54 Darauf nahmen sie ihn fest, führten ihn ab und brachten ihn in das Haus des Hohepriesters. Petrus folgte von Weitem. 55 Mitten im Hof hatte man ein Feuer angezündet und Petrus setzte sich zu den Leuten, die dort beieinandersaßen. 56 Eine Magd sah ihn am Feuer sitzen, schaute ihn genau an und sagte: Der war auch mit ihm zusammen. 57 Petrus aber leugnete es und sagte: Frau, ich kenne ihn nicht. 58 Kurz danach sah ihn ein anderer und bemerkte: Du gehörst auch zu ihnen. Petrus aber sagte: Nein, Mensch, ich nicht! 59 Etwa eine Stunde später behauptete wieder einer: Wahrhaftig, der war auch mit ihm zusammen; er ist doch auch ein Galiläer. 60 Petrus aber erwiderte: Mensch, ich weiß nicht, wovon du sprichst. Im gleichen Augenblick, noch während er redete, krähte ein Hahn. 61 Da wandte sich der Herr um und blickte Petrus an. Und Petrus erinnerte sich an das Wort, das der Herr zu ihm gesagt hatte: Ehe heute der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. 62 Und er ging hinaus und weinte bitterlich.
(Lk 22,54-62)

Ach, Petrus.
Wie oft geht es mir im Leben wie dir.
Ich stehe nicht zu dem, was mir wichtig ist.
Ich stehe nicht zu meinem Glauben, meiner Überzeugung.
Manches Mal stehe ich nicht einmal zu mir selbst.

Ist es Angst?
Ist es Unsicherheit?
Ist es Mutlosigkeit?

Würde mir dann doch auch jemand in die Augen blicken.
Nicht mit vorwurfsvollem, sondern mit liebendem Blick.
Mit einem Blick, der in mein Inneres schaut,
meine Liebe sieht und meine Tränen.

Oder würde doch wenigstens ein Hahn krähen,
der mich aufweckt …

P. Guido Hügen OSB