Menschen der Hoffnung: Anno (5.12.2024)

Heute feiert die Kirche den Gedenktag des hl. Bischofs Anno. Er stammte aus schwäbischem Geschlecht, wurde in Bamberg ausgebildet und war dann als Propst in Goslar tätig. 1056 wurde er Erzbischof von Köln. Kirchenpolitisch trug er in seiner Zeit zur Beilegung des sog. Papstschismas bei – damals gab es neben dem Papst auch einen Gegenpapst – sodass er für viele die Hoffnung auf Versöhnung verkörperte. Am 4. Dezember 1075 starb er in Köln. In der ehemaligen Benediktinerabtei Siegburg wird sein Schrein heute verehrt.

Anno gilt als Stifter vieler Klöster. Im Jahr 1072 schickte er Mönche nach Grafschaft, um dort ein Kloster zu gründen. Als Benediktinerkloster bestand es bis 1803, als viele Klöster im Zuge der Säkularisierung aufgehoben wurden. Heute finden sich in Grafschaft das Mutterhaus der Borromäerinnen und ein großes Krankenhaus. Bis heute gedenken wir in Königsmünster täglich der verstorbenen Mönche des aufgehobenen Klosters, und im Altar unserer Krypta befindet sich der Reliquienschrein des alten Klosters. Wir stehen sozusagen auf den Schultern dieser Mönche.

Die Geschichte des Bischofs Anno zeigt mir, dass wir Teil einer langen Geschichte sind. Wir haben eine Vergangenheit, stehen auf den Schultern unserer Vorfahren, um so Schritte in die Zukunft gehen zu können. Das gibt Hoffnung, denn ich muss nicht alles in meiner beschränkten Lebenszeit allein schaffen, sondern darf weiterbauen an dem, was die Menschen vor mir getan haben. Und ich darf vertrauen, dass es nach mir Menschen gibt, die an meinem Werk weiterbauen. Und die größte Hoffnung ist die, dass Gott diese Welt – trotz allem, was gerade dagegen zu sprechen scheint – in seinen Händen hält.

P. Maurus Runge OSB