von Br. Benjamin Altemeier OSB

Liebe Schwestern, liebe Brüder,

eben noch in Emmaus begegnet Jesus, der Auferstandene den Jüngern beim Brotbrechen, und sogleich entschwand er ihren Blicken. Jetzt in Jerusalem tritt er in ihre Mitte und sagt ihnen: Friede sei mit euch. Sie aber glaubten, es wäre ein Geist. Und dann die dringende Bitte Jesu, ihn als leibhaftig zu begreifen, ihm sogar Fisch zu essen zu geben. Warum ist das dem Auferstandenen so wichtig?  Jesus geht es nicht darum zu demonstrieren, dass er wirklich auferstanden ist, sondern dass eben der geschichtliche, konkrete Jesus aus Nazareth erstanden ist.

Ich glaube, dass die Kontinuität von Leben, Leiden und Auferstehen seiner Person wichtig ist. Ein Geist ist nicht leidensfähig. Ein Geist trägt keine Wundmale. Ein Geist erscheint und entschwindet und ist eben nicht radikal herabgestiegen aus den Himmeln und geblieben, um zu leben, um zu leiden und um auferweckt zu werden.

Der Auferstandene ist zugleich auch der historische Jesus von Nazareth. Untrennbar. Warum ist das so wichtig? Weil der Auferstandene und in den Himmel hinaufgestiegene und der als Richter wiederkommende Christus auch der historische Jesus von Nazareth ist. Und da ist es noch einmal hilfreich, sich zu erinnern, was diesen historischen Jesus ausmacht. Es ist der, der auf die Aussätzigen zugeht und sie heilt. Es ist der, der uns aufruft zur Feindesliebe und zum Verzicht auf Verurteilung. Es ist der, der uns ermahnt zur wahren Frömmigkeit, die nicht den Splitter im Auge seines Bruders, seiner Schwester sieht, sondern den Balken im eigenen Auge wahrnimmt und so der Selbstgerechtigkeit entflieht. Es ist der, der uns aufruft, Früchte zu bringen. Es ist der, der sich von der Sünderin salben lässt, es ist der, der uns die Angst nehmen möchte in den Stürmen unseres Lebens. Es ist der, der am Sabbat heilt und so die Liebe über das Gesetz stellt und nicht zuletzt der, der dem Verlorenen nachgeht, bis er es findet.

Der Auferstandene ist eben auch der Leidende und damit fähig zum Mitleiden. Daher sind die Wundmale so wichtig – sei es bei Thomas, sei es in der heutigen Perikope.

Und Jesus, der Auferstandene hat Anliegen an die Jünger damals und auch an uns heute. Da ist zuerst das Anliegen: Friede sei mit Euch. Nun, das kennen wir ja aus der Liturgie. Der Friede sei mit Euch. Aber ich muss gestehen, dass ich es manchmal einfach überhöre. Und worin soll dieser Friede bestehen? Was macht einen befriedeten Menschen aus? Ich glaube, dass es der Mensch ist, der eben in der Nachfolge auch des historischen Jesus steht. Der nicht auf Vergeltung aus ist, der nicht der Selbstgerechtigkeit nachgibt, der in der Hoffnung auf die Liebe Gottes die Angst im Leben zurückstellen kann in der Hoffnung auf die eigene Auferstehung.

Das zweite Anliegen ist es, den Jüngern den Sinn der Schrift zu eröffnen. Die Botschaft Jesu ist nicht am Kreuz gestorben und begraben worden, sondern die Botschaft Jesu ist nach seinem Leiden am dritten Tage auferstanden, und so lebt sie bis heute.

Das dritte Anliegen ist die Umkehr. Liebe Schwestern, liebe Brüder, nicht stehenbleiben, sondern sich in Bewegung setzen. Nicht resignieren, sondern ändern, was zu ändern ist. Umkehr ist, bei mir selbst zu beginnen und nicht auf die anderen zu warten. Auf unseren Wegen gibt es Umwege, auch Sackgassen. Das ist alles nicht tragisch. Wir müssen nur umkehren und dann weitergehen. Wir dürfen Jesus auf unseren Wegen nicht aus dem Blick verlieren.

Das letzte Anliegen an die Jünger lautet: Damit ihre Sünden vergeben werden. Wenn wir Jesu Leben, Leiden und Auferstehen in den Blick nehmen, dann werden uns die Sünden vergeben werden. Dann ist unsere Schuld getilgt. Dann können wir sagen:

Die Erlösten des Herrn werden wiederkehren und gen Zion kommen mit Jauchzen, und ewige Freude wird auf ihrem Haupte sein. Diese Verheißung des Jesaja ist mit der Auferstehung Jesu erfüllt. Zugleich aber haben wir nicht einen Hohepriester, der nicht mit unseren Schwächen mitfühlen könnte, sondern der in allem versucht ist in ähnlicher Weise, doch ohne Sünde – so heißt es im Hebräerbrief.

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

Manchmal mutet uns die Zeit viel zu. Manchmal habe ich das Gefühl, es bewegt sich nichts. Nicht einmal in der Natur. Nicht in der Pandemiebekämpfung, nicht in der Kirche, nicht in Gesellschaft und Politik. Was bleibt uns?

Die Hoffnung, dass der Auferstandene, der zugleich gelitten hat, mit uns fühlt und uns auf unseren Wegen begleitet.

Der Glaube, dass alles Leiden und Sterben in die Auferstehung Jesu münden wird.

Die Liebe, die uns Jesus Christus erwiesen hat, durch sein Leiden und seinen Tod, also durch seine Hingabe an uns Menschen, und der daraus folgende Auftrag an uns, einander auch die Liebe zu erweisen. Amen.