauf, dass Gott alles neu und gut macht.
Tatsächlich eine „verrückte“ Hoffnung, die mir hilft, nicht verrückt zu werden angesichts der Abgründe des Lebens. 
Ohne diese Hoffnung, die alles andere überschreitet, blieben meine kleinen Hoffnungen vorläufig und vage. Oder mit den Worten des Dichters Arnold Stadler: „Die schönste Richtung aber war die Himmelsrichtung… Er fand den Glauben schöner als den Unglauben, der auch nur ein Glaube war. Er fand, dass Ja ein schöneres Wort war als Nein.“ 
Eine Hoffnungskraft, die das Leben bejaht und zum Handeln führt – mich selbst und so viele andere im Erzbistum Paderborn.  

Dr. Udo Markus Bentz, geb. 1967, seit dem 10. März 2024 Erzbischof von Paderborn, 2015-2023 Weihbischof und Generalvikar im Bistum Mainz