Karfreitag
„Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ Diese Worte aus dem 22. Psalm stehen als Leitmotiv über dem Karfreitag mit seiner ergreifenden Liturgie. In der Stunde tiefster Einsamkeit und Gottverlassenheit hat sie Jesus am Kreuz hinausgeschrieen – einem Gott entgegen, den er als abwesend wahrnahm. Und dabei ist er vielen Menschen auch heute nahe, die sich einsam und von allen Menschen und Gott verlassen fühlen.
In unserem aktuellen Gruß beleuchten wir das Phänomen der Einsamkeit, das ein Grundproblem unserer Zeit ist, aus unterschiedlichen Perspektiven. Abt Cosmas schreibt dazu im Editorial:
„Aktuellen Studien zufolge erfahren gut 25% der Menschen in Deutschland Momente oder Perioden von Einsamkeit. So fühlt sich heute jeder Dritte zwischen 18 und 53 Jahren zumindest teilweise einsam. Das Empfinden von Einsamkeit und Verlassenheit ist sehr persönlich und kann Menschen aller Altersgruppen treffen. Einsamkeit ist nicht „nur“ ein Gefühl, sondern kann mit erheblichen physischen und psychischen Gesundheitsrisiken (Herz- und Kreislauferkrankungen, Depressionen, Angststörungen und Suchterkrankungen etc.) einhergehen. Dieses Gefühl entsteht, wenn die vorhandenen sozialen Beziehungen nicht die sozialen Bedürfnisse einer Person erfüllen. Von daher wird Einsamkeit in vielen europäischen Ländern zunehmend als gesamtgesellschaftliche Herausforderung betrachtet. …
Jesus teilt mit uns die Erfahrung von Einsamkeit. Dabei fällt auf, dass er noch in der tiefsten Erfahrung der Gottverlassenheit am Kreuz an Gott festhält, denn in diesem Ausruf zitiert er ein Gebet Israels, den Psalm 22. Bis in seinen Tod hinein hält Jesus fest am Glauben an den Vater, an der Liebe zu den Menschen, die sich am Kreuz in seiner Solidarität mit den Einsamen und Verlassenen zeigt, und an der Hoffnung, dass die Liebe des Vaters selbst im Tod neue Wege zum Leben in Fülle eröffnen kann – das feiern wir an Ostern.“
Den aktuellen Gruß können Sie sich zur Lektüre herunterladen.




