Neue Wege wagen, indem man Brücken baut

Die Ordensschwester Ruth Pfau ( * 9.September 1929 in Leipzig; † 10. August 2017 in Karatschi) ist in ihrem Leben viele neue Wege gegangen. Als Medizinstudentin konvertierte sie zum katholischen Glauben und trat später in den Orden der „Gesellschaft der Töchter des Herzens Mariä“ ein. Das passte an sich sehr gut, denn in ihrem Leben ist sie auch oft spontan ihrem Herzen, ähnlich wie Maria, gefolgt, und ihr Lebensweg hat dann eine ganz neue Richtung genommen.

Als ihr Orden sie nach Indien aussandte, musste sie einen Zwangsstopp bei Mitschwestern in Pakistan einlegen, da das Visum für Indien auf sich warten ließ. Bei einem Krankenhausbesuch erlebte sie das Leid von Leprakranken, und sie beschoss gleich vor Ort zu bleiben und den Kranken dort zu helfen. Der Rest ist Geschichte.

Schwester Ruth bekämpfte ihr Leben lang die Lepra und Tuberkulose in Pakistan und schaffte es, dass die Krankheiten dort heute weitgehend besiegt sind. Sie wurde zu einer geschätzten und viel geehrten Person, und nach ihrem Tod bekam sie sogar ein Staatsbegräbnis, auch wenn sie das sicher so nie gewollt hätte. Denn sie blieb immer auf dem Boden, und ihre Arbeit mit Menschen war ihr das Wichtigste.

Dass Pakistan ein islamisch geprägtes Land ist und die Strukturen eher patriarchalisch sind, war für sie dabei kein Hindernis, denn sie ließ sich selbst nie von Vorurteilen leiten, sondern sah immer die Chancen und Möglichkeiten, die sich auftun, wenn man neue Wege geht und dabei eine Herzens-Brücke zwischen Religionen und Kulturen baut.

Br. Balthasar Hartmann OSB

Gebet eines Schafes zum Guten Hirten

Lieber guter Hirt! In den Geschichten der Schafserinnerung bist Du ein großer Held, weil Du es gewagt hast, anders zu sein als die anderen Hirten. Die haben sich nicht viel um uns Schafe gekümmert, haben immer pünktlich Feierabend gemacht und wenn sich mal eins von uns verirrt hatte, musste es draußen bleiben. Schafen passiert es eben schon mal, dass sie die Zeit und den Weg vergessen und ihrem Eigensinn nachlaufen.

Einige meiner Schafsverwandten habe ich dann am anderen Tag nicht mehr wieder gesehen. Die Älteren sagen, dass sie ein wildes Tier erlegt hätte, andere meinen, die Schafe wären in einem großen Garten namens Paradies wiedergesehen worden, wo so viel Wiese und so leckere Kräuter wachsen, wie man sie hier auf den Weiden niemals finden kann. Das hättest Du auch immer erzählt.

Du – guter Hirt – hast immer nach uns gesucht. Du sollst sogar in eine dunkle Schlucht gegangen sein, wo es sehr unheimlich war, um ein verlorenes Schaf zu suchen. Und eine Geschichte gibt es, dass Du mit Deinem Wanderstock mit wilden Tieren gekämpft hättest, bis sie kleinlaut davongelaufen sind.

Schafe werden ja unterschätzt, dumm sind wir nämlich überhaupt nicht. Da handelt es sich um eine grobe Verwechslung: Wesen, die in der Lage sind, anderen zu vertrauen, sind alles andere als dumm. Sie zeigen, dass es nur im Miteinander geht. Und dass Wesen schlau sein sollen, wenn sie andere versklaven und nur an sich selbst denken, diese Menschenmeinung kann man als Mitglied einer Schafsherde nun wirklich nicht teilen.

Lieber guter Hirt, ich vertraue Dir die heutigen Hirten an. Dass sie für die Schafe da sein können. Wir werden ja in letzter Zeit immer weniger. Nicht dass die Hirten arbeitslos wären, aber sie bekümmern sich nur noch um die leeren Ställe und flicken Zäune, die niemand mehr braucht, weil die Wiesen wild wachsen, ohne von ordentlichen Schafen abgegrast zu werden. Die Hirten vergessen ihre Berufung. Lieber guter Hirt, schenke den Hirten von heute Hoffnung, dass es auch mit wenigen Schafen erfüllend sein kann, auf die Weide zu gehen. Unsere Herden sind überaltert und nur wenig hört man das übermütige Määhhen junger Lämmer. Das kann einen schon traurig machen. Auch die Hirten sind ziemlich ratlos. Sie lassen viele Fruchtbarkeitsanalysen machen, woran es liegen könnte, dass es keine Lämmer mehr gibt.

Du, guter Hirte, warst immer mit einer kleinen Herde unterwegs. 12 Schafe sagen die einen, 72 wäre es gewesen, meinen die anderen. Du hast daher alle gut gekannt und hast gewusst, was das einzelne Schaf für einen Charakter hatte und was es an Besonderem brauchte.

Naja – jetzt genug gebetet. Gleich geht es auf die Weide. Ich freue mich schon auf das frische Grün und das Herumstreichen im Gelände.

Mach‘s gut und denke bitte an die heutigen Hirten, die können es echt brauchen, dass da ein guter Hirte auch für sie da ist.

P. Abraham Fischer OSB

Maria
Pilgerin der Hoffnung
mit einer Hoffnung unterwegs
mit Jesus, der Hoffnung der Menschen

Maria
Du Frau aus dem Volke
Nichts ist dir geblieben
auf dem Weg
mit dem, was du am Leib trägst
mit dem, den du im Leib trägst

Maria
Stern der Hoffnung
in deinem Glauben
deinem Vertrauen
deiner Hoffnung
bist du ein Stern der Hoffnung
für unsere Welt

P. Maurus Runge OSB

Ausgerechnet Johannes soll eine Person der Hoffnung sein? Bei mir ist er unter der Rubrik „strenger Mahner“ abgespeichert. Ein Mann der Wüste und ein Mann, der sich von wildem Honig und Heuschrecken ernährt.
Und dann ist er aber auch derjenige, der uns auf das Lamm Gottes hinweist, das hinweg nimmt die Sünden der Welt. Johannes ist ein Hoffnungswegweiser. Er ist nicht selbst der Hoffnungsträger. Aber das Lamm Gottes, das hinweg nimmt die Sünden der Welt, Jesus Christus, lässt uns aufatmen. Wie oft erlebe ich Menschen, die von Schuld niedergedrückt sind. Die den aufrechten Gang wegen ihrer Unvollkommenheit und Schwäche und natürlich auch wegen der begangenen Fehler in ihrem Leben vergessen haben. Johannes weist uns auf Christus hin. Er nimmt die Schuld von unseren Schultern. Wir müssen uns nicht mehr schämen ob unserer Schuld. Sie ist vergeben.

Meine Hoffnung ist, dass unsere Kirche diese Dimension von Erlösung und Heil-Sein immer stärker in den Vordergrund stellt.

Br. Benjamin Altemeier OSB
Bild: Johannes d. T. in der Wüste, Gemälde des Berner Nelkenmeisters, um 1490

Als Ambrosius von Mailand noch ungetauft am 7. Dezember 374 einstimmig zum Bischof von Mailand gewählt wurde, geschah das wohl deshalb, weil die Wähler in ihm eine überzeugende Hoffnungsgestalt sahen. Eigentlich war das kirchenrechtlich unmöglich. Aber die Situation in der Kirche brauchte Personen von Format. Die Kirche im römischen Reich drohte wegen unterschiedlicher Glaubensauffassungen auseinanderzubrechen. Von Ambrosius, dessen Geschick als Vermittler während seiner Zeit als höchster ziviler Verwaltungsbeamter der Stadt bekannt war, erwartete man, zwischen den verfeindeten christlichen Gruppen einen Ausgleich zu finden. Tatsächlich gelang es ihm, einen endgültigen Bruch zu verhindern, nicht zuletzt durch seine charismatischen Predigten, gehaltvollen Schriften und sein kirchenpolitisches Talent.

Wie sehr Ambrosius aus der Hoffnung lebte, offenbart sein Hymnus „Veni redemptor gentium“ – „Komm, du Erlöser der Völker“, im Gotteslob übersetzt mit „Komm, du Heiland aller Welt“ (Nr. 227), und bei Martin Luther „Nun komm, der Heiden Heiland.“

Veni – Komm
Nun komm doch endlich!
Es darf doch so nicht weitergehen!
Wir allein schaffen es nicht!

Wenn ich den Hymnus höre, fallen mir sofort diese Sätze ein.
Angesichts unserer Unsicherheit,
in den Ohren die Schreie nach Frieden.
Die Zeit drängt, wir brauchen Dich!
Nicht irgendwann, sondern nun.
Wir reden nicht darüber, sondern rufen ihn an, vielleicht mit anderen Worten und Bildern. Komm hinein in unsere Not, für die wir kaum Worte haben. Rette uns! Komm hinein auch in meine Welt und ihre Dunkelheiten.

P. Johannes Sauerwald OSB

„Nikolaus komm in unser Haus,
pack die großen Taschen aus.“

Wer kennt sie nicht, die ersten Zeilen
des wohl bekanntesten Nikolausliedes.

Ist es das, was Nikolaus zu einem Menschen der Hoffnung macht?
Für viele ist es zumindest eine stille Hoffnung:
dass in der Nikolausnacht die Stiefel gefüllt werden,
dass am Nikolaustag der „Nikolaus“ kommt
und gute Gaben aus dem Sack oder den großen Taschen holt.

Ist es das schon?

Sicher kennen Sie auch einige der vielen der Legenden über den Hl. Nikolaus.
Z.B. die über sein „Kornwunder“:
In einer Zeit der Hungersnot kam ein Schiff mit Korn in den Hafen der Stadt.
Nikolaus gab den Seeleuten das Versprechen, es solle ihnen nicht ein Gramm fehlen,
wenn sie ein wenig von dem Korn gäben.
Oder die über den Seesturm:
Ein Schiff geriet in Seenot und nichts, was die Seeleute taten, half.
Da erschien Niklaus am Bug des Schiffes
und sagte ihnen zu, sie würden gerettet werden.
Oder die über die drei verarmten Jungfrauen,
deren Vater nichts hatte, um eine Aussteuer für die drei zu finanzieren.
Nikolaus half heimlich (und dann doch entdeckt)
mit goldenen Äpfeln.

Legenden.
Ja.
Oder doch Anregung und Ansporn für uns?

Wem mache ich Hoffnung – es muss ja nicht gleich ein Wunder sein.
Aber Mutmachen und Zuspruch geben – das hilft.
Wem kann ich Hoffnung machen mit den kleinen Gaben, die ich geben kann?

Wem mache ich Hoffnung, indem ich einfach da bin?
Weil ich zuhören kann?
Weil ich von meinen Erfahrungen erzähle?

Der Hl. Nikolaus macht mir da Mut!

P. Guido Hügen OSB

Heute feiert die Kirche den Gedenktag des hl. Bischofs Anno. Er stammte aus schwäbischem Geschlecht, wurde in Bamberg ausgebildet und war dann als Propst in Goslar tätig. 1056 wurde er Erzbischof von Köln. Kirchenpolitisch trug er in seiner Zeit zur Beilegung des sog. Papstschismas bei – damals gab es neben dem Papst auch einen Gegenpapst – sodass er für viele die Hoffnung auf Versöhnung verkörperte. Am 4. Dezember 1075 starb er in Köln. In der ehemaligen Benediktinerabtei Siegburg wird sein Schrein heute verehrt.

Anno gilt als Stifter vieler Klöster. Im Jahr 1072 schickte er Mönche nach Grafschaft, um dort ein Kloster zu gründen. Als Benediktinerkloster bestand es bis 1803, als viele Klöster im Zuge der Säkularisierung aufgehoben wurden. Heute finden sich in Grafschaft das Mutterhaus der Borromäerinnen und ein großes Krankenhaus. Bis heute gedenken wir in Königsmünster täglich der verstorbenen Mönche des aufgehobenen Klosters, und im Altar unserer Krypta befindet sich der Reliquienschrein des alten Klosters. Wir stehen sozusagen auf den Schultern dieser Mönche.

Die Geschichte des Bischofs Anno zeigt mir, dass wir Teil einer langen Geschichte sind. Wir haben eine Vergangenheit, stehen auf den Schultern unserer Vorfahren, um so Schritte in die Zukunft gehen zu können. Das gibt Hoffnung, denn ich muss nicht alles in meiner beschränkten Lebenszeit allein schaffen, sondern darf weiterbauen an dem, was die Menschen vor mir getan haben. Und ich darf vertrauen, dass es nach mir Menschen gibt, die an meinem Werk weiterbauen. Und die größte Hoffnung ist die, dass Gott diese Welt – trotz allem, was gerade dagegen zu sprechen scheint – in seinen Händen hält.

P. Maurus Runge OSB

Barbara –

Benannt: „Wilde“

Wohl wild entschlossen,

im Garten Gottes

blühend.

 

Opfer des Vaterstolz:

Unglaubend umflutet

Tränkt er Erde

Mit ihrem Blut

 

Sie wird

Flamme – Rose

Sich vergießend

 

Gegründet in Glauben

Verwurzelt dem Geheimnis

Fenster himmelwärts

Standhafter Turm

In unsren Seelen

 

P. Abraham Fischer OSB

Ein Mensch der Hoffnung überschreitet Grenzen. Grenzen zu anderen Menschen, zu anderen Völkern und Kulturen. Franz Xaver, der 1506 in Spanien geboren wurde, war so ein Mensch. Er schloss sich dem gerade neu entstehenden Jesuitenorden um Ignatius von Loyola an und ging im wörtlichen Sinn bis an die Grenzen der Erde nach Indien, Sri Lanka und Japan, um den Menschen dort die Frohe Botschaft von Jesus zu verkünden. Er war, wie es im Ersten Petrusbrief heißt, „stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die ihn erfüllt“ (1 Petr 3,15). Viele Menschen ließen sich von der Hoffnung des Franz Xaver begeistern und wurden Christen. Am 3. Dezember 1552 starb Franz Xaver auf dem Weg nach China. Er ist in Goa in Indien begraben.

Grenzen überschreiten – das ist eine Aufgabe, vor die wir gerade als Christen immer wieder gestellt sind. Keine Grenzen zu schließen, wie es heute verstärkt diskutiert wird, sondern Grenzen zu öffnen und sich ganz auf den fremden Menschen einzulassen, ja vielleicht sogar von ihm zu lernen. Meine Erfahrung als Missionsprokurator, der oft in fremden Kulturen unterwegs ist, ist es, dass ich dabei viel lerne und unendlich bereichert werde.

Wo kann ich in dieser Adventszeit Grenzen überschreiten – zu mir, zu anderen, zu Gott?

P. Maurus Runge OSB
Bild: Andrea Pozzo um 1701: Franz Xaver tauft die indische Königin Neachile – Joachim Schäfer – Ökumenisches Heiligenlexikon

Menschen der Hoffnung: Jesaja (2.12.2024)

Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und Winzermesser aus ihren Lanzen. (aus Jes 2,1-5)

Ich bin ein Kind des kalten Krieges. Ich kenne die Aufnäher auf den Parkas mit dem Spruch „Schwertern zu Pflugscharen“ zu jener Zeit. Ich kenne noch das ständige Bedrohungsgefühl. Wie oft habe ich in dieser Zeit die Verheißungen des Jesaja gelesen, und sie haben mich getröstet. Nach vielen Jahren schien sich die Verheißung nach Frieden zu erfüllen. Wie ein Wunder öffneten sich die vielen Grenzen, und die Bedrohung nahm ab. Nun erleben wir wieder eine Zeit zahlloser Konflikte und Kriege. Die Hoffnung, dass sich die Prophezeiung des Jesaja erfüllen möge, darf dennoch nicht erlöschen. Die Hoffnung des Jesaja hat mich nie losgelassen. Auch jetzt nicht. Im Kleinen versuche ich abzurüsten. Mit meiner Sprache, im Umgang mit meinen Nächsten. Abzurüsten in der Sprache der Gewalt. Ich hoffe, dass auch dies Schritte zum Frieden sind.

Br. Benjamin Altemeier OSB