Predigt am 20. Sonntag im Jahreskreis (16.08.2026)
von P. Maurus Runge OSB
Der Film „Das Leben ist schön“ von und mit Roberto Benigni aus dem Jahr 1997 über einen Vater, der seinem Sohn die Deportation der Nationalsozialisten als Spiel erklärt, zeigt eindrücklich das, was in der Humorforschung, besonders von Viktor Frankl, gesagt worden ist: dass die Kraft des Humors Leben retten kann. Viktor Frankl hat im Konzentrationslager die Erfahrung gemacht, dass diejenigen, die ihren Humor behielten und noch Witze erzählen konnten, ein Trotzdem-Lachen entwickelten, das sie robuster gegen die Schikanen und Demütigungen der Wärter und die unwürdigen Zustände machte. Ihr Lachen ist ein Lachen gegen die Unterdrücker. Es hilft ihnen, sich in ihrem Menschsein nicht einschüchtern zu lassen und ihre Würde zu bewahren.
Solcher Humor hat mit Humilitas, im Deutschen unglücklich mit Demut übersetzt, zu tun, einer Erdhaftigkeit und Bodenständigkeit, die die eigenen Stärken und Schwächen kennt und sie nicht auf andere projizieren muss. Humor meint die Kunst, sich selbst in seiner Erdhaftigkeit nicht so ernst zu nehmen und vor allem über sich selbst lachen zu können. Die heutige Perikope aus dem Matthäusevangelium zeigt uns mit der kanaanäischen Frau einen Menschen, der sich solch einen Humor bewahrt hat.
Jesus zieht sich „in das Gebiet von Tyrus und Sidon“ zurück, fremdes Land, für die Israeliten unreines Gebiet, wo es nicht viel zu holen gab. Er möchte nach der Auseinandersetzung mit den Schriftgelehrten und Pharisäern einfach nur seine Ruhe haben. Und dann kommt diese Frau auf ihn zu, die kanaanäische Frau, eine Fremde, die es wagt, ihn um die Heilung ihrer Tochter zu bitten. Zunächst schweigt Jesus – kein heilsames Schweigen, sondern eher eine bleierne Stille, aus der viel Unwillen und Ablehnung spricht. Nachdem seine Jünger ihn zum Antworten ermutigen, sagt Jesus: „Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.“ Nun manifestiert sich die Ablehnung in Worte. Jesus sieht sich als nicht zuständig an, er ist schließlich nur zu seinen Landsleuten gesandt.
Doch es kommt noch schlimmer. Als die Frau nicht nachlässt und sich sogar vor Jesus niederwirft, sich klein macht, sagt er: „Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den kleinen Hunden vorzuwerfen.“ Damit nimmt Jesus ein Schimpfwort auf, mit dem die Israeliten Nichtjuden, sog. Heiden, bezeichneten. Auch die Verharmlosung „kleine Hunde“ kann nicht verdecken, dass es sich dabei um eine Beleidigung handelt.
Es wäre der Frau nicht zu verdenken gewesen, wenn sie nach so einer Demütigung beleidigt abgezogen wäre. Auch wäre es nur zu verständlich, wenn sie allen vom unmöglichen Verhalten dieses jüdischen Rabbis erzählt hätte – heutzutage gibt es für scheinbar weniger Ein-Sterne-Bewertungen auf Google.
Doch diese starke, fremde Frau nimmt es mit Humor und antwortet schlagfertig: „Aber selbst die kleinen Hunde essen von den Brotkrumen, die vom Tisch ihrer Herren fallen.“ Damit nimmt sie Jesu Beleidigung auf, eine Demütigung, die gegen sie und ihr ganzes Volk gerichtet war, und wendet sie um zu ihren Gunsten. Mit einem Lächeln im Gesicht zeigt sie Jesus, dass er auch jetzt noch einen Grund hat, ihr zu helfen. Ihr Humor hilft der kanaanäischen Frau, von der wir noch nicht einmal den Namen kennen, ihre Würde zu bewahren. Und Jesus muss sich eingestehen, dass er vom Humor dieser Frau noch viel lernen kann, und er preist den großen Glauben der Frau und heilt ihre Tochter – ein Lehrstück der heilenden und therapeutischen Kraft des Humors.
Es sind gerade die Fremden, die Nicht-Israeliten, von denen Jesus immer wieder lernt. Und auch in der Lesung, im Buch Jesaja, hören wir von den Fremden, die sich dem Herrn anschließen und den Tempel in Jerusalem zum Haus des Gebetes für alle Völker machen. Humor überwindet Grenzen, er sprengt die Ketten unserer Ichbezogenheit und lässt uns erst wahrhaft menschlich werden.
„Trotzdem Ja zum Leben sagen“ – so lautet der Titel des Buches, mit dem Viktor Frankl seine Erfahrungen im Konzentrationslager beschreibt. Mit der Trotz-Kraft des Humors werden wir vielleicht entdecken, dass das Leben bei allen Schwierigkeiten und Demütigungen, die es für uns bereithält, immer noch lebenswert und schön ist. AMEN.

Roman Weis
