Am Samstag, den 18. November 2023, findet um 11.00 Uhr in der Kirche der Abtei Königsmünster eine liturgische Feier statt, die etwas ganz Besonderes ist und nicht alle Tage vorkommt: die Feier der Abtsbenediktion. Die Mönche der Abtei haben am 18. August 2023 P. Cosmas Hoffmann OSB zum fünften Abt von Königsmünster gewählt. Mit der Annahme und Bestätigung der Wahl am selben Tag ist Abt Cosmas in alle Rechte und Pflichten seines Amtes eingesetzt. Wozu also noch eine Benediktion, wörtlich eine Segnung? Die Abtsbenediktion ist sozusagen der formelle Abschluss der Abtswahl und ersten Monate des neuen Abtes. Hier wird in einer offiziellen Feier die freie Wahl der Mönche vor der Ortskirche besiegelt.

Die Abtsbenediktion leitet normalerweise der Ortsbischof, in dessen Diözese die Abtei liegt. Da das Erzbistum Paderborn noch keinen neuen Erzbischof hat, wird der Bischof von Hildesheim, Dr. Heiner Wilmer SCJ, der Feier vorstehen. In seiner Diözese liegt die Cella St. Benedikt in Hannover, wo Mönche von Königsmünster seit 35 Jahren tätig sind. Die Predigt wird der Diözesanadministrator von Paderborn, Monsignore Dr. Michael Bredeck, halten. Damit kommt die Verbundenheit der Abtei mit den beiden Diözesen zum Ausdruck, in denen sie tätig ist.

Die Liturgie der Abtsbenediktion ist aufgebaut ähnlich einer Priester- oder Diakonenweihe. Zu Beginn des Gottesdienstes wird Abt Cosmas dem Bischof vorgestellt, und die Gemeinde singt als Bestätigung das feierliche Gloria.
Die eigentliche Benediktionsfeier beginnt nach der Predigt. Dazu bilden wie bei einer Professfeier (also wenn ein Mönch seine Gelübde ablegt) alle Mönche der Abtei einen Kreis um den Altar. Abt Cosmas tritt in die Mitte – an den Ort, an dem er schon seine Profess abgelegt hat. Er wird vom Bischof über seine Bereitschaft, das ihm anvertraute Amt zu übernehmen, befragt. Daran schließt sich die Allerheiligenlitanei an, in der die Heiligen als unsere Fürsprecher angerufen werden. Dabei liegt der Erwählte lang ausgestreckt auf dem Boden – am tiefsten Punkt der Abteikirche. Nach einem Segensgebet bekommt der Abt die Benediktsregel überreicht – die Regel, unter der er gemeinsam mit den übrigen Mönchen das Leben des Klosters gestaltet. Anschließend bekommt er die Insignien seines Amtes: den Ring, der ihn an seine Verbundenheit gegenüber der Gemeinschaft erinnert, und die Mitra, ein Würdezeichen, das vor allem der Abtei gilt. Beide Insignien sind in den Werkstätten der Abtei Königsmünster hergestellt worden, der Ring in der Schmiede und die Mitra in der Paramentenschneiderei. Ein besonderer Akzent ist die Übergabe des Hirtenstabes, der ihm von seinem Amtsvorgänger, Abt Aloysius Althaus OSB, übergeben wird. Der Hirtenstab, den schon der erste Abt Harduin Bießle getragen hat, steht für die Kontinuität der Abtei.

Benediktion von Abt Aloysius 2013

Nach der Übergabe der Insignien tauscht Abt Cosmas mit jedem Mönch der Gemeinschaft den Friedensgruß aus. Hier wird deutlich, dass der Abt sich gemeinsam mit den Mönchen unter der Führung des Evangeliums auf den Weg macht.
An die Benediktion schließt sich die Eucharistiefeier an.

Der Gottesdienst wird musikalisch von zwei Chören begleitet: dem Schulchor des Gymnasiums der Benediktiner und dem Projektchor des Evangelischen Kirchenkreises Arnsberg. Hier zeigen sich zwei wichtige Schwerpunkte der Abtei Königsmünster durch die Zeiten: die Arbeit mit jungen Menschen in Schule und Oase und der Einsatz für die Ökumene mit den Geschwistern der anderen christlichen Kirchen.

Am 18.08.2023 haben wir Mönche der Abtei Königsmünster P. Cosmas Hoffmann OSB zum neuen Abt gewählt. Mit der Annahme der Wahl und der danach erfolgten Amtseinsetzung durch den Abtpräses der Kongregation (Klosterverband) von St. Ottilien hat er bereits alle Rechte und Pflichten des neuen Amtes übernommen.  Allerdings muss der neue Abt, den Konstitutionen der Missionsbenediktiner folgend, nach der Wahl „innerhalb von drei Monaten die Abtsbenediktion empfangen“ (Art. 138).

Im Rahmen dieser Segnungsfeier, im Volksmund auch „Abtsweihe“, genannt, erhält der Neugewählte Mitra, Ring und Stab, die ihm in der Regel vom Diözesanbischof übergeben werden. Auf diese Weise wird die Anerkennung des neuen Amtsträgers durch die Ortskirche und die enge Verbundenheit von Abtei und Bistum öffentlich zum Ausdruck gebracht.

Weil das Erzbistum Paderborn noch auf die Ernennung eines neuen Erzbischofs wartet, wurde in gemeinsamen Überlegungen entschieden, dass der Bischof von Hildesheim, Dr. Heiner Wilmer SCJ, die Abtsbenediktion am Samstag, 18.11.2023, um 11 Uhr vornimmt. In seiner Diözese hat die Abtei Königsmünster vor 35 Jahren ein kleines Stadtkloster, die Cella St. Benedikt, in Hannover gegründet.

In der Segnungsfeier wird der Paderborner Diözesanadministrator, Msgr. Dr. Michael Bredeck, als Vertreter des Erzbistums die Predigt halten. Auf diese Weise kommt Verbundenheit der Abtei Königsmünster mit den beiden Diözesen zum Ausdruck, in denen sie tätig ist.

Sollte bis zum Zeitpunkt der Abtsbenediktion ein neuer Erzbischof von Paderborn gewählt und im Amt sein, wird dieser die Segensfeier leiten.

In der christlichen Tradition gibt es den Weg der Stillen Meditation, in der der Mensch sich auf den Weg zur eigenen Mitte begibt. Dabei geht es nicht um das Nachdenken oder um eine Bildbetrachtung; es ist auch kein Gebet, das auf Texte oder Worte zurückgreift. Schweigemeditation ist im Grunde „Beten ohne Konzept“, ohne Begriffe und Vorstellungen.
Dabei sitzt die/der Betende still und aufrecht auf einem Kissen, einem Meditationshocker oder Stuhl, atmet ruhig und lässt geschehen. Meditatives Gehen löst nach einer Weile das Sitzen ab, ohne die innere Haltung der Meditation zu unterbrechen. Es wird nichts „gemacht“, alles was geschieht, wird im ruhigen Dasein vor Gott angenommen.
Die Stille Meditation ist ein Weg zum Grund unseres eigenen Daseins, um so der göttlichen Wirklichkeit dankbar zu begegnen.
Jede/r ist herzlich willkommen. Vorkenntnisse sind nicht notwendig. Decken und Sitzgelegenheiten sind vorhanden, können aber auch mitgebracht werden.

wöchentlich
jeweils dienstags
20.15 – 21.15 Uhr in der Abteikirche (2x 25 Min. Meditation)
micht während der Ferien in NRW!

Ansprechpartner
Br. Emmanuel Panchyrz OSB

Kosten
keine

Ort
Im Chorraum der Abteikirche

Treffpunkt
20 Uhr Abteikirche

„Ernstfall – Regieren in Zeiten des Krieges – Ein Report aus dem Inneren der Macht“ ist das neueste Buch des auch aus dem Fernsehen bekannten Journalisten Stephan Lamby betitelt. Am Sonntag, 01.10.23 stellte Lamby vor ca. 120 Zuhörenden im AbteiForum der Abtei Königsmünster diese Veröffentlichung vor, zu der Mitte September das ARD Fernsehen eine Dokumentation gezeigt hatte.

Sehr präzise und anschaulich stellt Lamby dar, wie die Grundlinien der Politik durch den Beginn des russischen Kriegs gegen die Ukraine innerhalb von Stunden auf den Kopf gestellt wurden. Der Krieg setzte jahrzehntelang unumstößlich scheinende Rahmenbedingungen des Weltgeschehens außer Kraft. Aus unmittelbarer Nähe hatte Lamby mitbekommen, wie Bundeskanzler Scholz und die führenden Minister für diese umsturzartige Entwicklung den Begriff „Zeitenwende“ prägten und diesen Begriff in den Mittelpunkt der Politik rückten. Basierend auf einer präzisen Durchleuchtung der politischen und wirtschaftlichen Zusammenhänge zeichnet Lamby nach, wie die verantwortlichen Politiker buchstäblich aus dem Stand ein völlig neues Grundkonzept für ihre Arbeit entwickeln mussten: Die Zeiten, in denen Politik vor allem darin bestand, über geduldiges Miteinander-Sprechen Interessenausgleiche und Kompromisse zu finden, sind vorbei. Zugleich ist bis heute unklar, welche Grundhaltungen und Strategien in der neuen Situation greifen. Sowohl Lambys Vortrag als auch die Beiträge in der anschließend geführten Diskussion verdeutlichten, dass hier die in Politik und Zivilgesellschaft immer schwächer werdende Kategorie des Vertrauens eine Schlüsselrolle spielt.

von Br. Anno Schütte OSB

Dem heutigen Abschnitt des Evangeliums gehen wichtige Ereignisse voraus: Ein neuer Abschnitt im Leben Jesu hatte begonnen – er war aus der Provinz imposant in die Hauptstadt Jerusalem eingezogen. Dann steigerte sich die öffentliche Aufmerksamkeit weiter: Es gab Aufruhr, als er Händler und Käufer aus dem Tempel trieb und die Tische der Geldwechsler umstieß. Er heilte dort Menschen und Kinder jubelten ihm zu. Das verärgerte religionsamtliche Führungspersonal – Hohepriester und Schriftgelehrte – sprach darauf Jesus an und nach einem kurzen Disput ließ Jesus sie einfach stehen und ging weg. Am nächsten Tag verschärfte sich die Konfrontation weiter – jetzt vereint mit der politischen Führung, den Volksältesten: Ihre Frage nach seiner Handlungsvollmacht konterte Jesus mit einer Gegenfrage, in der sie sich so spekulativ verhedderten, dass Jesus sie ohne Antwort wiederum einfach stehen ließ.

Es ist eine spannungsgeladene Lage, in die Matthäus das heutige Evangelium platziert. Kontroversen, ja heftiger Streit liegen in der Luft. Eines wird damit schon jetzt klar: Jesus ist nicht harmlos – er stellt Fragen, seine Botschaft regt an, seine Lebensart mischt auf. – Soweit eine erste Einordnung.

Jesus ist schon länger mit seinen Jüngern verkündend und heilend unterwegs, doch das religiöse und politische Establishment erkennt darin nichts Positives, keine Chance für sich – im Gegenteil: Mit „Was meint ihr?“ stellt Jesus ihr Leben buchstäblich in Frage, mehr noch: Sie erleben ihn als einen fortwährenden Angriff auf ihre elitäre Lebensweise. Und es wird noch schärfer: Ein ganzes folgendes Kapitel lang schüttet Jesus einen Wehe-Ruf nach dem anderen aus – eine Kostprobe: „Weh Euch, ihr Schriftgelehrten (…), ihr Heuchler, ihr verschließt den Menschen das Himmelreich! … Ihr Nattern, ihr Schlangenbrut!“ Auch wenn die Bibelwissenschaft heute weiß, dass Matthäus diese Konfrontation nachträglich literarisch ausgebaut hat, sind wir Zeugen eines massiven Konfliktes, der ein wesentlicher Grund für die bald folgende Hinrichtung Jesu am Kreuz wurde.

Worin bestand dieser Grundkonflikt? Kann der auch etwas mit uns zu tun haben? Können wir daraus lernen? – Er hat mit uns zu tun, wenn wir die Figuren des Gleichnisses als typische Charaktere verstehen, die immer und überall existieren. Sie halten uns in vielfältiger Weise vor Augen, wie unterschiedlich Menschen mit dem Lebensangebot Jesu umgehen.

Offensichtlich ist es eine Gefahr, wie diese Schriftgelehrten zu leben: Man hat es zu etwas gebracht und weiß ziemlich genau, wo es langgehen soll. Gern diktiert man anderen, wie man zu leben hat, man hat eben seine Erfahrung. Und wenn die nicht ausreicht, dann wird irgendeine Schrift zitiert – gerne die Stellen, die einem selbst in den Kram passen. Mangels innerer personaler Charakterklarheit soll eine äußere Quelle die innere Leere füllen. Solche Schriftgelehrte setzen ihre Interpretation der Schrift als selbstschützenden Panzer und aggressive Waffe ein. Sie agieren Angst getrieben, haben sich Privilegien erobert und verteidigen diese gewalttätig – es geht um Besitz-Stands-Wahrung in einem festgefahrenen Leben. Tatsächlich werden sie bald, dann total-final – man beachte die Sprache – feststellen: „Wir haben ein Gesetz und demnach muss er sterben!“ – Lebendigkeit, Lieben im Leben, das hört sich anders an. Kurz und gut: „Der Buchstabe tötet – der Geist macht lebendig.“ – Hat Jesus auch deshalb nichts aufgeschrieben? Seine mündliche Rede, seine Gleichnisse sind offen, sie sind ein Angebot an jeden einzelnen von uns, aus ihnen zu leben und sie weiter zu verkünden.

Zurück zu unserem Gleichnis: Jesus gibt seine Kontrahenten noch nicht auf – ein neuer Kontakt mit ihnen ist ihm wichtig. Mit der Frage „Was meint ihr?“ bietet er wieder ein Gespräch an. Jesus entlarvt ihre blockierte Lebensweise mit dem Gleichnis von den zwei Söhnen. Der eine lehnt die Bitte des Vaters zunächst ab und geht schließlich doch zur Arbeit in den Weinberg. Der andere entpuppt sich als glatter Lügner: Er sagt zu und geht dennoch nicht. Der erste erweist sich als ein Mensch, der seine ursprüngliche Ablehnung bereut. Eigene Einsicht überzeugt ihn, sein Leben zu verändern, sich weiter zu entwickeln. Dabei hilft, dass der Vater den äußerlich schon Erwachsenen „mein Kind“ nennt: Innen ist er noch unreif, die Ansprache des Vaters klingt wie eine liebevolle Zuwendung, die dem Sohn weiteres Wachstum ermöglichen will. Dieser erkennt die Notwendigkeit der Arbeit im Weinberg und vielleicht freut er sich auch auf den Genuss des guten Weines, der nur aus einem durch Arbeit gepflegten Weinberg gewonnen wird. Er entdeckt in der Bitte des Vaters das Angebot, selbst wie ein guter Wein zu reifen. Die auch mühsame Arbeit im Weinberg ist der Weg dahin – Selbstentwicklung ist keine Hängematte!

Der zweite versucht‘s mit einer Lüge. Sein „Ja“ ist nur Schein, es ist eine leere Worthülse, Sagen und Tun fallen auseinander, er füllt sein „Ja“ nicht durch sein Tun. Sein leeres Ja zeigt: Sein Leben hat keine innere Substanz, sein Inneres entspricht nicht seinem Äußeren. Er versucht mit einer Lüge durchzukommen – vielleicht steht sie für eine grundlegende Lebenslüge. Er bricht nicht auf, sondern bleibt in seiner Verweigerung zu Hause sitzen.

Jesu Frage: „Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt?“ beantworten die Schriftgelehrten formal richtig, doch ihre Antwort ist nur ein Lippenbekenntnis. Sie erkennen nicht, dass Jesus mit dem Gleichnis ihnen den Spiegel vorhält: Sie leben wie der zweite Sohn, der die Bitte des Vaters äußerlich formal annimmt und bejaht, dann aber nicht danach handelt. Sie leben äußerlich ein Ja und innerlich ein Nein und bleiben dabei. Sie verweigern sich dauerhaft der Bitte des Vaters, sie wollen sich nicht bewegen und engagieren, nicht im Weinberg an der Basis arbeiten. Bei ihnen können keine Lebensfrüchte wachsen und reifen. An anderer Stelle sagt Jesus: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.“ Auch wenn diese Schriftgelehrten äußerlich so tun, gehen sie nicht in den Weinberg, sie gehen nicht ins Reich Gottes.

Eine Alternative ihrer Verweigerungshaltung präsentiert Jesus ihnen sogleich: „Die Zöllner und die Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr.“ Während Schriftgelehrte und Ältesten zur obersten zentralen Gesellschaftsschicht gehörten, waren Zöllner und Dirnen am anderen Ende – ausgegrenzt und ganz unten. Zöllner galten als hemmungslos raffgierige Betrüger, Dirnen als gescheiterter moralischer Abschaum. Doch gerade sie sind offen für das Reich Gottes. Sie wissen um ihre Fehler, ihre Schwäche – auch ihr moralisches Versagen. An anderer Stelle sagt Jesus: „Ich bin gekommen, die Sünder zu berufen, nicht die Gerechten.“ Menschen wie ihnen hat Jesus ihre ursprüngliche unzerstörbar göttliche Würde wieder vermittelt. Das hatte schon Johannes ermöglicht, der – so Jesus ausdrücklich – auf dem „Weg der Gerechtigkeit“ war. Das klingt nach einem aus- und aufrichtenden Weg in eine personale Richtigkeit, nach Veränderungsbereitschaft zu einem stimmigeren Leben. Die Schriftgelehrten dagegen haben sich in ihrer Selbstgerechtigkeit der Botschaft des Johannes verweigert. Und wenn sie schon von Johannes nichts angenommen und umgesetzt haben, dann haben sie Jesu Botschaft von Anfang an nicht kapiert. Sie haben nur gesehen, ihre Wahrnehmung ist nur äußerlich – zu innerer Umkehr, Reue, wie beim ersten Sohn, waren und sind sie nicht fähig und bereit.

Und doch bleibt Hoffnung – auch für sie. Jesus sagt: „Die Zöllner und die Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr.“ Irgendwann wird also auch ihnen aufgehen, dass ihr Lebensmodell einem leeren Palast gleicht – außen glanzvoll, innerlich tot. Das Angebot göttlichen Liebens, seine unzerstörbare Gegenwart in allen und allem braucht bei Menschen wie ihnen länger bis zu einer Auferstehung mitten im und ins Leben.

Diese Hoffnung gilt auch uns, die wir uns selbst und andere oft abwerten, ausgrenzen und fixieren. Gott lädt immer wieder neu ein – jeden von uns – dem Leben zu trauen und Neues zu wagen, gerade auch aus Scheitern und Versagen heraus in eine neue Auferstehung. Gott schenkt uns immer bedingungslos neues Leben. Diese Erlösung löst Fixierungen und ermöglicht Liebe, Leben – und Lösungen, mitten im Alltag.

von P. Maurus Runge OSB

In seinen Gleichnissen durchbricht Jesus immer wieder unsere Erwartungen, indem er uns Menschen vor Augen führt, die ganz anders handeln, als wir es uns vorstellen. Da ist der Vater, der dem heimkehrenden Sohn keine Vorwürfe macht, sondern ihm zu Ehren ein Fest feiert – die Frau, die wegen einer verlorenen Münze das ganze Haus auf den Kopf stellt – der Sämann, der drei Viertel des Saatgutes auf unbrauchbaren Boden sät und damit verschwendet. Und heute hören wir von einem Weinbergbesitzer, der all seinen Arbeitern den gleichen Lohn ausbezahlt, egal ob sie nur eine Stunde gearbeitet oder den ganzen Tag in der Hitze geschuftet haben.
Beim Gleichnis heute kommt noch dazu, dass wir uns in unserem Gerechtigkeitsempfinden verletzt fühlen, wenn der Verwalter jeden Menschen unabhängig von seiner Leistung gleich behandelt. Rein juristisch ist er im Recht, denn er hält sich genau an die Absprachen, wonach er jedem Arbeiter einen Denar ausbezahlt. Aber zwischen Recht und Gerechtigkeit scheint manchmal ein großer Unterschied zu liegen. „Leistung muss sich wieder lohnen“ – das scheint hier nicht zu gelten, und überhaupt, wo kämen wir da hin, wenn jeder Unternehmer heute so handelt? Mit der Bibel lässt sich nun mal kein Staat machen und kein Bruttoinlandsprodukt vergrößern.
Mal abgesehen davon, dass ich davon überzeugt bin, dass im Reich Gottes, von dem die Gleichnisse Jesu handeln, tatsächlich andere Maßstäbe gelten als in unserer an Leistung und Profitmaximierung orientierten Welt, ist für mich die Reaktion des Weinbergbesitzers auf die Kritik der Arbeiter der ersten Stunde entscheidend für das, was wir für unser Leben heute aus dieser Geschichte lernen können. Er betont, dass keinem ein Unrecht geschieht, dass jeder den lebensnotwendigen, vereinbarten Lohn erhalten hat, und stellt dann eine Frage, die den Kern der Kritik ins Schwarze trifft und entlarvend ist: „Ist dein Auge böse, weil ich gut bin?“ Martin Luther übersetzt noch sprachgewaltiger: „Siehst du darum scheel, weil ich so gütig bin?“
Mit dieser Frage wird die Perspektive geändert: es geht hier nicht vornehmlich um gesellschaftliche Ungerechtigkeiten, sondern um meinen Blick, meine Perspektive, die ich einnehme – und ob es nicht manchmal für mich persönlich wie auch fürs gesellschaftliche Klima gut sein kann, diese Perspektive zu wechseln. Warum kann ich mich nicht an dem freuen, was mir positiv geschehen ist? Dass ich eine gute Arbeit gefunden habe, dafür einen gerechten Lohn bekomme, der mein Überleben und das Überleben meiner Familie sichert? Warum wandert mein Blick scheel zum anderen, dem, der erst so spät zur Arbeit gekommen ist, und warum fühle ich mich benachteiligt, wenn auch dieser den lebensnotwendigen Lohn erhält? Warum kann ich die Güte eines Menschen nicht aushalten, wenn sie anderen gilt? Was weiß ich denn von den Gründen und Motiven des anderen, der doch genau so wie ich auf Arbeit gewartet hat, den aber keiner angeworben hat?

Es geht für mich im Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg um die Prüfung meiner Erwartungen, um Erwartungsmanagement. Es geht darum, auf das zu schauen, was mir geschenkt ist, und nicht neidvoll darauf zu schauen, was der Mitmensch neben mir erhält und wo er vermeintlich übervorteilt wird. Und es geht darum, meine Perspektive vielleicht einmal zu hinterfragen und demjenigen, der dem Anschein nach weniger leistet oder andere Ansichten hat als ich, nicht etwas zu unterstellen, was in Wirklichkeit ganz anders ist. Und hier entfaltet das Gleichnis seine ganze Sprengkraft in Kirche und Gesellschaft heute.
In der Kirche erwarten die einen das Heil von Reformen, die anderen von der Beibehaltung des Status Quo. Und die einen unterstellen den jeweils anderen unlautere Absichten, wenn sie ihnen nicht ganz das Katholischsein absprechen.
Wir erwarten von Menschen, die aus dem Ausland zu uns kommen, dass sie sich integrieren und uns nicht die Arbeitsplätze wegnehmen, beschimpfen sie andererseits als Sozialschmarotzer, die uns nicht auf der Tasche liegen sollen – ohne je mit diesen Menschen über das gesprochen zu haben, was sie bewegt und belastet.
Und wir erwarten einfache Lösungen für komplexe Probleme und wundern uns hinterher, wenn wir populistischen Rattenfängern auf den Leim gegangen sind, die nicht das Wohl der Gesellschaft, sondern nur ihr eigenes kleines Wohl im Sinn haben.
Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg lehrt mich, mich an dem zu freuen, was ich geschafft habe, und nicht mit bösem Blick nur das zu sehen, was andere bekommen haben. Es lehrt mich, meine Erwartungen und Motive zu hinterfragen und das Beste von meinen Mitmenschen anzunehmen, nicht das Schlechteste. Das ist nicht einfach und verlangt immer neu eine innere Umkehr. Aber so können wir mitten in dieser Welt dem Reich Gottes schon etwas näher kommen, das jenseits von Leistungs- und Konkurrenzdenken sich entfaltet. AMEN.

Die in unserem letzten „Gruß aus der Abtei Königsmünster“ angekündigte Veranstaltung „Der König aus dem Kohlenkeller“ (am 3. Oktober um 17 Uhr im AbteiForum) findet aus gesundheitlichen Gründen nicht statt. Wir planen eine Verschiebung ins kommende Frühjahr und laden erneut ein, sobald Näheres dazu geklärt ist.

Der alljährlich von der „Paderborner Ordenskonferenz“ (POK) veranstaltete Ordenstag des Erzbistums Paderborn fand in diesem Jahr in Corvey bei Höxter statt. Die Pfarrgemeinde Corvey und Viktor Herzog von Ratibor als heutiger Besitzer der früheren Klostergebäude hatten anlässlich des 1200. Jahrestages der Gründung der Abtei Corvey dazu eingeladen.

Zusammen mit ca. 140 Schwestern und Brüdern aus fast allen im Erzbistum Paderborn ansässigen Ordensgemeinschaften nahmen Abt Cosmas, P. Klaus-Ludger, Br. Alexander, Br. Benjamin, Br. Emmanuel und Br. Viktor am Ordenstag teil. Nach einer Eucharistiefeier mit dem Bischofsvikar für die Ordensleute, Weihbischof Matthias König, und einem gemeinsamen Mittagessen bildeten ausgiebige Führungen durch das „Weltkulturerbe Corvey“ den Schwerpunkt des Programms. Dabei wurde der weite Bogen von der Gründung Corveys als Ausgangspunkt der Christianisierung Norddeutschlands und Nordeuropas über die wechselvolle Klostergeschichte bis hin zur heutigen Schlossanlage mit ihrer bedeutenden Bibliothek eindrucksvoll erlebbar. Der Tag schloss ab mit der in der heutigen Pfarr- und früheren Abteikirche gefeierten Vesper.

Die Mescheder Delegation machte natürlich auch einen Besuch auf dem Corveyer Friedhof, wo die Pfarrgemeinde einen Gedenkstein für unseren Br. Adelhard Gerke (1930 – 2017) errichtet hat. Br. Adelhard sich hat als gebürtiger Corveyer ein Leben lang für die Erhaltung Corveys und vor allem für die baugeschichtliche Erforschung des über 1000 Jahre alten Westwerks der Abteikirche engagiert.

Abt Cosmas verband in Begleitung von P. Klaus-Ludger den Ordenstag mit seinem Antrittsbesuch in der Benediktinerinnenabtei Herstelle, mit der wir in vielfältiger Weise geschwisterlich verbunden sind.

Im Chorgestühl der Abteikirche Corvey

An der Stele für Br. Adelhard auf dem Friedhof der Abteikirche

Begegnung mit den Schwestern in der Abtei Herstelle

Am 1. September feiern die Mönche in der Abtei Königsmünster ihr Kirchweihfest und denken daran, wie am 1. September 1964, auf den Tag genau 25 Jahre nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, ihre Kirche als Friedenskirche geweiht wurde. Jeden Tag beten wir in unserer Friedenskirche um den Frieden in der Welt – ein Gebet, das heute nötiger ist denn je.

Am 1. September 2023 bekam dieser Tag einen besonderen Akzent durch die Weihe zweier afrikanischer Mitbrüder, die zur Zeit in Salzburg Theologie studieren. Bruder Victor aus der Abrei Mvimwa in Tansania wurde zum Diakon geweiht – er ist schon seit fünf Jahren in Deutschland, hat in der Cella St. Benedikt seine Deutschstudien absolviert und ist mittlerweile aus unserer Gemeinschaft nicht mehr wegzudenken. Bruder Thedore Tembo aus dem sambischen Priorat Katibunga wurde zum Priester geweiht; er ist der Abtei Münsterschwarzach zugeordnet, und so konnten wir an diesem Tag Abt Michael Reepen und einige Mitbrüder von dort bei uns begrüßen. Ebenfalls dabei war Abt Pambo Mkorww, der Heimatabt von Bruder Victor, und einige Mitbrüder der Abtei Mvimwa. Sie bereicherten die Liturgie mit afrikanischen Gesängen. Weihbischof Dominicus Meier, der von 2001 bis 2013 Abt in Königsmünster war, stand der Liturgie vor. So wurde die Weihe ein echtes missionsbenediktinisches Fest. Und beim anschließenden Abendessen wurde es dank unserer afrikanischen Gäste noch einmal richtig lebendig…

Wir gratulieren Br. Victor zur Diakonenweihe und P. Theodore zur Priesterweihe und wünschen ihnen Gottes Segen in ihrem Dienst! Und wir freuen uns schon auf die Einladung in die Abtei Mvimwa zur Priesterweihe von Br. Victor…

Während der Allerheiligenlitanei liegen die Kandidaten lang ausgestreckt auf dem Boden.

Die Neugeweihten assistieren während der Eucharistiefeier.

Afrikanische Klänge im Refektorium

Zur Zeit findet das Treffen der Missionsprokuratoren der Kongregation von St. Ottilien im Christkönigspriorat Schuyler im US-amerikanischen Bundesstaat Nebraska statt. P. Maurus nimmt von unserer Gemeinschaft daran teil, ebenso haben sich am 27. August 2023 die Prokuratoren aus dem Haus der Kongregation in St. Ottilien, Münsterschwarzach, Uznach/Schweiz, Waegwan/Südkorea und Schuyler/USA versammelt . Die Missionsprokuratoren treffen sich zweimal im Jahr, um über neue Entwicklungen in den Klöstern der Missionsbenediktiner weltweit und über anstehende Projekte zur Unterstützung unserer Klöster in Afrika, Asien und Lateinamerika zu beraten. Ein Schwerpunkt liegt dabei in Projekten im Bildungs- und Gesundheitswesen, der Nachhaltigkeit, aber auch in der Unterstützung beim Aufbau der Infrastruktur von neuen Gründungen. Am ersten Tag des Treffens stand eine Begegnung mit Abtpräses Jeremias auf dem Programm, der dann direkt zum Treffen aller Abtpräsides in Conception Abbey weitergereist ist. Ebenso gab es einen Studientag mit Dr. Donald McCrabb, dem Direktor der Catholic Mission Association in den USA, der mit den Prokuratoren zu den Themen Mission, Transparenz und Gewissensbildung arbeitete. Auch ein Besuch bei den Missionsbenediktinerinnen im Priorat Norfolk steht auf dem Programm.

Das Priorat Schuyler ist ein abhängiges Haus der Abtei Münsterschwarzach und wurde in den 1920er Jahren speziell als Missionshaus für Fundraisingaktivitäten und zur Förderung des Missionsgedankens errichtet. Heute lebt hier eine kleine Gemeinschaft von amerikanischen und deutschen Mönchen, die ein großes Exerzitienhaus unterhalten und dort in der Kursarbeit und Geistlichen Begleitung tätig sind.

Am 2. September werden die Prokuratoren in die Abtei Newton im Bundesstaat New Jersey weiterreisen, um die dortige Gemeinschaft von koreanischen Mönchen zu besuchen, die die alte Abtei übernommen haben und vor allem in der Seelsorge an koreanischen Immigranten im Großraum New York tätig sind.