RB 4 (Die Werkzeuge der geistlichen Kunst), V. 3-7

Du sollst nicht töten; nicht die Ehe brechen; nicht stehlen; nicht begehren; nicht falsch aussagen.

Was sollen solche Anforderungen für Mönche bedeuten? Es erklärt sich ja eigentlich von selbst, dass wir nicht töten, nicht die Ehe brechen, nicht stehlen usw.

Das 4. Kapitel der Benediktsregel ist auch eine Taufkatechese. Der Täufling bekam die wichtigsten christlichen Regeln auf diese Weise mitgeteilt. In der Osternacht feiern wir auch unsere ganz persönliche Tauferneuerung. Wir erinnern und erneuern unser Taufversprechen. In der Vorbereitung auf Ostern hin ist es hilfreich, sich mit den elementaren Fragen, was die Nachfolge Jesu für mich bedeutet, auseinanderzusetzen. Worte können verletzen und sogar töten; Treue muss ich auch in schwierigen Zeiten üben und nicht vorschnell aufgeben; mit dem, was ich habe, darf ich zufrieden sein. Ich bin eingeladen, Achtung vor dem Anderen, meinem Gegenüber zu haben und zu leben. Das sind in der Umkehrung Handlungsanweisungen, die ich mir immer wieder in Erinnerung rufen darf.

Br. Benjamin Altemeier OSB

RB 4 (Die Werkzeuge der geistlichen Kunst), V. 1-2

Zuerst: Den Herrn, Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit ganzer Kraft. Dann: Den Nächsten lieben wie sich selbst.

Der Aschermittwoch beginnt mit einem besonderen Zeichen: dem Aschenkreuz. Das Aschenkreuz steht für Vergänglichkeit. Gleichzeitig ist dieses mahnende Zeichen ein Signal des inneren Aufwachens, einer klaren Bewusstwerdung und einer Mahnung, was wesentlich im Leben ist. Die Fastenzeit soll uns auf Ostern hin vorbereiten. Das Thema von Ostern ist Leben. Somit sind wir in diesen 40 Tagen eingeladen, inne zu halten und auf unser je eigenes Leben zu blicken. Der heilige Benedikt gibt uns zwei „Werkzeuge“ an die Hand, um über unser Leben zu reflektieren. Das Thema der Werkzeuge ist die Einheit von Gottes-, Selbst- und Nächstenliebe. Zu Beginn der Fastenzeit darf sich jeder bewusst machen, dass er Gottes geliebtes Kind ist. Unsere Antwort auf die Erstinitiative Gottes ist die Gottes-, Selbst- und Nächstenliebe. Wir dürfen uns fragen: Wie gestalte ich die liebende Beziehung zu meinem Gott? Wie gestalte ich aus der Gottesliebe heraus die Beziehung zu meinem Nächsten? Wie liebevoll gehe ich mit mir selber um?

Antworten auf diese Fragen, die eine Einheit bilden, wollen in dieser Fastenzeit in uns reifen.

Br. Emmanuel Panchyrz OSB

Auch in diesem Jahr soll es wieder in der Fastenzeit Impulse aus der Abtei geben. Der hl. Benedikt schreibt in seiner Regel, dass jeder Mönch in der Fastenzeit ein „Buch aus der Bibliothek“ (gemeint ist ein Buch aus dem Kanon der Hl. Schrift) erhalten soll, das er von vorne bis hinten lesen soll (vgl. RB 48,15). Von diesem Satz ausgehend möchten wir Ihnen in diesem Jahr ein Kapitel unserer Ordensregel näherbringen, und zwar das 4. Kapitel, das mit „Werkzeuge der geistlichen Kunst“ überschrieben ist. Hier finden sich viele kleine Weisungen und Werkzeuge, „Tools“, die helfen können, das alltägliche Leben in der Nachfolge Jesu gut zu leben.
Wir werden an jedem Tag der Fastenzeit den Impuls auf unserer Website einstellen. Sie können aber auch die täglichen Impulse von Aschermittwoch bis Ostern täglich als E-Mail-Newsletter empfangen.

Angekommen und gesandt sein (Mt 3,13-17)

„Lass es nur zu!“

In der Taufe Jesu und in unserer je eigenen Taufe öffnet sich der Himmel über jedem Menschen. So spricht Gott zu uns Menschen: „Du, Mensch, bist mein ewig geliebtes Kind. Du bist meine geliebte Tochter, du bist mein geliebter Sohn.“ Wenn wir diese Zusage in unserem Wesensgrund annehmen, diese Zusage in unserer innersten Herzenskammer strahlt, dann sind wir bei uns selbst und bei Gott angekommen.  Gottes geliebte Tochter und Gottes geliebter Sohn zu sein bildet ein inneres Fundament, welches uns in unserem Leben zu tragen vermag. Unsere Resonanz darauf ist, durch unser Leben dieses immer wieder neu durchzubuchstabieren. Unser innerer Auftrag ist es, Zeuge dieser Grundbejahung durch Gott zu sein und es heute in dieser Welt fruchtbar zu übersetzen. Wir schauen dann tiefer auf jeden Menschen, da Gottes Bejahung jeden von uns bewohnt. Diese Grundannahme und Bejahung durch Gott gleicht einem Bundesschluss, der nie mehr aufgekündigt wird: Lass es nur zu!

Br. Emmanuel Panchyrz OSB

Ankommen an der Krippe (Mt 2,1-12)

Mathematik ist eine Sprache, die eine besondere Welt zu beschreiben vermag. Sie kann aber auch Bilder für das Seelenleben eröffnen.
So fühlen wir Menschen uns manchmal so, wie die Mathematik einen „Strahl“ erklärt: es ist eine Linie, die an einem Punkt beginnt und sie streckt sich unbegrenzt aus. Definiert wird diese Linie allein durch 2 Punkte – mehr nicht. Sie geben die Position im Raum unverwechselbar an.

Wir sind unterwegs auf unserer Lebenslinie. Mitunter stellen wir uns die Frage, woher wir kommen. Mehr noch fragen wir aber, was das Ziel unseres Lebens sein könnte. Es ist die uralte Frage nach Herkunft und Zukunft.

Die Sterndeuter kennen diesen Zusammenhang aus einem größeren Kontext. Sie folgen einem Stern, einem Phänomen, das sie am Himmel beobachten. Der spiegelt sich in ihrer Seele wieder und die Bewegung beginnt. Ihre Deutung aus den tradierten Menschheitserfahrungen sagt, dass es ein Ziel geben muss, einen Fixpunkt auf den dahinfließenden Lebenslinien. Sie erwarten diesen Punkt als etwas ganz Großes, als Chance, als endgültigen Ankommen. Das ermutigt sie, die Reise intensiver zu beginnen, die Berge und Hürden zu überwinden, Gefahren zu meistern. Sie stellen sich der ständigen Herausforderung des Lebens: dem Warten, der Einseitigkeit, der frustrierten Langeweile.
Sie finden in der Tat einen ersten Anhalts-und Ausgangspunkt und wagen den Aufbruch. Als der Stern die Bewegung verliert und stillsteht, erwarten sie das große Ziel, die endgültige Ankunft, eine Heimat.

Sie finden aber wenig Endgültiges: ein Kind, eine Mutter, den Vater und das alles in erbärmlichen Umständen. Sie suchen einen Palast und finden einen Stall, sie schauen nach einem mächtigen König aus und erleben einen obdachlosen Asylanten. Sie sehnten sich nach Endgültigkeit und finden Vorübergang.

War der Weg vergeblich? Mit dem Bild aus der Mathematik würde ich sagen: Sie fanden den zweiten Koordinatenpunkt ihres Lebensweges. Er zeigt die Richtung eindeutig an. Ein so definierter Weg gibt mitunter mehr Halt, als das noch so großartige, aber immer menschengedachte Ziel.

Das Ziel unseres Lebens ist uns allen übrigens durchaus klar. Wir können es als Ende oder als Durchgang erwarten und haben es doch nie in der Hand. Den Weg dahin aber können wir suchen und ausrichten. Er fällt uns leichter, wenn wir zumindest eine Richtung verfolgen können.

P. Abraham Fischer OSB

 

Ankommen aus dem Tod in das Leben

„Wir wissen, dass wir aus dem Tod in das Leben hinübergegangen sind; denn wir lieben die Schwestern und Brüder. Wer nicht liebt, der bleibt im Tod.“
(1 Joh 3,11-21)

„Tod, wer bist du, Bruder – oder Feind?
Bist du, der uns vom Leben trennt – oder uns mit ihm vereint?“

Zeilen aus einem Lied von Siegfried Fietz.
Der Tod ist unausweichlich.
Nur die Frage nach Ort und Zeit und Umständen sind offen.

Und dann die Frage, die Fietz stellt:
Was ist denn der Tod für mich?
Macht er mir vor allem Angst, weil er mir auch das Letzte nimmt,
mich „nicht mehr mitspielen lässt?“ (Eckhard von Hirschhausen)

Oder ist er das Tor zu einem ganz anderen Leben,
ein Leben, auf das ich hoffen kann durch die Auferstehung Jesu?

Der Abschnitt aus dem 1. Johannesbrief
weitet diese Fragen aus – auf mein Leben heute!
Wenn wir glauben, „aus dem Tod in das Leben hinübergegangen“ zu sein:
merkt man mir das an?
Strahlt die Hoffnung in meinem Leben durch?
Ja, mehr noch:
prägt sie mein Denken und Handeln?
Das kann dann nur von Liebe geprägt sein!
„Wer nicht liebt, der bleibt im Tod.“

Also lasst uns leben – und lieben!

„Habt keine Angst vor dem Tod.
Und habt keine Angst vor dem Leben.“
(Wilhelm Willms)

P. Guido Hügen OSB

Ankommen in der Entscheidung zwischen Sünde und Gerechtigkeit

Meine Kinder, lasst euch von niemandem in die Irre führen! Wer die Gerechtigkeit tut, ist gerecht, wie er gerecht ist. Wer die Sünde tut, stammt vom Teufel; denn der Teufel sündigt von Anfang an. Der Sohn Gottes aber ist erschienen, um die Werke des Teufels zu zerstören. Jeder, der von Gott stammt, tut keine Sünde, weil Gottes Same in ihm bleibt, und er kann nicht sündigen, weil er von Gott stammt.
(1 Joh 3,7-10)

Bei dem heutigen Thema fällt mir mein Namenspatron ein, wie er mit seinen Gefährten dem Stern gefolgt ist, wie sie das göttliche Kind gefunden haben und es anbeten.
Auf ihrem Rückweg entscheiden sie sich bewusst für einen anderen Weg, denn im Traum wurden sie von einem Engel gewarnt, und sie wissen, welche Gefahr von König Herodes ausgeht, und daher werden sie nicht nochmals Herodes besuchen.
Angekommen, etwas Unbegreifliches, Unerwartetes vorgefunden haben, und dann gleich einen anderen Weg gehen müssen, ganz im Vertrauen auf das Neue.
Das klingt auch ein ganz wenig irre, was die drei Weisen da machen, dabei scheint es aber ja gerade aus der persönlichen Verirrung zu führen. Unbegreiflich, einen König in einer Krippe vorzufinden, und unerhört, ganz besonders im gastfreundlichen Orient, die Einladung eines amtlichen Königs auszuschlagen. Was ist auf dieser Reise mit ihnen geschehen?

Was wird auf unserer Reise geschehen?
Ganz egal, wo wir gerade hin aufbrechen, oder wo wir uns wiederfinden, da ist immer ein Stern. Nicht fern in irgendeiner Galaxis, sondern ganz in uns. Er zeigt uns den Weg, lässt etwas wachsen, und lehrt uns, dass im Urgrund von uns Menschen nichts Böses ist.

Br. Balthasar Hartmann OSB

Ankommen als Kinder Gottes

Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es. (1 Joh 3,1)

„In diesem Jahr schenken wir uns nichts.“ So sagen es viele Menschen, um auszudrücken, dass sie ihre Liebe und Zuneigung zueinander nicht von äußeren Geschenken, von materiellen Werten abhängig machen wollen. Und daran ist sicher auch viel Richtiges. Und es gibt auch den Fall, dass man mit vielen Geschenken etwas zu kompensieren versucht, z.B., einen Mangel an Zeit für die Kinder.

Nun erlebe ich es allerdings oft, dass Menschen, die den oben genannten Satz sagen, sich dann letztlich doch etwas schenken. Offenbar braucht die Liebe manchmal auch den äußeren Ausdruck.

Die Tradition, dass wir uns etwas schenken an Weihnachten, ist der äußere Ausdruck dessen, dass wir Beschenkte sind. Dass Gott uns an Weihnachten das große Geschenk seiner Liebe gemacht hat. Er hat uns seinen Sohn geschenkt – und uns dadurch zu Kindern Gottes gemacht. Er hat uns eine Würde geschenkt, die uns keiner mehr nehmen kann. Wenn wir uns das immer neu bewusst machen, dann macht es auch durchaus Sinn, dass wir uns gegenseitig etwas schenken – und unserer Liebe zueinander so einen Ausdruck zu geben versuchen…

Schauen Sie heute doch mal die Geschenke an, die Sie an Weihnachten bekommen haben, die Karten, die äußeren Zeichen. Und denken Sie dabei an den Menschen, der Ihnen das geschenkt hat. Spüren Sie die Liebe, die dahinterstehen mag. Und dann denken Sie an die Liebe, mit der Gott Sie liebt. Und füllen Sie sich langsam mit dieser Liebe an – mit jedem Atemzug…

P. Maurus Runge OSB

Ankommen in der Wahrheit

Für euch gilt: Was ihr von Anfang an gehört habt, soll in euch bleiben; wenn das, was ihr von Anfang an gehört habt, in euch bleibt, dann bleibt ihr im Sohn und im Vater.
(1 Joh 2,24-25)

Das Wort Wahrheit kann in der inneren Vorstellung und der Erwartung manchmal sehr groß werden und ist dann fast nicht zu begreifen. Dabei muss Wahrheit nicht immer ein großes, ideales Gebäude sein. Wahrheit kann auch sein, dass wir einfach einmal mit uns selbst ganz ehrlich sind und uns fragen, wie es uns gerade wirklich geht.
Sind wir erschöpft, oder können wir Bäume ausreißen? Jetzt am Anfang des neuen Jahres ist ein guter Zeitpunkt, einmal eine eigene Bestandsaufnahme zu machen und in die Innenschau zu gehen. Vielleicht unser System sogar zu resetten, wenn wir es für nötig halten.
„Ruhe ist für die Seele der Anfang der Reinigung“, sagt der Mönch und Kirchenvater Basilius, dessen Gedenken heute gefeiert wird. In der Ruhe finden wir zu uns, und können uns selbst auch nicht mehr so viel vormachen.
Die Natur zeigt uns gerade sehr viel in ihrer Kargheit. Die Tage werden wieder länger und etwas heller, aber die Natur selbst erreicht gerade ihren ruhigsten Punkt. Aber im Verborgenen sammelt sie Kraft, der Anfang ist gemacht, und das, was da kommen wird, können wir erahnen oder in der einen oder anderen Knospe schon sehen.
Der Jesuit und Meditationslehrer Franz Jalics hat einmal gesagt, die Natur ist unser größter Lehrmeister. Und er meinte damit ganz konkret eine Übung, die uns beim Stillwerden helfen kann. Es lohnt sich, einfach in die Natur zu gehen und das wahrzunehmen, was uns dort begegnet, es nicht gleich mit unserem Kopf zu hinterfragen. Ganz wie ein Kind in das sinnliche Erleben gehen. Diese Übung kann uns helfen, leicht runterzukommen, aber wir werden auch beschenkt, und es kann passieren, dass uns etwas tief innerlich trifft. Im Wahrnehmen erleben wir Wahrheit. Ganz leicht, tief aus einer gesammelten Kraft, und sie beschenkt uns ganz still.

Br. Balthasar Hartmann OSB

Ankommen im neuen Jahr – Ihr sollt ein Segen sein!

Der Herr segne und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. (4 Mose 6, 24-26)

Diesen Segen bekommen wir in der Lesung zugesprochen. Zunächst einmal kommt der Segen über uns von Gott her. Segnen heißt im lateinischen benedicere. Gutheißung. Wir Menschen sind von Gott Gutgeheißene. Nicht nur einige Menschen, sondern alle Menschen. Egal welcher Hautfarbe, welchen Alters, welchen Geschlechtes und auch welcher sexuellen Orientierung. Schon in der Schöpfungsgeschichte heißt es nach jedem Schöpfungstag: Und Gott sah, dass es gut war. Was also Gott gutgeheißen hat, dürfen wir nicht schlechtreden.

Wir sind von Gott gewollte Menschen. Sehe ich mich selber so? Heiße ich mich gut? Habe ich eine Freude an mir?

Und mein Nächster in Familie oder Freundeskreis? In Gemeinschaft oder am Arbeitsplatz? Gestehe ich dem Anderen zu, auch ein von Gott Gesegneter zu sein?

Mein Neujahrsvorsatz ist: Ich möchte mich selbst als von Gott Gesegneter sehen und diese Zusage für andere fruchtbar machen. Ich möchte zum Segen für die Menschen sein, denen ich in diesem Jahr begegnen werde. Dann kann wenigstens im Kleinen ein wenig Frieden werden, der uns im Segen zugesagt wird.

Br. Benjamin Altemeier OSB