von P. Maurus Runge OSB
Im Himmel treffen sich George W. Bush, Barack Obama und Donald Trump vor Gottes Richterstuhl. Zu Bush spricht Gott: „Setze dich zu meiner Rechten“, zu Obama: „Setze dich zu meiner Linken!“ Als er sich Trump zuwenden will, unterbricht ihn dieser und sagt: „Du sitzt auf meinem Platz!“
Dieser Witz illustriert sehr schön, was im Buch Genesis als die Grundversuchung des Menschen beschrieben wird: das Sein-Wollen wie Gott. Alles haben Mann und Frau im Paradies, nur eins dürfen sie nicht – und genau das ist es, was sie wollen. Wir begehren oft das, was wir nicht haben oder haben dürfen – das ist wohl ein menschliches Grundthema, das viel Leid in die Welt und in unser persönliches Leben bringt.
Diese Grundversuchung – sein zu wollen wie Gott – ist aber nichts, was für mächtige Politiker reserviert ist. Modern sprechen wir heute von „toxischer Männlichkeit“, ein Phänomen, das vor allem bei Männern anzutreffen ist. Was das für gefährliche Ausmaße annehmen kann, das sehen wir gerade bei den Enthüllungen im Fall Epstein, die eine wahrhaft diabolische Seite im Menschen offenbaren. Aber wir kennen diese Versuchung auch aus unserem alltäglichen Leben. Sie äußert sich in den folgenden Fragen: Warum soll ich eigentlich andere, die da oben, – oder Gott – darüber bestimmen lassen, was gut für mich ist? Warum nicht mein Schicksal selbst in die Hand nehmen, koste es, was es wolle? Jeder ist sich selbst der Nächste, und die Schwächeren müssen dann eben ausselektiert werden.
Jesus zeigt uns an seinem eigenen Schicksal drei Weisen dieser Grundversuchung – und er bietet uns Lösungen an. Die eigentliche Botschaft an diesem Evangelium, das wir am Anfang der Fastenzeit hören, ist, dass auch Jesus diese Versuchung nicht fremd geblieben ist, weil ihm eben nichts Menschliches fremd ist.
Da ist zunächst die Versuchung, mein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, große, außergewöhnliche Zeichen zu setzen: „Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird.“ Männer wie Jeffrey Epstein oder Donald Trump haben diese Versuchung bis ins Kleinste ausbuchstabiert: Ich habe das Recht, mir das zu nehmen, was ich will, und wer nicht mitspielt, der bekommt meine Macht zu spüren: Ökonomisch, politisch, sexuell. Jesus aber beruft sich auf einen Höheren, einen Größeren, der für ihn sorgen wird: „Der Mensch lebt nicht nur vom Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.“ Das Wesentliche im Leben kann ich nicht mit toxischer Männlichkeit erreichen, nein, letztlich offenbart diese vermeintliche Stärke nur meine Schwäche, meine Angst, im Spiel des Lebens zu kurz zu kommen.
Die zweite Versuchung könnten wir die Versuchung der Sensation nennen: „Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab“. Diese Versuchung ist in den Zeiten der Sensationspresse mit ihren immer blutrünstigeren Schlagzeilen und der sozialen Medien mit den immer neuen und größeren Challenges vielleicht die aktuellste. Auch hier kontert Jesus mit einem Schriftwort: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.“ Sensationsgier letztlich als Versuchung Gottes: Ich bin nur wer, wenn ich größer, schöner und schneller bin als andere, wenn ich meine Besonderheit herausstelle – koste es, was es wolle. Schwäche zu zeigen, gilt hier als Makel. Hier ist unsere moderne Medienwelt gnadenlos. Am Kreuz Jesu wird uns diese Versuchung, stark zu sein, wiederbegegnen: „Wenn du Gottes Sohn bist, dann steig herab vom Kreuz!“ Und auch Petrus wird zum Versucher, weil er nicht anerkennen will, dass Jesus sein Messiassein durch Leiden und Kreuz verwirklichen wird und anscheinend besser weiß, was für Jesus gut ist.
Schließlich die Versuchung der Macht: „Hier sind alle Reiche der Welt, die ich dir geben werde, wenn du mich nur anbetest.“ Dabei hat der Satan, der Versucher, heute viele Gesichter: der Satan des Geldes, der politischen Macht, der Einflussnahme, … Auch hier antwortet Jesus mit dem absoluten Vorrang Gottes: „Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten und ihm allein dienen.“
Wie wäre es, wenn wir in dieser Fastenzeit einmal versuchen, nicht aus toxischer Männlichkeit, aus der eigenen Stärke zu leben, die erbarmungslos andere niedermacht, sondern die eigene Schwachheit anzunehmen und uns bewusst zu machen, was uns alles unabhängig von unserer eigenen Leistung geschenkt worden ist? Die Evangelische Kirche in Deutschland hat die Fastenzeit unter das Motto gestellt: „Mit Gefühl! Sieben Wochen ohne Härte“, um hier ein Gegengewicht zu unserer Zeit der Stärke und Macht zu setzen. Wie wäre es, in dieser Fastenzeit einmal bewusst Zeichen der Empathie und des Mitgefühls zu setzen: ein lobendes Wort, eine Geste der Aufmunterung, eine Umarmung, ein tröstender Blick, …
Dann kann diese Fastenzeit für uns zu einer ganz persönlichen Wüstenzeit werden. Wüste, das ist ja nicht nur der Ort der Versuchung, das ist biblisch auch der Ort der ersten Liebe. Ein Ort, wo ich zurückkehre zu meinen Ursprüngen. Wo ich Gott wieder die erste Stelle in meinem Leben einräumen kann – gegen all die modernen Versuchungen, die ihn zu entthronen versuchen. Er ist es, der mich durch alle Versuchungen hindurch in eine größere Freiheit führen möchte – hin zu einem MEHR an Leben, zu größerer Weite, zu Auferstehung – damit es auch in mir Ostern werden kann. AMEN.

