Kapitelstagebuch: Die Kunst der Kommunikation

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„Man kann nicht nicht kommunizieren.“ So habe ich es schon oft gehört. Auch wenn ich mich sprachlich zu einem Thema nicht äußere, so gibt es doch viele Weisen, meine Meinung auf andere Weise auszudrücken: durch meine Körpersprache, durch zustimmendes Nicken, durch ablehnendes Gemurmel, durch aktives Zuhören, … Um all das ging es beim zweiten Vorbereitungstag des Generalkapitels, an dem uns Frau Caryn Vanstone begleitete. Sie kommt aus Großbritannien, ist Organisationsberaterin und hat über viele Jahre die englischen Benediktiner bei ihren Versammlungen und Meetings begleitet. Sie führte die Teilnehmer des Generalkapitels in die Kunst eines offenen Zuhörens ein – nicht nur Kunst, sondern auch Handwerk, das immer wieder eingeübt werden muss. Wie oft passiert es, dass ich dem anderen zwar äußerlich zuhöre, aber innerlich schon im Kampfmodus bin oder mir die besten Gegenargumente überlege, die seine Meinung schnell widerlegen sollen. Das ist nicht mehr als ein Zuhören, das letztlich bei mir selbst bleibt und nicht die Weisheit des Menschen neben mir annimmt und zu schätzen weiß.

Kommunikationsübungen

Ebenso geht es bei Entscheidungsprozessen in Gruppen darum, sich vorher klarzumachen, um welche Art von Entscheidungen es geht: sind es Entscheidungen, die schon getroffen sind und die jetzt umgesetzt werden müssen (wie z.B. Änderungen in Gesetzen)? Oder geht es um Beratungsprozesse, die Entscheidungen einer Gruppe oder eines Einzelnen vorbereiten, wo aber jeder gehört werden soll? Oder sind es Entscheidungen, die von der ganzen Gruppe getroffen werden? Viel Zeit geht verloren, wenn diese Unterscheidung nicht klar ist.

Abt Aloysius

Mit vielen praktischen Übungen konnten die Teilnehmer des Generalkapitels die verschiedenen Arten des Zuhörens und Kommunizierens einüben, und wer in die Gesichter im großen Versammlungsraum schaute, der sah, mit welch großer Freude und Begeisterung alle bei der Sache waren – sicher auch ein Verdienst der einfühlsamen und klaren Art von Frau Vanstone.

Auch die Übersetzer haben sichtlich Spaß.

Am Nachmittag ging es dann darum, in kleinen Gruppen das am Vormittag Eingeübte in die Tat umzusetzen. Die Gruppen sind nach der Sprache der Teilnehmenden gebildet, sodass sich jeder frei in seiner Sprache ausdrücken kann. Und so ist ein gutes Klima geschaffen worden, in dem die Beratungen der nächsten Tage gut weitergehen können.

P. Maurus Runge OSB
Bilder: Br. Elias König OSB / St. Ottilien

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