Öffne deinen Mund für den Stummen, für das Recht aller Schwachen! Öffne deinen Mund, richte gerecht, verschaff dem Bedürftigen und Armen Recht. (Spr 31,8-9 – ganze Lesung: Spr 31,1-9)

Immer wieder gibt es die Diskussion, ob Religion Privatsache sei. Oder: Muss Religion politisch sein? Wenn wir den Abschnitt aus dem Buch der Sprichwörter ernst nehmen, stellt sich diese Frage nicht. Religion – und speziell auch das Christentum –  hat anwaltliche Funktion. Sie muss auf Missstände hinweisen und sich einmischen. Überall wo Unrecht herrscht und Unterdrückung geschieht, wird dem Reich Gottes Gewalt angetan. Da ist Kirche gefordert. Aber nicht nur die Kirche als Institution, sondern ein jeglicher Christ. Dort wo wir Unrecht wahrnehmen, dürfen wir nicht schweigen. Da wo wir Unrecht wahrnehmen, dürfen wir nicht warten. Warten auf das, was andere denken, warten, bis es eine offizielle Mitteilung gibt. Ich wünsche mir Christen und ich wünsche es mir bei mir selbst, dass wir uns einmischen, da wo Unrecht geschieht. Dass wir die Angst überwinden. Ziel für uns Christen ist es, MitarbeiterInnen der Gerechtigkeit zu sein.

Br. Benjamin Altemeier OSB