Da sagte Johannes: „Meister, wir haben gesehen, wie jemand in deinem Namen Dämonen austrieb, und wir versuchten, ihn daran zu hindern, weil er nicht mit uns zusammen nachfolgt.“ Jesus antwortete ihm: „Hindert ihn nicht! Denn wer nicht gegen euch ist, der ist für euch.“ (Lk 9,49-50; ökumenischer Bibelleseplan für die Fastenzeit)

Als ich erst recht spät in meinem Leben, nämlich im Alter von 25 Jahren, damit begann, aktiver am Kirchenleben teilzunehmen, war mir gar nicht so bewusst, wie zerstritten die Kirche oft ist. Natürlich kannte ich die (oft auch mit Augenzwinkern vollzogenen und in der Regel eigentlich „ganz netten“) Sticheleien zwischen Protestanten und Katholiken. Aber Schlachtfelder, wie sie sich vor allem in den sozialen Medien – besonders auf katholischen Seiten – auftun, waren mir unbekannt.

In meiner Zeit in Köln lernte ich den Katholizismus in seiner ganzen Bandbreite kennen: ein riesiger Schatz, an den ich mit jener Offenheit, die ich zuvor als Schüler auf Besinnungstagen in der OASE in Königsmünster erfahren durfte, heranzugehen versuchte und wertzuschätzen lernte.

Dabei bemerkte ich nicht selten Anfeindungen zwischen den verschieden ausgeprägten Gemeinden; und ich fragte mich: Wieso eigentlich? Sind wir letzten Endes nicht in ein und derselben Sache auf dem Weg der Gottsuche: im Glauben an Jesus Christus?

Jesus sagt es uns doch ins Gesicht: Keine christliche Gemeinschaft, wie heilig auch immer sie sein mag, könnte je göttliche Vollmacht für sich allein beanspruchen.

Welche Form die richtige für mich persönlich ist, ist dabei keine problematische Frage; im Gegenteil, sie ist zutiefst wichtig für den eigenen spirituellen Weg! Nicht umsonst hat sich Papst Franziskus für eine stärkere Inkulturation der Liturgie und somit im Grunde für eine „höhere Flexibilität“ im römischen Ritus ausgesprochen. Einer der wesentlichen Beiträge des II. Vatikanums bestand ja gerade darin, Normen für die Anpassung an die Formen und Traditionen vorzuschlagen!

Vielleicht wäre das eine Frage, die es sich lohnt mitzunehmen in die Fastenzeit: Wer bin ich eigentlich, dass ich sage, meine Ansichten seien die richtigen und die gewisser Anderer die falschen? Lassen auch wir uns von Jesus sagen: „Hindert [sie] nicht!“

Br. Jonathan von Holst OSB