5Und er sprach zu ihnen: Wer unter euch hat einen Freund und ginge zu ihm um Mitternacht und spräche zu ihm: Lieber Freund, leih mir drei Brote; 6denn mein Freund ist zu mir gekommen auf der Reise, und ich habe nichts, was ich ihm vorsetzen kann, 7und der drinnen würde antworten und sprechen: Mach mir keine Unruhe! Die Tür ist schon zugeschlossen und meine Kinder und ich liegen schon zu Bett; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben. 8Ich sage euch: Und wenn er schon nicht aufsteht und ihm etwas gibt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seines unverschämten Drängens aufstehen und ihm geben, so viel er bedarf.

9Und ich sage euch auch: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. 10Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.

11Wo bittet unter euch ein Sohn den Vater um einen Fisch, und der gibt ihm statt des Fisches eine Schlange? 12Oder gibt ihm, wenn er um ein Ei bittet, einen Skorpion? 13Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten! (Lk 11,5-13)

„Bittet!“

Ich darf Gott bitten! Das hört sich zunächst ganz selbstverständlich an. Aber ist es das wirklich? Das große, unfassbare Geheimnis, das wir Gott nennen – und ich kleiner Mensch darf ihn bitten… Ist das nicht ziemlich verwegen?

Schauen wir uns einmal das Bitten näher an! Denn – so einfach ist das gar nicht! Ich darf jemanden (einen Menschen) um etwas bitten! Etwas, was mir in meinem tiefsten Innersten helfen würde – in meinem Leben. Also nicht eine kleine Alltäglichkeit (aber damit fängt es schon an!), sondern etwas Fundamentales. Seien wir ehrlich. Das fällt unsagbar schwer. Denn zuerst einmal stellt sich mir selbst die Frage: Was brauche ich denn? Was ist denn mein innerstes Bedürfnis? Was fehlt mir denn zutiefst in meinem Leben? Und dann muss ich meine Bedürftigkeit noch vor einem anderen Menschen offenbaren, mich offenbaren, öffnen. Ja, ich muss so noch umso mehr zu meiner Bedürftigkeit stehen. Muss zugeben, dass ich in gewisser Weise vom anderen abhängig bin. Ich bin nicht der Fels, der unberührt dasteht und nichts und niemanden braucht. Ganz im Gegenteil!

Das ist genau der Prozess, den Jesus in mir anregen will, wenn er uns zuruft: „Bitte!“ Und dies nicht nur im Hinblick auf einen Menschen an meiner Seite, sondern auf den tragenden Grund unseres Lebens – Gott selbst.

Ich darf vor diesem Gott zu meiner Bedürftigkeit stehen. Ich muss nicht perfekt und fertig sein. Nein – ich bin auf dem Weg und er ist an meiner Seite. Als Hilfe, als Stütze, als…

„Bittet!“ – Haben wir den Mut in dieser Zeit vor Ostern uns auf den Weg zu machen und hinzuschauen. Was fehlt da in mir, dessen ich wirklich bedarf? Was müsste mir von Gott zuwachsen, damit neues Leben wachsen kann? Damit es Ostern wird – auch in mir!

P. Jonas Wiemann OSB