Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!
Denn der Herr ist nahe. (Phil 4,4-5)

Nach dem Eröffnungsgesang der Eucharistiefeier wird der Dritte Adventssonntag auch „Gaudete-Sonntag“ genannt. Das macht sich mancherorts auch im rosa Messgewand bemerkbar, das der Priester an diesem Sonntag trägt. Ein heller Farbtupfer durchbricht das Violett der Buße. Ein Vorschein von Weihnachten wird mitten im Advent erfahrbar.

Der Vers aus dem Philipperbrief liefert gleich den Grund zur Freude mit: „Denn der Herr ist nahe.“ Es ist keine oberflächliche Freude, sondern das tiefe Vertrauen, dass der Herr nahegekommen ist. Es ist interessant, dass Paulus diesen Satz ausgerechnet dann schreibt, als er im Gefängnis sitzt, also in einer für ihn bedrängenden Situation. Gerade in dieser Bedrängnis trägt ihn sein Glaube.

Wo erlebe ich in meinem Alltag Freude?
Trägt mich mein Glaube an den Gott, der nahegekommen ist?

Zum Hochfest der hl. Odilia, Patronin der Missionsbenediktiner von St. Ottilien

Odilia
blind geboren
empfängt bei ihrer Taufe
das Augenlicht

Licht für die Blinden
Hoffnungslicht
denen, die in Finsternis geboren sind
und im Schatten des Todes

Licht für die Blinden
so lautet das Motto der Missionsbenediktiner
die heilige Odilia ist ihre Schutzpatronin

Licht für die Blinden
Ein Licht um die blinden Flecken zu heilen
Ein Licht um die Schönheit des Anderen wahrzunehmen
Ein Licht um das Gute zu sehen
Ein Licht das Hoffnung bringt
Ein Hoffnungslicht

Heilige Odilia
Licht der Hoffnung
bitte für uns und unsere Welt
die so oft gefangen ist im Dunkel

von Br. David Damberg OSB (veröffentlicht im Gruß 4-2025)

Verlorene Orte – so nennt man Häuser, Plätze, ja ganze Dörfer, die verlassen wurden und nicht mehr bewohnt sind. In den letzten Jahren haben diese Orte ein immenses Interesse bei vielen Menschen geweckt. YouTuber spüren sie auf und berichten darüber, es gibt Fernsehsendungen und Bücher zu diesem Phänomen. Diese sogenannten Lost Places sind überall zu finden, in jeder Gegend und jeder Stadt, denn überall gibt es Orte, die einfach zurückgelassen wurden.

Der Charme des Verfalls und die Spuren des Lebens

Wenn man solche Orte betritt, dann hat man oft den Eindruck, als wären die Menschen erst kürzlich gegangen; als säßen sie noch da, auch wenn der Verfall sehr deutlich sichtbar ist. Vielfach wächst Gras durch die Fliesen, die Dächer brechen langsam unter der Last der Dachziegel zusammen, und die Natur holt sich Stück für Stück das Terrain zurück.

Auch in Hannover gibt es zahlreiche solcher Orte: alte Industrieanlagen, alte Häuser, die schon lange niemand mehr von innen gesehen hat. Ich persönlich finde diese Orte faszinierend. Man spürt dort Geschichte und das Gefühl von gelebtem Leben, das ein Ende gefunden hat und nicht mehr fortgesetzt wurde – wo Menschen einfach gegangen sind. Dort ist etwas passiert; dort ist Lebensgeschichte spürbar.

Oft sind Lost Places Orte verlorener Hoffnung, an denen man zu leben hoffte. Doch aus irgendeinem Grund zeigte sich: Ein Leben ist hier nicht mehr möglich, ein Leben findet hier vielleicht sogar sein Ende. Lost Places markieren oft das Ende einer Hoffnung oder den Punkt, an dem man erkannte, dass man sie woanders weiterleben muss. Man musste ausziehen, umziehen; etwas anderes war nötig, die Hoffnung brauchte einen anderen Ort.

Die ungenutzte Station: Eine andere Art von Lost Place

Doch es gibt auch andere Lost Places, von ganz anderer Qualität, die wir ebenfalls in Hannover finden. Es gibt eine U-Bahn-Station, durch die noch nie ein Zug gefahren ist. Sie liegt unter dem Hauptbahnhof und ist im Grunde fast fertig. Auf Bildern sieht man den Bahnsteig und die Stellen, wo die Gleise sein sollten, doch noch nie hat ein Zug diesen Ort durchquert. Noch nie haben Menschen dort gestanden und auf die nächste U-Bahn gewartet.

Was immer auch dazu geführt hat: Dieser Ort hat den Menschen noch nie gedient. Es ist ebenfalls ein Lost Place, wenngleich man ihn nicht direkt mit den verlassenen Häusern vergleichen kann, in denen gelebt wurde und Leben stattfand. Die ungenutzte U-Bahn-Station hat einen anderen Charakter, erzählt aber, wenn man so will, ebenfalls von einer Hoffnung, aber eben eine, die nicht verwirklicht wurde. Eine Möglichkeit, die sich nicht zeigen durfte, ein Raum, der sich nicht öffnen konnte. Die Station existiert, und manchmal gibt es Führungen, doch sie wurde nie ihrem eigentlichen Zweck zugeführt.

Diese beiden Arten von Lost Places zeigen mir, dass Hoffnung einen Ort, einen Raum benötigt. Hoffnung ist nicht nur eine bloße Idee in meinem Kopf; ich muss ihr Raum in meinem Leben geben. Erst dann kann sie real werden und sich ihrerseits als ein Raum für mich öffnen.

 

„Die Hoffnung lässt aber (nicht) zugrunde gehen“ (Römer 5) – Hoffnung im Kontext Krankenhaus

von Br. Emmanuel Panchyrz OSB (veröffentlicht im Gruß 4-2025)

Auf der Palliativstation des Mescheder Krankenhauses ist an einer Wand des Aufenthaltsraumes groß das Wort Hoffnung zu lesen. Immer wieder, wenn ich diesen Raum betrete und mein Blick auf dieses Wort Hoffnung fällt, bin ich berührt und nachdenklich zugleich.

In der Krankenhausseelsorge begegnen mir in vielen Facetten Hoffnungen der Patientinnen und Patienten. Da ist zunächst die Hoffnung auf Gesundwerden, Heilung und das Erlangen neuer Lebensqualität. Gerade in das medizinische Personal wird viel Hoffnung gelegt, von Krankheiten geheilt zu werden. Immer wieder höre ich:“ Ich hoffe, dass man mir hier gut hilft“. Hoffnung kann im Kontext eines Krankenhauses auch als Kraftquelle wahrgenommen werden. Vor einer Operation beispielsweise hofft der Patient: „Es wird schon alles gut.“ Diese innere Haltung – „Es wird gut“-, hat immer auch Auswirkungen auf weitere Heilungsprozesse. So spiegeln mir das immer wieder auch Mediziner wider. Hoffnung kann erfahrbar werden, wenn ich mich z.B. anderen Menschen überlassen muss und dabei selbst auf einen guten Ausgang hoffe.  Hilfreich ist im Krankenhaus, dass der Patient mit dieser Hoffnungsquelle in Berührung kommt, dass pflegerisches, therapeutisches, psychologisches, medizinisches und seelsorgliches Personal auf den einzelnen Patienten in einer sensiblen Art, auch den inneren Schmerz und die inneren Ängste des Patienten wahrnehmend, eingeht. Leitgedanke dabei bleibt: Der Mensch wird in seiner Einzigartigkeit und Ganzheit gesehen.

Der Krankenhausalltag konfrontiert natürlich auch mich als Seelsorger mit Schicksalen von Patienten. Da ist z. B. die lebensbedrohliche Diagnose. Oder der behandelnde Arzt muss übermitteln, dass keine Therapie mehr möglich ist, dass keine Hoffnung auf Heilung mehr besteht und die Erkrankung zum Tod führen wird. In solchen Situationen braucht es zunächst Zeit, die /der Seelsorgende mitbringt. Ein Vertrauensraum in der Begegnung des Patienten zum Seelsorger darf geschaffen werden.

Immer wieder ist da Einfühlsamkeit und Respekt vor dem Schmerz, den der Patient empfindet, gefordert. Manchmal geht es im Patientengespräch schlicht nur um ein Mitaushalten.

Der betroffene Patient darf spüren, dass Seelsorge sich solidarisch zeigt. In meiner eigenen Spiritualität hilft mir, dass ich an einen Gott glaube, der selbst Schmerz kennt. Mein mich prägendes Gottesbild ist, das unser Gott selbst Ohnmacht, Dunkelheit und Verlassenheit durchschritten hat und somit Gott eine Mitfühlkompetenz hat. Darüber ins Gespräch zu kommen kann tröstend erlebt werden, wenn das vorherrschende Gefühl Hoffnungslosigkeit ist. Eben auch das Gefühl der Hoffnungslosigkeit darf gelebt werden. Manchmal bedarf es auch des Durchschreitens dieser Lebenspassagen, um neue Hoffnungsperspektiven langsam und behutsam zu entdecken. Da ist bei vielen Patienten die Hoffnung, keine Schmerzen zu haben, nicht allein zu sein oder schlicht nochmals Geborgenheit zu erfahren. Gerade in der Begegnung mit Sterbenden erfahre ich, dass eine Hoffnungsperspektive das eigene Trostbild der jenseitigen Seite meines Lebens, eines Lebens in Gott, sein kann. Häufig sind es dann gerade wortlose Zeichen und Rituale, die die Sehnsucht nach Hoffnung ausdrücken können. Oder es sind Hoffnungsbilder, dass das Sterben als erlösend, befreiend gesehen wird. Angehörige spiegeln mir immer wieder, des der verstorbene Angehörige nun von der Qual der Krankheit und des Leiden Müssens befreit ist.  Berührend fand ich, als mich eine sterbende Patientin einmal fragte: „Bruder Emmanuel, wie stellen sie sich den Himmel vor? Was tröstet sie persönlich, wenn sie an ihren eigenen Tod denken?“

Daran wird deutlich, dass die Arbeit in der Krankenhausseelsorge mich herausfordert, meine Hoffnungsbilder zu sehen und gleichzeitig das Ringen um eine Hoffnungsperspektive bei aller Hoffnungslosigkeit selbst zu kennen.

Bild: Palliativstation des Klinikum Hochsauerland Meschede / www.klinikum-hochsauerland.de

von Br. Andreas Hentschel OSB (1930-2025)

Jedes Vor-der-Tür-stehen birgt Erwartung

Wann wird die Tür sich öffnen?
Wann wird die Tür freigegeben?
Wann kommt er endlich durch die Tür?
Wie werde ich ankommen?
Wie wird es drinnen sein?
Wie werde ich aufgenommen?

Meine Erwartung vor der Tür wird mitbestimmt von Erinnerungen an Türen:

Von Türen, die meine Erwartung einlösten.
Von Türen, die meine Erwartung enttäuschten.
Von Türen, die verschlossen blieben.
Von Türen, die mich weiter brachten.
Von Türen, die mich veränderten
und von Scheintüren.

Advent – Tür als Erwartung

Im Advent geht die Tür auf zum Kirchenjahr.
Im Advent geht die Tür auf zur Weihnacht.
Im Advent suche ich die Tür zur Stille.
Im Advent warte ich auf das Kommen des Herrn.

Kloster – ein „Hoffnungsort“

von P. Vincent Grunwald OSB (veröffentlicht im Gruß 4-2025)

„hoffen“ – wenn ich über die Abtei als Hoffnungsort nachdenke, kommt mir sofort dieser Titel eines kleinen Büchleins in den Sinn, das mein Mitbruder, P. Reinald, geschrieben hat. Bei einem langen, vertrauten und tiefschürfenden Gespräch sprachen wir einmal darüber, warum wir in unsere Gemeinschaft eingetreten sind und die persönliche Widmung, die er mir an diesem Abend in das Büchlein schrieb: „mit der Hoffnung auf eine gute, gemeinsame Zukunft in unserer Abtei“, bedeutet mir viel. Das Schriftbild des Buchtitels lässt zwei verschiedene Worte aufscheinen – je nach Perspektive: „hoffen“ und „offen“. Das gefällt mir, weil die Zukunft, auch wenn sie aus einer gemeinsamen Hoffnung heraus erwartet wird, freiheitstheoretisch immer „offen“ ist. Damit wird zugleich deutlich, dass das Kloster als Hoffnungsort immer in einer Grundspannung steht: „fest gemacht“ an dem Ort an sich, im klösterlichen Alltag mit seiner Struktur aus Arbeit und Gebet, sowie als Teil einer lebendigen Gemeinschaft, erlebe ich „stabilitas“. Das bedeutet für mich persönlich vor allem die Treue zur Gemeinschaft. Für diese Gemeinschaft trage ich, wie jeder Bruder im Konvent und nicht nur der Abt, auch Verantwortung. Wir haben uns einander nicht ausgesucht und im Alltag gilt es daher auch Spannungen, Konflikte und Ärgernisse, die wie Dornen verletzen können, auszuhalten. „Beständigkeit“ bedeutet für mich auch die Treue zum Ort. Diesen Ort gestalten wir miteinander, auch mit und für all die Menschen, die zu uns in die Abtei kommen und die sich bei uns „fest machen“. Als Benediktiner können wir unsere Berufung leben im Wissen darum, dass wir „Gesegnete“ sind. Und können das daher auch nach außen hin ausstrahlen und das anderen Menschen ebenso zusagen, im Wortsinn von „benedicere“, „etwas Gutes sagen“.

Die Zukunft unserer Gemeinschaft ist aber wie die Zukunft überhaupt natürlich „offen“. Und diese Offenheit hält uns als Gemeinschaft lebendig. Wir sind als Christen von einer Hoffnung getragen, die über das Sichtbare und Be-greifbare dieser Welt hinausgeht. Die sogar hinausgeht über den Horizont dieses irdischen Lebens. Damit wir das nie vergessen, kommen wir immer wieder zusammen und beten miteinander das Stundengebet. Wie in den Psalmen, die Tag für Tag gesungen und meditiert werden und in denen das ganze Leben mit all seinen schönen und schwierigen Seiten im Gebet vor Gott gebracht wird, so teilen auch wir das Leben miteinander und bringen es in all seinen Facetten immer wieder vor Gott. Und wenn wir in der Eucharistiefeier Brot und Wein miteinander teilen, wird für mich darin die Hoffnung erfahrbar, dass wir einmal beim himmlischen Hochzeitsmahl vereint sein werden. Mit all denen, die uns schon vorausgegangen sind. Unsere Abtei als Hoffnungsort wird für mich persönlich auch in der Architektur unserer Abteikirche und dem Friedhof hinter dem Chorraum deutlich. Zusammen mit unseren bereits verstorbenen Brüdern bilden wir einen Kreis um den Altar und um das Kreuz herum. Während wir unser Chorgebet singen, manchmal auch geradezu trotzig in das Dunkel und die Hoffnungslosigkeit unserer Tage hinein, weiß ich meine Brüder im Glauben schon „jenseits der Schwelle ewiger Nacht“, wie es in einem Hymnus heißt. Wenn ich in diesen dunklen Tagen vom Fenster meiner Zelle aus den Friedhof mit all den leuchtenden Kerzen sehen kann, erinnert mich das, gerade jetzt im Advent, auch immer an das Gleichnis von den klugen Jungfrauen, die mit ihren leuchtenden Lampen bereit waren für die Ankunft des Bräutigams (Mt 25,1-13).

Das Kloster ist ein Hoffnungsort, weil die Gemeinschaft eine Erzählgemeinschaft der Hoffnung ist. „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt“ (1 Petr 3,15). Wie froh und dankbar bin ich immer wieder dafür, dass ich Zeugnis ablegen darf für meinen Glauben, dass ich aber auch Menschen um mich herum habe, die mich und meine Fragen verstehen, weil sie von der gleichen Hoffnung erfüllt sind.

Freiheitstheoretisch ist die Zukunft auch unserer Gemeinschaft immer „offen“. Viele Ordenschristen, deren Gemeinschaften kleiner und älter werden, wissen sich auch in dieser Situation von der gemeinsamen Hoffnung getragen und können daher auch sagen: Unser Auftrag ist nun erfüllt und wir gehen der Vollendung entgegen. Im Blick auf unsere Gemeinschaft, die 2028 ihr hundertjähriges Bestehen feiern darf, glaube ich das noch nicht. Unser Auftrag ist noch nicht erfüllt. Und so sehe ich zwar mit mancher Sorge und mit Fragen, aber auch mit sehr viel Gottvertrauen in die Zukunft. Mut macht mir dabei ein kleiner handgeschriebener Zettel, den unser 2023 verstorbener Br. Andreas mir noch vor meinem Eintritt geschrieben hat: „Es ist nötig, dass du mit anpackst, damit es weiter geht.“ Unterschrieben hat er mit: „Ich hoffe auf dich, dein Br. Andreas“. In dieser Hoffnungsgemeinschaft habe ich mich fest gemacht und freue mich auf eine gute gemeinsame Zukunft in der Abtei Königsmünster.

Br. Andreas Hentschel OSB (1930-2023)

 

Am heutigen Marienfest möchten wir Ihnen einen musikalischen Impuls anbieten. Unter dem Stichwort „Klangraum Kirche“ gestaltet der Fachbereich Kirchenmusik im Erzbistum Paderborn einen musikalischen Adventskalender. An diesem 8. Dezember gibt es dort einen musikalischen Gruß an Maria, den unsere Kantoren in der Marienkapelle der Abteikirche aufgenommen haben:

Der Herr wird kommen, um die Welt zu erlösen.
Volk Gottes, mach dich bereit.
Höre auf ihn, und dein Herz wird sich freuen. (vgl. Jes 30,19.30 – Eröffnungsgesang der heutigen Messe)

Diese Verse aus dem Propheten Jesaja, der auch als der adventliche Prophet schlechthin bezeichnet werden kann, hören wir im Eröffnungsgesang der heutigen Eucharistiefeier an diesem Zweiten Adventssonntag.
Ein Dreischritt wird uns da vor Augen geführt:

Zunächst ein Faktum: „Der Herr wird kommen, um die Welt zu erlösen.“
Das ist gesetzt. Wir wissen nicht, wann, aber es wird so kommen.

Dann: „Volk Gottes, mach dich bereit.“
Es geht um unsere Vorbereitung.
Bin ich bereit, das Kommen Gottes überhaupt wahrzunehmen?
Sind meine Sinne für seine Ankunft, seinen Advent geschärft?

Schließlich: „Höre auf ihn, und dein Herz wird sich freuen.“
Eine Aufforderung, verbunden mit einer Konsequenz daraus.
Wenn ich ihn höre, auf das höre, was er mir sagt, dann wird Freude sein.
Dann wird der Advent in ein Fest der Freude münden.

 

von Br. Benedikt Müller OSB

Der rote Faden der Liebe

Ein Staunen liegt in der Luft, wenn das Wunder der Güte geschieht und dir eine Freude geschenkt wird, die dich lächeln lässt. Dieses Staunen weckt einer der größten „Wegweiser“ im Advent: der heilige Nikolaus. Er kommt als Himmelsbote zu uns, und die vielen Legenden um ihn sind keine bloßen Geschichten, sondern Zeugnisse seines unerschütterlichen Gottvertrauens und seiner tiefen Hilfsbereitschaft.

Nikolaus war ein gottesfürchtiger Mann, dessen Liebe zu Gott sein gesamtes Handeln bestimmte. Er nahm den Faden Jesu wieder auf und machte die Armen, die Ausgestoßenen, die Hungernden zu seinem Herzensanliegen. Denen, die nichts hatten, denen das Schicksal mitgespielt hatte, gab er, was sie brauchten. Er ist der ewige Pilger der Güte, der Bote der Nächstenliebe, der nicht auf Amt und Würde achtete, sondern mit Leidenschaft und Courage handelte.

Gerade in den kalten, sternenklaren Nächten des Lebens, in denen Menschen im Jammer sitzen, wird der heilige Nikolaus zum Licht im Dunkeln. Er ist der Wanderer in kalter Nacht, der umhergeht, um auf die Menschen Acht zu geben. Er erinnert uns daran, was wir sein sollen: Salz der Erde und Licht der Welt. Er wirft den Anker der Hoffnung aus über den Untiefen des Lebens und hält das Schiff der Liebe auf Kurs. Weil Jesus sein Kapitän auf dem Schiff der Liebe Gottes ist.

Durch Nikolaus‘ Wirken wird etwas deutlich vom Weltadvent überhaupt, denn an Weihnachten werden wir hören: „Erschienen ist die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes.“ Und genau diese Güte hat der heilige Nikolaus gelebt und sichtbar gemacht. In dieser wahrhaft adventlichen Gestalt des Bischofs von Myra webt Gott mit dem roten Faden der Liebe am Schöpfungs-Teppich seiner Liebe zu uns Menschen weiter. Nikolaus ist ein Nothelfer und ein Pilger Gottes, durch den Barmherzigkeit in die Welt fließt. Barmherzigkeit, die sich mit dem roten Faden der Liebe der Sache Jesu in unsere Herzen verwebt. Wir feiern sein Fest und seine guten Gaben, weil er uns auffordert, ihm nachzufolgen: Geh um, hab auf die Menschen acht! Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!

von Br. Balthasar Hartmann OSB

O Heiland, reiß die Himmel auf,
herab, herab vom Himmel lauf,
reiß ab vom Himmel Tor und Tür,
reiß ab, wo Schloss und Riegel für.

Es ist schon ein wenig überraschend, in einem Adventslied gleich zu Anfang eine solche Dynamik zu finden.
Da soll angepackt werden, und es ist kein feierliches „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“, sondern die Tore des Himmels werden gleich ganz aus den Angeln gerissen. Nicht viel von stiller romantisch besinnlicher Adventszeit.
Der Text des Liedes, das wahrscheinlich die meisten von ihnen kennen, stammt von dem Jesuiten Friedrich Spee und tauchte das erste Mal 1622 in einer Liedsammlung in Würzburg auf.
Sein Text nimmt Bezug auf das Buch Jesaja, dessen Texte uns traditionell durch den Advent begleiten. Sie beschreiben prophetisch die Ankunft des Heilands, und wie das die Welt verändern wird. Da ist von der Wüste die Rede, die fruchtbar wird. Das bekannteste Bild ist der Wurzelstock, der zu sprossen beginnt.
All das sind Bilder, die Hoffnung machen, aber auch von der Hoffnungslosigkeit erzählen, in der sich Menschen befinden.

Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt,
darauf sie all ihr Hoffnung stellt?
O komm, ach komm vom höchsten Saal,
komm, tröst uns hier im Jammertal.

Heute ist es in Vergessenheit geraten, dass die Adventszeit einmal auch eine Bußzeit war, genau wie die Fastenzeit vor Ostern. Und genau wie in der Fastenzeit bereitete man sich durch gutes Handeln auf das Fest vor, aber auch mit dem Blick darauf, sich selbst im Himmel einen Platz durch gute Taten und gutes Handeln zu sichern. Dieses altmodische Bild findet sich noch ganz aktuell darin, dass die Adventszeit immer noch die Zeit ist, in der die meisten Spenden gesammelt werden. Und wenn wir vielleicht gerade genüsslich in einen Lebkuchen gebissen haben, dann sei hier auch erwähnt, dass Lebkuchen einmal eine Fastenspeise waren, sozusagen ein Powerriegel, der dabei geholfen hat, durch eine karge Zeit zu kommen.
Aber grundsätzlich ist uns das Bild des Sünders, der Buße tun muss, heute fern.
Die Hoffnung und der Trost, die aber in den Texten zu finden sind, sprechen uns immer noch genauso an wie einst.

O klare Sonn, du schöner Stern,
dich wollten wir anschauen gern;
o Sonn, geh auf, ohn deinen Schein
in Finsternis wir alle sein.

Die Zeiten, in denen das Lied erschien, waren keine leichten Zeiten, der 30-jährige Krieg zog mit seinen Schecken durch das Land. Die Menschen waren ausgebrannt, hatten wenig Hoffnung, und der Wahn der Hexenverfolgung machte sich in ganz Deutschland breit. Friedrich Spee war ein Kind seiner Zeit, aber sein Blick führte über diese Zeiten hinaus, und er wurde von der Hoffnung genährt, die er aus seinem Glauben ziehen konnte, aber auch konkret von seinem Empfinden für Gerechtigkeit.
Er gehörte zu den wenigen Menschen, die Folter als nicht rechtens sahen, und er war ein entschiedener Gegner der Hexenverfolgung.
Und man ist sich heute sehr sicher, dass er mit seinem unvergessenen Lied nicht nur einen Adventsklassiker geschrieben hat, sondern auch ein politisches Lied. Also ganz ein politscher Protestsong wie von Bob Dylan oder Tracy Chapman.
Und dann kann man auch das Stoßgebet der ersten Strophe besser verstehen, aus dem eine gewisse Wut spricht, und das Bild des fruchtbringenden Regens in der folgenden Strophe kann durchaus auch als Metapher gelesen werden von einem Regen, der die Feuer der Scheiterhaufen löschen wird.

O Gott, ein’ Tau vom Himmel gieß,
im Tau herab, o Heiland, fließ.
Ihr Wolken, brecht und regnet aus
den König über Jakobs Haus.

Ich finde es ein schönes Bild, das die Hoffnung und der daraus wachesende Mut von Friedrich Spee bis in unsere Zeit immer noch zu spüren ist, indem er uns dieses Lied geschenkt hat.
Und vielleicht können wir auch ein wenig von dieser Hoffnung in unseren Advent mitnehmen.