Am Sonntag, den 28. April 2024, versammelten sich um 11.00 Uhr 40 Interessierte im Foyer unseres Gästehauses, der OASE, wo eine Ausstellung über Leben und Wirken der hl. Hildegard von Bingen eröffnet wurde. Sr. Philippa Rath aus der Abtei Eibingen, die schon am 27. April das Abteigespräch hielt, gab eine kurze Einführung in Leben und Werk dieser großen Frau und stellte ihre Bedeutung für unsere Zeit heraus. Hildegard von Bingen (1098-1179) war Visionärin und Heilkundige, aber ebenso eine Mahnerin, die in einem regen Briefwechsel mit vielen Persönlichkeiten ihrer Zeit verbunden war und auch vor Kritik an Päpsten und Bischöfen nicht scheute. Papst Benedikt XVI. ernannte sie 2012 zur Kirchenlehrerin.

Die Ausstellung ist bis zum 30. Juni im Eingangsbereich der OASE zu sehen. Begleitend zur Ausstellung laden wir zu folgenden Veranstaltungen ein: Am 4. Juni wird die Heilpraktikerin Ulla Stienen zum Thema „Heilkunde nach Hildegard von Bingen“ sprechen, am 11. Juni die Ernährungsberaterin Christina Andree zum Thema „Küche nach Hildegard von Bingen“. Am 18. und 25. Juni wird Frau Andree im AbteiForum zwei praktische Einführungen anbieten. Zu diesen vier Veranstaltungen, die alle um 19.00 Uhr beginnen, bitten wir um eine Anmeldung im Gastbüro (Tel. 0291/2995210, ). Dort erhalten Sie auch weitere Informationen.

Fotos: Brigitte Frings

Sr. Philippa Rath eröffnet die Ausstellung

Vielen ist Sr. Philippa Rath OSB aus der Benediktinerinnenabtei Eibingen bekannt als Delegierte des Synodalen Wegs, Vorkämpferin für Geschlechtergerechtigkeit in der Kirche und Autorin zweier Bücher: „Weil Gott es so will – Frauen erzählen von ihrer Berufung zur Diakonin und Priesterin“ und „Frauen ins Amt – Männer der Kirche solidarisieren sich“. In der Reihe der Abteigespräche war sie am Samstag, den 27. April 2024, im AbteiForum zu Gast und erzählte vor vielen interessierten Zuhörerinnen und Zuhörern von der Entstehungsgeschichte ihrer Bücher und gab dabei interessante Einblicke in den Synodalen Weg.

Sr. Philippa outete sich dabei als „spätberufene Aktivistin“ für Reformen in der Kirche. Vor zehn Jahren übernahm sie in ihrem Kloster die Aufgabe, Menschen in Exerzitien zu begleiten. Dabei sprach sie immer wieder mit Frauen, deren Berufung zum priesterlichen oder diakonalen Dienst nicht anerkannt wurde. Als sie dann auf der ersten Vollversammlung des Synodalen Weges der Kirche in Deutschland mit zwei Bischöfen darüber ins Gespräch kam, meinten diese, es gebe kaum solche Berufungen. So sprach Sr. Philippa einige Frauen an und bat sie, ein kurzes Zeugnis über ihre Berufung zu verfassen. Zunächst sollte es bei zwölf Zeugnissen bleiben. Doch die Sache verbreitete sich und entfaltete eine gewisse Eigendynamik, sodass in kürzester Zeit 150 Frauen von ihrem Weg erzählten. Daraus ist dann das erste Buch „Weil Gott es so will“ entstanden – der Titel ist dem Zeugnis einer Autorin entnommen. Von den vielen Reaktionen auf dieses Buch, so Sr. Philippa, sei die überwältigende Mehrzahl positiv gewesen, ganze zwei negativ. Da sich auch viele Männer solidarisch äußerten, sei die Idee zum zweiten Buch entstanden. Sr. Philippa las einige Auszüge aus beiden Büchern vor und erzählte von vielen Gesprächen, die sie mit anderen Teilnehmenden auf dem Synodalen Weg führte, und sie berichtete von der Entstehung des Grundsatztextes „Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche“, an dem sie mitgearbeitet hat und der mit großer Mehrheit von der Vollversammlung verabschiedet wurde.

Bei allen schwierigen Themen und dem oft mühsamen Ringen um Reformen in der Kirche war spürbar, dass Sr. Philippa ihre Hoffnung nicht verloren hat. So endete sie mit dem Ausblick, dass schon bald der Weg für Diakoninnen frei sein werde – und auch wenn der Weg zur Öffnung der Priesterweihe für Frauen länger dauern könnte, war sie überzeugt, dass sie noch zu ihren Lebzeiten Priesterinnen erleben werde. An die Ausführungen von Sr. Philippa schloss sich eine lebendige Diskussion an.

Wir danken Sr. Philippa für einen inspirierenden Abend und wünschen ihr Gottes Segen bei ihren Bemühungen!

Sr. Philippa Rath OSB

„Man achte darauf, ob der Novize wirklich Gott sucht, ob er Eifer hat für den Gottesdienst, ob er bereit ist zu gehorchen und ob er fähig ist, Widerwärtiges zu ertragen.“ Mit diesen Worten stellt der hl. Benedikt die Kriterien dafür auf, ob jemand für ein Leben in einer klösterlichen Gemeinschaft geeignet ist. P. Prior Klaus-Ludger las diese Worte am Freitag, den 26. April 2024, im Rahmen einer kleinen Feier im Kapitelsaal vor, bei der Bruder Ismael Schumacher wieder in unsere Gemeinschaft aufgenommen wurde und mit dem Habit, dem Ordensgewand der Mönche, bekleidet wurde. Wiederaufgenommen ist das richtige Wort, denn in der Vergangenheit hat Bruder Ismael schon zweimal zu unserer Gemeinschaft gehört, sie aber nach dem Auslaufen der zeitlichen Gelübde wieder verlassen. In der Zwischenzeit lebte er in Berlin, wo er seinen Lebensunterhalt als Finanzbuchhalter verdiente. Die Sehnsucht nach einem benediktinischen Leben ist geblieben, sodass er nach reiflicher Überlegung nun wieder den Schritt in unsere Gemeinschaft gewagt hat.

Abt Cosmas deutete in seiner Ansprache die Dynamik des Suchens als doppelte Bewegung: nicht nur der Mensch suche Gott, sondern auch Gott habe Sehnsucht nach dem Menschen. Diese Gottsuche zeige sich für den hl. Benedikt im Eifer für den Gottesdienst, das „opus Dei“, worunter nicht nur die Liturgie, sondern das ganze Leben im Blick Gottes gemeint sei, im Gehorsam, d.h., in einer offenen Haltung des Hörens – dafür stehe der Name „Ismael“ –  und in „Widerwärtigkeiten“, womit die Widerstände und Schwierigkeiten im alltäglichen Leben gemeint seien.

Schließlich bekleideten Abt Cosmas und P. Prior Klaus-Ludger Br. Ismael mit dem Mönchsgewand und tauschten mit ihm den Friedensgruß aus. Bruder Ismael wird nun in einer einjährigen Probezeit seine Berufung weiter klären und unseren Alltag teilen. Zunächst wird er in der Klosterverwaltung arbeiten, eine Arbeit, die ihm aus den letzten Jahren nicht fremd ist. Wir wünschen Bruder Ismael eine gute Zeit des (Wieder-)Ankommens bei uns!

Br. Ismael wird mit dem Mönchsgewand bekleidet.

Am Sonntag, 28. April, um 11.00 Uhr laden wir zu einer Ausstellungseröffnung im Foyer der OASE ein. Sr. Philippa Rath OSB, die einen Tag zuvor das Abteigespräch gestaltet hat, wird eine Ausstellung über Leben und Wirken der Kirchenlehrerin Hildegard von Bingen eröffnen.Diese prophetische Frau hat auch uns heute noch einiges zu sagen.

Begleitet dazu laden wir zu zwei Vorträgen ein: Am 4. Juni wird die Heilpraktikerin Ulla Stienen zum Thema „Heilkunde nach Hildegard von Bingen“ sprechen, am 11. Juni die Ernährungsberaterin und Gesundheitscoach Christina Andree zum Thema „Küche nach Hildegard von Bingen“. Am 18. und 25. Juni wird Frau Andree im AbteiForum zwei praktische Einführungen anbieten. Zu diesen vier Veranstaltungen, die alle um 19.00 Uhr beginnen, bitten wir um eine Anmeldung im Gastbüro (Tel. 0291/2995210; Email: ).

 

Am Samstag, den 20. April 2024, hatten wir Besuch aus der Ukraine: der griechisch-katholische Erzbischof der Erzdiözese Ivano-Frankivsk, Dr. Volodymyr Vijtyschyn, befindet sich mit seinem Bischofsvikar auf Deutschlandreise, um hier einige Diözesen und Partnergemeinden zu besuchen. Eine Zwischenstation war auch unser Kloster, und trotz seines vollen Terminkalenders nahm sich der Erzbischof Zeit für uns, um uns von der Situation in der Ukraine und seiner Diözese zu berichten.

Die Stadt Ivano-Frankivsk, die im Jahr 1662 gegründet wurde, liegt im Westen der Ukraine. Sie liegt zwar nicht an der Front und ist daher von unmittelbaren Angriffen verschont, aber doch vom russischen Angriffskrieg betroffen: viele Männer sind als Soldaten an der Front im Osten, und viele Menschen haben als Binnenflüchtlinge Zuflucht dort gefunden. Die Erzdiözese hat Gemeinderäume als Unterkunft zur Verfügung gestellt. Viele soziale Projekte, wie Schulen und Krankenhäuser, unterstützen die Menschen. „Im Krieg gibt es keine Atheisten“, erzählt Erzbischof Volodymyr, gerade die Soldaten an der Front fragen nach Rosenkränzen und Kreuzen, die ihnen Halt geben und Trost spenden. Auch Militärseelsorger leisten ihren Dienst. Gerade in diesen Zeiten sei es die Aufgabe der  Kirche, den Menschen Trost und Halt zu geben. Was ihm Hoffnung mache, sei die große Unterstützung vieler Menschen, besonders auch in Deutschland, die die Ukraine in vielerlei Hinsicht nicht vergessen. Er bittet uns um unser Gebet für die Menschen in der Ukraine und versichert uns seines Gebetes.

 

Aus der Erzabtei St. Ottilien erreichte uns heute morgen die Nachricht, dass Abt Notker Wolf OSB während seiner Rückreise von Italien überraschend verstorben ist. Geboren am 21. Juni 1940 in Grönenbach, legte er am 17. September 1962 seine Profess in St. Ottilien ab. Mit erst 37 Jahren wurde er 1977 zum Erzabt seines Klosters und Abtpräses der Kongregation der Missionsbenediktiner gewählt. Dieses Amt bekleidete er bis ins Jahr 2000; von 2000 bis 2016 war er als Abtprimas der oberste Repräsentant aller Benediktiner weltweit.
Auch unser Kloster, das zur weltweiten Familie der Missionsbenediktiner gehört, besuchte Abt Notker viele Male. In früheren Jahren hatte er dabei oft seine Querflöte im Gepäck und erfreute unsere Gemeinschaft bei festlichen Anlässen mit musikalischen Darbietungen. Im November 2023 war er als Delegat der Erzabtei St. Ottilien bei der Benediktion von Abt Cosmas unser Gast.
Requiem und Beerdigung wird am Samstag, 6. April, um 10.30 Uhr in seinem Professkloster St. Ottilien sein. Abt Cosmas wird unsere Gemeinschaft dort vertreten.
In Dankbarkeit schauen wir zurück auf das reiche Leben von Abt Notker und vertrauen ihn der Barmherzigkeit Gottes an. Möge er leben in Seinem Frieden!

Bild: Erzabtei St. Ottilien

„Wagen wir, bewegt vom Geist des Auferstandenen, zu träumen, entwickeln wir Visionen, und haben wir den Mut, uns immer tiefer mit Christus zu verbinden und von seinem Geist beleben, bewegen und wandeln zu lassen.“ So lautete der Wunsch von Abt Cosmas am Ende seiner Predigt in der Osternacht, die wir mit vielen Gästen feiern durften.
In diesem Sinne wünschen wir Ihnen gesegnete Ostertage, die uns in der Verbundenheit mit Christus und untereinander stärken mögen! Und weil es Zeit braucht, das Unfassbare, das an Ostern geschehen ist, mit dem Herzen wirklich zu verstehen, feiern wir 50 Tage lang Ostern. Die brennende Osterkerze, die vom Pfingstfenster im Altarraum der Abteikirche inspiriert ist, erinnert uns daran.

In den Kartagen kommen viele Menschen zu uns, um das Sakrament der Versöhnung zu empfangen. Deshalb bieten wir an diesen Tagen wieder besondere Zeiten an, zu denen Sie herzlich zur Beichte eingeladen sind:

Gründonnerstag: 10.00 Uhr bis 12.00 Uhr und 15.00 Uhr bis 17.00 Uhr (Beichtstuhl in der Abteikirche, P. Vincent)
Karfreitag:             10.00 Uhr bis 12.00 Uhr und nach der Karfreitagsliturgie (vormittags P. Vincent, nachmittags P. Julian)
Karsamstag:          10.00 Uhr bis 12.00 Uhr (Beichtstuhl in der Abteikirche, P. Vincent)

 

 

Benediktsfest mit Erzbischof Dr. Bentz in der Abtei Königsmünster

Für den Theologen Johann Baptist Metz ist „die kürzeste Definition von Religion: Unterbrechung“. Den Alltagstrott unterbrechen durch religiöse Feste und Riten – das weitet den Blick und bestärkt den Menschen in seiner Würde als Ebenbild Gottes. In benediktinischen Klöstern ist so eine Unterbrechung das „Hochfest des Heimgangs des heiligen Benedikt“, wie es etwas umständlich genannt wird: der Todestag ihres Ordensvaters (bei christlichen Heiligen wird zumeist der Todestag gefeiert, ihr „dies natalis“, Geburtstag zum ewigen Leben), nach dessen Regel die Schwestern und Brüder des Benediktinerordens weltweit bis heute leben. Und da der 21. März oft in die Fastenzeit fällt, ist dieser Tag dann auch eine willkommene Unterbrechung der Fastenzeit.

Jahreshauptversammlung des Freundeskreises

In der Abtei Königsmünster ist es gute Tradition, den 21. März mit vielen Gästen zu begehen, vor allem mit dem „Freundeskreis Königsmünster e.V.“, der den Mönchen mit Rat und Tat, im Gebet und nicht zuletzt auch in materieller Hilfe zur Seite steht. Auch in diesem Jahr konnten die Mönche wieder viele Freundinnen und Freunde begrüßen, die zur Jahreshauptversammlung des Freundeskreises schon am Nachmittag angereist waren. Uli Hess, seit 2005 Vorsitzender dieses Kreises, begrüßte alle Anwesenden. Nach dem Gedenken an die verstorbenen Mitglieder wurden einige Zahlen und Fakten vorgestellt, die zu den Regularien jedes Vereins gehören: Mitglieder- und Spendenentwicklung, Finanzbericht, Entlastung des Vorstands. Anschließend stellten sich zwei Kandidaten vor, die zu einer Mitarbeit im Vorstand des Freundeskreises in den nächsten Jahren bereit sind: Dr. Marie-Luise Baumann aus Schmallenberg und Henryk Megier aus Olsberg. Beide sind dem Kloster seit langem bekannt und verbunden und wurden mit großer Mehrheit von den Anwesenden gewählt. Die beiden folgen nun Petra Hanses und Peter Schulte, die aus persönlichen Gründen ihre Vorstandstätigkeit nicht mehr fortsetzen können. Dem bisherigen und dem neuen Vorstand des Freundeskreises sei an dieser Stelle ausdrücklich für die Arbeit und das hohe Engagement gedankt! Nach den Regularien informierte Abt Cosmas über die Entwicklung der Gemeinschaft im vergangenen Jahr, die vor allem durch den Wechsel in der Leitung des Klosters geprägt war. Br. Alexander stellte die geplanten Renovierungen und Neuanschaffungen im liturgischen Bereich vor, die durch die diesjährigen vom Freundeskreis bereit gestellten Mittel ermöglicht werden, Br. Benjamin informierte zum Thema der bereits bekannten notwendigen Modernisierung der OASE, für die der Freundeskreis im vergangenen Jahr Mittel bereitgestellt hat, und über einige neue bzw. wiederbelebte Angebote und Formate, wie Abtei- und Tischgespräche, und P. Maurus berichtete vom weltweiten Auftrag der Missionsbenediktiner und von aktuellen Projekten der Partnerklöster in Afrika, Asien und auf Kuba. Zum Ende dankte Abt Cosmas ausdrücklich Uli Hess, der 17 Jahre lang das Amt des Ersten Vorsitzenden bekleidet hat und nun dieses Amt abgibt; die oder der neue Vorsitzende wird satzungsgemäß vom neuen Vorstand gewählt.

Jahreshauptversammlung des Freundeskreises

Der neue Vorstand des Freundeskreises

Festgottesdienst mit neuem Paderborner Erzbischof

Höhepunkt des Tages war der Festgottesdienst in der Abteikirche, zu dem der neue Erzbischof von Paderborn, Dr. Udo Markus Bentz, anreiste. Er ist am 10. März in sein Amt eingeführt worden, sodass es sozusagen sein „Antrittsbesuch“ in der Abtei war. In seiner sehr persönlich gehaltenen Predigt ging er auf den ersten Satz der Benediktsregel ein, der „wie eine Überschrift gelten kann für den, der Gott sucht: Höre, mein Sohn, auf die Weisung des Meisters, neige das Ohr deines Herzens!“ „Wie viel Respekt für mein Gegenüber ist in diesem Wort enthalten – das heißt: mit sensibler Aufmerksamkeit sich respektvoll dem anderen zuzuwenden.“ Das Hören falle uns nicht immer leicht – „ich höre und höre dennoch nicht“, führte Erzbischof Bentz aus und nahm sich selbst nicht davon aus: „Man selbst ist mit den Gedanken ganz woanders und erschrickt, wenn man plötzlich hört: Du hörst mir ja gar nicht zu!“ Auch im gesellschaftlichen Diskurs und in der Kirche herrsche oft eher die Grundhaltung vor, „möglichst zugespitzt meine eigene Position zu Gehör zu bringen, damit ich überhaupt gehört werde“. Man bekomme „leicht das Gefühl wie bei einem Gespräch, bei dem alle gleichzeitig sprechen, keiner aber dem anderen wirklich zuhört“. Und er fragt: „Ist es das, was uns so frustriert und weshalb wir nicht weiterkommen?“

Hören als radikale Wertschätzung des Menschen

Richtiges Hören meine aber, „meine Aufmerksamkeit von mir selbst weg auf den anderen hin zu lenken. Es ist eine radikale Wertschätzung des Menschen, mit dem ich jetzt gerade zu tun habe. Ihm das erste Wort zu überlassen, zeigt, dass ich ihn achte und respektiere.“ Und ein guter Zuhörer sei fähig, „auch das Unausgesprochene mitzuhören“, das, was „zwischen den Zeilen“ gesagt wird. Dazu gehöre auch die Fähigkeit zur Stille. Dem heiligen Benedikt gehe es darum, dieses aufmerksame Hören zu einer „Grundhaltung des gemeinsamen Lebens“ zu machen: „Die jungen Mönche sollen auf die Stimme der Älteren hören, die Älteren auf die Stimme der Jüngeren, gemeinsam auf die Stimme des Herrn – nur so gelingt das gemeinschaftliche Leben. Nur so werden eine Gemeinschaft und der Einzelne in ihr zu Gottsuchern.“

Erzbischof Dr. Bentz bei seiner Predigt

Zum Ende seiner Predigt, für die er spontanen Applaus aus der Gemeinde bekam, betonte Bentz seine eigene Bereitschaft zum Hören: „Das gilt aber in gleicher Weise für unser Erzbistum und für mich persönlich auf dem gemeinsamen Weg, der nun begonnen hat: Höre … und neige das Ohr deines Herzens! Das soll auch meine geistliche Haltung, mit der ich mich mit Ihnen auf den Weg machen möchte und um die ich immer wieder im Gebet bitten möchte.“ Der heilige Benedikt inspiriere uns dazu, diesen Weg gemeinsam zu gehen.

Nach der Eucharistiefeier ging das Fest bei einem gemeinsamen Abendessen im AbteiForum weiter, bei der die Gelegenheit bestand, mit dem Erzbischof ins Gespräch zu kommen. Bemerkenswert war, dass er sich dabei auch ganz wörtlich selbst auf den Weg machte, und gemeinsam mit Abt Cosmas von Tisch zu Tisch ging und so mit vielen der anwesenden Gäste und Mönche ins Gespräch kam. Die Gemeinschaft von Königsmünster dankt dem neuen Erzbischof ausdrücklich für sein Kommen, freut sich auf den weiteren Weg mit ihm und dem Erzbistum Paderborn und wünscht ihm Gottes Segen für seine Aufgabe!

Fotos: Andreas Weller