11. Dezember – Hoffnungsort Krankenhaus

„Die Hoffnung lässt aber (nicht) zugrunde gehen“ (Römer 5) – Hoffnung im Kontext Krankenhaus

von Br. Emmanuel Panchyrz OSB (veröffentlicht im Gruß 4-2025)

Auf der Palliativstation des Mescheder Krankenhauses ist an einer Wand des Aufenthaltsraumes groß das Wort Hoffnung zu lesen. Immer wieder, wenn ich diesen Raum betrete und mein Blick auf dieses Wort Hoffnung fällt, bin ich berührt und nachdenklich zugleich.

In der Krankenhausseelsorge begegnen mir in vielen Facetten Hoffnungen der Patientinnen und Patienten. Da ist zunächst die Hoffnung auf Gesundwerden, Heilung und das Erlangen neuer Lebensqualität. Gerade in das medizinische Personal wird viel Hoffnung gelegt, von Krankheiten geheilt zu werden. Immer wieder höre ich:“ Ich hoffe, dass man mir hier gut hilft“. Hoffnung kann im Kontext eines Krankenhauses auch als Kraftquelle wahrgenommen werden. Vor einer Operation beispielsweise hofft der Patient: „Es wird schon alles gut.“ Diese innere Haltung – „Es wird gut“-, hat immer auch Auswirkungen auf weitere Heilungsprozesse. So spiegeln mir das immer wieder auch Mediziner wider. Hoffnung kann erfahrbar werden, wenn ich mich z.B. anderen Menschen überlassen muss und dabei selbst auf einen guten Ausgang hoffe.  Hilfreich ist im Krankenhaus, dass der Patient mit dieser Hoffnungsquelle in Berührung kommt, dass pflegerisches, therapeutisches, psychologisches, medizinisches und seelsorgliches Personal auf den einzelnen Patienten in einer sensiblen Art, auch den inneren Schmerz und die inneren Ängste des Patienten wahrnehmend, eingeht. Leitgedanke dabei bleibt: Der Mensch wird in seiner Einzigartigkeit und Ganzheit gesehen.

Der Krankenhausalltag konfrontiert natürlich auch mich als Seelsorger mit Schicksalen von Patienten. Da ist z. B. die lebensbedrohliche Diagnose. Oder der behandelnde Arzt muss übermitteln, dass keine Therapie mehr möglich ist, dass keine Hoffnung auf Heilung mehr besteht und die Erkrankung zum Tod führen wird. In solchen Situationen braucht es zunächst Zeit, die /der Seelsorgende mitbringt. Ein Vertrauensraum in der Begegnung des Patienten zum Seelsorger darf geschaffen werden.

Immer wieder ist da Einfühlsamkeit und Respekt vor dem Schmerz, den der Patient empfindet, gefordert. Manchmal geht es im Patientengespräch schlicht nur um ein Mitaushalten.

Der betroffene Patient darf spüren, dass Seelsorge sich solidarisch zeigt. In meiner eigenen Spiritualität hilft mir, dass ich an einen Gott glaube, der selbst Schmerz kennt. Mein mich prägendes Gottesbild ist, das unser Gott selbst Ohnmacht, Dunkelheit und Verlassenheit durchschritten hat und somit Gott eine Mitfühlkompetenz hat. Darüber ins Gespräch zu kommen kann tröstend erlebt werden, wenn das vorherrschende Gefühl Hoffnungslosigkeit ist. Eben auch das Gefühl der Hoffnungslosigkeit darf gelebt werden. Manchmal bedarf es auch des Durchschreitens dieser Lebenspassagen, um neue Hoffnungsperspektiven langsam und behutsam zu entdecken. Da ist bei vielen Patienten die Hoffnung, keine Schmerzen zu haben, nicht allein zu sein oder schlicht nochmals Geborgenheit zu erfahren. Gerade in der Begegnung mit Sterbenden erfahre ich, dass eine Hoffnungsperspektive das eigene Trostbild der jenseitigen Seite meines Lebens, eines Lebens in Gott, sein kann. Häufig sind es dann gerade wortlose Zeichen und Rituale, die die Sehnsucht nach Hoffnung ausdrücken können. Oder es sind Hoffnungsbilder, dass das Sterben als erlösend, befreiend gesehen wird. Angehörige spiegeln mir immer wieder, des der verstorbene Angehörige nun von der Qual der Krankheit und des Leiden Müssens befreit ist.  Berührend fand ich, als mich eine sterbende Patientin einmal fragte: „Bruder Emmanuel, wie stellen sie sich den Himmel vor? Was tröstet sie persönlich, wenn sie an ihren eigenen Tod denken?“

Daran wird deutlich, dass die Arbeit in der Krankenhausseelsorge mich herausfordert, meine Hoffnungsbilder zu sehen und gleichzeitig das Ringen um eine Hoffnungsperspektive bei aller Hoffnungslosigkeit selbst zu kennen.

Bild: Palliativstation des Klinikum Hochsauerland Meschede / www.klinikum-hochsauerland.de