In meinen Kindertagen war am Sonntagnachmittag immer Spaziergehzeit durch Waldecks wunderschöne Wälder. Mit Mama, Papa und den Geschwistern ging es bei Wind und Wetter los. Ich lief oft vorweg und untersuchte etwas am Wegesrand. Toll, dann wurde ich von meinen Geschwistern und Eltern überholt. Ich erinnere mich aber auch, dass es Momente gab, in denen ich trotzig zurückblieb, weil mir der Weg zu weit und zu mühsam war. Ich lief hinterher. Da fühlte ich mich allein und rannte schnell zu meinen Eltern. Und dann wieder vorneweg! Plötzlich bemerkte ich, dass mir jemand mit einem großen Hund entgegenkam. Es dauerte nicht lange, da suchte ich die Nähe der Eltern und nahm schnell Mamas Hand. An Mamas Hand war auch ein großer Hund kein Problem. Hand in Hand mit Mama oder Papa, da fühlte ich mich sicher und geborgen. Wo mich einer bei der Hand nimmt, entsteht Vertrauen. Und das ist eine ganz wichtige Basis für unser Leben. Weil da, wo Vertrauen fehlt, die Herzenskraft zum Leben fehlt. Wenn ich vertrauen kann, dass andere zu mir halten, mich unterstützen, mich nicht hängen lassen: Da kann ich dann auch selbst Mut zum Leben haben. Der Prophet Jesaja nimmt eine solche Ur-Vertrauens-Erfahrung als Bild für die Begleitung von Gott: „Ich bin der HERR, dein Gott, der deine rechte Hand fasst und zu dir spricht: Fürchte dich nicht, ich helfe dir.” Wenn ich weiß, dass Gott mir nahe ist, wächst Vertrauen ins Leben. Und genau dazu will uns der Advent mit seiner besonderen Atmosphäre sensibilisieren: für das Urvertrauen in Gott.

Br. Benedikt Müller OSB