Trotzdem 

Noch nie haben so viele Menschen der Kirche den Rücken gekehrt wie in den letzten drei Jahren. Säkularisierung ist zu einem Megatrend geworden. Auch viele Menschen aus dem innersten Kern der Kirche entfremden sich zunehmend von ihr, weil sie die Hoffnung auf Veränderungen aufgegeben haben. Jan Loffeld, Priester des Bistums Münster und Professor für Praktische Theologie in Utrecht, folgert daraus, dass Gott für viele irrelevant geworden ist, dass man/frau ihn nicht mehr braucht. Er spricht deshalb von Apatheismus. Apatheisten sind der Religion gegenüber apathisch, gleichgültig, und zwar nicht nur gegenüber religiösen Antworten, sondern sie stellen auch keine Fragen mehr, die in den Raum des Transzendenten weisen. 

Dies alles könnte leicht zu Resignation und Hoffnungslosigkeit führen. Nicht so bei mir. Ganz im Gegenteil spornt mich dies an, nach neuen Zeichen der Hoffnung und neuen Wegen zu Gott zu suchen. Denn die Kraft der Hoffnung, davon bin ich überzeugt, eröffnet immer neue Horizonte – ungeachtet aller Frustration und Enttäuschung. Deshalb habe ich zusammen mit einer Mitschwester ein Gesprächsangebot für Menschen entwickelt, die der Kirche den Rücken gekehrt haben oder im Begriff sind, dies zu tun. Wir haben ihm den Titel „Trotzdem“ gegeben und laden dazu ein, sich die eigenen Sorgen, Enttäuschungen und den eigenen Frust von der Seele zu reden und nach neuen Perspektiven zu suchen. Wir möchten einen Raum bieten, in dem vorurteilsfrei zugehört wird und alle sich angenommen fühlen dürfen. 

Wir waren gespannt, wie die Menschen auf dieses unser (klösterliches) Angebot reagieren würden. Apathisch, gleichgültig, ablehnend? Das genaue Gegenteil ist der Fall. Die Resonanz hat uns überrascht: Interesse, Anerkennung, Neugier, Lob, Dankbarkeit, Freude, Ermutigung. Eine ganze Bandbreite von Reaktionen erreichte uns. Viele haben sich bereits angemeldet zu den verschiedenen Treffen. Das macht mir und uns Hoffnung. Wie sagte doch Charles Péguy einst in seinem Buch „Das Mysterium der Hoffnung“: Die Hoffnung sieht das, was noch nicht ist und sein wird. Sie liebt das, was noch nicht ist und sein wird. In der Zukunft der Zeit und der Ewigkeit. 

Sr. Philippa Rath OSB ist Benediktinerin der Abtei St. Hildegard in Rüdesheim-Eibingen. Sie ist Verantwortliche für die Öffentlichkeitsarbeit, Mitglied im Synodalen Weg der Kirche in Deutschland und setzt sich für Reformen in der katholischen Kirche ein.

Und auch ihr als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause und zur heiligen Priesterschaft, zu opfern geistliche Opfer, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus.(1 Petrus 2,5) 

Die Hoffnung hat eine besondere Qualität in Familien, in denen ein Kind an einer schweren Krankheit leidet oder eine Einschränkung hat. Hoffnung kann in diesen Fällen eine Kraftquelle sein, aber manchmal wagt man auch gar nichts mehr zu hoffen, scheint alles vergebens. Es ist eine Berg- und Talfahrt, ein Auf und Ab. Mal gibt es positive Überraschungen, Entwicklungen, die wie Quantensprünge sind, mal muss man Fortschritte mit dem Mikroskop suchen, so klein sind sie.
Mein Bruder Christian und seine Frau Manuela haben drei Pflegekinder: Nino, Jana und Leoni. Der Älteste von ihnen ist Nino, und Nino ist Autist. Es ist einer diese seltsamen Zufälle des Lebens, dass das Pflegeeltern -Abenteuer von Christian und Manu zur gleichen Zeit begann, zu der ich in Düsseldorf getauft wurde. Im Jahr 2010 machten wir uns alle auf zu neuen abenteuerlichen Wegen. Abenteuer ist wohl sehr untertrieben, wenn man sich auf den Weg macht, eine Familie zu gründen, und das mit einem Kind, das einem zur Obhut anvertraut wurde.
Der Weg, der mit Nino begann, war unsicher; Neues zu lernen jeden Tag ist herausfordernd. Und dann das tiefe Gefühl, dass da etwas nicht stimmt, die Hoffnung, dass man sich das vielleicht doch nur einbildet. Und dann der weite Weg zu einer Diagnose.
Herausfordernd ist auch für Nino sein ganzes Leben. In der Familie findet er Halt und Struktur. Manchmal sind es seine Geschwister, die am besten wissen, was gerade mit Nino los ist. Die drei Kids stützen sich, aber Jana und Leonie wissen auch gut, wann sie Nino mal ein Stoppschild zeigen müssen.
Unsere Gesellschaft dagegen weiß immer noch so wenig, was Autismus ist. Wie lebt es sich, wenn die Umwelt auf einen ungefiltert einströmt?
Und es gibt immer noch viele Vorurteile gegenüber Menschen mit Einschränkungen. Inklusion ist ein schönes Versprechen, das aber von unserem Staat oft nicht eingelöst wird. Behinderung ist nicht etwas, was Menschen haben, es ist das ganz bewusste Handeln einer optimierten Welt, die möglichst wenig für Menschen tun möchte, die nicht unserer Norm entsprechen.
Ich bin gerne dort zu Besuch, es ist so wunderbar bunt und turbulent. Alles ist so lebendig.
Mama, Papa, drei Kinder und drei Katzen.
Das kann aber auch mal auf die Nerven gehen, zugegeben. Und das, wo ich doch als ach so „normaler“ Mensch alles so gut filtern kann.
Ich bewundere meine Schwägerin und meinen Bruder, wie sie das alles händeln. Und manchmal habe ich auch ein wenig die Sorge, dass sie selbst dabei unter die Räder kommen könnten. Ich glaube, ich habe ihnen noch nie gesagt, wie stolz ich auf sie alle bin.
Nino hat eine große Leidenschaft. Er baut gerne alles mögliche aus Legosteinen. Und das macht er in einer Geschwindigkeit, die beeindruckend ist. Während man selbst gerade versucht, die Bauanleitung zu entziffern, hat er schon den ersten Bauabschnitt gelöst.
Vor kurzem hat er an einem Projekt mitgearbeitet, in dem Rollstuhlrampen aus Legosteinen gebaut werden.
Viele Orte sind für Rollstuhlfahrer nicht zu erreichen, weil gleich am Eingang eine Stufe ein Hineinkommen unmöglich macht. Eine Rampe aus Legosteinen ist dann eine kostengünstige, unbürokratische, bunte und schnelle Lösung für dieses Problem.
Bunte Lösungen sind vielleicht auch das, was unserer Welt gerade jetzt Hoffnung geben kann. Je mehr wir uns gegenseitig über Hindernisse helfen, umso leichter wird es für jeden von uns werden. Doch dafür ist Vielfalt notwendig.
Jeder Mensch ist einzigartig, ein Kind Gottes, wichtig und unendlich kostbar.
Divers wird aber mittlerweile von einigen Menschen als Schimpfwort verwendet, dabei ist es eine Hoffnung, denn kein Haus und keine Zukunft lässt sich nur mit einer Sorte Steinen bauen. 

Br. Balthasar Hartmann OSB ist Mönch der Abtei Königsmünster. Er ist tätig als Pförtner, Gastbruder und in der Kursarbeit im Haus der Stille.

Die Vorbereitung auf eine Fastenwallfahrt unterscheidet sich sehr von der Planung einer gewöhnlichen Reise. Man muss keine Karten oder Routen studieren, das iPhone laden oder den Navigator vorbereiten. Wir werden weder Museen noch Kathedralen besuchen und müssen auch keinen Tisch in einem Restaurant reservieren. Das Ziel kennen wir alle, aber viele der kleinen Details werden spontan entschieden. Jetzt geht es darum, alles hinter uns zu lassen, was uns den Anfang oder das Weitermachen erschweren wird.
Die Fastenzeit hat viel damit zu tun, Vergangenes hinter sich zu lassen, um nach vorne schauen zu können. Vergangenheit und Gegenwart sind manchmal ein Ballast, der uns daran hindert, der Zukunft hoffnungsvoll entgegenzusehen: Gaza, die Ukraine … oder vielleicht die Probleme mit meinen Kindern, die finanzielle Situation der Familie, meine alternde Gemeinschaft oder einfach nur der Mangel an Begeisterung und die Müdigkeit, die uns daran hindert, das Leben zu genießen.
Loslassen zu können ist so schwierig und schmerzhaft wie notwendig. Aber all das hinter uns zu lassen, was uns am Weitergehen hindert, befreit uns von der ermüdenden Routine des Alltags und eröffnet uns den Horizont unserer selbst, damit wir entdecken können, warum Gott uns in diesem Moment der Geschichte erschaffen hat.
Vielleicht ist es keine schlechte Idee, sich in die Fastenzeit zu begeben, um eine Zeit lang mit sich selbst allein zu sein und Zeit für Stille und Einsamkeit zu lassen. In der Wüste des Fastenwegs lernt man zu schätzen, was wirklich zählt, und das, was nicht mehr gebraucht wird, zu relativieren. Am Ende nur ich und Du; dieses Du, dass uns das tiefste Innere meines Selbst zeigt.
Ein wenig Asche auf unserer Stirn ist das Zeichen, das uns einlädt, den Weg zu beginnen. 
Let’s go! 

+ Javier Aparicio OSB
(Photo: Der Wanderer über dem Nebelmeer, Caspar David Friedrich; Wikipedia) 

Abt Javier Aparicio Suarez OSB, Mönch der Erzabtei St. Ottilien, wurde im Januar 2025 zum Abtpräses der Missionsbenediktiner gewählt.

40 x Hoffnung 

„40 x Hoffnung“ – unter diesem Thema möchten wir Sie und Euch in dieser Fastenzeit mitnehmen auf einen Weg der Hoffnung. Papst Franziskus hat dieses Heilige Jahr unter das Motto „Pilger der Hoffnung“ gestellt und damit deutlich gemacht, dass wir mit einer Hoffnung unterwegs sind. Gerade in der vierzigtägigen Vorbereitungszeit auf Ostern hin wird diese Dimension unseres Glaubens besonders deutlich – denn wir bereiten uns auf das vor, was Grund unserer Hoffnung auf Erlösung ist: das Fest der Auferstehung Jesu, an dem das Leben über den Tod gesiegt hat. 

Gerade unsere Zeit hat Hoffnung nötig. Denn überall um uns herum, im Großen und im Kleinen, erleben wir, wie Hoffnungslosigkeit und Resignation um sich greifen. So möchten wir bewusst gegen die Hoffnungslosigkeit unserer Zeit Hoffnung vermitteln, indem Mönche unserer Abtei und Freundinnen und Freunde unserer Gemeinschaft an den einzelnen Tagen von der Hoffnung erzählen, die sie in ihrem Leben bewegt.  

An den Werktagen der Fastenzeit, montags bis samstags, erhalten Sie einen Impuls, sodass von heute an genau 40 Hoffnungsimpulse zusammenkommen. Die Sonntage sind sozusagen „impulsfrei“; für diese Tage verweisen wir auf die Predigten der verschiedenen Brüder, die wir zeitnah auf unserer Homepage veröffentlichen.  

Zu Beginn an diesem Aschermittwoch möchten wir ein Wort von Karl Rahner zitieren:
Die Tugend des Alltags ist die Hoffnung, in der man das Mögliche tut und das Unmögliche Gott zutraut. 

Hoffnung als Tugend des Alltags, die mich nicht davon entbindet, das zu tun, was mir möglich ist, die mich aber auch entlastet, weil nicht alles allein in meiner Hand liegt und ich darauf vertrauen darf, dass Gott das vollendet, was mir unmöglich erscheint – das wäre ein guter Beginn für die kommenden 40 Tage auf Ostern hin. 

Für das Vorbereitungsteam der Impulse
Br. Benedikt Müller OSB
P. Maurus Runge OSB 

Bist Du schon einmal einem Stern gefolgt?

Einfach weggehen. Los. Alles hinter sich lassen. Und dem Stern folgen.

Aber so einfach ist das nicht.

Nach den Sternen navigieren kann man fast nur bei Nacht. Zwar eignet sich auch die Sonne, aber dann braucht es einen zweiten Anhaltspunkt. Nur in der Dunkelheit gehen die Sterne auf. Wer sich seinen Dunkelheiten stellt und es aushält, Nachtgedanken zu wagen, der findet auch seine Navigationspunkte.

Neblige Nächte eigenen sich schlecht zum Navigieren. Sterne sind nicht zu sehen oder eben nur verschwommen. Wer loswandert, ohne sich der Klarheit seines Weges, der Kraft seiner Schritte zu vergewissern, der kommt ins Schwanken und findet den Weg nicht. Los auf jedes Risiko verstellt den Weg. Beim Gehen „auf Sicht“ bleibt nichts Anderes als innezuhalten und sich langsam vorzutasten.

Navigation braucht Fixsterne, einen Standstern. Wandelsterne, die jeden Augenblick – wenn auch unbemerkt – den Standpunkt verschieben, eignen sich nicht für Navigationen. Es ist wichtig, Orientierung zu haben, Standpunkte, Menschen, die Halt geben. Auch wenn es sich paradox anfühlt: Um aufzubrechen, um den Weg zu beginnen, braucht es Festigkeit – Fixsterne.

Dann muss man den Horizont anpeilen. Sich der Weite des Herzens öffnen. Obwohl wir den Weg gerne als klare Richtung wissen wollen, müssen wir den Horizont anpeilen.

Der so angenommene Abstand vom Fixstern zum Horizont und die präzise Uhrzeit ermöglichen es, nach den Tabellen der Seekarten, den Standort zu bestimmen. Der ist Bedingung für beherztes Losziehen. Der erste Schritt braucht Selbststand. Das unterscheidet die gezielte Wanderung von einer ziellosen Flucht. Letztere ist das „Einfach nur weg“, ersteres ist der bewusste Aufbruch.

Dann wird nach dem Stern die Himmelsrichtung bestimmt, sozusagen das Kompasszifferblatt auf „Richtung Sehnsucht“ gedreht, und die zitternde Nadel des Herzensmagneten zeigt die Richtung.

Nach den Sternen wird erhobenen Hauptes navigiert.

Gegangen wird auf der Erde. Steine sind zu überspringen, Kurven des Weges sind einzukalkulieren. Der angepeilte Weg ist direkt und kurz, der echte Weg oft lang und mühselig.

Es braucht die Fähigkeit, sich selbst zu verzeihen und Irrwege zu erkennen und dann den Mut, von vorne zu beginnen: Stehenbleiben, einen Fixstern visieren, den Blick in die Weite wagen, die Richtung bestimmen und losgehen mit der Ahnung des Zieles im Herzen.

So ist Leben: Weg. Hoffnung. Stern. Horizont. Und mit der Geburt die Sehnsucht auf Nachhausekommen.

P. Abraham Fischer OSB

Brecht in Jubel aus, ihr Trümmer Jerusalems. (Jes 52,9)

In diesem Jahr jährt sich zum 80. Mal das Ende des Zweiten Weltkrieges. Ein „Tag der Befreiung“, wie es vor 40 Jahren der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker in einer Rede betonte. Ein Tag der Befreiung für Deutschland und für die ganze Welt. Befreiung von einem Terrorregime. Der 8. Mai 1945 mahnt uns, darauf zu achten und uns dafür einzusetzen, dass so etwas nie wieder von unserem Land ausgeht – eine Mahnung, die aktueller und dringlicher denn je ist.

1945 lag Deutschland in Trümmern, nicht nur moralisch, sondern auch ganz wörtlich genommen. Trümmerberge, die Überreste der Bombennächte überall. Die Männer waren noch im Krieg oder in Gefangenschaft. Bis sie zurückkehrten – wenn überhaupt – sollte es noch dauern.

Es war die Stunde der Frauen. Die sog. „Trümmerfrauen“ zogen in vielen Städten Deutschlands aus, um die Straßen und Plätze von den Trümmern zu befreien, um aufzuräumen. Eine Knochenarbeit. Erst dann konnte aus den Trümmern Neues wachsen, der Wiederaufbau starten.

Die Trümmerfrauen der späten 1940er Jahre sind für mich Menschen der Hoffnung. Sie haben die Hoffnung auf einen Neuanfang nach der Katastrophe nicht aufgegeben und tatkräftig angepackt, um diese Hoffnung zu verwirklichen. Auch dank der Trümmerfrauen, dieser so engagierten, zupackenden Menschen konnte aus den Trümmern ein neues Land, ein demokratisches Land entstehen.

P. Maurus Runge OSB

Hoffnungsstern am Horizont. Die Sterndeuter folgen dem Stern und finden das Kind. Jesus, dieses neugeborene Kind, ist das Licht der Welt. Er wird zum Hoffnungsträger. Die Sterndeuter sehen den Stern und sind von großer Freude erfüllt. Sie spüren, etwas verändert sich. Dieses Kind wird die Welt verändern und prägen. Ist das so? Ja, Jesus wurde und ist für viele Menschen ein Hoffnungsstern, ein Wegweiser, ein Licht in der Dunkelheit. Und viele Menschen folgen Jesus seitdem nach und leben seine Botschaft der Liebe in ihrem Alltag – still und leise – und werden zu Hoffnungssternen.

Ungarns Stern an Thüringens Himmel, so nannte man auch die Landgräfin Elisabeth von Thüringen, eine Königstochter aus Ungarn. Jene Elisabeth mit dem Rosenwunder: „Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht.“ Wie ein Stern erstrahlt Elisabeth in den Herzen der Ärmsten von Eisenach, wenn sie mit ihrem Brotkorb die Wartburg herabkommt. Wie ein Stern, der vom Himmel fällt, so muss die junge Landgräfin den Armen in ihrer Dunkelheit vorgekommen sein. Ein Stern, der ihnen in kalter Nacht Wärme bringt. Ein Stern, der ihre traurigen Herzen mit dem Licht der Hoffnung auf bessere Zeiten erfüllt. Elisabeth wird zum Stern der Nächstenliebe. Sie lebte die Worte aus dem Korintherbrief den Menschen vor: „Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin. Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ (1. Kor.; 12-13)

Im Spiegelglanz des Sternenlichtes wird Elisabeth zum heilenden Hoffnungsstern für die Kranken in Marburg. Elisabeths Glaube war ihre Sternstunde. Elisabeths Hoffnung war ihr Sternenstrahlen. Elisabeths Liebe war ihr Herzensstern. Sie wusste, wenn sie mit der Kraft der Nächstenliebe den Menschen die Botschaft des Glaubens Jesu vorlebt, dann beginnt in den Herzen der Menschen die Hoffnung auf Gottes Liebe aufzustrahlen. Denn: „Dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut. Dann wohnt er schon in unserer Welt.“ Ungarns Stern an Thüringens Himmel, auch heute brauchen wir solche Hoffnungsträgerinnen wie Elisabeth, die die Liebe des HERRN leben und für die Menschen dieser Zeit erlebbar machen. Wenige Worte sind von der hl. Elisabeth überliefert, aber einer ihre Sätze drückt all ihre Hoffnung ihres tiefen Glaubens und ihrer weiten Liebe aus. Vielleicht kann dieser Satz für uns im neuen Jahr 2025 zum Hoffnungswort werden:

„Seht, ich habe es euch doch gesagt. Wir sollen die Menschen froh machen!“

Br. Benedikt Müller OSB

„Wohin du gehst, dahin gehe gehe auch ich, wo du bleibst, da bleibe auch ich. Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott.“
(Rut 1,1,16b)

Ruth.
Eine Frau voller Mut.
Mut zum Aufbruch.
Mut zu einer ungewissen Zukunft.

Ihre Schwiegermutter will sie nicht allein lassen.
Lebt als Fremde und Heidin in Betlehem.
Ganz am Rande.

Doch sie wird aktiv.
Sorgt für die Nahrung ihrer Schwiegermutter.
Und erfährt dabei selber Unterstützung und neues Leben.

Sie findet Aufnahme.
Sie findet neue Gemeinschaft und Ehe.
Sie gebiert ihren Sohn, schafft damit auch Zukunft für Noomi.

Menschen mit Mut und oft voller Verzweiflung
erleben wir auch heute in Flüchtlingen und Migranten.
Oft sind vor allem Kinder und Frauen die am meisten Leid-Tragenden.

Finden sie bei uns Aufnahme wie Rut?
Finden sie bei uns Menschen wie Boas, die sich für sie einsetzen?
Finden sie bei uns mit ihrer so verschiedenen Kultur Gemeinschaft und Zusammenhalt?
Das wonach sie sich so sehr sehnen?

Es bleibt die Frage an uns:
Bieten wir ihnen diese?
Sehen wir überhaupt die Not – und unsere Möglichkeiten?
„Wie habe ich verdient, dass du mich so sehr beachtest,
da ich doch eine Fremde bin,“
fragt Rut den Boas.

Er könnte antworten, wir könnten antworten
mit Worten aus dem Buch Levitikus:
„Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid selbst Fremde in Ägypten gewesen. Ich bin der Herr, euer Gott.“ (Lev 19,34)

Motivation auch für uns zum Handeln?
Richtschnur bis hin zur Wahl am 23. Februar?

Und unsere eigene Motivation zum Aufbruch,
zum Wagnis,
zum Mut?

Unsere Motivation zur Beziehung,
zur Verlässlichkeit,
zum Bleiben?

Rut lässt uns fragen …

P. Guido Hügen OSB
Bild: Misereor-Hungertuch von 1990

Die Kirche gedenkt heute der beiden Heiligen Basilius des Großen und Gregors von Nazianz. Sie werden nicht nur als Bischöfe und Kirchenlehrer verehrt, sondern auch wegen ihrer Freundschaft. Jeder Mensch braucht Freunde im Leben, auf die er sich verlassen kann. Wer einen Freund hat, der ist ein Mensch der Hoffnung, der kann anderen Hoffnung weitergeben.

Auch Jesus möchte unser Freund sein. Im Johannesevangelium spricht er es deutlich aus: „Ihr seid meine Freunde!“ Menschliche Freundschaften können ein Spiegelbild der Freundschaft mit Jesus sein.

Nehmen wir den Gedenktag der beiden Freunde Basilius und Gregor zum Anlass, auf unsere Freundschaften zu schauen. Vielleicht ist es mal wieder an der Zeit, einem lieben Menschen ein Freundschaftszeichen zu senden: eine Nachricht, ein Telefonat, ein kurzes Gebet, …
Denn Freundschaften brauchen Zeit und wollen gepflegt werden.

P. Maurus Runge OSB

Am Beginn dieses neuen Jahres möchte ich den Blick auf Menschen des Alltags richten, die uns vielleicht in diesem Jahr zu Hoffnungsmenschen werden können. Das sind in der Regel nicht die bekannten Stars aus Film und Fernsehen und auch nicht die offiziellen Heiligen der Kirche, sondern Menschen, die ihren Alltag treu leben und damit ein Hoffnungslicht in unserer Welt sind.
Die Krankenschwester, die Tag für Tag ihren Dienst für kranke und sterbende Menschen tut.
Der Busfahrer, der täglich Menschen sicher an ihr Ziel bringt und oft Anfeindungen ausgesetzt ist.
Die Nachbarin, die selbstverständlich das Paket für mich annimmt.

Jede und jeder von uns kennt wohl solche alltäglichen Hoffnungsmenschen, die das Leben reicher machen. Und auch ich bin eingeladen, für andere zu solch einem Hoffnungsmenschen zu werden.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein hoffnungsvolles neues Jahr 2025!

P. Maurus Runge OSB